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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1888-07-12 · N° 28. (12.7.1888) · p. Seite 108

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
17 (1888)
Issue
N° 28. (12.7.1888)
Date
1888-07-12
Page
Seite 108 (sequence 3)
Language
German
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Verkleinerungssaoht, Last, das Oats za ignoriren and ähnliche schöne Tendenzen wittert, der auoh gegen christliche Qelehrte von grosser Stellang and von grossem wissenschaftlichem Bafe die allerschärfsten Beschaldigangen ▼orbringt. Die paar jüdischen Gelehrten, gegen die sein Grimm sioh wendet, sind eine winzige Schaar gegenüber der grossen Zahl von Schlaohtopfern, die seine Galle oder sagen wir sein wissenschaftlicher Eifer ständig fordert. Das ist nicht za vergessen, wenn wir gegen Lagarde nioht so angerecht sein wollen, als er es gegen ans ist; L. ist kein litterarisoher Neuling, and wenn er es nahezu Jedem als Verbrechen anreohnet, der sioh in Widersprach za ihm setzt, warum sollten wir Jaden besser behandelt werden? Also wenn wir Lagarde in seinem Verhalten gegen die Jaden verstehen wolleD, müssen wir ans auf seine Manier, die nicht selten Unmanier ist, einrichten. _ Lagarde antwortet aaf die ansern Lesern hinlänglich bekannten Angriffe, die er and sein Schäler Techen erfahren haben, in einem langen Aufsatz: Lipman Zorn und seine Verehrer. Wir wollen hier aaf Einzelnes nicht eingehen, sondern nar aaf die allgemein interessanten Momente hinweisen. Lagarde giebt zuerst eine Blamenlese ans den von Zanz gelieferten Uebersef zungen liturgischer Stücke. Damit hat sich L. gewandt 'den Weg geebnet. Denn wer immer diese Stücke liest, and nicht ganz den Massstab für Poesie verloren hat, hält im Wesentlichen diese Beimereien für leeres Wortgeklingel. Darüber wird sich freilich auch Zanz keiner Täuschung hingegeben haben; auch Michael Sachs, der doch gewiss einen gaten Ge- Schmack hatte, hat das geschmackloseste Zeug übersetzt and sicherlich nicht daran gedacht, dadurch eine Garantie für den poetischen Gehalt za übernehmen. (Schloss folgt.) Unsere Orthodoxie im Lichte Wissenschaftlieber Religionsbetrachtung. Von einem freisinnigen Theologen. V. B. Elieser sagt: Ans den Worten der Schrift ״von dem Tage, wo Gott erschaffen hat einen Menschen (Adam) aaf der Erde and von einem Ende des Himmels bis zam andern (V. Mos. 4.31) geht hervor, dass Adam vom Himmel bis aaf die Erde reichte; Bab hingegen sagt, er reichte von einem Ende der Welt bis zam andern, worauf der Talmud zam Aasgleich dieses ״Widerspruches“ in der Schrift bemerkt, beide Entfernungen seien gleich. Darauf bemerken die Tossaphot, aas einer andern Stelle des Talmuds (Tamid, 31 ä) gehe hervor, dass vom Himmel zar Erde näher sein müsse, als vom Osten zam Westen, denn dort fragt Alexander der Grosse die Weisen des Südens, welche der beiden Abstände der grössere sei and erhält die Antwort: Vom Osten zam Westen, denn die aufgehende oder antergehende Sonne kann man ansehen, während man in die Mittagssonne nicht blicken könne. Wäre nun das richtig, meinen die Tossaphot, 80 hätte ja Adam niemals stehen können, ohne das Himmelsgewölbe einzastossen. Daher könne nicht die Ansicht der Weisen richtig sein, sondern die gleich darauf im Talmud mitgetheilte, dass vom Osten bis zam Westen eben 80 weit sei, wie vom Himmel bis zar Erde, so dass Adam, wenn er aafrecht stand, q,ben noch bis an die HimmelsJecke reichte. Wir haben gesehen, dass Misraohi sich mit diesem Friedensschiasse zwischen den talmadischen Autoritäten nicht begnügen kann, weil die neaen Entdeckungen diesen ganzen Ausgleich wieder amgestürzt haben, er sagt daher, wenn der Talmud sagt ״vom Osten bis zam Westen“, meint er, vom Osten der Erde bis Bim Westen des Himmels. Samael Edels, der so viel gerühmte und hochverehrte Ausleger der Tossaphot, dessen Spitzfindigkeiten ans in der Jugend als Preisfragen aufgegeben wurden and wegen dessen bereohtigten Charaoterisirang Gr ätz so sehr angefeindet wurde, hilft den Tossaphot naoh, indem er sagt, die Stelle in Tamid beweist durch die Worte, ״wenn die Sonne im Osten steht, kann man sie ansehen,“ dass thatsächlioh nur die Entfernung von der Erde bis zam Ostpunkt des Himmels gemeint ist, and nioht die vom Ostpunkt bis zam Westpunkt, denn der Beschauer steht ja nioht im Westpunkte des Himmels, wenn er nach dem Ostpunkte seinen Blick riohtet. Hätten diese so gesoheidten and religiös ernsten Männer sioh in 80 kindisoher Manier mit Müokenseien abgegeben, wenn nioht ihr religiöses Gewissen sie gedrängt hätte, auf diese Weise den Ausgleich zwischen Glauben und Wissen zu sucheu? Das Gesagte in Kürze zusammengefasst erkläre ich: die wirkliche Orthodoxie erkannte im Talmud eine anfehlbare Autorität in Wissenschaftliehen Dingen, und, wenn es die heutige nicht mehr that, so ist sie eben keine Orthodoxie in dem Sinne, wie sie es sein will. Nun aber können wir beweisen, dass die wissenschaftliohe Anschauung der Alten, für die Auflassung des Gesetzes gar nioht gleichgiltig sein kann, denn einen so weitherzigen Gebrauch man von dem Worte Tradition machen mag, lässt sich doch keineswegs leugnen, dass eine grosse Anzahl von Gesetzen auf einer rein wissen schaftlichen Auffassung beruhe. Nehmen wir zuerst den Begriff ״trepha“. Die Mischnah zählt achtzehn Fälle von Verletzungen edler Organe auf, welche als tödtlich angesehen werden, und schliesst mit den Worten: ״das ist das Princip: was nicht lebensfähig ist, heisst trepha“. Nun wird jeder Einsichtige zugeben, dass diese Worte nichts anderes bedeuten können, als: das, was nach wissenschaftlicher Erfahrung nioht lebensfähig ist, ist zum Genüsse verboten. Diese Anschauung wird auch dadurch gestützt, dass gegen die Miteinbeziehnng einer Verletzung der Gallenblase der Einwand erhoben wird: Hiob sagt von sich (16.13) ״er vergiesst zur Erde meine Galle“, und doch war Hiob in diesem Augenblick noch am Leben, worauf der Talmud entscheidet, dass der Fall Hiobs nichts beweise, weil sein Leben von Gott auf wunderbare Weise geschützt wurde. Noch mehr, an einer andern Stelle (Chullin 54a) wird die Frage aufgeworfen, warum ein Stich in die Nieren nioht unter trepha gerechnet werde, obwohl derselbe tödtlich wirke, und darauf wird die Antwort gegeben, dass man diese Verletzung duroh Anwendung ärztlicher Mittel noch heilen könne. Wir sehen daraas zar Genüge, dass die Mischna unter trepha nichts anderes versteht, als unheilbare tödtliche Verletzungen, welche die Wissenschaft jener Zeit als solche erkannt hat. Wenn nun in einer Beraitha (Ohallin 42 a) allerdings die Meinung ausgesprochen wird, dass Gott selbst dem Mose auf dem Berge Sinai die als trepha bezeichneten Krankheitserscheinungen des thierischen Körpers an Beispielen demonstrirt habe, 80 ist das wohl niohts anderes, als eine agadische Verherrlichung der rabbinisohen Anschauung, wie die Erzählung, dass Gott dem Mose auf die Frage naoh dem Zwecke der Krönchen aaf dem Baohstaben geantwortet habe, diese seien für B Akiba bestimmt, der sie seiner Zeit aaslegen werde, (Menaohoth 29 b), oder es ist das Ganze eine agadische Spielerei mit

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