Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 17 (1888)
- Issue
- N° 42. (18.10.1888)
- Date
- 1888-10-18
- Page
- Seite 163 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/6492408-6488258-9805967--1554-4856675- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Aber der wahre Diohter kann nur vorl Ibergehend vom Pessimismus ergriffen werden, das Element der dichterischen Persönlichkeit ist der Optimismus: ״Alles wiederholt sich nar im Leben, Ewig jung bleibt nar die Phantasie: Was sich nie and nirgends hat begeben, Das allein veraltet nie“!* *)... - ״Der Sänger Zn dem Gaten bringt er das Beste Ihm gaben die Götter das reine GemUth Wo die Welt sich, die ewige, spiegelt“ ״Der Sänger . . Er steht in des grösseren Herren Pflicht" das sind die heiligen Töne, die aus den Seil Lyra unsern Schiller bis an sein Lebensend chelnd umsohwebten. Denn als er ׳selbst, ach vor der Zeit! ei reifte Frucht am ,,Baume des Lebens“ ins fiel der schmerzliche Blick seines brechenjd! noch auf seinen unvollendeten ״Demetrius“, ausgereifte und doch unsterbliche . . Baume der Erkenntniss“. — ru *) iten seiner e sohmei- 11 ne zu frfih Grab sank, "en Auges eine nioht o h t v om Zur sprachlichen Erklärung von ]אייר♦ Seit undenklichen Zeiten sind wir gelohnt, das häufig vorkommende איירי mit ״sprechen“ oder wie man früher zu sagen pflegte ״schmussen“ zu übersetzen, ohne dass man durch sprachliche Ableitung diese Uebersetzung zu rechtfertigen wusste. Die Erklärung des Aruch von dem hebr. הורו ist 80 willkürlich, dass Levy in seinem Wörterbuche sie nicht einmal in Betracht zieht,*) doch ist auch die von ihm versuchte Ableitung von dem griech. elpto unhaltbar, denn wir haben zunächst daran festzuhalten, dass das Griechische im Talmud so wie im biblischen und targumisehen Aramüisch nur für Kunstausdrücke in Verwendung kam, für welche der vorhandene Sprachschatz nicht ausreichte. So פרדס, כרחא. □בכא, סמפניא und im Targum סנהדרין ,טיקם etc., darum sind die dem griech. entlehnten Verba sehr wenige, überdies ist dpc!» nur in der poetischen Sprache gebraucht, was eine Herübernähme in das talmudische Idiom noch weniger wahrscheinlich macht; endlich verweist die Flexionsbildung auf das Aramäische. Meine Ansicht ist daher, dass hier die Wurzel ערל, hebräisch קרה, zugrunde liegt. Das hebr. ל mag da, wo es nur als Spiritus lenis im Hebräischen lautete, (vgl über die verschiedene Aussprache d 5s hebr. ל Stade Lehrbuch § 63 b) im Aramäischen zu א geworden sein אל לץ. Das targumische לרל wurde so im Talmud zu ארל, so im Gebete des R. Nechiinit. (Berachoth 28 b) שלא תארל תקלה und in dem läufigen Adjectiv ״ ארליzufällig“. Das Haphel hatte demnach im Perf. אלרא oder אארא, contrahiert zu איירא oder איירי, Particip מאיירי contr. zu מיירי. Zeigt schon das biblische Aramäisch das Bestreben, die mitChateph-Pathach versehene Gutturalis i a consonantisches Jod übergehen zu lassen, y.. B. ,לד יתיר (Daniel 3.13), so sind die Massoreten noch einen Sc hritt weiter gegangen und setzten regelmässig im QYe קימץ für קאמץ (Dan. 3.3) דינין für דאנין Esra 7.25. Diesen Fall finden wir im Talmudischen gewöhnlich, mitinter sogar derart, dass das aus dem א entstandene J6c, mit einem langen Vocal versehen wird, z. B. לשירלי Für לשאלא, oder עייל für לאל (Pis. 9 b) Es war dem lach natürlieh, dass aus dem Aphöl von לרל ארל statt אתרל die Form איירי, Part סיירי, gebildet wurde, lemnach ist *) An die Freunde 1803. **} Vier Weltalt >r 1803. ***) Grat v. Habsbarg 1805. *) Dennoch acceptirt sie Kohut im השלם “p" 1ע• P-?1 als die richtige, indem er za V)V! bemerkt: ההחאחרוןעיקר (ßed) es nioht ״man spricht“, sondern ״man setzt‘* zu geben, wie es oft mit תנא wechselt, es bedeutet wie dieses die Auslegung der mischnaitischen Halachah. Für die lautliche Bildung möchte ich auch auf das häufige איידי hinweisen, welches nicht, wie Levy*) (I. 62)-meint, aus על ידי, sondern aus ״ ,אהדאbei der Gelegenheit, dass ...“ zu erklären ist Brüx. . Dr. G. Deutsche Trauerreden auf Kaiser Friedrich III. Es ist uns während des letzten Quartals eine grössere Anzahl von Trauerreden, die Theils am Tage der Beisetzung des hochseligen Kaisers Friedrich — am 18. Juni — theils an dem zur allgemeinen Trauerfeier anberaumten Tage — den 24. Juni — in den Synagogen gehalten wurden, die wir in der heute, am 18. October, dem Geburtstage des Unvergesslichen, erscheinenden No. die Bevue passieren lassen wollen. Es sind die Reden folgender Rabbiner: Dr. Vogel- 81 e i n - Stettin, Dr. Gro n emann-Hannover, Dr. Gelb - haus-Nordhausen, Dr. Dessauer-Meiningen, Dr. Zuckermandel-Trier,Dr.Fe881er-Landsberg a. W״ Dr. Flaschner-Bernberg, Dr. Loevy-Göttingen, Dr.. Salf eld-Mainz, Dr. Sch war z-Karlsruhe, Dr. Kehn- Inowrazlaw, Dr. Pick-Pyritz, Dr. Rippner-Glogau. ־Wir lassen zunächst eine uns von einem geschätzten Kollegen zugegangene Recension der eindrucksvollen Vogelstein’schen Rede folgen: Der Text — heisst es darin — den der Redner gewählt hat, ist wohl von vielen jüdischen Predigern, die bei diesem Anlass sprachen, angewendet worden; es ist das Schlusswort der Haphtara aus dem Propheten Micha (6,8): ״Man hat dir kund gethan, o Mensch, was gut ist eto.“ Geistvoll und ungezwungen ist die Ausdeutung des ״o Mensch“, dass Kaiser Friedrich sich vor Allem als Mensch gezeigt hat, dass er das Ideal des reinen Menschenthumzu verwirklichen gedachte, ״er glaubte an die Menschs heit und die Menschheit glaubte an ihn und verehrte in ihm ihren besten, würdigsten Vertreter.“ — Dass in einer so grossen Rede auch einige Wendungen vorkommen, die meines Erachtens vielleicht micht ganz korrect sind, thut dem Werth des Ganzen keinen Eintrag. So wird z. B. auf S. 1 Kaiser Friedrich bezeichnet als der ״seltene Mann, den wir mit freudigem Stolz den Unsern nennen dürfen“. Diese Phrase scheint mir hier nicht recht am Platze. ״Er war unser“ reklamirt einen bedeutenden Menschen mit einer gewissen Betonung für einen engen Kreis; 80 sagt es Göthe für Weimar von Schiller, der doch allen Deutsehen gehörte; so konnte es eine Akademie von ihrem Mitgliede sagen, das der ganzen Gelehrtenwelt angehört; aber dass wir Deutsche den deutschen Kaiser den Unsern nennen, wie wir die Seinen sind, ist doch allza selbstverständlich; das hinzugefügte ״mit Stolz“ ist nach meinem Gefühl nicht ausreichend, um diesen Satz za halten. Seite 3 heisst es: ״Kaiser Friedrich ist unsterblich geworden in der einen Stunde, da er den Thron seiner Väter bestiegen und in seinen unvergessliehen Kundgebungen der Welt die Grundsätze darlegte etc.“ So hoch wir diese Kundgebungen verehren, durch ein schönes Regierangsprögramm wird ein Mensch noch nicht unsterblich! aber hinter diesem Programm stand in diesem Fall der sechsundfünfzigjährige Mann, der gewissermassen in diesen herrlichen Sätzen sein ganzes Leben zusammendrängt, der schon längst unsterblichen Ruhm gewonnen, das macht ans dies Testament so werth. Seite 9 lesen wir: ״Uns aber versagt das Wort der Huldigung, das wir Deinem glorreichen Andenken darbringen möchten; an die Trauerweiden *) Aach Kohut L c. p. 66. (Bed.)