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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1890-01-16 · N° 3. (16.1.1890) · p. Seite 10

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
19 (1890)
Issue
N° 3. (16.1.1890)
Date
1890-01-16
Page
Seite 10 (sequence 2)
Language
German
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seiner Studienzeit durah Privatunterricht, der höchst befriedigend, gewesen sein muss, da einer seiner Schüler, Namens Herz, nach etwa 25 Jahren das Bild Zunzens und das seiner Frau in Oel malte und ihm aus Dankbarkcit zum Geschenk machte. Ob dieser Herz ein Verwandter der berühmten Henriette Herz war, ist nicht bekannt, aber Thatsache ist es, dass Zunz zum engen Zirkel der Gäste gehörte, die in ihrem Hause stets freien Zutritt fanden. Vom Jahre 1820 bis 1822 wirkte Z. als erster Prediger an der neuen Reform-Synagoge in Berlin, wo er, wie er selbst bemerkte, eine Stätte gefunden zu haben' glaubte, das. "Wort Gottes frei und offen verkündigen zu können Doch scheint ihm dieser Posten in der Praxis, in einem minder rosigen Lichte erschienen zu sein, als er sich ihn früher in seiner Imagination ausgemalt hatte, und er gab ihn daher nach etwa zwei Jahren wieder auf. Die Veranlassung zu diesem Söhritte ist in der Vorrede zu seinen im Jahre \ 1828 erschienenen ״Predigten“ nur kurz angedeutet, ן doch geht daraus hervor, dass die Leiter seiner Ge- | meinde ihm untersagt hatten, von der Kanzel herab! seihe religiösen Ansichten frei und offen kund zu thun, oder überhaupt der Gemeinde Moralpredigten zu halten. Z. zog es daher vor, ״trotz Einkommen und Eitelkeit“ eine Position freiwillig aufzugeben, in der er genöthigt geweseh. wäre, seinem Gewissen Zwang anzuthun und seiner Ueberzeugung untreu zu werden. Ungefahr um dieselbe Zeit verheirathete er sich mit Präulein Adelheid Berman, die aus Pyrmont stammte und einer höchst angesehenen jüd. Familie angehörte Zu ihren Verwandten zählte sie auch den damaligen Berliner Babbiner David Frankel, auf dessen Veranlassung Moses Mendelssohn bekanntlich nach Berlin übersiedelte. Nicht lange nach seiner Verheirathnng erhielt Zunj eine Anstellung als Mitarbeiter an der ״SpenerscÄen Zeitung“, einem täglich in Berlin erscheinenden politischen Blatt. Später wurde ihm die , Leitung derselben vollständig übertragen, und in der | Eigenschaft als verantwortlicher Redakteur war er volle i acht Jahre dabei thätig. Diesen für ihn recht schweren ן Posten gab Z. auf, als ihm die Directorstelle an der : jüd. Gemeindeschule in Berlin angeboten wurde, und; er nahm diese um so williger an. als er in seiner neuen ( Posiuon mehr freie Zeit als früher zu haben erwartete, I um :.uf dem Gebiete der jüd. Wissenschaft und Litte-! ratur eifrig und nach Herzenslust thätig sein zu können. Im Jahre 1831 folgte Z. einem Rufe nach Prag, wo er als erster jüd. Prediger ein Jahr fungirte, nachher aber wieder nach Berlin zurückkehrte. Bald darauf wurde er zum Direktor des daselbst neu eröffneten Seminars für jüd. Lehrer ernannt, und als dasselbe im Jahre 1850 aufgelöst wurde, zog sich Z. ins Privatleben zurück Erwähnenswerth ist diu Thatsache, dass Z. in dem politisch aufgeregten Jahre 1848 mehrmals als politischer Redner öffentlich auftrat, und seine warmen Sympathien für die niedern Stände der Berliner Bevölkerung verschafften ihm den familiären Namen ״Vater Zunz“! Vom Jahre 1854 bis an lein Lebensende genoss Z. eine geringe Pension, welche ihm die Berliner jüd. Gemeinde, in Anerkennung seiner grossen Verdienste um die jüd. Erziehung und die jüd. Wissenschaft, freiwillig aussetzte. Glücklicherweise war seine Gattin eine höchst sparsame und praktische Hausfrau, und sie verstand es, ihre geringen Einkünfte derart zu verwenden, dass sie nicht allein die Wirthschafts-Ausgaben .decktun, sondern aueb noch einen kleinen Ueber- Schuss zprückliessen. Dieser wurde meist für Reisen in’s Ausland bestimmt, die Z. in Begleitung seiner Gattin gelegentlich unternahm, um seltene Manuscripte und Druckwerke in Augenschein zu nehmen. Bei einer solchen Gelegenheit, als nämlich Z. mit seiner Frau t London besuchte, wurde letstere von der jetmgen'eag. lischen Königin in Audienz empfangen, und Z. war über diese Auszeichnung hoch ׳•rfreut. Ueherhwupt war er nicht wenig stolz auf seino Frau, und wiederholentlich erklärte er, dass er die Erfolge, die er auf dem Gebiete der jüd. Wissenschaft und Litteratur erzielt, einzig und allein ihrer Aufopferung und Standhaftigkeit zu verdanken habe. Ihre Liebenswürdigkeit und Gastfreundschaft lockte auch eine Anzahl genialer Geister in’s Zunz’sche Haus, unter denen Pbof Gans, M. Jost, Joseph Lehmann, M. Moser, der Deputirte Warburg, und — last but not least — Heinrich Heine sich befanden. Letzterer fühlte sich besonders von Zunz und seiner Frau angezogen, und las ihnen oft im Manuscripte jene herrlichen Lieder vor, die all- -gemein zu den kostbarsten dichterischen Schöpfungen der deutschen Litteratur gezählt werden. (Forts folgt.) Litteratiirbericht. Recensionek. זכות אבוח Homilien über die Sprüche der Väter zur erbauenden Belehrung über Beruf und Pflicht des Israeliten von Dr. Wolf Aloys MeiseL Zweite durchgesehene Auflage Erstes Heft, den I. Abschnitt enthaltend. Breslau 1889. Wilhelm Jacobsohn, dt Comp. In vorliegenden Reden hat der sei. Verfasser aus glaubensinnigem Herzen eine Fülle von Sittenweisheiten und Sittenwahrheiten gespendet, welche wie Blumen den Text der ״Sprüche der Väter“ umranken. Viel glücklicher war indessen der Autor auf dem Gebiete der Reflexion, als der Spekulation, in der Erörterung ethischer als metaphysischer Gebiete; weshalb die letzten Kapitel des Buches besser sind, als die ersten. Wo der Redner Charaktere schildert, Leidenschaften zeichnet, Lebenserfahrungen mittheilt, steht er auf der Höhe einer Beredtsamkeit, der das uneingeschränkteste Lob gezollt werden muss. Die Sprache zeichnet sich durch poetische Färbung aus, wenn auch Ueberschwenglichkeiten nicht selten die Klarheit, Neubildungen mitunter die Schönheit der Diktion beeinträchtigen. Seite 14 sagt der Verfasser z. B. von den Propheten: ״und brauste die gewaltige Strömung ihrer Rede der einen Mündung zu: Der Wahrheit die Ehre zu geben.“ Das soll wohl besagen: die dem Propheten- Herzen entströmte Rede hatte das eine Ziel. Der Ausdruck ״Mündung “aber drückt mehr das räumliche, und nicht das Verhältniss der Absicht und des Zweckes I aus. Seite 48 ist der Verfasser von den Weisen des jüdischen Volkes so sehr entzückt, dass er in Anweu-; düng der Mischna-Sprache von Ihnen sagt: ״Der Füsse! Staub ist befeuchtender Blüthenstaub“. Seite 38 sagt | der Verfasser: ״Wenn die Triebkraft der Tugend י gemeine Selbstsucht ist.“ Hier ist wohl die ״treibendo, bewegende Kraft, das Motiv“ gemeint Seite 88 spricht der Autor von einem trägen ״Himmelssüchtling“. Das Wort ist ebenso neu, wie es ירא שמים״“ (gottesfttrehtig) ganz besonders im Zusammenhänge der dort citirtcn ן Stelle (Berachoth 8) nicht richtig übersetzt: ״Grösser ist ' der redliche Arbeiter, als der ohne Arbeit gottes- | fürchtig ist. Denn ״es ist leichter andächtig schwärmen, j als thatkräftig handeln“. — Man hat wohl die Kraft mit der Seele zu reden, nicht aber, wie Redner Seite 65 meint, lebend ״seine Seele ״auszuhauchen“ durch das hörbare Wort“. loh könnte die Beispiele noch vermehren, doch hat die Kritik die Pflicht der Pietät vor dem Namen und der Stellung des zu früh heim* gegangenen Rabbiners. Meisel musste gehört werden, gelesen haben die Reden ihre Licht-, aber auch ihre

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