Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 17 (1888)
- Issue
- N° 22. (31.5.1888)
- Date
- 1888-05-31
- Page
- Seite 85 (sequence 4)
- Language
- German
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— 85 — demselben Grande anbestraft bleiben, aas welohem man die Leiohen jüdischer Kinder als 801 ohe bewitzelt. Sodann wissen wir, dass jene verthie: ׳ten Gesellen Christen heissen; ob sie es sin d, ist eine andere Frage. Wir wollen hierneben noch offen gestehen, dass wir bei jedesmaliger Wiedererinnerang an die qu. Korrespondenz auch an unsere in No. 1) der ,Israel. WochenscLr.“ enthaltenen ״zeitgem. Bemerkungen“, anknüpfend an eine Aeasserung des Al rikareisenden Herrn Premierlieutenant Kund, denken müssen. Dr. Ph. Kroner-Br. Zu«־ Chronologie. Von L. Cohen in Rees a. Rh. (Fortsetzung aus No. 21.’ S. 221: R. N oa Phöbus Bloch starb כשבוע ביום ראשון בטני לחדש הראשון נעלה הארק ואיננו, רסדר פר,ודי נקבי־ לפרט טוב נשבר תקם־ט. — Das war aber ein trauriger Lohn, den man dem grossen Wohltbäter der Gemeinde für alle seine Liebe erwi?s, dass man ihn nämlich nach der Erzählung der Grabschrift bei lebendigem Leibe begrub! Ara Sonntag, den 2. Nissan 5569 mit der Formel הב״ז war >r gestorben; am Nissan dieses Jahres las mau der. Wochenabschn:tt ויקרא und in der Woche zu פקודי wurde er schon begraben? Schrecklich, wenn es wahr wäre! Aber der Verfasser der Inschrift scheint nicht קורא, aber auch am Sabbath vor dem Tod• des Verstorbenen nicht beim Gottesdienste anwesend gewesen za sein. Er hätte sonst zur Verewigung eines solchen Schnitzers nicht beitragen können. — Unbeschadet der Ehre des Herrn Rabbiner Fin, der d esen Lapsus merkwürdigerweise übersehen hat, möchte ich bei diesem Beispiele allen Herausgebern äiterer Grab- Schriften wiederholt ans Herz legen, kein Datum niederzuschreibeu, ohne es auf seine Ri< htigkeit geprüft za haben. Das vortreffliche Buch קריה נאמנה wird als Quelbnwerk benutzt; wie oft mag daher diese Ungeheuerlichkeit schon reproducirt worden sein! שבשתא דעל על. S. 242, Note, Z. 3: Ein Schreiben an R. Ezechiel Feiwei hat das Datum מיום נ׳ טיב אדר שני תקנ״ו. — Dieses Datum ist unmöglich; der 17. Adar II 5556 mit der Formel בש״ו war am Sonntag. S. 259: R. Zewi Hirsch starb (ב׳ ך אייר ׳«:ד״ל באמינתו יחיה לפ״ק• - Da vorher das Jahr!תקע״ als Sterbejahr angegeben ist, ist das יריק' nicht auszuzeichnen; das Datum ist aber ausserdem unmöglieh; der 20. Jjar 5577 fiel auf Dienstag. S. 262: Jehuda b. Ascher aus Lalant starb ביום א׳ א׳ רייח םיק תקפע. — Das eine א ist überflüssig, da es keinen zweiten Neumond Siwan giebt. s. 301, z. 21: והתשובה הוא מיום נ, כ״ז כסליו שצ־ו לפ״ק. — Der 27. Kislew 5396 mit der I ormel החי׳א war am Freitag; also st. ני z. 1. ו׳. (Wirl fortgesetzt.) Litteraturbericht, ן I Kecenöionen. j Wünsche, Aug., Dr. theol. et phil. Der Babyj lonisohe Talmud in seinen haggadischei Bestand- ו theilen wortgetreu übersetzt und durch Noten erläutert.! Zweiter Halbband, zweite Abtheilung.i Leipzig, Otto Schulze 1888. 224 S. Wünsche's grossartiges Untemelimen sammte haggadisohe Litteratur den des m, I die geibr&isahen Unkundigen durch wortgetreue und leioht fassliche Uebersetzang zugänglich zu machen, hat in jüdisohen Gelehrtenkreisen im Allgemeinen die wohlwollendste Aufnahme und Beurtheilang gefunden. Nioht als ob man von der Vollkommenheit der Leistung überzeugt wäre, an der die Kritik nichts aaszusetzen habe, sondem weil man von dieser Uebersetzang der Aggada eine bessere Kenntniss und Würdigung des Judenthums ausserhalb desselben erhoffen zu dürfen glaubte. Denn das sah man auf den ersten Blick: das Unternehmen entsprang keinem unlauteren Motive; ohne gehässige Voreingenommenheit, ohne wahrheitswidrige Tendenz hat der Verf. seine Arbeit begonnen and mit bewunderungswürdigem Fleisse fortgeführt. Eigentlieh sollte das selbstverständlich sein, dass Männer der Wissenschaft sine ira et Studio arbeiten; aber heutzutage, wo der Antisemitismus ,die Augen der Weisen blendet und die Worte der Gerechten verdreht“, ist es leider nioht überflüssig, die unparteiische Behandlung eines wissenschaftlichen Thema’ s, zumal wenn es mit dem Judenthume in irgend welchem Zusammenhang steht, lobend hervorzuheben. Die wohlwollende Kritik hat auch ihren Grand j in der richtigen und vollen Kenntniss der Schwierig- | keiten, welche sich der Wiedergabe talmudischer und : midraschischer Werke eutgegenstellen. Wünsche ist | sich dieser Schwierigkeiten vollauf bewusst: weit enti fernt, sich für unfehlbar UDd seine Arbeit für voll- ' kommen za halten, hat er in seiner Bibliotheca Rabbinica berichtigende Zusätze von jüdischen Gelehrten aufgenommen und auch von der vorliegenden Lieferung wurde jeder Druckbogen in zweiter Lesung von jüdischen Gelehrten, Dr. Hoffmann-Berlin und Dr. L ö w-Szegedin, einer Revision unterzogen. Wir glauben daher im Sinne des Verf. zu handeln, wenn wir statt allgemeiner Bemerkungen lieber Kritik im Einzelnen üben und alle diejenigen Stellen notieren, die — nach unserem Dafürhalten — nicht zutreffend übersetzt worden sind, oder der für den Leser unumgänglich nothwendigen Erläuterung entbehren. Im Vorwort bietet der Verf. eine kurze Inhaltsangabe von den drei Traktaten Baba Kamma, Mezia und Bathra und erwähnt den Ausspruch Rabba’s (Taanilh 24 ab), wonaoh in den Zeiten des R Jehuda (b. Jecheskel) die Ordnung Nesikin am eifrigsten studirt wurde. Es muss ab:r Raba heissen; denn derselbe Ausspruch erscheint auch Synhedrin 106 b als von Raba horrührend und Berachoth 20 a wird die Thatsaohe von seinem Zeitgenossen R Papa erzählt. Vergl Rabbiüowitz’ D. S. zur Stelle in Taanith, der die richtige Lesart bringt und auoh aus innern Gründen vertheidigt. In der ersten Note, S. 3, wo die biblischen vier Grundformen der Beschädigung erläutert werden, sagt der Verf'.: ״Zu den Kindern der zweiten Besohädigangsart gehören alle durch Ausspeien eto. entstehenden Schäden.“ Dass Letzteres zu den תולדות הבור gehört, ist dem Verf. nioht bekannt. Im Talmud und von den Deoisoren werden ganz andere Abarten dieser Besohädigungsform aufgezählt. Der Verf scheint an die Mischna B. Karüma 30a gedaoht zu haben: ״Wenn A. an einem öffentlichen Verkehrsplatze Wasser ausgiesst and B. dadurch ausgleitet und 8ioh verletzt, so ist A. ersatzpflichtig.“ Dass aber eine Körper- Verletzung durch Speiohel entsteht, ist schwer denkbar; eine etwa dadurch entstandene Beschädigung der Kleider wäre nicht za ahnden (Ch. M 412,5), ausser wenn sie direkt beabsichtigt wurde, einer ganz bestimmten Person zugedaoht war (Ch. M 420,38); dum ist es aber keine חולדה דבור! Das erste Stüok, das der Verf übersetzt hat, ist weder haggadisohen Inhalts, nooh gehört es zu den ■ - - —