Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 17 (1888)
- Issue
- N° 45. (8.11.1888)
- Date
- 1888-11-08
- Page
- Seite 174 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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der Synagoge wie im Tempel, and wünsohenswerth nach im gewöhnlichen Leben, nioht entblösst werden. £8 ist kein Halaoha, aber eine־ altehrwürdige Sitte. Die Gelehrten scheinen stets bedeckt gewesen zu sein,, das Volk nar in der Synagoge; später wurde die Koptbedeokang aach im gewöhnlichen Leben beibehalten. Und so lesen wir im Sohalohan Arach (Or. Ch. 2.6) über die Körperbekleidung handelnd, folgendes:*) ״Es ist verboten, in hoher, aufrechter Haltung, nooh auch vier Ellen weit entblössten Hauptes zu wandeln.“ Dieses soheint mit unserer Misohna nichts zu thun au haben, und einzig and allein ein Nachklarg vo.n Kiddaschin 31 a zu sein, wo ein Lehrer das Autrechtgehen geradezu als unerlaubt erklärt, ein Anderer aber es als nachahmungs würdiges Beispiel aufs teilt: nie entblössten Hauptes zu gehen **). Unsere Mischna _ wird mit keinem Worte erwähnt, und die Kopfentblössung wird mit stolzer, aufrechter Haltung za- 8ammenge8tellt und verboten. Wir fühlen, wir haben den positiven Boden der Mischna nicht mehr unter uns, die schrillen -Töne des Mystizismus erschallen bereits um uns. ״Mensch, gehe nicht aufrecht, frech und frei; büoke dich *und bedecke dir das Haupt, da bist nicht werth, das Sonnenlicht zu schauen!“ — es ist das Gefühl des Exils. Der Commentator Meharschal fügt hinzu: Beides, das ״Aufrechtgehen and das unbedeckte Haupt,“ sind —blos unter freiem Himmel verboten, währepd das Innere des Hauses weniger die Gegenwart Gottes darstellt. Da wird eine Kappe oder Perrücke anempfohlen. *) Der Commentator Magen Abraham, hier- ן auf verschiedene Talmudstellen citirend, sagt: ״Es scheint, dass kleine Knaben gewöhnlich entblössten Hauptes gehen, aber man müsste ihnen lieber den Kopf zudecken, am ihnen Gottesfurcht einzuprägen.“ Die Stelle in Sabbath (156 b) wird citirt, nach welcher die Mutter des Bab Nachman denselben nie־ entblässten Hauptes einhergehen liess. Während der Commentator Magen David dort das Aafrechtgehen darum als verboten erklärt, ״weil dadurch gleichsam die göttliche Gegenwart verdrängt wird.**; Das Verbot des Aafrechtgehens and der Haupt-! entblössung, beides in eins zusammenfassend, und zweifelsohne eine mystisch-sittliche Weltanschauung! zu Grunde habend, ist bereits in der amoräischen i Periode zu finden, und pflanzte sich durch die gaoi näsisohe fort, bis es in der rabbinisch-kabbalistisohen : Zeit der Commentatoren des Schulchan-Aruch culminirte. Was bei den Mischna-Lehrem einfacher Be- 1 spekt war, artete nach der Tempel-Zerstörung und in den ^ersten Jahrhunderten des Mittelalters in ktech- , tischen Sinn, und za Ende dieser Geschichtsepoche I in Halluzination und Spuckgesichterei aus.! Merkwürdig ist £8, dass trotz dieser trüben Atmosphäre der Magen-David doch klar genug sieht, das Haaptbedecken nicht zum ״Din“ und rabbinischen Gesetz zu erheben, sondern es immerhin blos als eine Sitte und heiligen Brauch bestehen lässt. Dies ״Gilaj rösch“ führt er zurück auf Kiddaschin 31a; ״Bab Huna, Sohn Jehosohuah’s, ging nicht vier Ellen entblässten Hauptes, denn, sagte er: die Majestät Gottes ist über meinem Haupte.“ Er geht so weit, sich 1 gegen den 'hir auszalassen, der es zum Verbot stempeln will (Or. Ch. 2.6)*) Der Schulchan-Aruch (Or. Ch. 91. 3 u. 151. 6) erklärt auoh dieses Verbot der Hauptentblössung nur als die Meinung von Einigen: Einige verwehren (ויש אוסרים) den Eintritt in die Synagoge blossen Hauptes.“ Deutliche}־ aber nooh finden wir unsere Frage besprochen in Schulohan Arach (Or. Ch. 8.2 ), dort heisst es: ״Lus Art und Weise des Einhüllens mit dem TaUith (Pallium) und den Schaufäden ist gleioh der der Leute] die 8ioh in ihre Gewänder während ihrer täglichen Beschäftigung hüllen, manchmal bedeckten und rh&nchmal unbedeckten Hauptes. Besser aber ist, man be,lecke sich das Haupt mit dem Tallith.“ <פעמים בכבוי, ופעמים בנלוי>. Also scheint es, dass noch zur Zeit des Verfassers die arbeitende [Klasse nioht immer das Haupt bedeckt hatte und es araempfohlen wird, dass man lieber das Haupt mit dem Tallith bedecke, woher nun erklärlich wird, warum [die Synagoge noch lange an diesem Brauch festhäli, auch wenn das gemeine Leben ihn schon aufgegeben hat. Der Magen-David zur Stelle beleuchtet die Sache mit bedeutender Freiheit und Unbefangenheit. Nach vielfachen Citajten aas Tur, Schulchan Aruch und deren Commentatoren wie der einschlägigen Stellen in Sabbath undl Kidduschin**) erklärt er unumwunden: ״Es sei kein Verbot, entblössten Hauptes zu gehen, sondern blos eiae fromme Sitte. . Denn es gebe keinen Din hierüber. . Jedoch auch während des Nichtbetens verwahr s man sich dagegen, da das Volk es zur Leichtfertigkeit missbraucht . . . Auch während des ״Talmud-L-rnens“ bedecke man sich das Haupt mit einem leid ten Stoße ... Er schliesst nichtsdestoweniger, sozusagen par acquit de conscieuce: ״Jedoch halte ich es sicherlich für unerlaubt, da es eine ״nichtjüdische Sitte“ sei, den Hut abzunehmen. Es wäre ein ״Chakath Haggoj“, umsomehr, da die Kopfbedeckung von Gottesfurcht zeugt.1־**) Das schein! 1 wohl auch das eigentliche Motiv der jetzigen Synagoge zu sein : Es ist ein Chukath Hagoj, während Kopfbedeckung ״Gottesfurcht“ bedeutet; es ist ein alter jüdfischer Brauch, also Gefühlssache. Bevor wir weiter gehen, wollen wir resumiren: Wir haben bis nun gesehen, dass der Passus לא יקל את ראשו seinem Contexte, der logischen Nothwendigheit, und den weiteren Verhandlungen der Gemara (61 b) gemäss, allem Anscheine nach die Kopfbedeckung mit in sich begreift; ferner, dass die Amoräer selbst einen Unterschied zwischen dem Tempelberg und unserer jetzigen Synagoge machen; dass die Casuisten hierauf für den Brauch des jetzigen praktischen Lebens unsere Mischna J gar nicht berücksichtigen, sondern dass sie das Aufrechtgehen und das Entblössten- Hauptes-Sein in Eines verschmelzen lassen; dass sie diess auf die Stelle in Kiddaschin 31a basiren; dass sie Bekoma-sekupha als ein Verbot, ״Giluj Bosoh“ aber blos für eine unfromme Sitte erklären, und zwar eigentlich nur!?ährend des Gottesdienstes; ferner, dass sie das Haüptentblössen dooh im Ganzen verpönen, einfach als eine nicht-jüdische Sitte, und die Kopfbedeckung buch allgemein anempfohlen, weil sie dem Jaden Gott« »furcht repräsentirt. *) אסור לילך כקומה זקופה. ולא ד אמת בנילר ראש. **) אמר ר־ יהושע p לר : אסור שיהלך ארבע אמות כקומה וקופת רב התא אמר שכינה למעלה מראשי. *> דוהא תחת אויר רקע... לא בבית.♦ . **) שדוחק רנלי השכינה. *) ואינו נכח דאיך יחמיר הטור על הלכה פסוקה כגמרא מסברא דנפשיה. *♦) כסי רישך... דלהוי עליך אימתא התא גברא דלא מכסי..אמרו כמה חצוף **•) אין אסור.. רק מדת חסידות.. P1 איסור.. מטעם ובחקותיהם... והעם תום! חשמיא(Sabhath_1$6b) |',וא (.Kiddaschin 32 a) רש*ל... ונ״ל שיש וסיס אותו לפרצות..