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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1888-07-12 · N° 28. (12.7.1888) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
17 (1888)
Issue
N° 28. (12.7.1888)
Date
1888-07-12
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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*נ*! Jüdisehes I Littertatur -Blatt. Zar Beleachtamg allar Jiieith■■ aad Jade• bftreffeiici litterariiehen Er• 1ehd111|«1 aaf de« Gebiete der Philo• •ophle, Oeeehlehte, ItkUfrayhle, Theo• 1001«, OrieaUIJa, Exegese, Bo«flet(k. Lltargik a. PfcU*oglk. i Her ansgegeben Ton Rabbiner I)r. Moritz Rahmer. ©T£aqdeßtity, 12. aJufo 1888. Htkttla■ •taMhUglgn UtMratar,w*l«k• <« idaati•■ niwalt man, feil■ 1» dlau■ Blatt« •Iav«k«a4• (•■ז«!•■! Bel Biwlni t*■ iwil «WMi•»•- R1e«,l»r«1 «rfglft eia■«!!(• kam j 8ratla-lasextf«B. Das ״Jldliehe Lltteratar-Blatt“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen Preis bei allen Buohhandltwgea (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Hark. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei allen Postanstalten and Buchhandlangen 8 Hark kostet) erhalten das ״Jüdische Litteratar-Blatt“ gratis. — laserate werden mit 86 Pf. ittr die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 80 Hark, berechnet and sind an die Expedition dieses Blattes za senden Bachhkndler u. Lehrer, welche direct oder durch Bohert Friese Inserate einsenden, erhalten 25 y( Babatt. Inhult: Wissenschaftliche Aufsätze: Eine Lanze für Lagarde. — Unsere Orthodoxie im Liebte wissenschaftlicher Beligionsbetrachtung. Von einem freisinnigen Thiologen. — Litteraturbericht: Becensionen: JmmiauelTremellins. Ein Proselvtenleben im Zeitalter der Reformation von Wilhelm Becker, Breslau. — LitterarisclieNotizen Unbefugter Nachdruck aus diesem Blatte ist njaht gestattet. Eine Lanze für Lagarde. Wenn ich erwäge, dass diese Blätter zum grössten Theil von Männern geschrieben werden, ieren Lebensanfgabe die religiöse Bildung und Belehrung ihrer Glaubensgenossen ist und dass diese Zeitschrift vor Allem religiöse Ziele verfolgt, 80 schein! es mir nicht unangemessen, auch für einen ausgesprochenen Judenfeind in diesen Spalten ein Wort der Entschuldigung and der Rechtfertigung vorzabringen. Die Unbill der Zeiten zwingt uns öfters als uns lieb ist zum rauben und bittern Werk der Polemik; es ist kein Wunder, wenn Männer, die sich des edelsten Strebens bewusst sind, bitter werden, wenn ihre Sprache scharf und ätzend wird gegenüber dem schier unüberwindlichen und allen Gründen unzugänglichen Uebelwollen; aber sittlicher and religiöser bleibt es doch, auch denen gegenüber, die uns tief verwunden, jede Schärfe zu vermeiden und gerecht und mild zu sein. / Vortreffliche Kritiker haben sich jüngst mit Lagarde, dem bekannten Göttinger Gelehrten, beschäftigt. Aber schon über die erste Voraussetzung aller Kritik überhaupt sind wir uns bei Lagarde nicht völlig im Klaren: ist Lagarde völlig zurechnangsfähg? — Wir möohten nicht gern missverstanden weraen. Ewald war gewiss ein hochgelehrter, sprachgewandter Mann and bis an sein Lebensende hat er seine wissenschaftlichen Verdienste gemehrt Ewald liebte es nun, wenn er seine Büoher veröffentlichte, ihnen politische Manifeste anzufdgen, durch die er sogar mit dem Strafrichter in Kollision kam. Die Welt, und besonders Deutschland, war nämlich ver׳ wegen genug gewesen, unbekümmert 4m Heinrich Ewald sioh politisch zu gestalten. Niemand hat diese Ergüsse ernst gen! >: hat dem querköpfigen Gelehrten diese Gute gehalten und die VerschWendung und Druckerschwärze, deren sioh Ewalc mmen; man ollheiten za von Papier ׳ bei diesen politischen Protesten schuldig machte, als ein unvermeidlichesUebel bei dem knorrigen, Unbeugsamen Alten mit in den Kaut genommen. Ist doch Selbst G ervinus, einstmals der politisohe Lehrmeister per deutschen Studenten, von solohen Wahnideen nicfyt verschont geblieben, als Deutschland sich unterfing sioh neu za gestalten, ohne erst den Professor um Erlaubniss zu bitten. Auch Herrn Lagarde ist jene pars dementiae, ohne die bekanntlich kein :Mensch aaf die Welt kommt, wie es scheint, reiohlich zugemessen worden. Hören wir ihn selbst au& einigen Aeusserungen seiner ״Erinnerungen an Friedrioh Büokert“. Der Aufsatz ist klar and markig geschrieben, wie denn überhaupt Dr.Berliner unglücklich war in demVersucb,Lagarde׳s Stil zu tadeln. Gewiss, Lagaride sohreibt keinen normalen Stil, wie er kein normaler Mensch ist, man sieht, er ringt mit der Sprache und will sie sioh formen. Da ist er denn zuweilen nioht vom Erfolg begünstigt; in dem Aufsatz über Büokert lesen wir z. B. das Wort: todtenkopfhaft; das Wort ist beinahe 80 hässlich und störend wie ein wirklicher Todtenkopf. Aber im Grossen und Ganzen können wir mit Lagarde weit eher wegen seiner Gedanken, als wegen der Worte rechten, in die er sie kleidet; sein Stil ist kein Modekleid, wie es für alle nach]dem gleiohen Zuschnitt gearbeitet wird, sondern die eigenartige Form, in der eine bestimmte, oft unangenehme, aber immerhin fest ausgeprägte Persönlichkeit sich kund thut. Aber in diesem einen Aufsatz schon entschlüpfen Herrn Lagarde Bekenntnisse, die uns vermnthen lassen, dass das Gleichgewicht keiner seelischen Kräfte oft gestört ist So sagt er von sich, dass er ״von jeher ein einsames, trauriges Menschenkind“ gewesen sei. Er wendet aaf sein Lebet die allgemeine *Sentenz an, ״dass ein in früheste^ Jugend krumm gezogener Baum nie gerade und nie eine Freude der Menschen werde“ a. behauptet, d iss die berafenenPfleger und Freunde seines Lebens sich an ihm versündigt hätten. Er ist fast mit jeder Situation, in die er geräth, unzufrieden. Büokert beglückwünscht ihn z. B. mit herzliohea Worten dazt, dass er daroh Vermittlang Bansens ein Beisestij endium von je fünfhundert Thalera erhalten habe. Lagarde veröffentlicht diesen Brief Büokerts and füg: noch fünfanddreissig Jahre später, die Bemerkung hinzu: ״ioh wollte, ich hätte es nie erhalten; in Preassen Theologe sein ist and bleibt ein Martyrium, und zwar die sohlimmste Art Martyrium, nämlioh ein ni.tzloses.“ Herr L. ist, wahrscheinlich daroh eine nngl lokselige Naturanlage, ein galliger, bitterböser Maon, dem es 80 bald nioht einer recht macht, der *mit Allen Krakehl anfängt, and als ein vom Verfolgung«wihn Gequälter überall -- tiktaia

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