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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1890-02-06 · N° 6. (6.2.1890) · p. Seite 23

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
19 (1890)
Issue
N° 6. (6.2.1890)
Date
1890-02-06
Page
Seite 23 (sequence 3)
Language
German
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— 23 — Recensionen. Der UoatorbllehkeitiglMbe, nicht vom theologisohen Standpunkte, in ■einer empirischen, analytischen and moralisohen Behandlung' von Moritz Soherbel, Prediger in Gumbinnen. Gumbinnen 1889. C. Sterdel'■ Buchhandlung, Gebr. Beinjer. 136 S. 8. Der Verfamer dieses Buches hat pich in dem• selben die schöne Aufgabe gestellt, dein in unserer materiellen Zeit erschütterten Unsterblicnkeitsglauben von drei Gesichtspunkten aus au sohützen und zu stützen: vom historischen, naturphilosdphisohen und «thisohen Standpunkte. Es geschieht dies in fasslieber, klarer Spraohe bei anerkennenswerther Be• lesenheit in den Schriften von Freunden und Gegnern des Unsterblichkeitsglaabens. Der Herr Prediger war wohl au bescheiden, sein Buch ein ״popalär-philosophisohes“ zu nennen. Er begnügte sich daher mit dem negativen Attribute ״ nicht-theologisch “ das, wenn es auch die Umgehung dogmatischer Beweise enthält, keineswegs den reichen Inhalt des Essajy’s deckt. Im Besonderen ist zu bemerken, dass der Mosaismus nicht blos in einzelnen Zügen, wie in der göttlichen ״Ebenbildliohkeit“ des Menschen, in dem Ausdruoke ״su den Vätern eingehen“, ein Fortleben des imma• teriellen Geistes über die Sohranken des sinnlichen ■Lebens auoh dem n Nichttheologen“ vorfuhrt, sondern der Gottesglaube desselben begründet die einzige Bealität in der realen Welt im göttlichen Ideal; worans die Heiligung des irdischen Seins mit den das Gottesbewns8t8ein verlebendigenden Gesetzen sioh erklärt und die über die Unwesenheit des Irdischen erhabene ewige Welt des Geistes. — Auf dieser Grundlage nun baut sich die spinozistische Substanz auf, welche zu jenem Sonnenmeere sich ans weitet, in der alles Substanzielle der zeitlichen Individualität und Einzelerscheinung in aller Ewigkeit auf• und niedertaucht. — Es ist daher, wie der Herr Verfasser richtig erkannte, die Seele das Göttliohe in der leib• liohen Gestsdt des Menschen, wie Gott der ewige beseelende Geist des Weltenalls. Von diesem Gesiohtspunkte aus, kann es aaoh, wie keinen Tod, so auoh keine Krankheit der Seele geben. Was wir Krankheit des Geistes nennen, ist eben nur die der die Dehkthät'gkeit vermittelnden leiblichen Organe, ähnlich wie der Ton an sich rein sein kann, wenn er auch am geborstenen Ton Werkzeug, an zerrissenen Saiten schwach oder grell wiederhallt. Für diese die materielle ebenso, wie die dem Aberglauben verfallene ideale psycho-pathisohe Ansohauung widerlegende An- 8iokt wird jeder Einsichtige dem Herrn Verfasser nur recht dankbar sein. Hingegen ist die vom Herrn Autor auf Seite 66 über Spinoza ausgesprochene Meinung wohl zu berichtigen. Niobt. hatte dieser unsterbliche Weise mit dem göttlichen Gesetze gebrocken, trotz der Verfolgungen, die er erlitten, sondern umgekehrt, es hatte die der grausamen Inquisition entsprangdhe Verketzerung ihn aus der Glaubensgemeinschalt gewaltsam hinausgedrängt, insbesondere aber, wie er in seinem ״theologisohen Traktat“ klagt, ein schlechtes Theologenthum, das at)8 materieller Selbstsucht sich in die Priestergewänder gehüllt und in die einträglichsten Stellungen geschlichen hatte., Wer, wie Spinoza, an einen persönlichen Gott, eine lebendige Offenbarung glaubt; wen) das höchste Weisheits•Ideal die ■göttliohe Liebe, die höohste Beligiou dor Gehorsam ist: bricht ebep nicht leichtsinnig mit den heiligen Satzungen des Glaubens. — Auch hätte der Herr Verfasser im zweit in Abschnitte seines Werkes dem Materialismus ein_ gewaltiges ■ Gegengewicht bieten können dareh den ־־ Inkonsequenz in der Unsterblich ksitslehre sowohl, als aaoh der gesammtea Weltanschauung. Hier fthft die Urkraft und das Endziel, wenn nicht das Gött- Hohe als Ausgangs- und Zielpunkt der Sohöpfcng angenommen wird, dort wiederum die Begründung dee Fortlebens der Erinnerung an das Geistesleben des Verstorbenen, wenn es eben kein über da« Maas■ des leiblichen Daseins hinausmgeades Leben - de# Geistes giebt. loh würde ferner moht, wie der Herr Verfasser im dritten Absohnitte seines Baches es timt, es für moralisch halten, Jemandem zur Beruhigung und Erleichterung des Lebens- oder Todeekampfss die Aussicht auf eia besseres, ewiges Leben su eröffnen, wenn nioht die volle Gewissheit desselben Inhalt meiner sittlioheu Ueberzeagung wäre. Und wie herrUoh wird diese im Tempel der Weltweiaheit Kant’« gepredigt, jenes Philosophen, der für dieses Leben den kategorischen Imperativ, and über das Grab hinaus die Continaität der Geistesthat verkündet. Alle Geistesarbeit des Menschen würde eine vergeblioha sein, wenn sie mit dem Ableben der Persönlichkeit erlöschen und nioht in aller Ewigkeit fortgesetzt würde. Iah denke, das Pfliohtgesetz hienieden and die ewige Fortdauer des Geisteswaltens jenseits sind moralische Mächte, denen gegenüber jedes materielle Gedankengewebe zerstieben muss. Immerhin hat der Verfasser das Verdienst, ▼erständnissionig nachgewiesen an haben, dass dia Un- Sterblichkeit Ureigenthum des Menschengeschlecht■■, neben leiblioher, sinnlicher Natur eine geistige, sittliehe Potenz im Menschen vorhanden, der Glaub• an die Unsterblichkeit ein Hebel der Selbstveredlang, ein Stützpankt der sittlioben Weltordnung nnd m Noth and Tod ein Mittel zur Ergebung und Znrersicht ist. Das diesen ernsten Gegenstand behandelnde Bach wird also dazu beitragen, Vernunft and Gemüth für den UnsterblichkeitSglaaben sa gewinnen, der aus dem Religionsgedanken hervorgegangen ist. Es sei daher weiten Kreisen das Bach empfohlen, welches das Wort Goethe’s als beherzigenswertste Aufsohrift trägt: ״loh möchte keineswegs das Glück entbehren, an eine künftige Fortdaaer za glauben, ja, ich möchte sagen, dass Alle Diejenigen auoh für dieses Leben todt sind, die kein anderes hoffen.“ Dr N. Eine prachtvolle Mappe mit vierzig Blattern unter dem Titel: »Der Blau *es Mbelnngen von .Richard Wagner. Figorinsn, erfunden and gezeichnet von Prof. Carl Emil Döpler. Mit Text von Clara Steinits. Hetansgegeben von dar Berliner Kunstdruck- und Verlags-Anstalt, vormals A. und C. Kaufmann* liegt uns vor. Wenn der hohe künstlerische Werth dieser DOple r'sohea Figurinen und deren hervorragende Bedeutung für das Stadial der nordischen Götter- und Heldensage, die hier dargtebann bewundernswerte Leistungsfähigkeit der Berliner Kunstdruok- und Verlagsanstalt, vormsla A. und GL Kaufmann, sowie die den Figurinen von der rühm liehst bekannte■ Schriftstellerin Clara Steinita baigegebenen trefflichen — wir möchten mit bedeutenden Sachkennern fast sagen: nnHber• trefflichen — Erläuterungen alle gebildeten Kreise für das vorliegende Kunstwerk interessireu, so siebt uns Juden noch besonders der Umstand an, dass Frau Clara Steinita unsere Glaubensgenossin ist. Von jadenfeindlioher Seite wurde Öfter gegen uni der Vorwart erhoben, unsere Würdigung der hfinstlerischen und wissenschaftlichen Erzeugnisse Andersgläubiger richte sich nach deren Gunst oder Abneigung gegen ans. Zt . den bereits erbrachten vielerlei thataüchlichen Gegenbeweisen gesellt sich hier ein neuer: Wir wiesen, welche Gasiiinnngsn Richard Wagner, obgleich er manchem Juden Denk Schuldste, gegen uns zum Ausdruck gebracht hat. Gleichwohl würdigt eine jüdische SohrilteteUerin, die in ihren Romanen ״־Die HAseliehe*-und ״Im Priesterhaase“ eine glühende Begwstsnm,׳•-**- ' Jaden und Jadentham bekundet, Wagner’* ״Bing das langen* in anerkennender Weise Und. vermittelt das V niss der Persönlichkeiten desselben mit ebenso grosser 1 wie Gewandtheit. Nachweis der

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