Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 17 (1888)
- Issue
- N° 34. (23.8.1888)
- Date
- 1888-08-23
- Page
- Seite 133 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Fällen schwierig sein dürfte, die Scheid angslinie za finden — Rasohbam, der Enkel Rasohi’s behauptet, dass sein Qrossvater ihm den Wunsoh aasgesp ■oohen hätte, die Gelegenheit za ergreifen, seinen Bibelcommentar umzuarbeiten, am ihn in genauere Ueber sinstimmang mit dem Wortsinne des Textes za bringen. Dieselbe Gewissenhaftigkeit zeigte Rasohi aach bei seinem Talmudcommentar, welchen er in der 1 hat dreimal nmgearbeitet hat. — Redner sprach nun vo 1 der grossen Berühmtheit, za welcher die Basohicocimentare in verschiedenen Ländern gelangten and vor der Werth- Schätzung seines Genius im Verhältnis za dem des Maimonides. Aach die Responsen Baschi’8 zeigen dieselben Eigenschaften, besonders aber die der Bes cheidenheit, der wir in seinen andern Werken begegnen. Er soheint mit Scham bedeckt, wenn er von seinem eigenen Lehrer bei der Lösung einer schwif rigen Frage um Rath gefragt wird. Manche der ihm vorgelegten Fragen könnten uns trivial erscheinen; da aber der eine Wunsch, sowohl der des Frageste ler als der Raschi’s selbst nur dahin ging, die Wahrheit zu erkennen und zu erfahren, wie man Gott luf würdige Weise dienen könne, so erlangten sie hierdurch gleichwerthige Wichtigkeit. Man findet diese Besponsen- Sammlung in dem Bache Dflfi und im חפש מטמונים (nicht חופץ Der üebers.) Auch werden Baschi 3 סליחות zugeschrieben, aber es ist zweife halt, ob er wirklich deren Verfasser ist. (Zunz’ ״Litteraturgeschichte der syuagogalen Poesie“ S. 25 2—4 führt deren sogar 7 an Der Uebers.) Ein anderes ihm gehörendes Werk is; sein ״Siddur“, welcher das Ritual für das ganze Jahr enthält und die Grundlage zu dem berühmten מחזור ויטרי bildet. Auch sagt man, dass er zu Ehren des Vorstehers einer Gemeinde ein Buch 0' הפרנס geschrieben haben soll; vielleicht ist aber dieser Titel nur ein blosser Irrthum für ס‘ הפרדס. — Es wi rd manche Legende über sein Leben und seine angeblichen Reisen erzählt; Letztere dürfen sich abe ■ in Wirklichkeit wohl nicht über Deutschland hinaus erstreckt haben. Raschi führte ein glückliches Familienleben; seine 3 Töchter verheirathete er an berühmte G?lehrte und diese hatten wieder ebenso ausgezeichnete Kinder. Er starb im Alter von 64 Jahren. Seine Grabstätte ist uns unbekannt, aber seine Werke hab3n ihm in den Herzen seiner Brüder ein unvergängliches Denkmal errichtet, welches köstlich für die Lugen und ergötzlioh für die nach Weisheit dürstende Seele ist — ein Denkmal, welches vergangene Gen er 1 ttionen zur Begeisterung entflammte und auch fernerhin Begeisterung erwecken wird in den Herzen Männer, welche Liebe, Hochachtung und Bewunderung für einen grossen Lehrer za empfinden fähig sind (Aus dem Englischen von L. Litteraturbericht.#) Oohen.) Recensionen. Hertzsch, Robert Hugo. Der erste tnd siober einzig wissensohaftliohe Beweis — kein Trugsohlass auch keine Hypothese auf Grund der D< «oendenz- Theorie — dass es einen persönlichen Gott und eine Unsterblichkeit der Seele giebt. Gfustav Joel, Leipzig. ף Ueber die uns freundliohat zugesandten aUertranerreden“ berichtenCwir s. G. w. nach den Feierngen, zum 18. October, des hocha Kaiser Friedrich Geburtstag. (Eed.) Ein grosses Aushängeschild, ein langer Titel, ein Titel, der eigentlich dem Rezensenten ins Handwerk pfuscht. Der Titel durfte nur lauten: ,Beweis für einen persönlichen Gott and Unsterblichkeit der Seele auf Grand der Desoendenz-Theorie “. Dass es ,der erste“ Beweis, dass es ,kein Tragsohlass, keine Hypotbese sei“ — das hätte ,der Meister weise verschweigen * und dem Urtheil der Kritik überlassen sollen. Dass es der ,sioher einzige wissensohaftliohe Beweis" sei — — das durfte selbst kein Rezensent, geschweige der Autor selbst behaupten. Wer kann das wissen, ob es der einzige Beweis ist? ,Der erste“ —das kann naohgewiesen werden, freilich gehört za diesem Nachweis eine vollständige Kenntniss der ganzen Litteratar, nicht nur des deutschen Volkes, sondern aller Völker, und nicht nur unserer Zeit, seit Darwin, sondern aller Jahrhunderte. Denn die ״Deszendenz- Theorie“ ist älter als der Darwinismus, sie kaum schon auf Aristoteles zurüokgeführt werden. Das soheint auch Robert Hertzsch za wissen, denn er zitirt S. 4 folgendes: ״das Verhältnis, dass die Wahrheit der ״Descendenz-Lehre unabhängig ist von der Wahrheit und Zulängliohkeit der Darwia’sohen Theorie, wird von den meisten Gegnern Darwin’8 verkannt“ etc. Also mit der Kenntniss der Gesammt-Litteratar aller Völker und aller Zeiten*) aasgerüstet, konnte Robert Hertzsch sehr wohl behaupten, sein ״Beweis für Gott und Unsterblichkeit auf Grund der Desoendenz- Theorie“ sei der erste. Aber ohne die uneingeschränkteste Propheten-Gabe, die auch alle Zukunft, das Denken aller Völker, aller kommenden Jahrhundert vorher durchschaut, ist es ganz nnmöglioh zu behaupten, dass es der ״sioher einzig wissenschaftliche Beweis“ sei. Taasend and aber tausend wissenschaftliche Beweise müssen für jeden, der in das Seelenleben der Menschheit einen wirklichen Bliok gethan, noch als möglioh gedacht werden. Wer eine solche Behauptung aufstellt; wer diese Behauptung mit der Hinzufügung ״kein Trugsohlass, keine Hypothese“, in den Titel sitzt und damit einen guten Eindruok auf die Seele des Publikums zu erzielen glaubt — wie wenig muss der vom wirklichen Leben der Seele Kenntniss haben, and einem solchen Führer sollen wir ans anvertraaen für die ״Unsterblichkeit der Seele“? , ״Keine Hypothese“ — was heisst das? Ein Beweis auf Grand der Desoendenz-Theorie“ und ״keine Hypothese“? Ist die Desoendenz-Theorie etwas anderes, als eine ״Hypothese“? Giebt es überhaupt eine ״Theorie“, die keine ״Hypothese“ wäre? Ist die Kopernikas’sche Theorie des Planeten- Systems — wohl die sicherste, ganz allgemein angenommene Theorie —״ keine ״ Hypothese“? Ist die Annahme einer ״eleotrisohen Kraft“, ja der ״Kraft“ überhaupt, za schweigen von der Meyer Helmholasehen Theorie, von der ״Verwandlung der Kraft“, die unsere ganze Naturwissenschaft und die ganze Technik beherrscht, nioht eine ״Hypothese“? Ist die ״Atom- Theorie“ keine ״Hypothese“? — Und doch hat Robert Hertzsoh Rcoht: sein ״Beweis“ ist keine ״Hypothese“, ist ja die Hypothese das qaod erat demonstrandum, aber nie die demonstratio selber. Ein Beweis, der eine Hypothese wäre, würde ja für die duroh ihn za ׳ beweisende Hypothese das Gegentheil eines Beweises bedeuten, indem jetzt zwei Hypothesen des Beweises bedürften, während ohne den ״Beweis“, der eine ״Hypothese“ ist, nur ein es solche des Beweises bedarf. Letzteres ist natürlich leichter eis ersteres.: wer wird also sioh so wenig auf seinen Vortheil verstehen and zum Beweise einer Hypothese eine neue Hypo- *) Die aber Hertzsch nicht ganz zu bcsitaen scheint denn von Lazarus Geiger z. B. weise er nichts.