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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1888-07-19 · N° 29. (19.7.1888) · p. Seite 114

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
17 (1888)
Issue
N° 29. (19.7.1888)
Date
1888-07-19
Page
Seite 114 (sequence 5)
Language
German
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— 114 — Work• der Religion»- and Morelphilosophen zählen möchte, äasserst wenig Mesaienisohee enthalten, während ausführliche Schilderungen der messiamsahen Zeit sich in jenen Schriften vorfinden, denen niemals ein entscheidender Einfluss auf die religiöse Lebensführung anerkannt and daher auch nur geringe Beaohtang geschenkt wurde, wie in Tergum and Midrasch, besonders in Pesikta Rabbathi and den späteren Midraschim, die sam Theil erst in den letsten Jahrlehnten ans dem Staube der Bibliotheken an die Oefientliohkeit gesogen worden. Der Aggada aber, and so ihr gehören vornehmlich die mannigfaltigsten and widersph1ch8vollen Messiaslegenden, steht selbst der orthodoxe Jade kritisch gegenüber, d h. er riohtet sich nach Samuel Nagid’s Worten in dessen ״Einleitang*, die allen Taligadaasgaben vorangedruckt ist: איז לך ללמוד ממנו אלא מה שיעלה על ותת. •Aus der Haggada darfst da dir nur entnehmen, was vernanftgemiss ist.* Es ist daher ein Irrthum, wenn man Alles, was irgend ein Aggadist oder Midrasch vom Messias sagt, als die Ansicht der ״Synafoge*, oder wenn man Targum Jonathan als den ertreter des Rabbinismus betrachtet. Ebben dooh rabbinisohe Autoritäten, wie Mar Samuel und Rabbi Hillel, alle phantastischen Ausmalungen der Zukunft suräokgewieeen, and ein mitleidiges ״Verzeih’ es ihm Gott* war die ganze Züchtigung, die dem Letzteren seitens eines babylonischen Amora za Theil wurde! In. diesem Irrthum befindet sioh der Verf. der vorliegenden Broschüre, er überschätzt den Werth aggadi scher Schriftdeutung. Was jedoch Kenntniss der einschlägigen Litteratar und der rabbinisohen Sprache betrifft, 80 steht der Verf. auf der Höhe seiner Aufgabe, und wir können uns fast überall mit seinen Ausführungen befreunden, wo nioht sein Urtheil duroh dogmatische Befangenheit getrübt ist. Von sohiefen Auffassungen, die nioht I der dogmatische Standpunkt des Verf verschuldet hat, erwähne ich Folgendes. S. 2 übersetzt und erklärt! Verf. die bekannte Stelle Sakka 52 a:! כשלמא לט״ד עלמשיחונר. ,Mit Recht (das ist das־ Urtheil der : Gemara) wird auf M. b. J. gedeutet* O nein! Das | ist keineswegs das Urtheil der Gemara, sondern nur die irrige Voraussetzung des Fragestellers; das sohliessliohe Resultat der Diskussion ist, dass die andere Ansicht, welche den Bibelvers Sach. 12.10 auf die dereinstige Bändigung des sündigen Triebes bezieht, ebenso zulässig und berechtigt ist. — S. 5 bringt Verf ein Citat des Raimundus Martini aus dem (beiläufig nioht verlorenen) Bereschith Rabba des R. Mose Ha-darschan. Es ist das offenbar eine Aggada, die aus bsb. B. K. fol 17 a and Bereschith Rabba za 1.- M. 32,6 geflossen ist. Die Stelle muss demnaoh also vervollständigt werden: Mit dem Säen ist hier gemeint Almosen und Liebesübung, gemäss Hosea 10,12; mit dem Wasser aber Thorastudium, gemäss Jes. 55,1. — Zu S. 24 bemerke ich, dass die Septaaginta es »wagt* Sach. 12,10 רקדו zu lesen, sie übersetzt xcnupx^cavto. Ob auch das Prophetentargum so gelesen hat, steht noch dahin. — Hinsiohtlich der Frage naoh der Entstehung der Lehre von dem dem Tode geweihten Meschiaoh ben Joseph stimme ioh dem Verl bei, dass nioht der unglüokliohe Aasgang des Bar-koohba’sohen Krieges erst diese Meesiaslehre hervorgerufen hat. In essäisohen Kreisen scheint sie schon vor der Tempelzerstörung bekannt gewesen su sein. Im Talmud findet sie sioh in einer anonvmen aggadischen Boraitha und die Deutung des Verses Sech. 12,10 auf den Tod des M. b. J. wird a. a. O. auf R. Döesa zurüokgeführt, der naoh Jebamoth 16 a vor dem Ausbruch des Krieges im höohsten Greisenalter stand und wohl aaoh vorher gestorben ist. Aber die Richtigkeit des Namens wird angezweifelt (Jakob Brüll, Einl. in die Misohna I, 71), und aaoh Rabbiaowits (D. S. zur Stelle) bringt aus einem handschriftlichen Jalkat die Lesart דוסתא. Naoh meinem Dafürhalten hat die Lehre von dem heldenmüthigen Auftreten und frühzeitigen Tode des M. b. J., wie beinahe das ganze messianisohe Zakunftsbild der Aggadisten, ihre Quelle in ded Sohriftstellen, welohe ans lehren, dass die zukünftige Erlösung derjenigen aus der ägyptischen Knechtschaft entsprechen soll, wie Hos. 2,17 und Mioha 7,15. Von dieser aber erzählt die Sage, anknüpfend an 1. Ohron. 7,21 (8. Targum zu d. St., zu Hl. 2,7 u. a.), dass eine Sohaar Ephraömiten dreissig Jahre vor Mose’s Berufung in Palästina einbraoh and von den Bewohnern der philistäUohen Stadt Gath ersohlagen wurde. Daher heisst der Vorkämpfer des Messiasreiohes M. b. Joseph oder Ephraim Mesohianh-Zidki, in Midrasoh Thillim 92 aaoh ,der trostspendende Sohn des Gottes- Volkes.* Bargkanstadt. Dr. Jos. Cohn. Simon, Dr. Max, 220 jähriger Doppel-Kalender (1780—2000), Berlin C. 1888, Boas^Naohfolg. Dieses Werkohen des daroh seine übrigen veröffentliohten Arbeiten und seine vielseitige Tüchtigkeit wohlbekannten Herrn Verf dient zur leichten und genauen Umwandlung des jüdisoheu Datums in das christliche (bürgerliche) und umgekehrt; es ist überaus praktisch, nützlioh und — last, not least — billig (Preis 1 Mk). Wir empfehlen es bestens und hoffen uns den Dank Aller zu verdienen, die unserer Empfehlung Beachtung schenken. Dr. Ph. Kroner-Br. Litterarlsche Notizen. Handschriftliches. In der Pariser Bibliothek befindet sich handschriftlich das Sepher hanissim von R. N iss im Es ist ein Ms. in Folio-Format, in schöner Quadrat-Schrift, hat 113 Blatt and ist anter No, 197 eingetragen. Ueber dies Ms. hat bereits Orient“ <81^ No 52 berichtet; doch ist dasselbe erem Werthe auch durch manche geschichtliche Daten, die es enthält. Am Schlosse der Handschrift nennt er sich: «נסים ן, משה ב־ר שלמה כר משה דל מן הנולד. אשר הנלוזה מרשיליה המדינה אשר ועלה טטום מירושלים.,־ - Der Verfasser erwähnt keinen seiner Zeitgenossen, nur nennt er den Commentar des David Kimchi zu־ Genesis in lobendem Sinne, der vor einigen Jal.ren nach einer Pariser Handschrift edirt wurde. Einige Proben des Ms. werden von einem Pariser Gelehrten veröffentlicht. Za Geneeis C. 1,26 ,wir wollen machen einen Menschen“ bemerkt er: das nichtigste ist noch die Erklärung Kimchi’s, dass dies ein Zuruf Gottes zur Erde sei; Gott will mit der Erde vereint einen Menschen erschaffen, d. h. der Mensch soll eine Einheit von Irdischem und Geistigem sein, wie der Dichter ««gt: ומה אשאלה אות וכי מופתים די דכה אדמה ונשמת שדי Vielleicht weise einer der gelehrten Leser Uber die Quelle dieses Citatee etwas mitautbeilen. Zu Leviticas 10,3 כקרובי אקדש bemerkt die Handschrift: ״In der ersten Zeit der Regierung ist es Princip aller Könige, die grösste Strenge walten zu lassen, am dadurch die Empörung»- süchtigen shzusohreoken. Namentlich ist dies ein be» liebtes Princip der französischen Könige, welohe Meister der Politik sind. Es gab bisher keinen französischen König, der nicht im Beginn seiner Regierung ohne jede Veranlassung einen oder mehrere Grosse enthauptet hätte, und darin liegt das Geheimniss der langen Dauer der französlsehen Monarchie.“ — Gewiss eine Bemerkung, die von grosser Kenntniss der Grossen sengt. Dukes 1m , von besond Venurtwortlii^sr Redactear Dr. Ra hm er Magdeburg. Druck von D. It. Wo lff, Magdeburg. Verlag von Robert F ri e se, Leipzig

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