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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1890-05-01 · N° 18. (1.5.1890) · p. Seite 68

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
19 (1890)
Issue
N° 18. (1.5.1890)
Date
1890-05-01
Page
Seite 68 (sequence 2)
Language
German
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Oie Varianten in den biblischen Parallelen, •argUohea von Dr. Ad. Frfsnkl-GrünJ L Pxrxllelismns ist ein Grandsag des jüdisohen Schriftthamee. Nicht bloe im poetischen Stile, sondern »neh in der prosaischen Diction lässt sioh diese Eigen• thümliohkeit, oder besser die Kindlichkeit der hebräi- •oben Spreche wahrnehmen, dass der einmal aasgesprochene Gedenke, gleiohsam aas Besorgnis nicht deutlich genug gewesen zu sein, nochmals mit andern Worten aasgedräckt wird. Dieser Parallelismas findet sioh sowohl bei einseinen Worten, Satsgliedem als aach Venen and Perioden, ja aaoh bei ganzen Capiteln and Büchern.*) Doch ungeachtet dieser in der Anläge der hebräischen Literatur begründeten Erschei• nang fallen immerhin ganze Reihen zweimal vorkommender Erzählungen and auf einander folgender Verordnungen auf, welohe daroh den Sohreiband 8prachgebraaoh allein nicht za erklären sind. Woher kommt es, dass die Thora, welche oft wichtige Ereignisse mit kurzen Worten nur berührt, manohe Normen daroh einen Buchstaben blos andeutet, um ihr Heraasfinden der Dedaotion des Forschers za überlassen, dass sie wiederum mitunter eine and dieselbe Sache mehrmals mit der weitgehendsten Ausftthrlichkeit wiederholt? Und in der That haben schon die ältesten jüdischen Gelehrten dem Paralle- Hamas ihr Augenmerk zugewendet und diesen auf Grund der aaigestellten Reg61n (Middot) bald als eine Ergänzung and Vervollständigung, bald als nachdrückliohe Betonung einer wichtigen, mit apodictischer Bestimmtheit aasgesprochenen Sache erklärt. (Vgl. Gen. 41,32. Safra Einleitung. Tr. Sota S. 27 Erachin 29.) Aber aach überraschenden Ansätzen zu freisinnigen Erklärungen begegnen wir schon bei manchen Bibelforschern, (von der Kritik über die Echtheit Baschi’s zur Chronik sei hier abgesehen) wie x. B. bei dem Commentator Raschi zu Chronik L 8,29. 'Ausgehend von jenem, wie eine alte Tradition erscheinenden, im jerns. Tr. Ta’nit 3,2 dem Besch Lakisch ungeschriebenen, im Tr. So£ 6,4 and Sifre § 366 anonym angeführten Aussprache, ,dass man in der Tempel- Vorhalle 3 Thorarollen fand, von denen 2 an drei verschiedenen Stellen einen gleichen Wortlaut hatten, während eine Rolle einen andern, von diesen abweichenden Text hatte, and man bei der Festsetzung des Thoratextee die in beiden vorgefnndene Lesart beibehielt, die vereinzelte aber vernichtete and so auoh bei vielen genealogischen Büchern vorging“, behauptet Raschi, vermuthlioh daroh die Zusammenstellung beider Bücher hierzu angeregt, dass man ebenso bei der Abfassang der Chronik, wenn 3 oder 5 von einander abweichende Namensverzeichnisse vorgefunden worden, sich nach der Mehrheit riohtete, falls aber jedes dieser zwei von einander verschiedenen Verxeichnisse in einer gleichen Anzahl (rV0!7) von Hand- Schriften vorkam, beide an 2 verschiedenen Stellen aufnahm. Weil daher Esra im Zweifel war über die Genealogie Benjamins, deren von einander versohiedane Verzeichnisse in einer gleichen Arumhl von Handschriften ihm Vorlagen, and beide die gleiche Möglichkeit der Wahrheit für sioh hatten, setzte er den einen Text I Ghr. Cp. 8,29—40 und den andern I Chr. 9,35—44 hin. Und auf diese Weise entstanden aach die Parallelabschnitte Neh. Cp. 11 nnd I Ohr. *J Wie das Deuteronomium zum Schlüsse des Pentateuch den Inhalt der mittleren Bücher wiedergiebt, 80 recapitulirt die Chronik zum Abschlüsse der bl. Schritt, das Wesentlichste der mittlem Geschichtsbücher. Wie דברים Deuteronomium משנה תורה, *> kan! דברי היפים Deuteropropheta* ©•משנה נביא) genannt werden^ Cp. 9 u. 8. w Dooh angeborene Pietät and ächea vor der Heiligkeit der Thora hielten wohl Raaohi ab, die Conseqaena dieeer allerdings sehr gewagten Hypothese, deren Tragweite er sioh gar nioht bewusst war, auf die Parallelstellen der Bibel selbst ansawenden, dass beispielsweise Esra den Abschnitt über die tarn Genüsse erlaubten and verbotenen Thiere in vier, u. z. in je zwei übereinstimmenden Abschriften vorgefanden, and unentschieden über den aassohliesslieh wahren Text, die eine Version in Levitioas and die andern in Deuteronomiam untergebracht hätte. Gegen einen solchen Sohlass spraohe übrigens aaoh der Wortlaut der oitirben Stelle, ln welcher blos von drei, also ungeraden, offiziellen, im Tempel aafbewahrten Masterexemplaren die Rede ist (Tr. Keth. S. 108, Schek. Cp. 6), in denen es sioh auoh nur um die, auf Verwechslung der Abschreiber zurüokzaführende Differenz eines Wortes oder Buchstabens (היא זאטוטי ,מדונה), nioht aber wie bei den übrigen Parallelen der hL Schrift am ganze Verse oder Absohnitte handelt, aus weloher Fixirang der Zahl aber zugleich deatlioh hervorgeht, dasB bei der damals vorgenommenen Revision des Textes sonst keine wis immer geartete Textabweiohang sioh ergab, dass also die Parallelstellen in allen 3 Büohern in ihrer gegenwärtigen Gestalt vorkamen, and der Grand ihrer Wiederholang keineswegs im Vorfinden einer gleichen Anzahl variirender Handschriften zn suohen ist. Raschi bemüht sioh daher auoh, geleitet von der Fürsorge, dass ,die eine Thora nioht in zwei getheilt werde“, ftir jede Parallelstelle eine speoielle Erklärung ja geben; vgL Gen. 24,42. Ex. 31,12. Lev. 19,33, 23, 8—24, Samuel U. 24,9 a. a. a. O. Zur Chronologie. Von L. Cohen in Rees a. Rhein.**) (Fortsetzung.) Das nachfolgende Verzeichniss enthält neben dem Titel des approbirten Werkes den Namen find Wohnort des Gelehrten, weloher die הסכמה ertheilt■ hat and das Datum, welches eine Berichtigung bedarf nebst dieser. Wo ich nichts bemerkt, fällt das Datum immer auf einen שבת. Die Annahme, dass in diesem Falle מוצאי שבת gemeint sein könne, bleibt &usgeschlossen, weil alsdann das Datum des Sonntag am Platze gewesen wäre. 1. בית אהרן Frankl a. O. 1689—90. Eljakim Götz b. Meier in Hildesheim, dat. Frankl a. 0ר 2. Menaohem 450. 2. אהד משה Sulzbaoh 1771. Chaim Rappoport in Lemberg, Mittwooh, den 2. Tebet 530 nna Abraham Mordeohai in Zolkiew, Mittwoch 14. Tamas 530. 3. אורי וישעי Berlin 1714. Moses b. Jeohiel Fisohel ha-Cohen in Lemberg and später in Posen. Frei• *) Der Zeitpunkt dieeer Vergleichung fiele nach Raschi, der in der citirten Stelle עזרא statt עזרה liesst, mit der Publidrang der Thora überhaupt zusammen. (Esra 2.26.1 Bei dieeer Prüfung umfasste die Thora bereite alle Parallelstellen, welche die Septuaginta schon vollständig vor sich hatte. Der Hinweis auf die Paralide Lev. 11,6 ist m Tr. Sofr. 1,9 bei der Auf- «ahlrnig der Verbesserungen des 70 Alten sicher fortgeallfen. Diese 13 Varianten aber selbst, wie aaoh die sogenannten Tikkun Sofrim (Ab. d. B. Nath. Gap. 14) oder gar die Keri u. Eetib auf swei verschiedene, in einer gleichen änsahl von Büchern Vorgefundenen Versionen surüoksnführen, ist aas dem oben erwähnten Grande nicht denkbar. — VgL Asaija de Roesi Meor J 7,15,28; wo diese Baschi-Stelle mit andern Worten and freisinniger Auffassung angeführt wird; Wstsae, Änleit nr Chronik S. 18. **) In dem Artikel in vor. No. sind folgende Druckfehler ■u berichtigen: S 64 Z. 18 v. u. L: der et. des; Z. 14: 1889 st. 1989: S. 66a Z. 6: Mancher; Z. 8 L einstiger st. wiohtiger; Z. 13: ,Nachwelt“ st. Naahrioht: Z, 29 L: Unternehmen! st. Unternehmers; Z. 39 1.: 17000 st 1700; Z. 59 L: Seite st Secte; Z.68L: enthaltenen st enthalten«.

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