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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1890-01-23 · N° 4. (23.1.1890) · p. Seite 14

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
19 (1890)
Issue
N° 4. (23.1.1890)
Date
1890-01-23
Page
Seite 14 (sequence 2)
Language
German
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14 — gedruckte» hebr. Werk.“ Diese Flugschrift verdient selbst noch in der Gegenwart eine mehr als vorübergehende* Aufmerksamkeit, denn sie־ Ist gleichsam ein Programm, das alle jene verschiedene Zweigen dar jüd. Wissenschaft und Litteratnr aufzählt, die von frühem oder zeitgenössischen jüdischen und christlichen Gelehrten entweder ganz oberflächlich, oder überhaupt gar nicht bearbeitet worden sind. Gleich in der Einleitung bestreitet der Verfasser die Richtigkeit der allgemein in 'der Gelehrtenwelt herrschenden Meinung, dass nämlich die ganze jüdische Litteratnr nichts anderes, als blos rabbinische nnd theologische Gegenstände behandle. Dann fragt er, woher es denn komme, dass, während in moderner Zeit selbst die geringfügigsten Erscheinungen auf dem Gebiete menschlichen Wissens und menschlichen Wirkens und Schaffens mit grossem Eifer erforscht und untersucht werden, das jüdische Wissen allein 80 schmählich vernachlässigt werde. Der Grund, meint er, liege in dem Umstande, dass nämlich für letzteres keine passenden Vorarbeiten vorhanden sind, die dem etwaigen Forscher auf dem jüd. Gebiete zum Wegweiser dienen könnten. Und doch, welches reiche, unerschöpfliche Material findet sich nicht in den dunkleu Schachten der jüd. Wissenschaft nnd Litteratnr aufgehäuft, das, an’s Tageslicht gefordert, znm allgemeinen Nutzen werden müsste! Der Theologe, der Grammatiker, der Rechtsgelehrte, 1 der Mediziner, der Astronom et hoc genas omne — sie alle wurden mehr oder weniger von den wissenschaftlichen Arbeiten jüdischer Gelehrten aller Zeiten nnd aller Länder Vortheil ziehen, wenn ihnen der Zugang dazu mittels planmässig ausgearbeiteter Einleitnngsbücher leicht gemacht worden wäre. In Ermanglung solcher Hilfsbücher nehmen sichnamentlich christliche Gelehrte nicht die Mühe, die Vor- oder Nachtheile des jüdischen Schriftthnms einer strengen wissenschaftlichen Kritik za unterziehen, sondern sie adoptiren einfach das Ton ihren Vorgängern über dasselbe gefällte Urtheil, das oft von blindem Hass gegen die jüd. Race beeinflusst wurde. Weil z. B. Tacitus einst die jüd. Religion ״superstitio“ nannte, and weil mehrere Jahrhunderte später Bartolocci der rabbinischen Litteraturdas Epitheton: ״Impia Talmndica dodrina“ beilegte, so müssen diese Aussprüche endgültig für alle kommenden Geschlechter sein. Um solche irreführenden Vorurtheile gegen Juden und Jadenthum nach und nach zn beseitigen, und im Interesse der weitern Entwicklang des jüd. Schriftthums überhaupt, meint Z. schliesslich in der besagten Flugschrift, wäre es erwünscht, dass jüdische Gelehrte litterarischen Arbeiten nach der bezeichneten Richtung hin übernehmen und die nöthige Mühe nicht sparten Dieser fromme Wunsch ging nun auch in Erfüllung, aber, wie weiter ersichtlich sein wird, nicht durch Andere, sondern vielmehr durch Zunz selbst. (Forts, folgt.) Natur- und Gottesdienst. Unzweifelhaft bezeichnet das Nomaden- und Cnltnrleben der UrsprOngsvölker auch den Anfang and Ursprung der geistigen nnd religiösen Caltar. Die Nomaden batten Erwerb nnd Besitz nnd suchten I diesen zu erweitern, richteten Ueber- und Unter- I Ordnung bei sich ein nnd sackten diese zu erhalten; j dies ist der Anfang de• Calturlebens. Die in Agrij cnltar lebenden Stämme mit ihrer Sesshaftigkeit und l festen Scholle hatten schon das Bedürfnias und die I Möglichkeit, die begonnene Oultar zu pflegen und fortzubilden. Auch der Talmud antwortet trotz seines Offenbarungsglsubens auf die Frage: woher iss Mosee in. der Wüste die geistige Erweokang gekommen? ״vog der Wüste*. Denn die Natur, die Schöpfang £ 11W .; ־. j •. ist das erste, also auch ein Buch der GottesoflGsn— barung; der Aufenthalt in der freien Natur, die Litffc 1 und Umgebung der Wüste, die Gefahren der Wü*fc, f gegen welohe Moses des göttlichen Schutzes bedurft!}, I alles dies musste das religiöse Gefühl in ihm weokeu. 1 Nicht iu ihrem Mangel an Kultur liegt eS, sondern ' in den natürlichen Verhältnissen, worin sie leben, dass Land- und Seeleute besonders religiös angelegt , sind. Irrig aber ist wohl die Behauptung (▼gL L.-BL : vor. Jahrg. No. 50, S. 201), dass der Hirt der Vorzeit schon als Führer und König gegolten habe und von ״ רעהHirt“ der Name roi ״König“ stamme; diese Bezeichnung hängt vielmehr mit dem frühem Sternendienste zusammen. Die Sonne galt als Hauptgestirn; ׳ die Sonne Iness ra, rao, daher Pha-rao (!־*ha ist ägyptisch Artikel, Pha-rao gleich ״il re“ ital. ״der König“, wie ohne Nameubezeichnuug er genannt wird). Aus rao entstand roi; indisch raja hebr. USfrl, was ursprünglich ״Herrscher“ bedeutet und, da die ehe* maligen Herrscher absolut regierten, darum auch oft willkürlich und gewaltthätig waren, gleich dem Grieohisohen rjpavvo;, unser Tyrann, deu Nebenbegriff ״gewaltsam, bösartig“, erhalten hat. In Egypten herrschte Sonnendienst, in Westasien Mond- und Sternendienst (Venus, Astarte). Der Sonnendienst war eine Anerkennung des ״herrschenden* Einflusses der Sonne, deshalb ist ״Sonne“ in allen alten Spraoben mascalinum, der Mond- und Sternendienst beruhte aut Verehrung des Weiblichen; ״Mond“ ist deshalb fern. gen. Die alten Namen Ur, Nahor, Laban beziehen sich auf dea Mond, denn sie bedeuten ״Lioht, Glanz“; Laban erinnert geradezu an levana (luu®)~ ״Mond“. Wenn der Midrasch nach einer alten Sage von einem Streite zwischen Sonne und Mond berichtet, 80 bezieht sich dieser wohl weniger auf die räumliche Grösse, als auf die grössere Verehrung der Sonne. Die Bibel stellt im Gegensatz zu solcher Geistesverirrung die Gestirne in den Dienst der Menschen. (Gen. 1,14 ff.) Die Vergöttlichung und. Anbetnng der Sterne erklärt sieb dadurch, dass man eine Entwickelung ans dem weltlichen Urstofi (Hyle) bei den Himmelskörpern uicbt aunahrn, sondern diese für besondere Wesen und wegen ihres Einflusses für herrschende hielt. Man kannte den Lehrsatz der heutigen Wissenschalt nooh nicht, dass überall, oben wie unten, gleiohe Stoffe und Kräfte vorhanden sind nnd wirken, dass überäMdie Bewegung Schall, Licht, Wärme und Eleotrioität erzeugt und diese wieder Bewegung. Aaoh die Sage von dem mächtigen und starken Simson (Samson 1שמש־ק hängt mit der Sonnenkraft nnd. dem Sonnendienst zusammen. בית שמש, an der Philistergrenze gelegen, war ein Ort des alten Sonnencultui, wie 1בין-ן אך ®in Ort des spätem Gottescaltns. Die Haare, worin Simson’s I Kraft lag, deaten auf die Strahlen der Sonne, worin | deren Kraft liegt; fehlen diese, so ist die Sonne ohne; Kraft. In Gaza (TO), der mächtigen und starken j Philisterstadt, war Simson über Naoht gefangen; die Naoht lähmt die Kraft der Sonne. Am andern Morgen, mit Sonnenaufgang, hebt Simson die Thor» der Stadt ans nnd trägt sie auf die Höhe des Berge«, von wo die Sonne zuerst sichtbar wird. Zuletzt wird Simson geblendet, zuletzt unterliegt die Sonne der Finsterai8s des Winters, wenn im Frühling aber ihr» Strahlen wieder wachsen, erhebt sie sich za neuer, besiegender Kraft. Als Simson’s Haare wieder wuchsen, erhob er sich wieder zn neuer Kraft and beaiegte '־ «eme_ Feinde. Bei den Griechen war Diana (Mond) die Sch «fester ApoDo’1 (Sonne); Symbol der Sonn»' war der Stier (der mächtige, starke und fruoht- ׳ bringende), Symbol des Mondes, der Diana, die Kab, ־ die gehörnte, wie die Sichel des Mondes. Auch der י

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