Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 17 (1888)
- Issue
- N° 37. (13.9.1888)
- Date
- 1888-09-13
- Page
- Seite 144 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/6492408-6488258-9805962--1531-4856656- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Zu WUnsche’s Bibliotheca rabbinica. 'Wir Juden sind — das muss man uns naohsagen — gegen die wissenschaftlichen Leistungen von Nioht• juden von einer rtlhrenden Nachsichtigkeit, was uns leider nioht mit gleioher Mäuse heimgezahlt wird. Ich will gar nicht davon reden, dass ein Jude, der sich auf christlich-theologisches Gebiet wagt, von vornherein niedergeschrieen wird, auch, wenn er auf seinem Boden einen Fehler, wird er aufs Unbarmherzigste immer mit Hervorkehrung einer generellen, jüdischen Eigenschaft angegriffen. Es 8011 der Zweck dieser Zeilen sein, zu zeigen, dass wir oft Gelegenheit hatten zu dem gleichen Verfahren, aber auch dass man sich von persönlichen Eindrücken und von der Dankbarkeit gegen die Werthschätzer der jüdisohen Litteratur im günstigen Sinne nicht zu einem wissenschaftlich falschen Urtheil hiureissen lassen soll. Ich gehöre nicht zu den fieissigen Lesern der ,Bibliotheca rabbinica“, habe aber trotzdem die Ueberzeugung, dass der Zweck der Popularisierung der eigenartigen midraschischen Litteratur dadurch doch nicht erreicht ist, ganz abgesehen davon, dass manche, sinnentstellende Fehler darin Vorkommen, von denen ich hier zwei Proben geben will. Wajikra Babba 13. 4. ״R. Levi sagte: Wir finden in der Thora und in den Propheten und in den Hagiographen, dass Gott an dem Lobe eines rachlosen Menschen keinen Gefallen findet: in der Thora (Lev. 13.45): ,Und sein Kinn 8011 verhüllt sein, unrein, unrein 8011 er rufen;“ in den Propheten 2. B. Reg. 8.5 : ״Und es geschaii, er erzählte eben dem Könige, dass er den Todten lebendig gemacht habe . . . das ist das Weib und ihr Sohn, den Elisa lebendig gemacht hat.“ Vielleicht stand er (Elisa) hinter der Thür? Die Rabbinen sagen: Wenn der Mensch auch am Ende der Welt steht, so bringt Gott sie (die Strafe) über ihn (den Verläumder), damit nicht jeder Ruchlose das Lob Gottes erzähle u. s. w. (Wünsche Wajikra rabba S. 106.) Herr Wünsche hat sich hier arg vergriffen, denn abgesehen davon, dass der Beweis aus der Thora, worüber ich in einem früheren Jahrg. dies. Bl. gesprachen habe, in dieser Uebersetzung unverständlich ist, hat W. den Beweis aus den Propheten total misverstanden. R. Levi beweist aus dem Berichte von Gehasi’a Erzählung vor dem Könige, dass dieser verworfene, von seinem Herrn verfluchte Diener den Berieht über die Belebung des todten Knaben kaum begonnen hatte, *18 die San am mit mit ihrem Kinde kam. Konnte sie etwa vor der Thüre gestanden haben? Nein! aber Gott hätte sie auch vom Ende der Welt hergebracht, nur damit der ruchlose Gehasi nicht die Wunder des Propheten, somit indirekt das Lob Gottes verkünde. Herr W. hat für das וריר&א לאחורי תרעי הות קאים vielleicht הודי gelesen, oder sich von der Masculinform קאים irreführen lassen, die keinen Kenner der neuhebräischen Sprache befremden durfte, (ich erinnere nur an הבנות ידגו Ketuboth 4. 6; Baba bathra 9.1) und demnach statt: ,stand etwa sie (die Sunammit hinter der Thüre, sc. dass sie gerade in dem Augenblicke eintrat‘, übersetzt: ,stand er hinter der Thüre“, was er naturgemäss nur von Elisa deuten zu können meinte, obwohl es gar keinen Sinn giebt. Ebenso ward es nur eine Consequenz des ersten Fehlers, wenn er statt der Sunammit ,die Strafe“ vom Ende der Welt bringen lässt. Merkwürdigerweise hat W. gerade bei der Ueberaetsung des zunächst vorhergehenden Midrasch einen ähnlichen Fehler gemacht. Dort heisst es. ,Ben Asai sass und predigte und das Feuer flammte um ihn ringsherum (er rief eine grosse Begeisterung hervor, was den Zuhörern auffiel), sie fragten, bist du vielleicht mit den Geheimnissen der Wagen-Ersoheinung im Ezechiel beschäftigt? Nein, antwortete er, sondern ich reihe die Worte des Gesetzes an die Propheten und die Propheten an die Hagiographen und die des Gesetzes erfreuen wie am Tage, da sie auf dem Berge Sinai gegeben wurden“ u. 8. w. Einem jeden denkenden Leser wird zunächst auffallen, dass Ben Asai duroh seine Predigt die Zuhörersohaft begeisterte und diese begeisterten Zuhörer doch nioht wussten, womit er sich eigentlich beschäftigte. Der Fehler liegt darin, dass דורש nicht ,predigte“, sondern ,forschte“ übersetzt werden muss und dass die Feuerersoheinung wörtlioh zu nehmen ist. So kam es, dass es der Umgebung Ben Asai’s auffiel und dass sie fragten, ob er sich nicht mit der dunklen Vision Jecheskels (Cap. 1), welche von jeher als eine besonders geheimnisvolle, göttliche Wahrheit betrachtet. und darum verboten wurde, darüber öffentliche Vorträge zu halten (Chagigah 2.1.), beschäftige. (Das Wort דרש heisst überhaupt zunächst ,forschen“ und erst in übertrage- Dem Sinne öffentliche Vorträge halten.) Er antwortet ihnen, dass er die Widersprüche in der Bibel auszugleichen suohe, was einer neuen Offenbarung gleich- I kommen; darum niuss es auch heissen: die Worte der Tora freuen sich und nicht ״erfreuen“. Die Leistung Wünsche’s bleibt noch immer eine subjectiv bedeutende, dass sie aber bei der wortgetreuen, daher, wenn auoh richtigen, für den Uneingeweihten doch unverständlichen Art der Uebersetzung, objeotiv genommen, das Ziel, die rabbinische Litteratur weiteren Kreisen bekannt zu machen, erreicht hat, kann ich doch nioht bejahen. Anderseits verkenne ich auch nicht den hohen Werth der Thatsache, dass ein Nichtjude die jüdische Litteratur unbefangen beurtheilt, und sioh so bedeutende Verdienste um dieselbe erworben hat. Dr. G. Deutsch. Zur Chronologie. Von L. Cohen in Rees a. Rh. (Fortsetzung aus No. 35.) Nach Dr. Jellinek’8 קונטרס המספיד sollen bei folgenden Verstorbenen Gedächtnissreden am Sabbath gehalten worden sein. Das angeführte Monatsdatam stimmt aber nicht zu diesem Tage. Der Kürze halber gebe ich als Berichtigung nur die Kalenderform des betreffenden Jahres und den dem Monatsdatum entsprechenden Wochentag. S. 3: Abraham Philosoph, den 3. Siwan 5583. — Unmögliches Datum; בשה Dienstag. S. 4: Abraham Perez, 15. Nissan 5487. — השא Sonntag. S. 8: Elasar Hakohen, 5. Ab 5449. — Unmögliches Datum; זשג ■= Freitag. S. 24: Wittwe Jacob Pigion, 9. Tebeth 5470. — השג Dienstag. S. 25: Isaac Abrabanel, 14. Tebeth 5471. — הם Montag. — Isaac Estrosa, 18. Adar 5490 — זחא Donnerstag. S. 27: Isaac Florentin, 25. Siwan 5484. — הם Freitag. S. 29: Isaac Bewach (?), 12. Tebeth 5491. — נכו =* Donnerstag. S. 32: Mordeohai Samuel Medeano, Ende des Monats Jjar 5577. — בחג Donnerstag. S. 33: Wittwe Moses Lunel, 8. Ab 5477. — הבז Freitag. S. 36: Akiba Frankfurt, Montag den 14. Jjar 5357. — Der 14. (T’) Jj5357 ־״ “• d• F• •מיי