Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 19 (1890)
- Issue
- N° 13. (27.3.1890)
- Date
- 1890-03-27
- Page
- Seite 50 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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wenn er zam&l an den Unterschied zwischen Orient and Occident zach in Besag aaf die Traohten denkt, daaa die immer doch nur sporadisch aaf tretende Aas- Zeichnung dee Jaden in den Kleidern allen Ernstes niemals and nirgends als ״kaiserliche Religiosität“ galt? Mit mathematischer Conseqaenz verfährt B., wenn er gestützt aaf seine weder von der Erfahrung, noch anch von der Wissenschaft bestätigten Ansführnngen diese ״öffentlichen Lehranstalten, welche die Christen als eine Verschwörung ansehen“ sollen(?) als Ursache hingestelit, weshalb den Jaden jeder Schatten Von Freiheit geraubt werden musste, als ob der öffentliche Gottesdienst an vielen Orten nicht vielmehr nur aaf Grand von Beschwerden mancher Orthodoxen bei den der Neuerung abholden Regierangen untersagt worden wäre! Noch grandioser und verkehrter erscheint sein Argument, durch welches B. den Jaden sogar als ״Menschenfeind oder Menschen- Verächter“ hinstellt. Der Jade, so sagt nämlich der Antor, stand za seinem Glaubensgenossen in einem dreifachen Verhältnisse. Zunächst als Mitsklave, als welcher er den Mitjuden verachtete, dann als Religionsverwandter, der ihm kein Zutrauen einflögste, and endlich als Theilnehmer an demselben Nahruugszweige, durch welchen er stets Abbruch za erleiden befürchtete and daram auch kein Interesse an seinem Wohlergehen nahm. Somit wurde der Jude Egoist, den der Christ ,abstiess and den sein Glaubensgenosse nicht anzog. — Wo, müssen wir fragen, hat denn B. diese traurigen •Charakterzüge des Jaden kennen gelernt, etwa in Berlin, wo za seiner Zeit schon durch den Einfluss seiner Glaubensgenossen das Verbot erwirkt wurde, weder eine antinoch philosemitische Schrift zu veröffentlichen, oder in Wien, wo man diese ״Mitsklaven and Egoisten“ doch wohl als solche nicht so kannte, da schon 1781 Kaiser Joseph hamane Jadengesetze erliess? Oder sollte L. B. nicht gewusst haben, dass das mosaische Gesetz die Nächstenliebe gegen Alle, gegen Glaubensgenossen wie gegen Andersgläubige, vorschreibt? (Fortsetzung folgt.) Das Leben und die Werke des Dr. Leopold Zunz. Von Dr. Chotzner am Harrow-College. (Schloss.) Noch ein einziger Punkt soll hier berührt werden, ehe wir Abschied von Zanz nehmen. Die Verdienste, die sich Zanz am die jüdische Litteratar erworben, sind bisher bereits vielfach namhaft gemacht worden. Ebenso ist aaf den Umstand hingewiesen worden, dass jüd. wie nichtjüd. Forscher aaf demselben Gebiete — falls letztere keine litter. Anti-Semiten sind — es offen and ehrlich eingeetehen, dass sie aas Zunzens Werken reiches Material zur Abfassung ihrer eigenen litterarischen wissenschaftlichen Produkte geschöpft haben. Non fragt es sich aber: Was hat Zanz für die Hebung and Verfeinerung der deutschen Sprache und Litteratar gethan? AI■ Dichter hat sich Zanz freilieh nicht sehr hervorgethan, and seine gereimten Uebertragangen hebräischer Poesien können sich keineswegs mit solchen messen, welche von deutschen Dichtern ersten Banges erzeugt wurden, als sie orientalische Dichtungen in ein deutsches Gewand hüllten. Aber sein gediegener prosaischer Stil, der sich oft durch epigrammatische Kürze, versteckte Ironie and beissende Satyre anszeichnet, verschafft ihm einen würdigen Platz unter den guten modernen deutschen Prosaikern, welche in der deutschen Littentargeschichte eine Ehrenstelle einnehmen. Dies ist aber nur theoretisch der Fall, denn praktisch wurde Zanz bisher von deo deutschen Literaturhistorikern nur sehr stiefmütterlich behandelt, da sie seine Existenz fast ganz igaoriren. Ebensowenig Notiz wurde von Seiten deutscher litterarisoher Gesellschaften, deutscher! Akademien und Hochschulen von Zunz genommen,! als er seinen 90. Geburtstag feierte. Denn, mit Aas- 1 nähme der Universität zu Halle, die bei besagter 1 Gelegenheit Zanzens Dootor-Diplom erneuerte, hielt , man es im übrigen deutschen Vaterlancle nicht der 1 Mühe werth, einem jüdischen Gelehrten christlicherseits selbst den kleinsten Beweis von Aohtung and Verehrung zu geben. Ja, statt dessen hat das wilde, mittelalterliche Thun und Treiben gebildeter wie angebildeter deutscher Anti-Semiten seine letzten Lebensjahre verbittert und den Glauben in ihm erschüttert, , dass Bildung und Aufklärung ein Bollwerk sei gegen ' Rassenhass und Verfolgung, gegen Tyrannei and ' thierische Leidenschaften. Aber ein Trost ist ihm . geblieben: er wusste, er batte seine Lebensaufgabe richtig aufgefasst und gewissenhaft erfüllt. Zwar hatte er nicht die Freude und die Genugthuung, die so sehr herbei gewünschte äussere Emanzipation , seiner Stammesgenossen in voller Blüthe zu sehen, | doch konnte er vom irdischen Leben mit dem ange-; nehmen Bewusstsein scheiden, zu ihrer inneren; Emancipation sehr viel beigetragen za haben. Und! wenn der moderne jüdische Litteraturhistoriker die ן Namen der jüd. Heroen des Geistes aller Zeiten und! aller Länder nennt, so wird er sicherlich einen Ehren-! platz an weisen dem Namen des Dr. Leopold Zunz. Nachtrag. Folgende Liste enthält die Namen und Auf- , Schriften der bisher niclit erwähnten kürzern oder! langem litterarischen Arbeiten von Zunz; ebenso j werden die bisher bekannt gewordenen Zeitschriften l genannt, die Beiträge von demselben Verfasser ent- | halten. I 1. ״Deutsche Bibelübersetzung“ unter Mitwirkung , von Fürst und Sachs, Berlin, 1838. j 2. ״Ein Essay über die geographische Litteratar I der Juden“, welcher in Asher’s englischer Ausgabe! der ״Reisen des Benjamin von Tadela“ (Berlin 1840 | bis 1841) erschienen ist. 1 3, | demselben Buche. 4. ״Damaskus, ein Wort zur Abwehr“, Leipziger! Allgemeine Zeitung, No. 133. (1840.) 5. ״Ueber Juden und Judenthum“, Brookhaus' Conversations-Lexioon. 6. ״Vorschriften über die Eidesleistung der Juden“, Berlin, 1859. 7. Zwei Artikel über berühmte jüd. Literaten, welche die Namen Chanan und Joöl führten. (Ersch und Gruber’s Enqyklopädie). 8. Vortrag, gehalten in Berlin im Jahre 1829 am 100. Geburtstage Mendelssohn’s. Längere and kürzere literarische Artikel a. Bernerkungen von Z. finden sich in folgenden Zeitschriften: Geiger’s ״Wissenschaftliche Zeitung“, 1836,1837, 1839, 1840—44. Tholak’s ״Literarische Anzeigen“, 1838. M. Jost’8 ״Israel. Annalen“, 1839, 1840. Halle’sche ״Litteraturzeitang“, 1839. Breslauer’s״Deutscher Volkskalender, 1852—52. Philippsohn’s ״Allgemeine Zeitung des Judenthums“, 1838, 1839, 1840.!_Busch ״Jahrbuch für Israeliten“, Jahrg. 3, 4, 5. Spenersc he Zei tun g (Das Bach Jasohar“, 1828). ״Zeitschrift für die Wissenschaft des ״Die Geographie Palästina’s“ erschien in eben-