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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1888-12-13 · N° 50. (13.12.1888) · p. Seite 196

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
17 (1888)
Issue
N° 50. (13.12.1888)
Date
1888-12-13
Page
Seite 196 (sequence 5)
Language
German
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Litteraturbericlit Recensionen. Landau, Dr. 8■ Ansichten des Talmuds und der Qeonim über den Werth der midr&sohisohen Sohriftanslegung, ein Beitrag zur Geschichte der ältesten Schriftexegese. 1888. A. J. Hofmann, Frankfurt a. M. Die sehr verdienstvolle und von eingehendem Quellenstudium zeugende Arbeit, die in Folge einer preisgekrönten Schrift des Verf. entstanden ist, sprioht in zwei grösseren Abtbeilungen vom Midrasch nach talmudisoher Auffassung und zwar vom halachischen und vom haggadischen Midrasch -und dann von der Stellung der Geonim zur talmadischen Exegese. Der halachische Midrasch entsteht durch die Anwendung der tradierten Hillel’schen 7 Regelnמדות שהתודה :־ p3 נדרשת. Der Verf wendet sich gegen die Geigersehe Auffassung, dass diese Art des Midrasch ein Produkt der spätem Gemara sei, weist vielmehr nach, dass .das Streben, die mündliche Lehre mittels Deutung auf die Schrift znrückzuführen, uralt ist, wenn auch diese Midrasohisohe Deutung in der Mischnah nur sehr selten anzutreffen J8t. Denn die Mischnah lässt ‘die midraschische Begründung nur darum weg, veil dieselbe in älteren Halachah’s, auf die sich die Mischnah bezieht, schon gegeben war. Im weiteren vertritt und erhärtet der Autor die Meinung, dass die midraschische Schriftauslegung ,sowohl in ihrem Verfahren als auch in ihren Resultaten sehr harmlos ist.“ Denn die Deutungen, die diese Art der Exegese oft eine Verschärfung oder Erweiterung oder Neubildung eines bibl. Gesetzes hervorruft, sind nie der Art, dass dadurch der natürliche Sinn des betr. Schriftwortes aufgehoben wird. Nur möchten wir danach vou dieser midraschischen Exegese nicht behaupten, dass sie ,sehr harmlos“ (S. 21), sondern durchaus ,nicht unnatürlich“ ist. Zum Zweck dieser Exegese bedient sich der Talmud häufig der Deutungsregel von גדרה שח"!, die der Verf. an verschiedenen Beispielen' aas dem Talmud treffend charakterisirt. Jedoch in der Polemik des Verf. gegen Frankel’s Auffaassung (Hodegetik S. 20) der ,Geserah schawah“ möchten wir doch in Anbetracht der Meinung des Verf., dass diese Deutungsregel ,gar keinen Anspruch auf Logik macht“ (S. 36.Anm.) das eine Moment hervorheben, dass ja ״Geserah schawah“ doch auch eine Sach-Analogie involvirt und einer solchen gegenüber müssen wir doch wohl bei ihrer Anwendung logische Nothwendigkeit präsamireu. So kommt denn der Verf. durch seine sachgemässe und eingehende Untersuchung zu dem allerdings nicht überraschenden Resultat, dass der Talmud in dem halachischen Deutungsverfahren keine vollgültige Exegese, sondern nur gewisse Andeutungen, Winke (רמי) erkennt. — Ebenso wie der halachische Midrasch giebt auch der agadische M. des Talmud’s den natürlichen Sinn des Schriftverses nicht 8ufj gemäss dem Grundsätze: אין מקרא יוצא מידי פשוטו , dies beweist der Verf durch Beispiele, in denen einerseits divergirende Ansichten neben einander gestellt, andererseits dieselben begründet werden. Der agadische Midrasch, meint der Verf., verfahrt nach Art der Paraphrase, ,mit der es nicht so ernst gemeint ist“, ohne dieselbe an Stelle des natürlichen Sinnes zu setzen. Mit dieser Auffassung befindet sich der Autor im Gegensatz zu Geiger, der jeden Midrasch des Talmuds fälschlich als beweiskräftige Exegese auffasst und erklärt jene scheinbar widersprechenden Stellen daroh die Annahme, dass der agadische Midrasch den naturgemässen Sinn des Sohriftwortes nur dann aufgiebt, wenn die tradirte Halaoha dadurch alterirt würde.—Selbstständiger noch und unabhängiger von der midraschischen Sohriftaualegung verfahren die Geonim. Schon Ibn Esra, der in seiner bekannten Einleitung zum Pentatenohkommentar die Art, wie seine Vorgänger exegesirten, unter fünf Gesichtspunkte zasammenfasst, lässt nach einer vom Autor citirten Stelle (Safa berara) in seinem Urtheil daroh - blioken, dass die Geonim in ihren Kommentaren zur Schrift von der Hagada absehen. Das gilt besonders von Saadia, den Ibn Esra den ראש המדברים ככל מקום nennt. Trotzdem kommt Saadia der talmudisohen Exegese, wie er selbst andeutet, mit grosser Pietät entgegen, ohne ihr einen unumstössliohen Werth beizalegen. Durch viele Beispiele gelingt es dem Verf. diese Ansicht zu erhärten. Auch die spätere Geonim wie namentlich Soherirah und Hai urtheilen in dieser Beziehung nioht anders von der midraschischen Exegese, 80 dass wir nach all’ den untrüglichen׳ Beweisen, die der Verf. anführt und nach all’ den verschiedenen Ci taten, die zweifellos für dieses Resultat zeugen, auch die Geonim die Exegese als freie Wissenschüft hinstellen sehen. Mit vielem Geschick und grosser Saohkenntniss wird vom Verf. auf diese Weise der Werth, den das spätere jüd. Sohriftthum der Midrasch-Exegese beilegt, richtig bemessen. Kaiserslautern. Landsberg. Kaminka, Armand, cand. phil. אכפת שירים Po^sies Hibra’iques. Paris. Darlacher 1888. Kl. 8°. 110. Das äa8serlioh sehr elegant ausgestattete Büchlein bringt viel und Vieles und darum den Freunden hebräischer Dichtungen gewiss auch manches Erfreuliche. In grösserer Zahl werden uns Oden und Balladen — wie sie der Verf. nennt — und Elegien vorgetührt. Auch mehr oder minder freie Uebertragangen nichthebräischer Dichtungen bietet uns der Verf., dem die Form der fliessenden hebräischen Diction in nicht unbeträchtlichem Grade zu Gebote steht. Man kann nicht sagen, dass die Inspiration eines genial angelegten, gottbegnadeten Dichters in diesen gereimten und ungereimten Versen sich überwältigend manifestirt. Dagegen muss man dem Verf die gewandte und im Allgemeinen correcte Beherrschung der hebräischen Sprachförmen rückhaltlos zuerkennen. Wer auf Kosten des tieferen, wahrhaft poetischen Gehaltes an der poetischen, metrischen oder rhytmisohen Form sich ergötzt, wird in diesem Büchlein des Befriedigenden und Interessanten genug finden. Freilioh muss er dabei manche groteske, litterakische Rücksichtslosigkeit mit in den Kauf nehmen. Der Verf. macht sich keinerlei Skrupel, Wörtern wie קוראן, קבילים פקיר eto. טשבוק, בדואיני, hebräisches Bürgerrecht zu verschaffen. Die hebräische Sprache wird — glaube ich — sehr gern auf diese Eindringlinge verziohten. Unter den ״poesies dtraDgäres“ זמ1ר1ת נכריות (?) — wie der Uebersetzer sich auszudrüoken belieb'׳ — figuriren keine geringeren .Capaoitäten, als Victor Hugo Horaz, Hesiod, Tyrtaeos, Alcaeos, Anakreon und — last not least — Homer. Von den horazischen Oden sucht der Uebersetzer ״Integer vitae“ und ״Otium divos rogat“ sogar unter Festhaltung der sapphischen Strophe ins Hebräisohe za übertragen. Das 21. Buch der Jlias - die Rache des Achilles — begeistert den Uebersetzer und verleitet ihn zu dem Wagnisse, den Hexameter auch im Hebräischen copiren oder imitiren za wollen. Mit welchem Erfolg, das beurtheile der ge8ch. Leser selbst. —no.— Verantw örtlich er Redactear Dr. Rthmer, Magdeburg. Druck von D.L Wo Iff, Magdeburg. Verlag von Robert Fries e, Leipzig

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