Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 17 (1888)
- Issue
- N° 24. (14.6.1888)
- Date
- 1888-06-14
- Page
- Seite 92 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/6492408-6488258-9805926--1466-4856604- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Männer, denen jüngst die jüdische Welt so begeisterte Glüakwünsohe gewidmet hat, stehen sich hier schroff gegenüber. Kassel will Karo einen Dienst erweisen, indem er den ״ Maggid Mescharim % eine kabbalistische Schrift, ihm abspricht, Grats hält in seinem Gesohiohtswerke Joseph Karo für den Verf. und benutzt die in diesem Werke gebotenen Daten vielfaoh für die Charakteristik dieser rabbinischen Autorität. Kassel hat in einer Programmarbeit von ungefähr sehn Quartseiten Text und wenigen Anmerkungen sich mit dieser Frage beschäftigt. Von diesen sehn Seiten sind jedoch nur die letzten drei direkt dem Maggid Mescharim gewidmet. Prüfen wir einige der Gründe, die Kassel für seine Ansicht anführt. Schon dass Karo in der Einleitung zu seinem halaohischen Hauptwerke den Sohar als letzte Autorität einfach ohne jedes lobende Beiwort nennt, scheint K. ein Beweis für die Nüchternheit Karo’s, für seinen der Kabbala abholden Sinn; wir geben zu, dass die wenigen Stellen, in denen Karo den Sohar oitirt, noch kein Zeugniss sind für die kabbalistische Richtung des Karo; aber Karo rechnet in der Einleitung alle Quellen seines Buches ohne jedes lobende Beiwort vor; er zählt sie einfach auf; zum Schluss nach den rabbinischen Quellen auch den Sohar; wie lässt sich da irgend eine Schlussfolgerung ziehen, dass ihm der Sohar geringwerthig gewesen ist, da er doch bei einem der talmudischen Litteratur gewidmeten Werke nicht den Sohar vor die talmudischen Bücher stellen kann? und da er auch den Talmud ohne jedes rühmende Nebenwort anführt, so geschieht dem Sohar nicht zu wenig, wenn es auch bei ihm unterbleibt. Ferner sagt Cassel: ״ein kabbalistischer Schwärmer hätte nicht wie es Karo thut, den מנהג כפרות für 1 einen מניע שטות bezeichnet, wäre jedenfalls nicht—nach - dem Vorgänge des Nachn:anides — für Abschaffung der abergläubischen nnd unjüdischen Sitte gewesen.“ I Allerdings tritt Karo bei diesem Urtheil in die Spuren! de« Nachmanides, der den sonderbaren Brauch eine ״Sitte des Emori“ nennt. Aber war denn Nachmanides j nicht trotz alledem ein kabbalistischer Schwärmer,; nnd wie kann es beweiskräftig für Karo’s Abwendung von der Kabbalah sein, wenn wir ihn Arm in Arm mit Nachmanides sehen? Sodann weist Cassel darauf hin, der Sch’Ioh erzähle als ein Wunder, dass einmal in einer Schabuot- ' Nacüt eine himmlische Stimme an zwei Männer, an Joseph Karo und an Salomo Alkabiz zugleich eine lange Rede gehalten habe. Daraus folgt noch nicht, dass der Berichterstatter nichts von dem Maggid gewusst hat, der doch so oft zu Karo gesprochen. Das Ausserordentliche bestand darin, dass beide Männer zu gleicher Zeit dieselbe Rede hörten. So weit j batte es der Maggid nicht gebracht.! Von all den Momenten zudem, die Graetz an- I führt, dass nämlich der Maggid über die Familie Karo’s orientirt ist, dass er von seinen doch garnicht nüchternen, sondern sehr romantischen und phantastischen nnd mit der Kabbalah sehr verwandten Beziehungen, die Semioha einzuführen, weiss u. dergl., von allen diesen Dingen, mein(. Cassel euphemistisch, dass sie die ״Untersuchung erschweren“, sie erschweren inde88 nur, zu dem Resultat zu kommen, auf das -Cassel hinsteuert. Aber Cassel hat sein Arsenal noch nicht er* schöpft: ״Andrerseits giebt eben das Buch zu den gerechtesten Bedenken Veranlassung, ob es von einem Manne, der so in der Mitte des talmudischen yJudenthums stand, verfasst werden konnte. Der zu Karo redende Maggid ist nämlich die personificirte Mischua. Abgesehen ¥on der Geschmacklosigkeit in ־diesem Auftreten eines höhera Wesens ist eine solche 'Personifioation ein Novum iu der jjüdisohen Litteratur. Wenn der Maggid von dem keinen Augenblick auszusetzenden Studium der Misohna spricht, so habe man erwartet, dass unter den zahlreichen Werken des Karo eins sich mit der Misohna beschäftigen sollte; das ist aber bekanntlich nicht der Fall.“ Cassel findet die Personification der Mischna geschmacklos, — Uber den Gesohmack lässt sich nicht streiten; wir haben auch garnicht die Absicht, für den guten Geschmaok des Verf. des Maggid eine Lanze einzulegen. Aber wenn wir erwägen, dass Karo ein arbeitsreiches Leben der mündlioben Ueberlieferung gewidmet hat, und dass die Mischna Grund und Kern der Tradition ist, so scheint für eine Verkörperung des Lebensgenius dieses Rabbiners die Mischna garnicht so unangemessen. Die Mischna, das mündliche Gesetz, die Lebensarbeit Karo’s, ist der Genius, der ihn in seinen späteren Lebensjahren, als sein Hauptwerk schon beendet war, auch über andere Dinge unterrichtet. Kaum bei irgend einem andern gelehrten Rabbiner dieser Jahrhunderte wäre uns gerade diese Personification verständlicher und angemessener als bei Karo. Und wenn die Tora an vielen Stellen in Talmud und Midrasch p.-rsonificirt wird, warum sollte in späteren Jahrhunderten bei der gesteigerten Verehrung, die die mündliche Ueberlieferung erfuhr, nicht auch die Mischna hypostasirt werden? Die Tora eilt zu Gott, erzählt ihm, wie es ihr gegangen sei, klagt ihm, ist das keine Personification? Und die spätere Zeit setzt mit der Mischna nur fort, was die frühere mit der Tora begonnen hatte. (Schluss folgt) Zur Chronologie. Von 1 . Cohen in Rees a. Rh. (Fortsetzung aus No. 22. In L. A. Frankl’s ״Wiener Inschriften“ — 8. No. 20 — sind ferner zu berichtigen : No. 136: St. 1644 1. 1643. No. 137: Re sei, Gattin Josephs st. ‘U 'ייט א חשק רדד. — Der 9. Chescbwan 5404 m. d. F. בח״ה war am Donnerstag. St. 1644 1. 1643. No. 138: St. 1644 1. 164 . No. 139: Bela, Gattin Abrahams st. יוט ״ י״ד TTi א״ר. — Der 14. Adar 1. 5404 war am Sonntag. No. 140: St. 1644 1. 1643. No. 143: Joel Cohen 8t. יום ב־ א׳ ימים לחדש ויו TTI. — Man lese: יום א‘ בי ימים וכר, dann stimmen Wochentag und Monatsdatam, denn der 2. Jjsr 5404 war am Sonntag. א' ימים ist arch sprachlich unrichtig. No. 147: Blume, T. d. Löb Cohen st. יום בי ט*ז מנחם ת״ד. — Unmögliches Datum; der 16 Ab 5404 war am Donnerstag. No. 151: David Tewie st. וכביב״ד, תמח ת״ה\ — Der 25. Tamus 5405 m. d. F. וש״נ war Mittwoch; auch im J. 5409, wenn ,ה etwa ein Druckfehle: für ח׳ sein sollte, fiel der 25. Tamas auf Mittwoch. No. 153, 154 u. 155: St. 1646 1. 1645. No. 157: David S. d. Samuel st. ביום שני ששי לחדש אדר ת" ו. — Der 6. Adar 5406 m. d. F. הכ״ז war am Mittwoch. No. 160: Fabel, T. d. Samuel Epstein st. יום ב׳ א׳ ר״ח טבת תת. — Der 1. Neumond Tebeth 5407 m. d. F. כש״ז war am Sabbath. Wahrscheinlieh soll es heissen: יום א' כ' ר יח טכת, dann würden Wochen- und Monatsdatam stimmen. St. 1647 1. 1646. No. 170: St. 1649 L 1648. No. 176 u. 177: St. 1650 1. 1649. No. 178: Elia, S. d. Natanel st. יום ג׳ ז׳ חשק