Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 19 (1890)
- Issue
- N° 3. (16.1.1890)
- Date
- 1890-01-16
- Page
- Seite 11 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— II : ■-':TS'? t Bohattanaeitep. — Die aas dem bibljsch - rabbinischen Schrifttham angezogenen Stellen bieten nicht selten za schönen Bildern die entsprechenden Rahmen. Weit besser aber gelingt dem Aator die Anwendung, als die Uebersetzang oder gar Auslegung : der betreffenden Citate. Hier kann der Recensent einige Bemerkungen im Interesse des Baches and der gasch. Leser dieses Blattes nicht unterdrücken. Chagigah 13 ist, nach dem Inhalte der auf Seite 13 (Anmerkung) angezogenen Stelle, etwas ganz Anderes gemeint, als der Autor predigt Jesajah malte mit vornehmem Pinsel, Ezechiel aber der Hoheit des Styl* entrathende Bilder. Auf Seite 20 ist Psalm 51,8 בטוחות nicht mit ״Sicherheit“, sondern ״Unzugänglichkeit“ (ntC) zu übersetzen. Seite 29 Note, köunte der Unterschied von |HK. אדמה und הכל dahin berichtigt werden, dass der erste Ausdruck den ״Erdstoff“, der zweite die ״Erde“ als Himmelskörper, der dritte, die Erde als Wohnsitz der Menschen, die ״Welt“, nicht, wie der Autor meint, von נבל ״welken“, sondern ״ ברלmischen“, übersetzt würde. Seite 42 wäre wohl im Hinblick auf den Mischnahtext, die ethische׳ Lehre Spinoza’s am anwendbarsten gewesen: Nicht um der Seligkeit willen, 8011 die Tugend geübt werden, da die Seligkeit selber Tugend ist (sed ipsa beatitudo virtus est). Seite 61 wird die Gefahr der Verlockung durch Frauen mit meisterhaften Pinselstrichen gezeichnet. Doch würde der Zusammenhang in Mischna VII zwischen der Wohlthätigkeit und der Zuriickhaltung Frauen gegenüber so herzüstellen sein, dass in Bezug auf Armenpflege nur das Bedürfhiss entscheidend sein sollte. Hier müsse männlich geprüft werden, und nicht vom Wohlgefallen und Mitleid der Frauen die Mildthätigkeit abhängig gemacht werden. Armen gegenüber sei man ethisch, picht ästhetisch. Seite 52 Note, hat der Autor bei der Herleitung des Wortes ני הנום an die Stelle 2. Könige 23,10 vergessen. Die Stätte des Moloch-Cultus, der Menschenopfer, wurde ebenso als Bild der Hölle angewandt, wie umgekehrt der Garten mit dem Lebensbaume des Paradieses. Seite 70 (Mischna 8) ist ואל חתיאש מז הפורענות nicht mit den Autor zu übersetzen: ״und zweifle nicht an der Strafe“, sondern gemäss der Etymologie des Wortes יאש und dem Zusammenhänge des Mischnatextes: Geselle dich nicht zum Frevler und halte dich nicht überhoben der Strafwürdigkeit (durchs schlechte Beispiel). Seite 79 wird die halachische strafrechtliche Norm, wonach das Todesurtheil erlischt, sobald die körperliche Züchtigung erfolgte (כל חייבי כריתות שלקו כריתת־,) ’TD נפטרו (Megila 7) falsch übersetzt: ״Alle, 80 sich einer Tödtung durch Gott schuldig gemacht, werden von dieser himmlischen Strafe frei, wenn auch der menschliche Richter sie geissell“ Ebenso unrichtig wird die Stelle Synhedrin 37 auf Seite c2 übertragen: ״Gott hat, bemerken die Weisen, deshalb ־anfangs nur einen Menschen geschaffen, auf dass der Verbrecher, welcher sich an das Leben des Einzelnen . gewagt, als Frevler gegen die Geäammt-Menschheit betrachtet werden.“ Vielmehr ist diese Stelle so za übersetzen: ״Daher hat, wenn ^ach nur ein Mensch geschaffen ward, die!Vernichtung dieses einen Mensohen so viel zujbedeu|ten, wie die der ganzen Welt“ Denn fahrt def Talmud fort: die Tödtung eines Mensohen bedeutet den Mord an der ganzen Menschheit, die Erhaltung eines Menschenlebens die Rettung der ganzen Welt! Auf peite 110 ist die Stelle aasPsachim 50 ״(die Lehre) ist;nicht nar gross bis an den Himmel, sondern aber den Himmel hinaus“, so za erklären, der Selbstsüchtige kennt in der Lehre nar seinen Gesichtskreis,! der Edle einen weit hinansragenden Horizont (ש&יט VfcL Spr. 3al. 25,3.) Seite 121 ist עיון תפלה in Baba hathra 114b nicht mit ״Andachtlosigkeit“, sondern aas dfep Z isammen- 1~r«V■ "T1*Y j*r*'1aHÜli14i'‘*'=l*c<kJ•«* A•■— 1 hange heraas mit dem ״in schlechter Gesinnung ▼oll• zogenen Gebete“ za übersetzen rVergL Tossafbth x. St.) Seite 128 ist in der 18 Mischna לטף nicht mit ״für ein körperliches Wesen“, sondern ״für meine Sfc Person“ zu übersetzen Der schwer geprüfte Dulder hatte nämlich persönlich erlebt, dass es nichts besseres gebe, als — Schweigen Seite 137 ist die Stelle Synhedrin 7 הקכהט&ל ממנו נפשו nicht zu übersehen: ״Wer als Richter einen falschen Rechtsspruch tnat, hat Seelen gemordet, sondern: ״dem nimmt Gott das Leben“. Seite 139 ist die Stelle Synhedrin 6 b איזה משפט ערש בו שרום די בצוע höchst ungenau wiedergegeben: ״Es ist Pflicht, das Recht des Friedens zu handhaben.“ Der Sinn dieses beherzigenswerten Ausspruches aber ist: Selbstsüchtig (עצל — sein im Dienste des Frie den8 heisst in Wahrheit selbstlos es Recht. Seite 125 wird die Stelle Sabbath 71 b ידיעה׳ PH רחצי ש־עור übersetzt: ״Ein halbes Wissen ist gar kein Wissen“. Das wäre aber ebenso unrichtig, wie ungerecht. Hingegen gipfelt in dieser Sentenz die haiachische Norm, dass, soferne bei einem irrthümlich begangenen (religiösen) Vergehen nach ▼ollem Vollzüge desselben die Wissentiiohkeit eiatritt, diese wohl rechtliche Geltung erlangen solle, nioht aber bei einem zur Hälfte oder teilweise begangenen Unrechte. -Für halbgeschehene Dinge ist das {Bewusstsein der Thathandlung nicht von Belang“. 1 Das grosse Interesse, welches der Gegenstand des Werkes verdient, führte zu grösserer Ausführlichkeit, als ursprünglich beabsichtigt war. Immerhin hat der Herr Verleger mit dem Bache die homiletisahe Litteratur wesentlich bereichert, und spricht die zweite Auflage für den Werth des Werkes, das nioht nur jeder Predigt-Bibliothek, sondern jeder Familien-Bibliothek zur Zierde gereichen dürfte. Dr. Ni Friedllader, Dr. H. Bezirkarabbiner in Pisek. Populärwissenschaftliche Vorträge. Brünn. Verlag von Bernhard Epstein & Comp. 1“89. Seitdem der Talmud als ein geschriebenes fertiges Werk besteht, seit jener Zeit theilt er die Schickesle des jüdischen Volkes and ist mit ihm innigst verbanden. Schon aas diesem Grande ist es eine dankbare Aufgabe, di« Geschicke des Talmuds darzasteüen. Wie aber die jüdische Geschichte gröestantheils eine ununterbrochene Reih• von Verfolgungen and Leiden aller Art ist, so wird anch eine Geechichte des Talmuds (nach seiner Vollendung and Wanderung über alle von Juden bewohnten Lhnder) grüestentheils die Telmadverfolgangea danasteUsa haben. Friedlander bet dieser Aufgabe sich untersagen tmd über dieses Thema einen volksthttmliehen Vortrag sa Aaaitx gehalten. Der Vortrag, dar natürlich kein neues QneUenmatenal beibringen will, ist rächt übersichtlich, klar and dabei interessant. Er bietet eben in'Kttrae Allee, was auf diesem .Gebiete von verschiedenen Gelehrten erairt worden, eher noch nioht ins Publikum gedrungen. —Der!weite Vortrag betrifft ein Thema, welches ans allen nahe liegt, die rriwfiae Erstehung der Jugend, den Religionsunterricht. Dieser Vortrag hat sich beinahe in eine Rede gegen den Antissmitlsmna verwandelt. Der Verf. bespricht das wichtige Thema mit vieler Sechkenntm־«a, mit grosser Warme und Begeisterung. — Etwas eahwZohar als die beiden vorhergehenden, sowohl an Umfang als an Inhalt, ist der dritte Vortrag, welcher den R. Israel 0. Koeoha Nagara, den letzten Repräsentanten dm »panischen Pottanim, zum Thema hat. _ Der Vierte Aaisatl hahenilelt dealendrahfrhiat SA. Ffirseh*■ in VWii rn und ist ein recht ecUtaenswerther Beitrag sowohl 11 in Wbnliii hin der mährischen Jaden, als auch insbesondere zur Charakteristik Hinoh’s. — Wir können eile 4 Vorträge des fleissigen Schriftstellers allen, die sich für jüdische Latteratur intereasiren, angelegentlichst empfehlen. Benjndfc Lltterarlsatie Notiz021. Fsnseea ein Jndel . — Im ״Jewish St.ndard“ vom 8. Januar fragt E. S. in Hampstead, ob der General Ponaeea ein Jade ist. Dr. Lew vsohn behauptet nlmlioh in No. 49 des ״Hangid*, dass an Q Führer der Revolution und Präsident der provisorische» Regimung in Brasilien, TheOdoro di Fonseca ein Jude mä. MiaiüiaüiiiiÜj