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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1888-05-10 · N° 19. (10.5.1888) · p. Seite 72

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
17 (1888)
Issue
N° 19. (10.5.1888)
Date
1888-05-10
Page
Seite 72 (sequence 3)
Language
German
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Spotte«, seiner tiefverwundenden Satire bekämpft, sehr am Platze nnd eine verdienstvolle That. Aber nicht etwa nur negirend wirkt dieses Blatt, sondern anoh daroh Belehrung auf jedem Gebiet der Wissenschaft and Litteratar. Ueberhaapt ist die Redaotion bestrebt, ihrem Jonrnal mehr and mehr einen earopäischen Anstrich za verleihen. Das Zweitälteste Tageblatt ist das von dem Nestor der jüdischen Astronomen and Archäologen Ch. S. Slonimsky, der noch aas der Zeit S. L. Rapaport’s, S. D. Lazzat'to’s and N. Kroohmal’s herhervorragt, begründete Journal ״) הצפירהdie Morgenröthe "), welches der geistreiche and gelehrte N. S o k 010 w als täglich erscheinendes Blatt vergrössert hat. Dieses eigenartige Blatt verdiente 'gewiss aach ausserhalb seines eigentlichen Lesekreises Beachtung. Es erscheint in Warschau, der grössten jüdischen Gemeinde, und ist in seiner eigenartigen Stellung das getreueste Spiegelbild des jüd. Lebens in Bassland and Grosspolen. An and für sich gehört das Blatt der konservativen Richtung an, indess ist der Herauseber denn doch viel za geistreich, am mit der Orthoozie in Deutschland zu fraternisiren. Auch ist es bekannten Schriftstellern and Gelehrten stets freigesteUt, darin aach ihre widersprechenden Ansichten offen auszasprechen, wodurch diese Zeitang eia reges und lebendiges Interesse stets wachhält, ohne aber in eine widerliche Polemik aaszu arten. Nach zwei Seiten hin zeichnet sich das Blatt vortheiihaft aas and ver- — dient alles Lob: es ist vor allem bestrebt, nicht mit Hypothesen und Paradoxen zu operiren, sondern aufklärend und belehrend za wirken. Man liest oft mit wahrer Freade ־schön geschriebene Aufsätze über Jugenderziehung, Gesundheitspflege etc., wobei die lehrreichen Beiträge des Dr. Frankel iui fliessend- 8ten Hebräisch besondere Erwähnung verdienen. Nach den andern Seiten ist der prächtige, humane Humor, der eben echt jüdisch ist, ein köstlicher Genuss. Zwei pseudonyme Feuilletonisten (JP 1ד und'אבינללד) bringen von Zeit zu Zeit humoristische Beiträge, welche die Thorheit der Zeit, die Fehler und Gebrechen der Zeitgenossen aufs herrlichste unter Thränen belachen and persifliren. Es erinnert uns dieser Humor an ■ die bedeutendsten Humoristen der Culturvölker an Aristophanes, Swift, Jean Paal, Heine und Börne. Schade nur, dass diese köstliche Humoristik anübersetzbar ist, sonsten möchten wir einige Proben zum besten geben. Dr. S. Bernfeld. ' Belgrad, im April 1888. . Collectanea. Von Dr. Ph. Kroner, Rjibb. in Brandenburg a. d. H. XXIX. Zar wird gewöhnlich vom lat. Caesar abgeleitet. Voltaire j bemerkt in 8. Histoire de Charles XD, 2. Bach daj gegen: — — ce titre de ozarafis signifie prince, oa fils da czar, chez toas les Tartar es eomme en Moscovie; car le mot de czar oa tzar voalait dire roi chez les anciens Scytbes, dont toas ces peaples 80nt descendas, et ne vient point des Cesars de Borne, 8i longtemps inconnus ä ces barbares. Wir pflichten Voltaire insoweit bei, als er die Abstammung des Wortes Zar von Caesar bestreitet. Im Uebrigen halten wir dasselbe für einen Aasdruck der Ursprache, welcher im Indogerm, nnd Sem. vorkommt ד er lautet send. 9arä, Haupt, Oberhaupt, Herrscher, pers. ser, phön. 10־, assyr. sarra, arab. (tatar. a. türk.) sari sowie hebr. שר von derselben org. Wurzel sar, herrschen. Bezüglich der Identität der Wurzel and ihrer Bedeatang im Hebr. and Arab. vergL Fttrst-Byssel, Handwörterbuch 8. v. שרה II. Saohs-Villatte, Wörterbuch der franz. and deatsohen Sprache, hält wie Voltaire Zar für tatarisch and übersetzt es Herr 80. der Steppe. Erscheint es schon hiernach als unvereinbar mit Caesar, 80 tritt <lie Verschiedenheit nooh augenfälliger gegenüber folgenden Thatsaohen hervor: In der 81av. Bibel wird ßamlstic stets mit Zar, Caesar (Kalaap) hingegen mit Kesar übersetzt, Zar and Caesar also streng unterschieden. Wenn jedoch in alten ras8. Chroniken die byzantinisohen Kaiser nnd die Khane der Mongolen, di« über Bussland herrschten, Zaren heissen, ao bedeutet dort dieser Ausdruck vielleicht nur so viel wie Herrscher im Allgemeinen, nicht speoiell Kaiser. Ferner nannte sich Jwan der Grosse, der eigentliche Begründer der rass. Monarchie, zuerst (am 1480) Zar; Peter der Grosse aber nahm 1721 den Titel Imperator (= Kaiser) an. Sodann wird im jetzt üblichen Titel Zar gleichbedeutend mit König gebraucht, z. B. Zar von Polen. Endlich führt der russ. Thronfolger jetzt den Titel Zesarewitsch oder richtiger Zessarewitsoh (von Zessarj der Kaiser), nicht mehr Zarewitsch, und seine Gemahlin den Titel Zessarewna, nicht mehr Zarewna. Daneben sei bemerkt, dass der in Russland gleichfalls üblich gewesene Herrschertitel Khan, davon Khanat, arabischen (tatar. 1t. türk.) Ursprungs, dem chald. Kahen and dem hebr. Koh4a gleich ist und nicht nur Priester, sondern auch Verwalter heisst; war doch früher, wie noch jetzt bei den Türken, geistliches und weltliches B9giment oft verflochten. (Vergl. Sultan, weltlicher Herrsoher, von salita, hebr. schalat herrschen, davon subst. schal tan Khalif, Stellvertreter sc. Muhameds, von khalafa, hebr. ohalaf, wechseln, au Jemandes Stelle treten.) Wir ersuchen die geehrten Mitarbeiter d. Bl., welche über das betreffende wissenschaftliche Material in ergiebigerem Umfange verfugen, unsere Ansichten über Wort und Begriff von ״Z1ra hier näher zu begründen oder zu berichtigen; sie werden uns za Dank verpflichten, da wir ein tiefergehendes Interesse au der Sache haben. Zur Chronologie. Von L. Cohen in Kees a. Rh. (Fortsetzung aus No. 10.י In L. A. Frankl ״Inschriften des alten jüdir sehen Friedhofes in Wien“ 1855 sind folgende Irrthümer zu berichtigen: No. 3: St. 1596 1. 1595. No. 4: Rebeka, T. d. Simon 8t. א' ז' אדר LV שנ״ט. — Der 7. Adar 5S59 m. d. F. הכ״ז war am Donne rstag. No. 7: St. 1606 1. 1605. No. 8: St. 1607 1. 1606. No. 9: St.1606 ־ L 1605. No. 10 u. 11: St. 1607 1. 1606. No. 15: Moses Meor Katon st. יום ראשון כ׳ אדר וכמשה לפרט. - Der 2. Adar 5371 m. d. F. זש״נ war am Dienstag. No. 22: St. 1613 1. 1612. No. 23: Israel Auerbaeh 8t. ד כסליו 'J יום שע־ד. — Unmögliches Datam; der 4. Kislew 5374 m. d. F. כודג war am Sonntag. St. 1614 L 1618. No. 24: Nachama T. d. Akiba st. ...(א׳ "I יום שד* ה. — Der aasgelassene Monat kann nar פיק gewesen sein, dessen erster Tag im J. 5375 m. d. F. הש׳־נ auf Freitag fleL No. 27: Meschalam S. d. Moses st. 71 ‘יום א אלול השלום לם*ק• — Der Wochentag stimmt za dem

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