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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1888-08-23 · N° 34. (23.8.1888) · p. Seite 134

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
17 (1888)
Issue
N° 34. (23.8.1888)
Date
1888-08-23
Page
Seite 134 (sequence 5)
Language
German
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these auft teilen? Eine Hypothese wird daroh eine andere Hypothese gehalten, wenn sie eis bereits bewiesen gilt, and nur in der weitern Anwendung auf Schwierigkeiten stösst: da wird eine ne ne Hypothese rar Stütze der ersten aafgestellt. Aber in diesem Falle ist nicht die neue ״Hypothese“ ein ״Beweis“ für die erstere, sondern umgekehrt: der ״Beweis“ für die er8 tere ist der Beweis ihr die neue, durch die entere nöthig geworden. Eine ״Hypothese“, die ein ״Beweis“ sein könnte, ist daher eine neue Denk form, die eine Bereicherung der Logik wäre, wenn sie begründet würde. Aber ent müsste Herr Hertzsoh diese Begründang geben, ehe wir schon in diesem Theile des Titel-Blattes nicht aaf Grund der bisherigen Logik das Gegentheil einer Empfehlang erblicken sollen. Das ist das vielverheissende Titelblatt. Und doch bietet Herr fiertzsch mehr nooh, als das Titelblatt verheisst. 8: 5 legt er den Grand zu seinem ״Beweise“: ״Daraus erhellt, dass der Kampf ums Dasein zur Begründung der Descendenz-Theorie entweder geradezu falsch, oder wenigstens nicht aasreichend ist. Es muss daher eine andere Uebergangs- Ursache gefanden werden“ etc. — Wir wollen einst-! weilen hier halt machen. Wir befinden aaf 8. 5, sage: Seite fünf! 2 Seiten sind Titelblatt; also S. 3, and zwar in der Mitte. Die erste Seite ist kurze Exposition der Descendenz-Theorie und des Darwinismus: also in l‘/j Seiten hat Herr Hertzsch den Beweis gebracht, dass der Kampf ums Dasein entweder geradeza falsch oder wenigstens nicht aasreichend ist“. Des ist doch gewiss alles Menschenmögliche! Und zwar nicht etwa 1 */״ riesengrosse Folio-Seiten, sondem ganz pigmäenhafte Octav-Seiten! Sollte der eingeflei8chteste Gegner Darwin’s dieser Leichtigkeit der Widerlegung, applaudiren? — Doch es sei: Der Kampf ums Dasein zur Begründung der Descendenzlehre sei falsch oder nicht ausreichend. ״Es muss daher eine andere Uebergangs-Ursache gefunden, die entweder allein, oder in Verbindung mit der von Darwin angenommenen das Dasein der organischen Welt erklärt“. — Zweimal ״entweder — oder“; ״entweder falsch oder nicht ausreichend“; ״entweder allein — oder in Verbindung“ etc. Wenn das erste ״Entweder“ richtig ist, ist das zweite ״Oder“ nicht möglich. Wenn die Darwinsche Erklärung nicht bloss ״nicht ausreichend“, sondern ״geradezu falsch“ ist, dann kann sie doch zur Erklärung de9 Daseins der organischen Welt auch nicht in Verbindung mit einer andern gebraacht werden! — ״Das Dasein der organischen Welt erklärt“ — — das soll doch nicht, die Hypothese des ״Struggle of life“? Der Kampf um Dasein 8011 ״die Entstehung der Arten“ erklären, indem die ״favoured races“ als Sieger hervorgehen, die minder ״begünstigten Bacen“ erliegen, die leisen Uebergänge verschwinden and so die ״Arten“ entstehen. Aber das ״Dasein der organischen Welt“, das Dasein der ״favoared races“ and der ״disfavoared races“ wird für den ״Struggle of life“ vorausgesetzt. Wer nur den Titel des Darwinsehen Werkes: ״On the origin of species by means of natural selection, or the preservation of favoared raoes in the straggle of life“ mit einiger Ueberlegung gelesen hat, der kann sich schon nioht mehr 80 ausdrücken. Nein: man sei ein Anhänger oder Gegner Darwin’s! Aber leicht genommen darf Darwin nicht werden! Ist die Darwinsche Theorie dem Glauben geffthrlioh, dann muss sie von der religiösen Apologetik erst recht ernst genommen werden. — Doch zurück zu Herrn Hertzsch!“ ״Es muss also eine andere Uebergangs-Ursaohe gefunden werden etc. Zur Auffindung derselben giebt uns die känstliohe Züohtigung vielleicht einen Fingerzeig, denn wenn es hier der Geist der Mensohen ist, der neue Bassen und Arten hervorbringt, warum 8011 es dann in der Natur nioht auoh ein Geist sein? Sollte es nioht denkbar sein etc.? Es fragt 810h nun aber, ob ein soloher Geist auoh in der That in den übrigen Lebewesen vorhanden ist eto. Sehen wir uns zu diesem Zweoke ein wenig — ״ein wenig“! — unter den Thieren um and beginnen wir beispielsweise — ״beispielsweise“! —mit den Ameisen eto. Bienen etc., Pferd und Hand eto. — Aus diesen Angaben ersieht man nun, dass die Thiere ähnliche Einrichtungen, wie die Mensohen haben etc. Die Thiere müssen also einen dem Mensohengeiste ähnliehen Geist besitzen etc.“ . . . Das ist des Pudels Kern. Das ist ״keine Hypothese“! Das ist ein ״Beweis“! ״Sollte es nicht denkbar sein“ — das ist allerdings der höchste Grad apodiktischer Gewissheit!! Nicht za gedenken, dass der Begriff ״Geist“ ganz empirisch genommen, beim Menschen einfach vorausgesetzt wird und nur für die übrigen Lebewesen 1 bewiesen werden soll. — Hertzsch stellt uns, den Menschen, aber noch eine schlimme Prognose; wir bekommen schlimme Conourrenz und zwar eines Theiles der Thierwelt, namentlich des Huudes. ״Christus verhält sich zu den andern Menschen, wie diese zu den Thieren“ — (S. f>0 etc.) durch das Gesetz der Fortentwickelung. Bei den Thieren werde aber Nachentwicklung eintreten, und der Hund werde es sicher bis zum Menschen bringen. Freilieh werden bis dahin noch wer weiss wie viele Millionen Menschen und Generationen — ״aut den Hand kommen“. — ״Sonderbarer Schwärmer“! — Dr. Goldsohmidt-Birkenteld Liitterarische Notizen. Englische Rabbinen. Um die Liste meiner Nachweisungen bezüglich des R. Berachjah aus Lincoln (vgl. No. 20 der Litt.-Bl.) zu ergänze», habe ich noch anzuführen, dass im -Mordechai“ zu Beracboth § 90 angegeben ist, dass derselbe erklärte, wenn von Raw gesagt wird, dass er das Abendgebet des Sabbath am Freitag verrichtete, damit gemeint sei, dass er dies I1/, Stunde vor Nacht gethan habe. Hieraus ersehen wir, dass im Jahre 1260 in Lincoln eine Schule bestand, welche von den Talmudjiingern Englands besucht wurde und dass R. Berachjah gleich den übrigen Tossap'iisten sich mit der Auslegung talmudischer Lehrsätze beschäftigte. Der Verfasser des JTTIiT MtlS, welcher im Jahre 1313 schrieb, zählt za den verstorbenen von den Tossaphisten ang^־ führten Autoritäten den R. Berachvah aus Lincoln (p. b), erwähnt aber nicht, dass er ein Engländer war. Ebenso bringt er in der Vorrede zu seinem D’Ipl דלת ein Verzeichniss ▼on 51 Rabbinern, von denen 3 in dem Werke selbst nicht angeführt sind. (S. Zanz ״Geschichte und Litteratur“ p. 96.) Za diesen letzteren gehört auch R. Aaron aus einer Stadt, deren Identität von Zanz nicht nachgewiesen wurde. Wir können indessen mit Hälfe der ״Schetaroth“ in diesem Namen die Stadt ״Canterbury“ nachweisen. Diesem Städtenamen begegnen wir in den ״Schetaroth“ in verscldedener Schreibweise, entweder als קלטובירא (p■ 3321 oder קונטבורא (S 339). In der Form ,קוטוביירד ist entweder das ו irrthümlieh für 3 gesetzt, oder es ist ein נ ausgelassen, wie dies im Hebräischen so oft der Fall ist. Vgl. auch נטינהאס für Nottingham. R. Aaron war also ein Rabbiner in Canterbury und ein TAndamann des R. Benjamin,* welcher, wie bereits früher erwähnt, vom ״Mordechai“ zu ״Abodab Sarah“ angeführt wird. Wir werden später noch an andern Beispielen nachweisen, dass der vom ..Mordechai“ and Andern angeführte H. Berachjah aas Lincoln mit R. Berachjah ben R Moses (Sehetaroth p. 294) identisch ist. (Jew. Stand. — Rev. Naphtali Levy.) Vamafreseffiaber Badactenr Dr. Rahmer, Magdeburg. Druck van D. I* Wolff, Magdeburg. Vertag ▼on Robert F r i 0 se, Inipsig

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