Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 17 (1888)
- Issue
- N° 44. (1.11.1888)
- Date
- 1888-11-01
- Page
- Seite 171 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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entstand in nämlicher Weise: erst Kopfbedeokung, dann allgemein: würdiges Betragen.] | Noch grösser weiden unsere Bedenken, wenn wir die Gemara lesen (ibidem 61b), die ansein Passus erläatert: ״Rab Jehuda, im Namen Babs, sagte: Unsere Misohna schreibt jenes vor, blos von der Stelle benannt ״Zophim“ (Warte), naoh dem Tempelberge hin, and nur, wenn der Gesichtskreis an behindert ist;,und (wird weiter hinzagefügt) wenn kein Gemäaer dazwisohen ist, and zar Zeit der Anwesenheit der göttliehen Majestät d. i. zar Zeit des Tempils). *) 'Diese Qualifizirung der Bedingungen! unter welohen unser fraglicher Passus gemeint sei (bei freiem Gesichtskreis and nicht allzuweit ab), beweist wohl, dass die Amoräer etwas in die Augenj Stechendes hiermit verboten wissen wollten, das Wort ,jekal“ also auoh buchstäblich und nicht blos metajphorisch genommen haben, dass es ihnen gemäss nicht!leichtfertige Worte,“ sondern aaoh frivole and unanständige Kopfentblössung, Abnehmen der üblichen Kopfbedeckung, das dem Orientalen etwas so sehrWiderliohjBS, sein Auge so sehr Verletzendes enthält, inoladire und verbiete. Endlioh sprioht hierfür der Ort selbst. Wenn die Mischna• und Talmud-Lehrer genaue Vorschriften geben über den Stock, die Sohahe, die ßumpfbekleidung, das Aasspaoken etc., sollten sie dih bei Weitem wichtigere Kopfbedeckung mit Stillschweigen übergehen? Nicht denkbar! Und welchen!passenderen Ort als eben diesen gab es für diese wichtige Erwähnung? ״Lo jekal“ im Sinne von Leichtfertigkeit ist anklar und allgemein; ״Lo jekal“, aber in dem Sinne, picht blossen Hauptes den Tempelberg besteigen, ist vollkommen natürlich and den herrschenden dortigen] Sitten entsprechend: die ganze Mischna handelt über das ehrerbietige, äussere Erscheinen beim' Tfmpelbesaoh. Nehmen wir jetzt Maimonides (Jad Haohasakah) zur Hand**), Abodah, Beth-Habohirah, Kap. 7, V. 5—9, so lesen wir in der Misohna-Spraohe über die dem Tempel schuldige Ehrfaroht aaoh in der änsseren körperlichen Haitang, and da soheint die] ganze Aasdrucksweise darauf hinzadenten, dass Maimonides, selbst für diesmal, unser angezweifeltes ,110 jekal“ als aach die spezielle and eigentliche Kopfbedeckung mitbegreifend, auffasst. Während der Kommentator Mischna-le-Meleoh aasdrüoklioh beim Motjiviren dieser Satzungen hinzafügt: , Denn es sei eine Sohmaoh in der Tempelhalle ohne Hat za erscheinen.“ (נ3אי הוא ללמוד פלא מצנפת כעזרה). Wie denn aber — wird man frag >n — haben Baschi and Maimonides die Misohna gäizlioh missverstanden? Haben sie etwa gar das Haa ptentblössen auf dem Tempelberge gestattet? Mit Ni ohten! Der orientalische Brauch der Kopfbedeckung latte sioh in die Sitten der Synagoge ganz eingelebt. So eine Zamathang wäre dem mittelalterlichen Jaden annatürlieh and lächerlich vorgekommen, da do 3h noch die ganze arabische Welt vor ihm stand, der der Tarban and Fess an den Kopf gewachsen and dem Barte gleich heilig waren. | - i *1 אמר ר1ב יהודה אמר רב לא אמרן אלא מן הצופים ולפנים וכרואו •» אתמר נמי. וכשאין נדר ובזמן שהשכינה שורה. **) אסור לו לאדם להקל את ראשו מן הצופים ולפנים. והוא?יהיה רואה את המקדש ולא יהיה נדר מפסיק. Hier, wie in ersterwähnter Gemara, 61b, wird der frei 3 Gesichtskreis zwischen Tempel and Besucher desselben beton1 und dürfte er sich auf etwas ins Auge Fallende beziehen, au: die Kopfentbl&ssung, die äussere, körperliche Erscheinung: d es er Ausdruck schliesst zugleich sonstiges unehrerbietiges Beti agen mit, ein. לא יהל dürfte ursprünglich Kopfentblössung b »deutet haben. Später wurde es erweitert und verallgemeinert; alles frivole Betragen zusammenfassend, Anstandalosigkeit in körperlicher Haltung und Leichtsinn überhaupt bezeichnend. Warum denn interpratirten sie unsere Stelle 80 allgemein? Maimonides and Baschi generaliairten blos, antworten wirj was ursprünglich die leibliche Kopfbedeokang betraf, wurde nachher metaphorisch auf alles leichtfertige Betragen bezogen, da den Kopf entblössen dem Orientalen als etwas überaas Profanes and Vulgäres erscheint and daher höohst verpönt ist. Ich glaube nan kritisch dargethaa za haben, dass eine aasdrüokliohe Misohna, implioite wenigstens, die Kopf bedeokang vorsohreibt; dass man bis nan das ״Lo jekal“ zu enge gefasst, dass es in der That dem spätem ,Gilaj Bosch,“ and dem spezifisch hebräischen ״Priath Bosoh“ ursprünglich gleich war, and dass später dessen Sinn verallgemeinert wurde. So haben wir gesehen, dass Traktat Beraohoth, Abschnitt 9, Misohna L, die Sitte der Kopfbedeckung in der Nähe des Tempelberges wohl angeordnet za haben soheint. (Wild fortgesetzt) Litteraturbericht, Recensionen. Stolle, Fr. Aas der Gesohiohte der Jaden in Köln am Rhein. Ein Gang daroh die deatsohe Gesohiohte. Wiemann. Barmen 1888. 56 S. Der Verfasser hat seinen Gegenstand in wohlwollender Weise behandelt and zwar von dem Wonach beseelt, ,dass so liebreiohe Zeugen, freudige Bekenner, weise Jünger ihres einst aas Israel hervorgegangepqn Meisters, Erlösers and hoohgelobten Königs aaoh; ga unseren Tagen in immer grösserer Anzahl erstehdn.“ Das Sohriftohen dient aasdrüoklioh za Missionszweoken, denn es fehlt nicht an dem Hinweis, dass ,seit dun 16. Oct. 1843 in Köln der rheinisch - westfälische Verein für Israel besteht, am im westlichen Deutschland aaoh unter den zerstreuten Kindern des alten Bandes die frohe Botschaft aaszabreiten*. Das Schriftohen bezweokt also, die Herren Missionäre aaf ihrem Arbeitsfeld mit historischen Kenntnissen auszustatten, damit sie bei dem edlen Werke der Proselytonmaoheräi nicht eine gar za grosse Dosis von Unkenntniss der jüdisohen Gesohiohte an den Tag legen. Die Proselytenmaoherei hat sich stets aaf zwei ganz verso hiedenen Bahnen bewegt, entweder sind za ihrem Zwecke die grausamsten Verfolgungs Werkzeuge angewendet, oder es ist die Theorie mit dem Wolf in Schafskleidern zar Anwendung gebracht worden, wie dieses eben in anseren Tagen im Schwange ist Der Ver£ hebt aasdrüoklioh hervor, dass die Art, wie die Christen zur Zeit der Kreazzüge mit den Jaden verfahren, ,sehr unohristlioh and 1m höchsten Grade verabsoheaenswerth“ war. Wir wissen nioht, ob der Herr Vqrt. Theologe ist, möchten es aber doch als zweifelhaft dahinstellen, ob dieser Passus nioht eine mehr oder weniger sabjective Meinungsäusserung enthält and öb er von sämmtliohen christlichen Theologen neuester Observanz bedingungslos anerkannt wird. Zorn Sohlass möchten wir aaf kleinere Unrichtigkeiten hin weisen. Wenn aaf Seite 17 gesagt wird, dass der ,Jade Isaao“, nachdem er zar Taufe in die Barche geschleppt ühd vor dem Kruzifix aasgespien ,mit seiner Gattin“ erschlagen wurde, so ist das nioht historisch richtig; in den betreffenden Urkunden ist von ,seiner Gattin“ nioht die Bede. Aaoh ist, siehe S. 49, Pfefferkorn nioht 1503, sondern 1506 zam Christentham übergetreten. _ M. Sp. - ■ .. . ׳ •o. . .i.