Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 19 (1890)
- Issue
- N° 2. (9.1.1890)
- Date
- 1890-01-09
- Page
- Seite 8 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Beoexxslonen. r. J. Landrabbiner jzu Hi tabirols. -Göttingen 11889. Gattaüan, Dr. Die Philosophie Gabirols. •Göttingen Hildesheim. 272 s. Gustav Karpeles, der jüngst unter dem Titel ״Zionsharfe“ eise recht geschmackvolle Blumenlese der neuhebräischen Poesie veröffentlicht hat, begiebt sich zur yertneidigung des dichterischen Wertbes dieser Poesie unter die Pittige Göthe’s, der von der orientalischen Dichtung überhaupt den Ausspruch gethan hat: ״man vergleiche sie mit sich selbst, man ehre sie in ihrem eigenen Kreise und vergesse doch dabei, dass es Griechen und Börner gegeben hat.“ Offenbar muss der geistvolle Litterarhistoriker, als er auf sein fertiges ־Werk blickte und es in Gedanken mit den poetischen Schätzen verglich, welche in der Weltlitteratur aufgespeichert sind, empfunden haben, dass diese Sammlung schutzbedürftig ist and da hat er sie denn in den Schatten eines gar mächtigen Baumes gestellt, als er Göthe’s Autorität anrief. Aber wir möchten es sehr bezweifeln, ob Karpeles auch für die alttestamentliche Litteratur ein solches-Schutzbedürfniss anerkennt, ob er auch ihr gegenüber dem Satze zustimmen würde, man vergesse dabei, dass es -Griechen und Börner giebt. Nein, die biblische Litteratur braucht man nicht nur mit sich selbst zu vergleichen, man kann sie vergleichen mit dem Grössten, Erhabensten und Herrlichsten, was sonst die Dichtung geschaffen hat, und der Siegespreis wird den Sängern und Propheten werden, die aus dem Stamme Israels entsprossen sind. Aber die neuhebräische Poesie —, Karpeles merkt es, wie es scheint, dass bei dem ihr gespendeten Lobe, die oft citirten Yerse Heine’s mit eingeschlossen, viel fäble eonvenue waltet, dass ihr Bestes gleichsam nur das Mondlicht ist, das sie von der Sonne der biblischen Dichtung empfängt, kurz, dass seine Sammlung den Maassstab ästhetischer Würdigung, wie er heute allgemein gebräuchlich ist, vielleicht nicht unbedingt vertragen würde, und mit grossem Geschicke zieht er sich unter Berufung auf Göthe aus der Affaire, indem er eben einen andern Massstab für diese Blumenlese fordert. Dadurch 8011 das Verdienst der Sammlung natürlieh nicht geschmälert werden. Es 8011 nur darauf hingewiesen werden, dass selbst ein Mann, der der neuhebräischen Poesie ein so eifriges und ernstes Stadium widmet, es fühlt, wie diese Dichtung mehr ein antiquarisches als ein ästhetisches Interesse in Anspruch nimmt. Sollte es mit manchem philosophischen System des jü di s chen Mittelalters besser, oder nicht vielmehr noch schlechter bestellt sein? Wir haben uns, nachdem wir die gründliche, gediegene, nahezu musterhafte, ungefähr dreihundert Seiten starke Arbeit Guttmanns über Gabirols Philosophie durchgelesen hatten, die Frage vorgelegt: was nun hat Guttmann wohl für sein eigenes philosophisches und religiöses Denken von Gabirol, dem er. einen so grossen Fleiss und Eifer widmet, eigentlich gelernt, und wir können uns der Meinung nicht verschliessen, dass dieses System Gabirols, in welchem aus den willkürlichsten Voraussetzungen die sonderbarsten Schlussfolgerungen 1 gezogen werden, einen modernen Menschen zu seinem eigenen Nutz und Frommen absolut gar nichts lehren kann. Um so grösser ist die Selbstverleugnung, einem solchen Werke den Fleiss von Jahren zu widmen, um auch auf kleineren Parzellen der Geschichte der Philosophie Alles in Ordnung zu bringen, zumal das Wesentlichste auch hierhin schon von Munk und Joel geleistet war. Die Philosophie Gabirols hatte eine Zeitlang den Beiz der Kuriosität, als sich herausstellte, dass ein von den scholastischen Philosophen des christlichen Mittelalters oft citirter arabischer Philosoph in Wahrheit ein Jude war. Seit dieser Entdeckung Munks ist nun schon nahezu ein halbes Jahrhundert in’s Land gegangen. Dieses Interesse, das nicht aus dem innern Werthe Gabirols, sondern aus einem sonderbaren Zufall herzuleiten ist, hat sich inzwischen abgeschwächt Sodann bietet Gabirol noch ein psychologisches Bäthsel; dies zu lösen, scheint eine Aufgabe, die des Reizes nicht entbehrt. Seine Philosophie ist in! Wesentlichen ein wüster Pantheismus, der mit dem Judenthume nichts zu thun hat, ja im schroffen Gegensatz zum Judenthume steht. Aher Gabirol ist in seinen Gedichten tief religiös. Wie konnte der fromme Dichter 80 philosophiren und nicht einmal den Versuch unternehmen eine Brücke zu bauen zwischen seinem philosophischen und seinem religiösen Denken? Auf diese Frage kann auch Guttmann, nach dem Material das ihm zu Gebote stand, keine Antwort geben. Vielleicht ist es wahr, dass Gabirol jung aus dieser Welt geschieden ist, ohne die Dissonanzen seines Denkens zu einem Einklang versöhnt zu haben, vielleicht ist die ״Lebensquflle“ n«r als eine ungeordnete Vorarbeit zü betrachten, die z• feilen und zu glätten Gabirol nicht vergönnt gewesen ist. Vielleicht haben auf diese Frage noch die grossen Bibliotheken eine Antwort, die ein. glücklicher Zufall einmal an den Tag bringen wird. Wer heut über Gabirol’s Philosophie sich unterrichten will, findet in dem Buche Guttmann’s Alles zusammengestellt und die gelehrten Anmerkungen geben ein vollgültiges Zeugniss, dass Guttmann vorzüglich dazu berufen ist, auf dem Gebiete der jüd. Beligionsphilo- Sophie ein gewichtiges Wort mit dreinzureden. Litterarischer Anzeiger. di• Jahrgtnge 1887, 1888, 188» des yrJmi. Liitaratark 1 sind ä 4 Mark gegen directe Einsendung des Betrages franco zu haben bei der bpt4. 4. Jsr. Woohensekrift. Kochbuch für iaraeL Frauen von lefeUa Welf g*. Immm Msaatc verb. Auflage. Eie« Ianrwandband. mH Mk. ÜM. Ali vorzüglich anerkannt. UM.Tr ר 3 Mark ו׳־. -׳!Gegen monatliche Ratenzablu Meyers Konversations-Lexikon Läng wird geheilt. [2106 Die Methode, welche rasch und sicher ist, wird durch ausgezeichnete, vielfach erprobte Mittel unterstützt Nach vier Wochen tritt stets entschisd. Besserung ein. Ausführliche Berichte mit Retourmarken sind zu adressiren: Bj|riM8Ntt«riwbakml Unterzeichneter verkauft gegen vorherige Einsendung des Betrages od per Nachnahme: 1. nachgeL Schriften, oBde.! brasch. 1• Mk. A 8HtS, Lehrer in Oberhausen < Rheinland). a Briefkattsa itr .fcadact1»n. Der Abdruck det» Artikelserie: ״Za■*’ I>ebe■ a. Werke” in nächster Nr. Geginnt Tseaatwuytlicher ilsdssSsar Dr. Bsk*sr. Magdeburg. Druck von D. L. WolfÜ Magdeburg. Verlag von Robert Friese.Leipzig