Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 19 (1890)
- Issue
- N° 9. (27.2.1890)
- Date
- 1890-02-27
- Page
- Seite 35 (sequence 3)
- Language
- German
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— 8,j — baren Zeilen in Polen weilten, and njar ein grösserer Theil derselben 1096 vor der Verfolgung der Böhmen ent hier ein traf. Thomas Fetter behauptet, dass Mie- «iskns I. den Jaden erst die Ansä88igkeit bewilligte. W. Grabowski in seinem Werke: Die Jaden im Krön• land (1611) behauptet, dass die ersten jädisohen Familien sa Ende des XL Jahrhunderts naoh Polen kamen; Matens Bembo, der Prediger des König Sigmand 111., nimmt an, dass die Jaden aa Zeiten Bo• leelaw des Tapfern naoh Polen kamen. — Nan befindet sich in dem alten Städtohen Wodzislaw, im Kielcer Goavernement eine Synagoge, die ihrer Straotion and innerer Einrichtung nach gar viele Jahrhunderte trägt. Sie trotzte glücklich den grössten Stürmen und in ihren hohen schmalen Fenstern sind sogar die Scheiben unversehrt geblieben. Nun be• findet sich auf eine dieser Scheiben an der Ostseite der Synagoge eine Aufschrift, die naoh Art der bei den Juden eingeführten Daten die Bauzeit der Synagoge anzeigt. Vier Worte, die einen Satz bilden, haben auf ihren Silben Punkte, um anzuzeigen, dass die Baohstaben als Ziffern zu nehmen sind. Diese Xnsobrift lautet hebräisch: Li-Prat: Bet Israel borohu ei H“. (Jahreszahl: Haus Israels lobpreise den Herrn.) Die punktirten Silben bilden nun zusammen die Zahl 4774 — die jüdische Aera anzeigend — oder 1014 der christlichen Zeitrechnung. Wenn nun zu Anfang des 11. Jahrhunderts die Juden in diesem kleinen Städtohen im Stande waren ein solches Gebäude aufzuriohten und zahlreich genug waren, um eine solohe Gemeinde za bilden, die ein Gotteshaus bedurfte — mit tausend u. einigen hundertSitzen — unterliegt ea wohl keinem Zweifel, dass sie mindestens 100 Jahre früher daselbst ansässig wurden.“ — B. Recensionen. Klueger, Hermann. Geschichte der Juden in der babylonisohen Gefangenschaft. Erster Theil. Breslau 1890. Theodor Schatzky. (Fortsetzung.) Hinsichtlich des Charakters des Königs Zidkiah bin ich der Ansicht, dass dieser insofern schlechter war, als seine VorgäDger auf dem Throne, als diese deinen guten Charakter hatten, jener aber ganz ohne Charakter war. Das zeigt sich zur Genüge aus seinem Verhalten in religiösen Dingen. Nirgends wird beriohtet, dass er in dem Bürgerkriege zwisohen Gottes• und Götzendienern (Ezechiel 8), welche Letztere die Attribute der Maoht durch Weihraaoh-Gefässe, wie zur Zeit Korach’s, für sich in Anspruch nahmen, für die Einen oder Anderen Partei genommen hätte. Die Menschensohlächterei scheint den höohsten Herrn in seiner Behaglichkeit gar nicht gestört zu haben, ln einer Anwandlung von Gatmüthigkeit giebt er (Jeremias 34) den Sklaven die Freiheit, doch hat derselbe nicht die Energie, die segensreiche Institution aufrecht zu erhalten, sondern er giebt sie im geeig• neten Momente wieder ruhig preis. (Jerem. 34,17.) Den Propheten Jeremias befreit er von tödtlioher Kerkergruft, um ihn auf’s Neue, wie bereits erwähnt, verhaften und später in die Lehmgrube werfen za lassen. Dem Könige Nebukadnezar huldigte er, um bei passender Gelegenheit von dem Schutzherrn, dem er Thron and Krone dankte, wiedeT ahsafallen. Das Schicksal war grausam gegen diesen letzten jüdischen König, aber, der Geschichtsforscher muss mit Weh• muth gestehen, nicht ungereoht. — Es sei bei dieser Gelegenheit hervorgehoben, dass ich dem Verfasser -des vortreffliohen Baohes hinsichtlich der Beibehaltung des Textes Jerem. 51,59, in welchem vom ער (מנוחה, dem den König Zidkiah naoh Babylon{ begleirnnden -Minister die Bede ist, vollkommen beipfliohte* aber . 1 i nicht, wie der Verfasser (Seite 53, Note 10) mit ״Minister für Frieden*, sondern naoh der Analogie von Deut. t2,9, wo fSTUU ,Aufenthalt* bedeute^ seit ,Minister am Hoflager dee Königs* übersetzen mßdhte. Auoh bin iah bei der freundlichen Haitaug des Propheten Jeremias für den babylonischen Staat (Jerem. 29,7), bei der wiedererwaohten Gläubigkeit dee Volkes (Jerem. 34,15) nioht in Uebereinstimmaag mit der vom Autor auf Seite 43 (Note 2) ausgesprochenen Behauptung, dass das erste Kapitel der Klagelieder vor der Zerstörung Jerusalem’s geschrieben worden sei. Wenigstens ist von dem Sohmerzenaachrei, dar diese Klage (Threni 1, 12 und 13) durohdringt in der Ge80hiohts>Erzählang nioht■ zu merken. Der Tempel bestand nooh, and die Hauptgeräthe waren noch vorhanden. Die reiohen Juden aber, die naoh-Babel weggeführt wurden, waren wohl die beeten Juden, dooh giebt der Prophet auoh den Heimgebliebenen gegenüber (Jerem. 33, 6—10) keineewegs die Hoffnung für Glane und Herrlichkeit auf. — Auoh möchte die Kritik dem hoffnungsvollen Geschichtsforscher rathen, nioht auf blosse Wort-Assonanzen hin, auf die Autor• Schaft eines Psalms unbedingte Schlüsse zu ziehen. Könnte auoh der 69. Psalm auf die Zeit angewandt werden, in welcher der Prophet in Lebensgefahr in der Lehmgrube geschmachtet hatte, 80 möohte ich dooh aus dem Umstande heraus dem Autor wider• rathen, Jeremias als Verfasser dieses für eine quälerfüllte Seele viel za langen Psalm’s za halten; weil dem Eingekerkerten sohwerlioh, zumal beim Fortbestände des Opferkultus, die Lust gekommen wäre, ein gottgefälliges Opferthier (V. 33) in Vorschlag ca bringen. Vielmehr ist, nach meinem Dafürhalten, die vom Aator auf Seite 79, Note 25, über den 69. Psalm ausgesprochene Meinung dahin zu berichtigen, dass wie in jedem Psalm-Liede das Wort des Propheten nachzittert, wodaroh prophetische Rede und Psalmen- Sang harmonisch zasammenklingen; so auoh das in der Gemeinde sohmerzliohst verkündete Schicksal Jeremia’s' iu diesem Liede Naohhall und Nachklang zum Tröste und zar Erbauung für alle Zeiten gefanden hatte. Ganz ähnlioh verhält es sich mit dem Gebete des Propheten Jona (II, V. 4) und den über• einstimmenden Stellen in den Psalmen (42,8). Was aber der Prophet Jeremias in seiner Seele Noth and Angst gebetet haben mochte^ ist, meines Erachtens, in dem dritten Klsgeliede V; 52—59 enthalten, in welchem der Prophet von Erdachtem and Erlebtem spricht. Das ist *ein kurzes, dem Ernste der furchtbaren Lage angemessenes, tief ergreifendes, Gäbet. — Ans der Fassung, welohe ioh den Lebensamständen des Propheten Jeremias hier gegeben, erhellt, daef ich geneigt bin, za glauben, dass der Prophet Jeremiaa (Jerem. 37,12) nach Abzug dea ohaldäisohen Belagerangsheeres nach Egypten, nioht wie dar Var• fasser (Seite 85, Note 31) behauptet, in die Heimath gezogen war, um eine Erbschaft ea erheben, sondern, den Erklärung Kimohi’s gemäss,(להתחלק) v8ioh unter seihen Stammesgenossen für seine staatlichen Ideen einen Anhang za verschaffen*. Es hätte sonst dirf Verhaftung des Propheten keinen Sinn gehabt. Dies würde auoh mit der Version des Targum übereinstimmen; de יחם]—אחסנתא Maoht“ a. nicht ״Erbsohaft“ bedeutet. Auoh kann ioh der Annahme einen Jungade(8, welcher dem Propheten Jeremias feindlich gewesen sein sollte, nioht beipfl Lohten. Ioh möohte vielmehr den vom Aator diesbezüglich im dritten Kapitel, Note 115 and Note 21 (Seite 67), aasgesproohenan Ansichten den vom Verfeeeer angozogeaea Vera 7, Zacharias 13 entgegen halten, wo *T והעברתי אל דע וערים nioht an übersetzen ist: ״loh wende mein• Hand gegen die Jüngern*, sondern naoh der Analogie I t "■־