Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 19 (1890)
- Issue
- N° 3. (16.1.1890)
- Date
- 1890-01-16
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Litterarische Notizen: Fonseca ein Jade? — Chronologisches. — Warschau. Paris. London. Amerika. Li teiarische Anzeigen. Usbefefter NatUratk ist diesen Blatte ist siebt *•*tattet. Das Leben und did Werke des Dr. Leopold Zunz.: Von Dt. Chotzner am Harrow-Coliege. Fast sind es vier Jahre, seitdem der Nestor der jüdischen Wissenschaft und Litteratur Dr. Leopold Zunz, zn Grabe getragen wurde, und trotzdem ist bis jetzt noch keine, einigermassen ausführliche Beschreibang seines Lebens and seiner Werke in deutscher Sprache erschienen. Und doch gehört ja Zunz za den wenigen auserlesenen Männern des jüdischen Stammes, die eine gütige Vorsehung zu gewissen entscheidenden Zeitepochen in der jüd. Geschichte in die Welt geschickt hat, damit sie durch Wort und That die geistige Erlösung ihres Volkes fördern helfen sollten. Es bedarf daher wohl keiner Entschuldigung, wenn im Folgenden ein Versuch gemacht wird,: das Leben und das geistige Wirken und Schaffen eiaes solchen seitenen Mannes in kurzen Umrissen za beschreiben. Eine ausführliche und erschöpfende Biographie Zunzens kann natürlich nur von denen unternommen werden, die sich einen Elinblick in dessen Briefweobsel und. unedirte Manuscripte mit Leichtigkeit verschaffen können. Dr. Leopold Znns wurde am IQ. August 1794, also ungefähr acht Jahre nach deih Tode Moses Mendelssohns, in Detmold geboren. Während seiner Knabenzeit übersiedelten seine Eltern i nach Hamborg, wo sein Vater eine Privateohule eröffn ete und bald darauf einer kleinen Anzahl von SchjÜern Unterricht in Bibel and Talmud ertheilte. Da .aber seine Consti- Station Za schwach war, am ihm für <4e Dauer za gestatten, bei seinem Berufe zu• verbleiben, so sah er sieh genöthigt, diesen mit dem eines Geschäftsmannes za vertauschen. Doch fand er stets Masse, den Unterrieht bei seinem Sohne fortsnsetzen, I der sfah nicht bk» auf hebräische Gegenstände beschränktet sondern auch das Studium der deutschen Litteratur .Dieser Unterricht wurde von ihm. bis zu seinem Tode, der im Jahre 1802 erfolgte, fortgesetzt Etats später wurde der junge Zuuz von seiner Matter nach Wo büttel geschickt, wo er die Samsop’sche Freischu besuchte and Gelegenheit fand, sich im Talmudischsa wie auoh in den profanen Gegenstände!{ weiter fortan- Bilden Der Direktor dier Anstalt, Samuel Meyer Ehre■• ׳ berg, entdeckte bald die vorzüglichen Talente seines | jungen Zöglings and gab sich die grösste Mühe, sie weiter entwickeln zu helfen, Er behandelte •ihn auch sonst mit zarter und gleichsam väterlicher Liebe, -aaid auch Zanz seinerseits verfehlte nie, die nöthige Achtung and Ehrerbietung seinem Lehrer za erweisen. Er erinnerte sich dessen mit Liebe and Dankbarkeit salbst in späten Jahren und schrieb im Jahre 1854 eine Biographie desselben, worin er sein Andenken in tiefgefühlten Worten des Dankes nnd der Anerkenn—g feierte. Unter den damaligrn Zöglingen der besagt— Schule befand sich auch der später berühmt gewordene jüd. Geschichtsschreiber M. Jost, and zwischen ihm und Zunz entspann sich ein freundschaftliches Vor■ hältniss, das während ihres ganzen spätem Lebens ununterbrochen fortdauerte. Schon als elfjähriger Knabe zeigte Zunz ausserordentliche Fähigkeit— in der Löauag schwerer mathematischer Probleme, und vier Jahre später hatte er bereits solohe Fortschritte in den allgemeinen wissenschaftlichen Gegenständen gemacht, dass man ihm die Hilfslehrerstelle an seiner eigen— Schale anvertrauen konnte. Doch, während er selbst lehrte, vernachlässigte er es nicht, sich selber and—- weitig belehren zn lassen, und er richtete seine Lehrstunden derart ein, dass ihm Zeit übrig blieb, ■ das Gymnasium in Wolfenhüttel zn besuchen. Im. Jahre 1815 bezog er die Beriiner Universität, bei wplohar Gelegenheit er von Schleiennacher immatriculirt ward•- Es dürfte vielleicht nicht überflüssig sein, hier — —- wähnen, dass Zanz der erste Jade war, dgr inqipe preassische Universität als Hörer anfgeaomm— wurde. Daselbst wurde er besonders von den Vorlesung—,—;■ gezogen, die die Professoren de Wette, F. A..Wolf nnd Böckh hielten, and Geschichte, Philologie and Mathematik waren die bevorzugt— Gegenstände, die er namentlich mit grosem Eifer betrieb. Von d— besagten Professoren lernte er die Art and Weis• kenn—, wie man zu Werke geh— müsse, wenn sich anschickt, jedes vorhandene Material zu untersuchen nnd nqtzbar su mach—.' grossen Theil seiner freien Zeit widmete er d4&L der modernen deutschen Litteratur, in '*־' '־־ er sich schon früh •tden deutschen Stil aneignete, wovon dm in Berlin erschienenen Zsstsq schafter“ und die. ״Leuchte? Zs bttohjeiden—Lebens ״.'i Sv--: י. *■ t. **S.. Z :