Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 19 (1890)
- Issue
- N° 14-15. (4.4.1890)
- Date
- 1890-04-04
- Page
- Seite 54 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/6492408-6575064-8757746--1947-4856992- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Toll el-Maechuta, das kaute im Voran« vermathet werden, maaete nach solohen Fanden die Beete einer alten Stadt aae pharao nisoher Zeit im Sohoeee der Erde bergen. Da die Inschriften aaf de* entdeckten. Denkmälern der Mehfzahl nach den Namen dee Bereiten Bameee wiederholen, eo gehörten sie der Epoohe dieses Königs oder dem Ende des vierzehnten Jahrhunderts vor Ohr. Geb. an. Für die Stelle des Fundortes wählte man die Bezeichnung Ramses, in dem guten Glauben, dass unter den Hügeln von Teil el-Masohnta die von den Ebräern unter Bamses II erbaute Vorrathsstadt Bamses begraben liegen müsse. Diese zuerst von Lepsius aulgestellte Meinung über die Lage der alten Ramsesstadt fand den vollsten Beifall des Herrn von Lesseps, denn er zögerte nioht, den Namen der alten und versunkenen Stadt auf die heutige Eisenbahnstation zu übertragen und seine Bezeichnung in einer akademischen Abhandlung zu vertheidigen. Irren ist menschlich, und der Irrthum in diesem Falle verzeihlich. Man hatte nur die gefundenen Denkmäler vor Augen, and nioht gesehen, was unter dem Schutt noch verborgen lag. Es war ein Schweizer Gelehrter, Herr Dr. E Naville aus Genf, welcher im Aaftrage der englischen Gesellschaft The Egypt Exploration Fand während des Sommers 1883 auf dem Hügellande von Teil el- Maschate Ausgrabungen unternahm, deren Ergebnisse unter dem Titel ״das Vorrathshaus von Pithom und der Weg des Auszugs* in wissenschaftlicher, aber allgemein verständlicher Form in englischer Sprache veröffentlicht worden sind. Seit der ersten Ausgabe dee Baches sind bereits zwei neue Auflagen erschienen, eine vierte ist, wie ich höre, augenblicklich im Werk. Sie liefern das beete Zengniss, dass die englische bibelfeste Welt sich für den Inhalt des Buches begeistert fühlt. Und in der That, selten hat eine biblieche Ueberlieferung aus den mosaischen Zeiten eine so -zutreffende Bestätigung erfahren, als wie sie die neuesten Funde gegenüber der Station Ramses zu Tage gefördert haben. Im ersten Kapitel des 2. Baoh Mose meldet die Schrift, dass ein neuer König in Egypten aufkam, der nichts von Josef wusste. Bemerken wir dazu, dass dieser ungenannt gebliebene Pharao thatsächlich Bamses IL war, der bekannte Sesostris der Klassiker, dessen Mumie heute zu Tage im Museum von Bulak ruht. Aus Furoht vor der zu einem ganzen Volke angewachsenen Zahl der fremden Einwanderer und aus Besorgniss, dass sich die Ebräer im Kriegsfälle zu seinen Feinden schlagen möchten, ״setzte man Frohnvögte über sie, die sie mit schweren Diensten drücken sollten; denn man baute dem Pharao die Städte Pithom und Raemaes zu Schatzhäusern.“ Im 12. Kapitel, Vers 37 wird der Auszug aus ־Aegypten mit den Worten eingeleitet: ״Also zogen aas die Kinder Israel von Raemseg gen Sukkoth, sechshundert Tausend Mann zu Fass ohne die Kinder.“ Die Stadt Ramses, oder nach Luthers Umschreibungen Raemseg <BOS?־l), erscheint darin als Sammelort oder Ausgangspunkt des Auszugs. Pithom und Ramses treten in dem biblischen Texte als Vorrathsstädte oder Staatgjnagazine, Staats- Speicher auf, in welchen man Getreide zur Proviantirang des Heeres in grossen Massen anhäufte und deren Name im Altegyptüchen Ara oder Ern lautete. Bamses muss ausserdem an einer Stelle gelegen sein, von welcher aas der Auszug sich leicht bewerkstelligen liest, also in der Nähe der Grenze nach Osten bin. Doch ich bleibe vorerst bei Pithom stehen. (Fortsetzung folgt) Ein 1500 jähriges Incolatsgesetz. Za den so vielfaoh gedeuteten und missdeateten, und von Böswilligen gar oft missbrauchten Stellen dee Talmuds gehört die von Babbi Abahn trudirte Boraitha: * Niohtjaden and Hirten von Kleinvieh: "לא מעליז ולא מורידיז;“ Maiain, י) Apostaten und Angeber oder Verräther: ד ורירק אבל יא (vgl. Aboda Sara 13b, 26a; Synhedrin bla Tosiphta, Baba Mezia 2 Perek ed. Zuckermandel p 375). Was heisst non: מורידק n. ימ5לק Die vulgäre Erklärung lantet: נמלק heisse ״heranfziehen“ und ״ סור״ דיןhinabstürzen*. Die Schwierigkeiten, die sich bei dieser Auflassung ergeben, sind schon 80 vielfach seit den ältesten Zeiten ventilirt worden, dass die geneigten Leser wohl darauf verzichten, dass ihnen die diesbezüglichen Diatriben vom Neuen vorgefübrt werden. Eine neue Begriffsbestimmung der fraglichen Ausdrücke: p79& und כורידין hatte Prof. Dr. Graetz in seiner ״Monats- Schrift* Jahrg. 1870 S. 4SI—192 und in seiner Abhandlang ״die jüdischen Proselyten im Römerreiohe“ (Breslau J884) S. 17 versucht. Er übersetzt מעלין mit ״zu einem Amte wählen“ und מורידין mit ״vom Amte absetzen“ Dieser Erklärung Grätz’ens folgte der Widerspruch sofort auf dem Fasse. Im ״Hammaggid* Jahrg. 1870 No. 49, S. 390 wies eia Anonymus ([וחכם מירכתי צפו auf Babli Kidaschin 76 b hin and auf die daraus folgende recipirte Halaoha. Der Anonymus will daher מפלח mit ״nützen“ und פוו־ידין mit ״schaden“ übersetzen, wie Babli. Gittin 52a; Synh. 30 a und Horioth 13b:דברי חלופות לאמעלין ולא מורידין. Rabbi Abahu, der es auoh sonst liebte, in künstlichen Wortspielen sich auszadrüoken (Erubin 53 b), babe eine Characteristik seiner Zeitgenossen geben wollen. Die Niohtjaden und die Hirten von Kleinvieh nützen nicht und schaden nioht; die Ma'inin, Apostaten und Angeber oder Verräther schaden aber nützen niobt. R. Abahu hatte eben bittere Erfahrangeh mit den Mainin gemacht, da ihn ein gewisser Jaoobns vergiften wollte (Babli, Aboda Sara 28 a). Im Hammaggid, Jahrg. 1871, S. 39, weist ein Pseudonymas (Eiion) Grätz gegenüber darauf hin, dass sämmtliche Casnisten 5. M. 17,15: לא תוכל לתת עליך איש נכרי als besonderes Verbot fassen. Aber aaoh mit der Erklärung des Anonymus kann er sich nioht befreunden und scheint es ihm vielmehr gezwangen, die Boraitha als einfaohe Charaoterigtik von Zeiterscheinungen aufzufassen, zumal, da das Verhalten der Heiden den Jaden gegenüber, wie aus Aboda Sara 25 b za ersehen, nicht so sehr harmlos gewesen. Er betrachtet die Boraitha als Kampfgesetz mit dem Hinweise auf den Schach Kap. 384 § 57 zum Choschen Misohpat Diese halachisohen Einwände wären nioht so wesentlich, nachdem Graetz aas dem jerusalemisohen Talmud, Gittin 47 o (ed. Krotoschin) eine Stelle anführt, in der ausdrücklich steht, dass auch Heiden zn Beamten gewählt worden sind. Es wäre daher möglioh, dass die fragliche Boraitha darin mit dem jerus. Talmud übereinstimmt Wesentlicher ist der Einwand Nathansons im ״Litteratarblatte“ der ״jüdischen Presse“ (Jahrg. 1871, S. 18—19) gegen die Erklärung von Graetz, dass ״die Anwendung der Verba פללי ן ״and מוריי־ין in dieser Bedeutung an der ange- *) Hamburger hat im Supplementhefte zn seiner Realencydopadie S. 112, Note 16 a. v. Min, meine Etymologie de■ Worte« מק acoeptirL das# das Wort Main gelesen werden mast. Nur dass sich in sein Citat ein höchst sinnstßrender Druckfehler eingeschlichen. Anstatt Frankst- Gräte’ Monateschritt 1870, 8. 164—166 ist gedruckt: Frankel'« Zeitschrift 1846, 8. 146. Ich bin aber ent am 27. Elnl 6606 «=• 1846 geboreo worden. Für meine Etymologie spricht auch die Schreibang מאח und 01HO vgL BaeFs ישראר!TTO* (Radel heim 1868 13. 101 a. v. 1O0m) י י -