Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 17 (1888)
- Issue
- N° 29. (19.7.1888)
- Date
- 1888-07-19
- Page
- Seite 113 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/6492408-6488258-9805934--1492-4856625- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
— 118 — iter die 1e, innige Hg®־ wähl gelehrt. S. P. Aboth 5,21. Dass Sittliohkeit nicht gelitten, beweist das kei Familienleben der alten Israeliten, das selbst die lehrten* Widersacher der Juden nioht janzufeohten wagen. i Hentsutage kommt man von jener lUnterriohtemethode immer mehr zurück; man sieht immer mehr ein, dass eins sioh nioht für alle Zeiten ^chiokt, dass die Methode, die in naiv gläubiger Zeit udd in keusch sittlicher Umgebung die Jugend versittlicht hat, sie heut entsittlichen würde, und fast alle jüa. Beligionslehrer, namentlich die pädagogisch gebildeten, sind jetzt in der Auswahl und der Behandlung des biblisehen Lehrstoffes rigoros; sie denken gleich Ihnen (S 33 Ihrer ,Kritik der revidierten Lutherpibel*), dass gewisse Bibelstellen ,eine sehr edle, keusohh Gesinnung bezeugen und sehr heilsame Lehren und Gedanken enthalten — nur nioht für Kinder und j auch nioht für Frauen“.**) Ein weiterer zwingender Grund für die Beschränkung des religiösen Lehrstoffes in der Gegenwart ist die viel Zeit absorbierende, gesteigerte Anforderung des modernen Culturlebens an die sogenanjnte profane Bildung unserer Jugend. Uebrigens weise ioh auf das Gebot des Talmud babylon. Megilfe 25 b hin, wonach bei öffentlichen Vorlesungen pb. alle das Schamgefühl oder den Anstand verletzenden biblischen Ausdrücke duroh deoente ersetzt werden ha-mikraoth ha-kethubin ba-Thora 1 i g othan lesohebaoh |ת הבתובץ בתורה לגנאי קורץ אותן מ»בח) Dass die Targumis! Anthropomorphismen, Anthropopathismenlu. dergl. m. paraphrasirt haben, ferner, dass . der Talmud (Beraohoth 31 b u. öfter) lehrt: Dibrah Thora ktlsohon b’ne Adam (דברה תורה במזון בני אדם) die Thora sprioht nach menschlicher Redeweise, um ihre! erhabenen Ideen dem Fassungs- und Empfindungsvermögen Aller anzupassen — ist Ihnen wohl bekannt. Ihren freundlichen Grass bestens erijddernd, Ihr Rollen. (Kol 1 ai, korin <כל המקף* endie bibL Herrn Dr. theol. M. Schwalb, Pred. an der St. Martini-Kirche za Bremen. Dr. Krön er. UL Bremen, den 30. Jini 1888. Sehr geehrter Herr Doctor! Vielen Dank für Ihren vortrefflichen j Brief. Er hat mioh sehr erfreut, meine Kenntnisse bestätigt und erweitert. Wenn Sie nichts dagegen ein wenden, mir, ihn — unter Weglassung Ihres Namens, nioht Ihres amtliohen Titels, in unserm Pro t astantenblatt zu veröffentlichen. Er könnte ja liten und ihren religiösen Führern nur bringen, und würde für manche unserer hoffentlich eine heilsame Wirkung ausüben. Also — den Israe- Ehre ein• Nachzügler Ihnen kein wenn ich im Laufe näohster Woche von sohriftliohee Veto erhalte, ,hänge ioh ihiji, wie man sagt, an die grosse Glocke.“ Mit freundlichen Grüssen Ihr Mitarbeiter ,im Weinberg Herrn Babb. Dr. Kroner, Brandenbarg a. H. M. Schwalb. **) Die unberufenen Kritiker, welche das dieser Stellen angreiien, das N. T. aber von solche! verweisen vorläufig auf Matth. 9,20 — betreffen 1 froflavio affecta — ofr. Dev. 15,25; ferner auf Kor. 6.9. 10; OaL 5,19; Eph. 5,3 ff; K0L 3,5; 14. 18. 22. Vorläufig genug? — l A. T. wegen frei wthnen, [ eine Malier jlCiner 13,13; Petr. 2.7 8. Kr. IV. Brandenburg a. IL, den 2. Juh 1888. Sehr geehrter Herr Doptor! Ihre freundliche Würdigung meiner wenigen Zeilen hat mioh sehr erfreut. Was konnte ioh gegen die Veröffentlichung derselben im Protestantenblatt ein• zuwenden haben? Aber warum wollen Sie meinen Namen weglassen? Wollen Sie mir etwa Angriffe ersparen? Sie wissen, dass ich, der so oft dem Glaubenshass, dem Beligionssdhaoher, dem bei einsiohtslosen Juden und Chris teh sioh spreizenden Verdummungseifer kühn entgegentrkt, vor Angriffen nioht zurüokschreoke; ioh bin ein Sohn des Religionsvolks, dessen Devise von jeher war: ,Weil ich fürchte nur den TSinAn, Fürcht’ ich von den Visen Keinen.“ Uebrigens kann hier nicht einmal von Vielen die Bede sein; es dürfte nur Verhältnissmäsaig wenigen unwissenden Eiferern- und JVömmlem meine Darlegung nioht genehm sein; jeder Sachkundige, ob Jude oder Christ, ob oonservativ oder liberal, wird die angeführten Quellen resppotiren, wird erwägen, wie sehr dieselben vermehrt werden können. Also — hängen Sie getröst meine Zeilen und meinen Namen an die grosse Glocke. Wie wenig ioh mich vor ihrem Schall fiirohte, mögen Sie daraus ersehen, dass ioh mir Vorbehalte,: den Gegenstand auoh im Jüd. Litteraturblatt veröffentlichen zu lassen. Wer wissenschaftliche Ansichten Einzelnen gegenüber äussert, muss auoh den Muth haben, sie mit offenem Visier aller Welt gegenüber zu vertreten. Mit ergebenem Grass Dr. Kroner. Herrn Dr. theoi. M. Schwalb, Pred. an der St. Martini-Kirche za Bremen. Litteraturbericht Recensi onen. Dal man, Dr. 6. HL Lia d. TheoL Der leidende und sterbende Messias der Synagoge im ersten naehchristlichen Jahrtausend. Berlin, H. Beuther. 1888. 100 S. 8' (Schriften des Inst Jud. in Berlin. No. 4) Die Darstellung und kritfeohe Beleuchtung der messianisohen Erwartungen und Ansichten der Aggadisten ist, wie sioh denken!lässt, ein sehr willkommen es Thema für ־die Herren vom Institntum Judaioum. Der Gegenstand hat von jeher einen eigenthümliohen Beiz auf christliche Theologen ausgeübt. Dagegen ist in jüdis< ihen Gelehrtenkreisen .keine besondere Vorliebe und Eegeisterang für dieses Thema wahrzunehmen. Abgeeet en von Leopold Stein’s glanzvoller Behandlung der ji Mseaiaslehre in seiner ,Sohrift des Lebens* I, 319 ff und von der Zusammenstellung des diesberi!glichen Materials in Hamburgers Beal-Enoyklopädie, sind die zerstreuten Aussprüche und Meinungen über die Thaten und Leiden des öden der ,Gesalbten* in dem ältesten rabbinisohen Sohriftthum, in T. 'almud, Targum und Midrasoh, meines Wissens noch niemals von jüdischer Seite monographisch behandelt ז ind kritisch beleaohtet worden. Das kommt daher, v״eil diejenigen rabbinisohen Schriften, welche au karitativen Charakter haben und daher zu allen Z1 Den eifrigst studiert wurden und zu welohen ioh am ■er dem Talmud and dien Schriften der Deoisoren nooli die hervorragendsten