Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 19 (1890)
- Issue
- N° 2. (9.1.1890)
- Date
- 1890-01-09
- Page
- Seite 7 (sequence 3)
- Language
- German
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מ־ -■-*VvS Troti des offenbaren Rückgangs der finanziell euch nicht günstigen " der Etat überstieg djte 'BinpAbjuen sun — war doch deren Fortbestand für alle Der Fonds bestand aas 100,000 daranauch nur 60,000 Thaler eins werden konnten, weil 40,000 Thaler des Schalgebäudes und den Bau des Tei worden waren, 80 genügte doch dies! Anstalt bei massigem Zuschuss 8 über Wasser zu halten, bis wieder fUr sie kamen. Anatadt and derselben — 20 Ggr. gesichert, and wenn angelegt den Umbaa ipels verwandt Summe, die des Stifters istigere Zeiten Oie Sabbetaiks in Sibirien. ti-׳ ׳<! Ein New-Yorker Correspondent theilt der ״Jew. Chroniole“ folgende persönliohe Erinne rangeh an die Sabbotniks in Sibirien mit: Die S<ote hat ihren Namen von dem rassischen ״Sabbota“ (Sabbath) and man bezeichnet mit demselben gewöhnlich diejenigen, welche zwar nicht im eigentlichen Sinne Juden sind, aber doch den Sabbath als ihren I .uheta^ feiern. Wenigstens stammt noch ein Theil derselben; von den Khosaren, einem Nomadenstamme ajas dein Uralgebiete, welcher gegen das 8. Jahrhundert zu Juden bekehrt, später aber gezwungen wurden, das Judenthum, wenn auch nur zum Scheine, abzuschwören. Viele jüdische Sitten und Gebräuche, unter diesen auch die Feier des siebenten Tages, wurden nach der Tradition ihren Nachkommen überliefert. Jedoch sind nicht alle Sabbotniks Abkömmlinge der Khosaren4 ein Theil derselben sind Bassen,!welche imj gegenwärtigen Jahrhundert zum Judenthum übertraten; Von der Begidrung werden sie nicht als Juden anerkannt, sondern Sabbotniks genannt und ist ihnen eine Verbindung mit den Juden za religiösen Zwecken strlenge untersagt. Viele Sabbotniks wohnen in dem : Dorfe S t a t, District Marjusk, an der Strasse von Tomsk nach Krasnoyarsk. Die hervorragendste! Persönlichkeit unter denselben ist Abraham Visilientkch, eiu Busse durch und durch. Sein Grossvater, dei* ursprüngliche Convertit, starb unter der Knute und seiin Vater wurde auf Lebenszeit nach Sibirien verbannt; seine Frau Sarah ist ebenfalls von Sabbotnikscher Herkunft. Der Wochenmarkt wird in diesem Dorfe am Sabbath abgehalten; Abrahams Geschäft ist aber von Freitag Abend bis zum Sabbathausgange strehg geschlossen und würde sich derselbe sogar nicht j gestatten, am Buhetage auch nur ein Wort Uber Gescnäftsangelegen-, beiten über -die Lippen zu bringen. Er setzt sich nie ohne zwei erwachsene männliche Tisbhgenosen zur Mahlzeit und verlässt den Tisch nicht,;ohne das vorgeschriebene Tischgebet gesprochen zü haben. Er trägt dasselbe in rassischer Sprache, hier und da mit einem hebräischen Verse vermischt, laut jror. Die Gastfreundgehaft dieser Familie war wahrhaft ,patriarchalisch und die Verehrung und Liebe, welche [ sie f&r Alles, was zur jüdischen Religion in Beziehung ^teht, bezeigte, im höchsten Grade rohrend. Tn Marjusk ist eine ansehnliche Cjolonie Sabbotniks, welche sich gewöhnlich ip der OrtisSynagoge versammelten, bis ein Denunziant die Aufaserks&ipkeit der Behörden auf diese verbotene Handlungsweise! lenkte. Einer der Sabbotniks, welcher das Amt jsines Priesters bekleidete, wurde dieserhalb 20 Jahn lang: in ein Koster gesperrt, um hier für seine Sunde Busse zu -thua. Als er aber auch liier ״verstooktr blieb, wurde er baoh Sibirien verbannt. Die übrigen[Erlebnisse des Correspondenlen seien hier mit seinen eigenen Worten wiedererzählt. ״Hier will ich eines Ereignisses Jessen ich mich - im ater mit Ve. nnpg than, gen erinnere. Nicolas Kondratievietsoh war ein ziemüahgut sitairter Kaufmann. Einee Donnerstags, au sgnem k»lt*n Wintertage, während die jüdische in der Synagoge zum Gebete versammelt wa&. plötzlich die Thür geöffnet und Nicolas, ein gigantischer Baase, stürzte herein, stieg die Treppen ru aer hstflften Lade hinauf, öffnete mit Thronen in den AugeiriBe Thürea derselben und, sich zu dem religiösen OjJWhaupte der Gemeinde wendend, rief er mit unter und bewegter Stimme: ״Ich bitte ,euoh bei qhm'Gotte Abrahams, Isaaks und Jakobs und bej seihbr Thora, für welche unsere Väter ihr Leben hingegeben halfen, lasst keine selbstsüchtige Furcht Euch abhaltea,* meines neugeborenen Sohn in den Band Abrahams aufzunehmea. Ich werfe mich hier vor die heilige Lade nieder und werde nicht wieder aufstehen, bis Ihr dieses versprochen habt“ Dieser Appell war für die Pefeon, an welche « gerichtet wer, zu nachdrücklich und trotz der Gefahr, von der Polizei beobachtet und verfolgt za werden, ging der Angeredete in Begleitung der ganzen Gemeinde von der Synagoge direct nach dem Hause des Nicolas, um die Beschneidungsceremonie an den Proselyteasohn zu vollziehen. Desgleichen erinnere ich mich, des Sabhatbs oft an dem Hause eines alten und ehrwürdigen graubärtigen Sabbotniks vorbeigekommen zu sein. Durch die offene Hausthür (es war im Sommer) hörte ich Bin dann mit lauter und kräftiger Stimme die ״Sprüche der Väter“ rocitiren. Die Inbrunst, der ungewöhnliche Eifer und die eigentümliche CantUation, mit welcher er alle Worte begleitete, wirkten wie ein Zauber auf meine Sinne. Eine alte, mit Stirnranzeln besäete, das Gesicht mit Falten bedeckte, Frau in abgetragenen Kleidern und zerrissenen Schuhen, das Haupt so dicht verhüllt, dass auch kein Haar zu sehen war, einen Korb Ge•' mü8e, welches sie zum Verkaufe austrug, am Amte tragend, jedem Begegnenden herzliche Grüase zuwinkend und wehklagend um den Mangel ad Fröstmigkeit bei den jüdischen Frauen ihres Dorfes, erregte die innigste Theilnahme, als sie von ihrer Vergangenheit erzählte. Alles dieses machte einen tiefen und unverlöschlichen Eindruck . auf mein Getnüth. Ihr Mann war unter der Knute und von ihren zwei Söhnen einer in Katarga (Strafbergwerk in Sibirien) storben und der andere zu lebenslänglichem im Heere verurtheilt Alles dieses hatte sie um der Religion willen erlitten and jedes neue Opfer machte ihr dieselbe noch theurer; dabei war sie selbst eia einsames, hilfloses und verlassenes Geschöpf um das sich Keiner kümmerte, dem Keiner Trost braohte; und dennoch hatte diese. Iran immer noch ein freundliches Wort für ihre Glaubenssohweetern. Sibirien ist für die Sabbotniks ein unfruchtbarer Boden. Ihre Berührung mit den übrigen Juden übt einen niederschlagenden Eindruck auf die Glaubenseifrigen Preselyten und dazu legt ihnen die alle nur möglichen Hindernisse in den Weg, 80• die jüngere Generation den Juden undder jüdiseSta! Religion ganz entfremdet wird. Es ist sehr zu “bezweifeln ob die Secte noch länger fortbestehen wird. So lauge aber noch irgend eine Erinnerung an Sibirien in mir wacherhalten bleiben wird, werden aie Sabbotniks den Lichtpunkt meiner Reminisoenzen an dfeeee. Land bilden.*‘*) gei trag au durfte diese aas asm ״Juwfeh Cfaoaiota" Mitarbeiter Herrn I., Cohen ttberaatati theilung den Oeechichtjfrennäec snmal aie Histoangrapoan Uber oder gar nichts berichtet habe». (Itat den Artikel ״die gaeti der So. 17 a. 18 dieeaa THaKMfrin oMfg)"