Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 17 (1888)
- Issue
- N° 50. (13.12.1888)
- Date
- 1888-12-13
- Page
- Seite 195 (sequence 4)
- Language
- German
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diesen Irrthflmem alsdann einen Rüoksofyl: Zuverlässigkeit des übrigen Inhalts der 80 müsste der Glaube an diese Za duroh solche Entdeckungen bedeutend werden. Könnte es aber nicht auoh ein sein, dass gerade die Zeitangaben in dft Herrn Schechter beschriebenen MSS. nioht bestanden haben, oder sollten in auch den übrigen Handschriften oder derselben ähnliche Mängel anhaften? Lft natürlich sehr za beklagen und mehr als Werth der Handsohriften in den Augen bedeutend za reduziren. Immerhin dürft,! Herausgebern dieser Umstand als Finge! keine chronologische Angabe in einem ohne Prüfung auf ihre Richtigkeit, auf Glauben hinzanehmen, auch dann nioht, Eiiah Levita geschrieben hat.— Viel! Herr Soheohter, um sich bei den dank־ seiner sehr schätzbaren Artikel dopp zu machen, nachträglich noch einmal einen Blick in die 4 von ihm beschrieb 3 scripte za werfen und sich zu überzeugen die von mir berichtigten Irrthümer etwt andern Grund, als auf einen in den w ir k 1 i o h vorhandenen Fehler zurückzufti Sollte aber das Vorhandensein derselben schrillen sich bestätigen, so müsste im Wissenschaft auch eine genaue Unters Prüfung aller übrigen Handschriften werden. Zu dieser Arbeit stelle ich Herrft resp. der Bibliothek des British Mus schwachen Kräfte auf Wunsch bereitwillig fügung. L. Cohen in Rees IIL VC 1׳ ass auf die ft SS. machen, verlässigkeit erschüttert reiner Zufall n vier von die Prüfung Wirklichkeit qinem Theile tzteres wäre geeignet, den 408 Kritikers e aber den njzeig dienen, Manu8cripte Treue und wenn sie ein eicht nimmt baren Lesern < lt verdient Veranlassung, nen Manu• ob nioht auf einen ft änuscripten hren seien, den Hand- Iiteresse der u ohung und rgenommen Schechter, sfeum meine;st zur Vera. Rhein. in Eine Judenverfolgung Posen vor zweihundert Jahren dis Wie in Deutschland und in andern fanden auch in Polen früher häufig Juden statt, und es ist ein albernes Märchen pol: sohichtsschreiber, wenn sie auf Grund vc Massnahmen einzelner Fürsten behaupte! wirklich das ״ Paradies“ der Juden gewesc: hätten die Grundsätze wahrer Duldung; und gegolten. L u k a 8 z e w i c z, der bekann te Schreiber der Stadt Posen, erzählt ganzen Reihe von Judenverfolgungen, gefunden haben, und es wird den Lc: Blätter*) gewiss willkommen sein, de: Verlauf eines solchen Tumultes, und zwei! chen, der gerade vor zweihundert Jahren vember 1688 — sich hier ereignete, kenne: ״Feria sexta post festum Omuia anlasste der Pöbel mehrere Nächte hinduf auf der Judenstrasse und drang bei die: heit nicht nur in die jüdischen Häuser, so: auch ihre Laden gewaltsam und riohtetje Tausend Gulden Schaden an. In den aus denen ich diese Notiz entlehnt hab4, nähere Veranlassung zu diesem Kreuzzug gegen die Juden nicht erwähnt. Dagegen eine mir vom Herrn Theophil Mielcarzewio: mitgetheilte Handschrift diesen Tumult tnassen: ״In der Nacht vom Freitag auf der vor deia Allerheiligenfeste wurde vod denten in Verbindung mit dem Pöbel gegen die Juden veranlasst. Auf die Kuft schickte der Magistrat zwar einige Soldat! Ländern, so \ erfolgungen nischer Ge- >n einzelnen Polen sei n, und hier bestanden Geschichte• von einer hier stattseru dieser in näheren ,r eines solim No-!n zu lernen. *) ״Posener Provinzial-Blätter“ v. 25. Nov. c. torum verch Tumulte Gelegenftdem öffnete für viele :hlussaoten, wird die des Pöbels beschreibt z gefälligst folgender- Sonnabend lnigen Stnein Tumult de hiervon der Rathhauswaohe, welche mit Morgensternen bewaffnet waren, dorthin ab, diese aber fanden bei ihrer Anknnft die auf der Jndenstrassse gelegenen hölznen Häuser bereite funditus zerstört. Nicht nur alle Thüran, Fenster, Tische, Bänke und Sessel waren eerbroohen und zertrümmert, sondern auoh alles Geld, alle Pfänder, alles Gold und Silber, sowie Zinn, Kupfer, Messing und Eisen waren geraubt. Am andern Tage(Sonnabend)gleioh nach Sonnenuntergang begann auf der Jadenstrasse ein noch weit grösserer Tumult, au welohem sioh zwar nur wenige Studenten, aber desto mehr Handwerker und Gesindel betheiligte. Die Plünderung und der Lärm dauerten fast bis zam hellen Tage. Am Sonntag drang wiederum eine mit Hand- und Feuerwaffen versehene Schaar von Handwerkern und Gesindel aller Art in den mit massiven Häusern besetzten Theil der Jadenstrasse und erbrach drei mit verschiedenen Waaren angefüllte Läden, was ohne Zweifel auch mit den übrigen geschehen wäre, wenn sich die Juden nioht mit Steinen vertheidigt hätten. Die Stadtsoldaten betheiligten sich daran mehr als Zuschauer, denn als Beschützer. Erst um ein Uhr fühlten sich mehrere Edelleate durch das Jammergesohrei der Juden veranlasst, die Tumultuanten aus der Judenstrasse nach dem Markte hinzudrängen. Jetzt erst liess man auf dem Rathhause wie zam Scherz die Trommeln rühren, aber gleichwohl wurden die Leute, welche aus den Häusern in der Stadt herbeieilten, und das Gesindel aus der Jadenstrasse verjagten, mit Steinen und Ziegeln geworfen. Endlioh legte sich der Tumult durch Vermittelung des Sohlossamtes. Die Juden berechneten den ihnen duroh die3en Tumult verursachten Schaden auf 20 000 Gulden. In zwanzig Häusern derselben waren die Thüren erbrouhen, die Bänke und Stühle zertrümmert oder zerhackt, sämmtliches Geräth und Geld geraubt. Die oben erwähnten Tumulte dauerten beinahe vier Tage. ״Einige Tage später ritt eia Jade, der einen Reisesack und eine Chatulle mit Geld bei sich hatte, um die Abenddämmerung mit drei Pferden aus der Stadt. Während derselbe an der Brücke Halt machte, kam ihm ein sechsspänniger Leiterwagen entgegen, dessen Kutscher mit der Peitsche (oharopniekiem) auf die Pferde des Jaden einhieb, so dass sie scheu wurden. In Folge dessen fiel die Chatulle auf die Zugbrüoke und der Reisesack unter dieselbe. Da bat der Jude einen am Thore stehenden Soldaten, ihm seinen Reisesak za holen, was dieser auoh that. Während nun beide damit beschäftigt, waren, die Chatulle and den Reisesack auf dem Pferde festzubinden* wurde dasselbe soheu, schlug aus and traf einen vorübergehenden Knaben so unglüoklioh, dass er zu Boden fiel, worauf die Leute schrien, dass das Pferd des Jaden den Knaben erschlagen hätte. Da nahmen sich Studenten, welche von einem Spaziergange zurückkehrten, des Knaben an und fielen über׳ den Juden her; indessen einigte man sich dahin, dass der Jude der Mutter des übrigens unbeschädigt gebliebenen Knaben 10 Gulden zahlte.“ Erst, als diese Provinz an Preussen kam, begann sich der bis dahin im Wesentlichen recht- und sohutzlose Zustand der Juden zu ändern und za.bessern. Duroh das General-Judenreglement von 1797 wurden sie zwar den übrigen Staatsbürgern noch nioht gleiohgestellt, aber sie durften auoh nioht mehr als Mensehen zweiter oder dritter Klasse behandelt werden, und es begann ein System der sorgfältigsten und wohlwollenden Erziehung־ und Angliederung an den preussisohen Staatsorganismus, das endlioh in der völligen Judenemanzipation von 1871 seinen Abschluss gefunden hat. (Bed)