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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1888-11-01 · N° 44. (1.11.1888) · p. Seite 170

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
17 (1888)
Issue
N° 44. (1.11.1888)
Date
1888-11-01
Page
Seite 170 (sequence 3)
Language
German
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in der Betstabe, welohe er in seinem Hause hatte — öffentliche jüdische Betstaben worden dazumal in Wien nicht geduldet —, eine Schwur von Hörern am sich sammelte, denen er seine witsigen Homiüen vortrag nnd s. B. auf diejenigen, die in die ,Kaffee• hinsei* gingen, den Vers des Jeremias deutete: ,was siehst da Jeremias: einen dampfenden Krag sehe ioh.״ Die Eitelkeit, der Ehrenrabbi aller grossen Gemeinden Deutschlands nnd Oesterreichs au sein, ist vielleicht immer noch edler, als die, eine Sammlung europäischer nnd aa88erearopÜsoher Orden aaf seiner Brost za vereinigen. Wertheimer, der Jadenk&iser, wie ihn die Leute nannten, der Jadenrabbiner, wie er gerne genannt sein wollte, hatte Gelegenheit von der Wende des Jahrhunderts sein gewichtiges Wort bei einem hochernsten Anlass an Gunsten der Jaden einzalegen and damit darchzadringen, obgleich mächtige Reiohsfürsten ihm zuwider waren. Eisenmenger hatte am diese Zeit nach langer Arbeit sein böses Bach vollendet, nnd bei dem überall vorhandenen Jadenhasse war eine gefährliche Wirkung dieser Brandsohrift za fürchten. Eisenmenger hatte schon, bevor er sein Bach veröffentlichte, viel davon geredet nnd so waren denn die Jaden darauf bedacht, sich za wehren. Sie wandten sich an Wertheimer and dieser richtete am 2. Juli 1700 an Kaiser Leopold ein Gesuch, die gefahrliche Schrift za konfisciren nnd schon acht Tage daran! wurde die Veröffentlichung inhibirt; weder die Einsprache des Pfalzgrafen vom Rhein noch selbst der Protest des Königs von Preassen halfen etwas gegen diesen Beschloss. - Wie dauerhaft solche Processe sein konnten, bei weist der Umstand, dass erst ein and vierzig Jahre ־später, nachdem die Urheber des Streites längst todt waren, die Freigebung des Baches erfolgte; der Proce88 aber batte damit sein Ende noch nicht erreicht; denn die Erben Eisenmengers wollten Schadenersatz; diese Verhandlungen dauerten weitere zwei nnd dreissig Jahre nnd erst im Jahie 1773 war der Process zu Ende, der im Jahre 1700 begonnen hatte. Freilich hat König Friedrich von Preassen schon viel früher, schon im Jahre 1711, das Bach in Berlin drucken lassen and angeordnet, dass Königsberg als 1 der Ort der Veröffentlichung aaf dem Titelblatt genannt werde, denn in Königsberg war ja Friedrich souverain, unabhängig vom kaiserlichen Willen, and überdies hatte man gerade in diesem Jahre, in welohem der spanische Erbfolgekrieg durch den Abfall Englands eine für Oesterreich ungünstige Wendung nahm, in Wien wohl mehr zu than, als um das Schicksal des Eisenmenger’sehen Baches im fernen Norden 8:ch za kümmern. ln der Darstellung von Grätz B. X. wird Oppenbeimer, der Vorgänger Wertheimers im Amt eines kaiserlichen Oberhofiaktors, als der Wortführer der Jnden gegen Eisenmenger genannt. Wolf hat wieder, , aaf Grand der Akten, Oppenheimer ganz ansgei schieden nnd alles Verdienst anf Wertheimer gehäuft i Mit Recht trifft hier Kaufmann den Ausgleich, dass beide Männer, wenn auch Wertheimer als Rabbiner in vorderster Reihe, die Sache ihres Glaubens vor dem Kaiser vertheidigt haben. Es ist von vornherein kaum denkbar, dass Oppenheimer, der d innig im Zenit stand, ganz sollte übergangen worden sein oder gar sich selbst sollte ausgeschlossen haben; ausserdem weist Kaufmann darauf hin, dass die Erben Eisenmengers beim König von Preassen verlangen, er möge zu ihrer Schadloshaltnng die Pfändung Wertheimers und Oppenheimers erwirken. Hätte Oppenheimer in dem ganzen Handel keine Bolle gespielt, so wäre ja dies Verlangen geradezu widersinnig. Wertheimer ist im Jahre 1658 geboren, 1684 ist er nach Wien gekommen. 1724 ist er gestorben. Prof. Kaufmann hat mit liebevollem Eingehen in die minutiösesteb Untersuchungen die Daten festgestellt, aas Arohiven, Handschriften von Privaten, aus briefliohen Mitteilungen and duroh gründliche Benutzung des vorhandenen Materials viel Wissenswertes über den interessanten Mann hervorgeholt. Herr Prof. Kaufmann sprioht in der Vorrede davon, dass der Strom des Vergessens jäh über die Geschlechter dahinäate; ״ in den meisten Generationen ist der Urgrossvater 80 gründlioh vergessen, als hätte er nie gelebte. Die Sohrift beginnt sodann mit dem Satze, dass unter den Begründern der neuen Wiener Gemeinde keiner seinem Namen eine probehaltigere Unsterblichkeit gesichert als Wertheimer. Der AasdruokRprobe|1altige Unsterblichkeit“ ist etwas gesucht; er erinnert ap jenes Diktum einer Majorin in Spitzers Spaziergängen ״ja, der Schiller ist nooh immer unsterblich*. In der Saohe giebt Kaufmann dadaroh zu, dass der Strom des Veigessens, über den er klagt, eine Persönlichkeit wie die Wertheimerd nioht überflathet hat. Wo immer von der Wiener Gemeinde, von Wiener Rabbinen die Rede war, ist Wertheimer erwähnt worden. Kaufmann blieb es Vorbehalten, ein hübsohes Büchlein über den Mann zu sohreiben. Sowohl der Geschichtsforscher wie der schlichte Leser werden an der Arbeit Kaafmann’s ihre Freude haben. Kopfbedeckung u. -Entblössung im Gotteshause. Von Rabbiner M. Flügel. II. (Fortsetzung.) Aber trotz der fest begründeten Autorität von Raschi und Maimonides, als sorgfältige Erklärer, überkommen uns ernste Bedenken über den ursprünglichen Sinn unserer fraglichen Stelle. Nach dem erwähnten ,לן! יקד fährt die Misohna fort, im zitirten Traktat, Berachot 54«:*) ״Und man solle nicht den Tempelberg betreten mit seinem Stooke, seinen Schuhen, seinem Leibgürtel und mit bestäubten Füssen. Aaoh solle man ihn nicht als Darohgang gebrauchen; und spucken dürfe man um 80 weniger.* Hier also statnirt der Mischna-Lehrer die bestimmte Weise, in welcher Kleidung nnd sonstiger äasserlioher Ausstattung des Körpers man den Tempelberg zn besteigen habe. Die Kleidung etc. wird hier deutlich vorgeschrieben; was man anhaben darf, und was nicht. Sagt uns nioht der kritische Takt, dass auch wohl לא יקל anf die Kopfbedeckung speoiell Bezug habe, und nicht allein im Allgemeinen das Spassmaohen verbiete, von dem dooh der andiere Theil niohts erwähnt? Soll לא יליל nicht vielleicht erst den wörtliohen Sinn haben, nnd hier die übliche Kopfbedeckung, so sehr im Oriente zur Würde nothwendig, vorsohreiben? Ist nioht der wörtliche Sinn der ursprüngliche, eigentliche; Würde und Deco rum aber der spätere, erweiterte, aneigentliohe? Noch stärker werden unsere Bedenken, wenn wir genau die grammatische Construktion betrachten: לא יקל את ראשו, nicht den Kopf erleichtern, leicht machen, CjeMal, im Transitiv); nnd dies sollte einzig nnd alljein bedeuten: niohts Leichtfertiges begehen? ~"iber warum denn gerade mit dem Kopf? Ist diese Consjtraotion nioht wunderlich? während sie nach Obigem natürlich ist. Aehnliohe Redefiguren wie ״Lo iekal* bedeuten aaoh bei Arabern und Persem Leichtfertigkeit; denn aaoh bei diesen ist die Kopfbedeckung heiliger Brauch und die Redefigur ר ולא יכנס להר הבית במקלו ובמנעלו ובפונדתו ובאבק שעל רגליו. ולא יעשנו קפנדריא. ורקיקה מקל וחומר...

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