Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 17 (1888)
- Issue
- N° 33. (16.8.1888)
- Date
- 1888-08-16
- Page
- Seite 129 (sequence 4)
- Language
- German
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unter andern anoh zu Cordo va in Spanien, dem ein* Stigen Geburtsorte des Maimonides. Auf das Wachstham dieser Sohalen übten indess die Looalverhältnisse ihren verschiedenartigsten Einfluss| aus In den mohamedani80hen Ländern fanden die Jaden mehr verwandtschaftliches Entgegenkommen als in den ohristliohen Staaten. Deshalb schrieben sie auch arabisch, ahmten in ihren Poesien das metris 3he Versmass nach und schlichteten ihre Bechtsstreitigkeiten in einer ihren mohamedanisohen Land61euten analogen Weise. In den ohristliohen Ländern dag egen, wo die Naohbam der Juden es aussohlugen, mit diesen in innigere Berührung au treten, hielten eioh Letztere auoh zurück und blieben so von allen fremden Einflü88en unberührt. Das Ergebniss dieser Verschiedenartigkeit zwischen der Entwickelung de« Judenthums in christlichen und mohamedanisohen Ländern lässt sich am besten duroh die Berücksichtigung des Contrastes zwischen der Laufbahn Baschi^s und Maimon i d e s illustriren. Bevor wir also die Sohriften ftaschi’8 )untersuchen, fuhr Bedner fort, wollen wir uns kurz 'mit seinem Lebenslaufe beschäftigen. — Der Name Baschi (רש־י) ist wie bekannt, ans den Anfangsbuchstaben der Worte דכי שלמה יצחקי entstanden. Obsohon Baschi allgemein als רבינו שלמה bekannt war, wurde er doch nicht nach den Anfangsbuchstaben dieser Worte ר״ש benannt, weil dieses im Hebräischen so vi sl als ״arm“ bedeutet, welohes Epithet für einen Mann mit 80 reichen Geistesgaben unpassend gewesen sein würde. Naoh dem ספר הדורות stammte Baschi yon dem berühmten Misohnahlehrer חכי יוחנן הסנדלר ab. Ob dieses wahr sei oder nicht, immerhin waf diese Traditiou ben trovato. Eis war dieses der B. Joohanan, weloher lehrte, dass jede Versammlung! zur Ehre Gottes berufen, Bestand hat. Baschi beachtete stets diesen Grundsatz, denn bei den Versammlungen seiner Schüler, wo er den Vorsitz führte, verfolgte er keinen andern Zweck, als die Sache der Wahrheit und der Beligion würdig zu vertreten. Nach Erwähnung verschiedener Legenden über Basohi’s Eltern und dessen Geburt, sprach Dr. F. über seine Erziehu ig und benutzte hierbei einige höchst interessante Auszüge aus dem Werke ״Geschiohte des Erziehung«' vesens etc., während des Mittelalters etc.“ von Dr. Güdemann. ״Jeder Cohen, Levite und Aelteste ist י ■rrpflichtot, wenigstens eines seiner Kinder dem Thorastudium za widmen. Solche abgesonderte Personen werden פרושים genannt. Jeder Israelit ist verpflichtet, kur Unterhaltung einer Gemeindeschule beizutragen, und wird die zu diesem Zwecke beigesteaerte Geldsumme als Aequivalent des halben Schekel angesehen, welchen man zur Erhaltung des Tempeldienstes be trag. Die פרושים müssen in dem Lehrnause wohnen und ihr Leben der Ausführung der von demselben gestellten Aufgaben widmen. Die Sohüler des Lehrhau!es werden in 2 Klassen getheilt und Jeder, weloher dasselbe verlässt, ohne die erforderliohe Ausbildung in den Unterriohtsfaohern erlangt zu haben, muss eine schwere Geldbusse bezahlen. Ein Oberaufseher wikd zur Beaufsiohtigang der Arbeiten und zur Prüfung der Kinder angestellt. Sobald dieser sieht, dass ein Sohüler keine Fortschritte maoht, 8011 er diesen zu seinen Eltern zurüokführen mit dem Ei tlassungsgrosse: מכה למ״ט (Möge er in der Ausübung guter Werke Erfolg haben, denn es ist nioht zu h 3ffen, dass er in seinem Studium reussiren werde). Din Zöglinge sollen ermuthigt werden, interessante Fragen zu diskutiren und Vereine für wissenschaftliche Debatten za bilden. Die Knaben sollen mit dem &. Lebensjahre in die Schule geführt werden, hier zuerst Hebräisohlesen lernen, dann das Buoh Levitious, hisrauf die übrigen Büoher des Pentateuoh und das Targam. Mit dem 10. Jahre beginnt der Misohnahunterrioht und andere Fäoher in passender Stufenfolge * Die Schal- Satzungen sohliessen mit der Bemerkung, dass ihr Zweck kein anderer sei, als die Erziehung der Sohüler za guten Werken und zum Studium der Thora. — Nach diesen beiden Seiten hin hat auoh Baschi Ausgezeichnetes geleistet. Von seinen Lehrern werden | drei in seinem Talmudoommentar speoiell angeführt, I aber ohne Zweifel hat er auoh verschiedene Bhein- I städte besuoht, um seine Studien zu vervollkommnen. | In seinem Commentar zu ״Ketaboth“ spricht er von ' dem, was er bei seinem Aufenthalte in Asohkenas I (Deutschland) gesehen and an andern Stellen erklärt! er manohe Wörter mit Zuhülfenahme ihrer gleioh bedeutenden deutschen Benennungen. Aus dem Umstände jedoch, dass er im Allgemeinen die Wörter, welche er za erklären wünscht, 1ns Französische übersetzt, geht hervor, dass er seine Commentare in Frankreich geschrieben hat. Als Baschi verhältnissmässig noch sehr jung war, wurde er schon von grossen Gelehrten am Bath gefragt. Sein ganzes reiches Wissen hat er sioh duroh aussergewöhnliohen Fleiss angeeignet and auoh nach seiner verheirathung diesen nioht eingeschränkt Dabei legte ihm das Leben oft die grössten Entbehrungen auf. Er sagt hierüber in einem seiner Briefe: ״Bei Mangel an Brod, Mangel an Kleidung und einem Mühlsteine auf dem Halse studirte ich bei meinen Lehrern.“ So setzt er seine Studien fort, wahrscheinlieh auch ohne Unterstützung duroh Stipendien. Es ist ungewiss, ob er als Babbi förmlich ordinirt war; aber wahrscheinlich wirkte er als soloher schon in seiner Geburtsstadt Troyes. In Worms zeigt man einen Platz, wo er gelelut haben soll und manche Legenden haben sich duroh den Volksmund über seinen Aufenthalt in dieser Stadt verbreitet Ausser den Obliegenheiten, welche ein Beligionsweiser zu allen Zeiten zu erfüllen hat, wirkten Baschi und die Babbinen seiner Zeit als Lehrer und^Bichter ihres Volkes. Der Unterricht Basohi’s wurde mündlich und schriftlich ertheilt. Aus der grossen ל Zahl hervor• ragender Sohüler, deren Stadien er leitete, zu sohliessen, muss er ein tüohtiger Lehrer gewesen sein. In Neubauer’s Ausgabe des 0םו* הקבלה des הראב*ד wird auf Baschi mit der Bemerkung hingewiesen, dass in Frankreich ein grosses Licht aufging, welohes an Glanz alle überstrahlte, die vor ihm unter- und naoh ihm aufgegangen sind. Alle späteren Urtheile über Baschi ergehen sich in demselben Tone. _ (Schluss folgt) Bemerkungen ׳ zu meiner ״Geschichte des Erziehungswesens und der Cultur der Juden ln Deutschland während des 14. und 15. Jahrhunderts.“ Von Dr. M. Güdemann. Aus einem Briefe des Herrn Dr. Perles: Zu 8. 100, Anm. 6 vgL Perles, Leiohenfeierliohkeiten eto. (Monatssohr. 1861, 8. 378) und Conforte, Kore haddor. ed. Cassel 40 b. Zu 8. 131, den Gebrauch des Sarges betreffend,’ vgl. Perles das. 8. 379. Zu 8. 136, Anm. 13 vgL Perles, Beiträge 8. 97. Zu 8. 139, Anm. 3 vgl. das. 8 143. Zu 8. 163 אני־מלר, ' verschrieben für אנמלר — ivxoXLX&piot, mandatarius. Zu 8. 103—4, Anm. 2. Za guet vgL Baschi zu Nehemia 7,3 משמרות ניפדש בדע״ז. Aus einem Briefe des Herrn Halberstam: