Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 19 (1890)
- Issue
- N° 1. (2.1.1890)
- Date
- 1890-01-02
- Page
- Seite 2 (sequence 3)
- Language
- German
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Hoch wohlgeboren aohon von ao vielen Seiten erhalt m haben, nichts hin zu setzen können, aller wir schmeicheln uns doch, daaa sie ihn wohlwollend annehmen werden, weil Sie die ־Wissenschaften lieben and jeden unter ans mit Freundschaft and Gewogenheit beehren. Es ist der Ausdruck der reinsten Hochachtung, welche wir Ew. HochwoUgeboien, als dem grfindhchen Gelehrten im Fache der hebräischen Litteratur, als dem Freunde and Beförderer der ־Wissenschaften and schönen Künste, sowie alles Gemeinnötzlichen, als dem grossmfithtgen Untentütxer manches Stadirenden, wie so vieler anderen Hilfsbedürftigen, als dem Beförderer heilsamer Aufklärung, besonders durch zweckmässigen ־Unterricht and Erziehung der Jugend, als dem milden and weisen Stifter and Erhalter der Schule aa Seesen — aas ganzem Herzen weihen Aach sind Ew. Hochwohlgeboren in dem schätzbarsten Theile der Philosophie echon länget Lehrer, ich meine die Philosophie des Lebens, die Wissenschaft and Konst, das Leben nützlich zu mschen and za gemessen. Möge Allerhöchste Ihnen diese edlen Freuden des Lebens bis in die spätesten Jahre verlängern! Aus Niemer des Herzen kenn auch dieser Wnnsch aufrichtiger kommen, als ans dem meinten. Gern hätte ich diese meine und meiner Collegen -Empfindungen mündlich und mit einiger Feierlichkeit aassadrticken gesucht, and wir hatten ans nach die Hoffnung gemacht beiEw. HochwoUgeboien letatenAn- Wesenheit hierselbst**) deza Gelegenheit za erhalten, *) Diesen Titel hatte der Herzog von Mecklenburg-Schwerin Jacobson am 2. Juni 100b verlieben Er war ausserdem noch landarlflich Hesaen-Darmstidtischer Commsnienrath seit dem 28. Februar 1801 und markgrtflich Badensiacher Hotagent seit dam 7. Man 1803. Später, am 12. November 1812, wurde er noch *tun Bitter des ״Ordens dar Westfalischen Krone“ ernannt. **) Jacobson war m Helmstedt zom Gebrauche der dortigen Bader. Auch von Cassel ans führte ihn znweilen sein Weg su diesen Zwecke dorthin. So suchte er 1810 in deaBadem des OeaaniUiiniiiiwis Heilung von einem heftigen rheumatischen leiden und fand dieselbe. Aus Dankbarkeit daponirta er beim Magistrale za Helmstedt 500 Thaler, deren jährliche Zinsen — 20 Thaler — zu freien Badem für arme Leidende verwandt werden sollten, and über eine sumpfige Niederung des Weges naah dass Bade lies■ er eine steinerne Bräche, buten, die su seinem Andenken Jacobs brücke genannt wurde. Seitens der Stadt erhielt die Bräche die Inschrift: ,Dass Deutsche wie die Franken. > Gesunde gleich* dem Kranken, Das nahe Bad erquicke, Erbeute diese Bracke 7 Der edle Jaoobeon, Ihm gilt der Dank für Lohn.“ Zeit hat eine rohe Hand das Wort ״edle“ aas- I ae mit ,JadaP arestet» Die Absicht dieeee Manschen war böse, er wollte schmähen, wider Wille■ lmt er j«dpch\gat; denn was anderes besagt die Aaaderang als: er, dass dieser Jacobson ein Jude war*! In ji bt diese kürzer war, als urig erwartetwäf so _ jeiafc nar, poch snbrittliek birämtain, d ndeh ■äÜurgurat• häH», bai diese• aigeneht -*1nfte da* Organ mein«. Fajaalbäfc aa ־׳eeia, uifr 11 mit der grösstes Hbchacfctang stell traute Ew. Hochwohlgeboren gehorsamster Diener F. A. Wiedebarg.-' Helmstedt, den 17. September 1807. (Schl f.) Kecenalonen. ״Tom Donn zar Donas“. Neue Kulturbilder von K. E. Franzos. Zweite Auflage. Während wir Jaden in den Kulturländern unsere kleinen Leiden laut und lebhaft beklagen, werden die Gefahren, welche über die Millionen unserer Glaubeni- ־ gemeinschaft im Osten Europa’s heraufriehen, immer dankler und bedrohlicher. Der Chassidismus ist ein ungeheures Unglück, denn er bedeutet nahezu eine Vernichtung des Jadenthums im Sumpfe eines wüsten Aberglaubens; es ist bezeichnend, dass sich die Gegenpartei derChassidim ״Mianagdim“ schlechtweg die ״Oppo- Bition“ nennt; dies beweist, dass die Anhänger des alten Judenthnms, wie es in Thora und Talmud gelehrt wird, sich dort im Zustand der Defension befinden, dass sie sich mühselig und oft genug erfolglos gegen den Vorstoss der Chassidim wehren. Selbst hart an der preussischen Grenze gewinnen diese Unholde des Aberglaubens immer mehr Boden; sie untergraben den Gegnern die sociale und geschäftliehe Stellung, und wer nicht ruinirt und auch nicht isolirt werden will und nicht sehr fest in seinen Ueber- Zeugungen ist, stürzt sich in den allgemeinen Taumel und heult mit den Wölfen. Die, alles wahre Judenthum verhöhnende Vergötterung der ־Wanderrabbi’8 wird immer schamloser. Schon aas dem Anfänge dieses Jahrhunderts wird berichtet, dass, wenn ein russischer Wunderrabbi das Kaddisch des Nellabgebetes sprach, er mit den Worten begann: Pawel sagt, ani melech (ich bin König), Konstantin sagt, ani melepn (ich bin König), aber ich sage Jisgadal etc. Damals stellte sich der Rabbi nur mit Czaren und Grossfürsten auf eine Stufe, später wurde er schon von. seinem Anhänge zu einem Gotte gemacht. Als einmal ein solcher Wunderthäter am Freitag Abend zum Fenster hinaus seine Cigarre rauchte, während schon die hellen Sterne am Himmel leuchteten, ‘und ein Chassid den Andern daranf aufmerksam machte, beruhigte dieser den Genossen mit den Worten: ״Mistume hat er einen Qirap auf Haschern Jisburach“ d. h. aus der barbarischen Mischmaschrede jener Länder in’s Deutsche übertragen: wahrscheidlich hat er einen Groll anf den lieben Gott. Es kommt nicht darauf an, ob diese Anekdote strikt wahr ist; aber sie giebt die gotteslästerliche An- Behauung vieler Verblendeten wieder, die zwar Juden heissen, aber kaum noch unsere Glaubensgenossen sind; sie selbst wenigstens sehen uns nicht als Genossen, ja kaum noch als Menschen an, und halten jede Unthat gegen uns für erlaubt. Franzos weist in dem meisterhaften Kulturbilde ״der Ahnherr des Messias“ daranf hin, wie die rohesten materiellen Interessen bei dieser Begünstigung des Aberglaubens die Entscheidung geben. Dem Referenten ist einmal eine Geschichte erzählt worden, die dies bestätigt. In Badomsk war einst der Wunderrabbi gestorben and mit. ihm die ־ganze Dynastie erloschen; aber den Leuten that es leid, dass der Stadt and der Jadengemeinde die VortheQe entgehen sollten, die aus * Zusammen strömen so vieler fanatischer. Anhänger ibbi für den Ort sich ergaben. So wurde denn