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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1890-02-20 · N° 8. (20.2.1890) · p. Seite 30

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
19 (1890)
Issue
N° 8. (20.2.1890)
Date
1890-02-20
Page
Seite 30 (sequence 2)
Language
German
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wohnenden־ Jod« dichteten naoh der Art and Weise der nap. Nationaldichter, wobei namentUoh des Sonett auf den Baden der hebräischen Poesie verpflanzt wurde, während in Deutschland die Abfassung neuer ״ Pin tim mit grossem B&r mrtgssetst wurde. Letstere oder vielmehr die meisikn derselben vecdienea ■wer aioht mit dem NsSien Poesie betitelt sn werden, dooh liegt ihr Warth in einer! gans andern Sichtung. Ihre Elvi «tun«, glaubt Zanz, sei ein bleibendes Schande Denkmal, des eilen künftigen Generationen die grauseinen Thaten ins Gedäohtniss zurüokrafen werde, weiche die Vorfahren jener Nationen unzähligen an• schuldigen Menschen gegenüber aasgeübt haben, die sich so gerne mit ihrer Civilisation brüsteten. Im Jahre 1869 veröffentlichte Z. eine Forteetxang sn seinem Werke, das die synagogala Poesie behandelt, and nannnte diese litterarisohe Arbeit: ״ Die Bitlus des synagogalen Gottesdienstes, gesohiohtlioh entwickelt, Berlin 1859*. Darin beschreibt der Aator dia verschiedenen Bitas, welche in verschiedenen Lindern von den Jaden beobaehtet worden. Viele derselben sind durchaus nicht jüdischen Ursprunges, sondern verdanken vielmehr ihre Existenz der ahnstlichsö Kirche. So adoptirten s. B. die Jaden einen Bitus der gallischen Kirche, welcher darin bestand, dass nämlich die Namen der Spender von Offertorien jür dia Kirche während dea Gottesdienstes von dem amtirendsn Priester laut vorgekeen and sugleioh auch gesegnet worden. (Oratio post nomina.) Dieser Braaoh entspricht wohl dem in vielen Gemeinden nooh jetct xecätirten ,Mi-Soheberaoh*. Ebenso weist Z. naoh, dass dar Uras der Seelenfeier, weloh’ letztere an gewissen Feierand Festtagen in der Synagoge abgehalten wird, niohtjüdisohen Quellen entnommen worden ist, insofern eine Erwähnung desselben in der kirchlichen Litargie geschieht, die im 9. Jahrhundert der fibliohen Zeitrechnung nooh exiatirte. Des leichtem and bessern Verständnisses wegen theilt dar Aator die liturgisohen Gebete in zwei Gruppen, nämlioh in eine arabisch-spanische und eine palästinensische Gruppe. Die erste bildete den Bitas jener Juden, die in Ländern wohnten, welche unter mohammedanischer Herrschaft standen, and der zweiten bedienten sich solche JadeD, die unter Christliehen Nationen lebten, wie die Gothen, Franken and Lombarden. — Wie in allen andern litterarisohen Arbeiten Zansens, so findet man auch in dem in Bads stehenden Werke dieselbe kritische Schärf» and geschickte Verwendung des vorhandenen Materials, die stets dis Meisterhand dea Verfassers kennseiohnet Letatersn ist nioht blos das Verdienst sasasohreiben, dass1 er ein frische« Feld für die geistige Thätigkeit der Mitand Naohwelt auf dem Gebiete der jüdischen Wissenschaft and Litteratur entdeckt, sondern dass er sugleioh auch gezeigt habe, welche grosse Anstrengnng and aufopfernde Mühe nöthig sei, am eine wirkiioh nützliche und fruchtbringende litterarisohe Arbeit der Oeffentüchkeit zn übergeben. Mit seinem letzten Baohe, das zam Titel hat: »Litteratargesohichte der synagogalen Poesie, Berlin 186S*, brachte Znns die Beihe seiner drei wichtigsten Werke, die sich hauptsächlich mit der synagogalen Poeeie und Liturgie beschäftigen, allem Anscheine naoh zu einem würdigen Abschlüsse. In Wirklichkeit aber hielt der Verfasser sein Thema, trotz: seiner jahrelangen Vorarbeiten, keineswegs für abgeschlossen and erschöpft. Dies bewies er daroh die Thatsache, dass er zwei Jahre später einen ,Nachtrag zur Litteratojqgeeohiohte der synagogalen Poesie, Berlin,. 1867“, veröffentlichte. In der Einleitung zam erstgenannten nennt Z. die Quellen, woraus er das Material ' 1en litterarischen Arbeiten entnommen hat, and dieser Umstand verschafft ans einen EinbHok in seinen modus operandi, der, wie es soheint, anevS^ liohen Schwierigkeiten unterworfen wer. Zwiasdg inländisoho and ausländische Bibliotheken wartftn von ihm beenoht und darohgeatObert, und etwa 600 vergilbte Und kaum leserliehe M.SÜL mussten vba ihm entziffert werden, deren eigentliche Existenz mir wenigen Gelehrten bekannt war, ehe er in der Lag• war, mit seinen Arbeiten vor die Oeffentliohkeit sa treten. Ebenso erwähnt Z. bei dieser Gelegenheit dis Namen der verschiedenen Gelehrten, mit denen er im wissenschaftlichen Briefwechsel gestanden and deren Werke er mit grossem Vortheue benutzt hat. Es waren dies hauptsächlich die Gelehrten Delitzsch, Bapoport, Luzatto, Sachs und Dukes, denen er sich in der besagten Bich tuag hia zu grossem Danke verpflichtet fühlte. In derselben Einleitung kommen einige intere88&nte Stellen vor, die eine Wiedergabe hier verdienen, zumal sie von der Liebe and Verehrung Zengniss ablegen, welohe Z. für die jüdisohe Wissensobaft und Litteratar hatte. ,Die synagogale Poesie*, schreibt Zanz, ,darf man die Begleiterin der Gesohiohte des Jadenthunu nennen. Meinungen über Werth and Bedeutung des einzelnen Gedichtes, Wünsohe über die Stellung des ,Pint* im öffentlichen Gottesdienste, ändern nichts an dem Bange dieses grossartigen Monumentes vielhundertjährigen Kampfes. Wer als Jade mit vornehmer Verachtung an demselben vorübergeht, ist unberufen sam Geschiohtssohreiber; wer in sich einen Stamm verachtet, kann dessen Thaten nioht darstellen. ,Eis würde sohon* (bemerkt Jaoob Grimm in seiner Bede auf Wilhelm Grimm, S. 9) ,der Mensch sioh selbst gering schätzen, wenn er das, was seine Ureltem nioht in eitlem vorübergehenden Drang, vielmehr naoh bewährter Sitte lange Zeiten hindurch hervorgebraoht haben, veraohten wollte.* Non aber ist die in den Psalmen wurzelnde Selioha and der mit der Propheten zusammenhängende Pint, beide daroh Leiden geheiligt, mehr denn bewahrte Sitte: sie sind die Denkmäler der Vorfahren, and der von ihnen erfüllte Gottesdienst wurde das iu tausendjährigen Gefechten emporgehaltene Panier Israels. — Aber von den Denkmälern sind die Erbauer nioht sa trennen, die Urheber nioht von den Gesängen und Gebeten. In dem Urheber tritt die Vorseit persönlioh vor uns, das Diohterheer, liebend and blutend, wird ein mit ans verwandter Theil des Menschengesohleohts, der ans belehrt und erfreut, mit ans lacht and mit ans weint. Das Interesse an dieser Poeeie und an deren Autoren bedarf demnach wohl keiner Entschuldigung.* Was den eigentlichen Inhalt der ,Litteratargesohichte der synagogalen Poesie* und des ,Nachträges* anlangt, so besteht er aas einer Uebersioht und Beschreibung der gesammten synagogalen Poesie. Natürlich wiederholte der Verfasser darin, was er bereits in seinen frühem Werken über dasselbe Thema geschrieben hat, trotzdem aber ist soviel neues and reiches Material darin aafgehänft, dass diese neuen Arbeiten keineswegs als überflüssig angesehen werden dürfen. Wie ein liebender Vater niemals müde wird, die guten Eigenschaften seines Kindes wiederholentlioh zn erwähnen, und bei jeder Gelegenheit immer was Neues und Lobenswerthes bei ihm entdeckt, ebenso kehrt auch Zanz immer wieder mit väterlicher Liebe za seinem Geisteskind, der Gesohiohte der jüd. Wissenschaft and Litteratar, znrüok, und weisa immer etwas Schönes und Inseressantes davon za sagen. (Fortsetzung felgt.)

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