Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 17 (1888)
- Issue
- N° 18. (3.5.1888)
- Date
- 1888-05-03
- Page
- Seite 69 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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«9 — schreiben. Hierauf ersuohte er die ganzi ins Zimmer zu treten, nachdem sie vcn ausgezogen hatte. Hier fanden wir i aut seinem heiligen Throne, gekleidet Gottes, mit einer goldenen Krone aul׳ und einer goldenen Kette, an welcher Stern herabhing, auf der Brust. Auf waren viele heilige Namen eingravirt Tische, welcher vor ihm stand, lag ein daneben eine Trompete. — O mein Soll! nicht möglich, Dir alle Wunder zu er: dieser heilige Mann verrichtet. — Ich armer Mann, der alle seine Zeit nöthig Seinigen den täglichen Unterhalt zu ich kann nicht so oft bei ihm zubringi wohl möchte. Aber ich bin von ~ dass ich in seinen Augen Gnade gef and in die heilige Gemeinschaft aufgenommo: — Da solche Leute, welche an Geheim: Gefallen finden, über meine Worte darfst Du diesen Brief nur verschwiege zeigen. Auch hier in London weiss nicht zu dem Verein gehört, etwas von legenheit. -— Ich hoffe, von Dir zu er: weisen Männer dortiger Gemeinde zu sagen. Dein Dich liebender Eleizer Sn Soweit über Sussman’s Brief.*) Emdens Antwort an einen Correspondenten, welcher ihn;6 Gesellschaft her die Sohuhe nun, sitzend wie ein Engel dem Haupte ein silberner diesem Sterne — Auf dem Schofar und in, es ist mir 2׳ ählen, welche bin nur ein hat, für die geschaffen und als ich es -zen dankbar, len habe und in worden bin. nissen keinen hen werden, inen Männern Niemand, - der dieser Angefahren, was die dieser Sache ,ter i'smann.“ ׳(in, nach Meinung über Sussinan und seinen Holden befragt, lautet: ״Der Betrüger Sussinan wird fir diese Lob- Preisungen bezahlt und verdient, in dei Bann gethan zu werden. Was Falk betrifft, so kenat Jedermann seine Machinationen und Bänke. Ich 1abe ihn nie gesehen, aber es wurde mir von vielen Leuten erzählt, dass er aus Polen komme und vorgebe, die Geheimnisse der praktischen Kabbalah (קבלו: מעשית) zu verstehen, wodurch es ihm möglich wurd », verborgene Sohätz3 zu entdecken. Dieses brachte ihm aber Verlegenheiten, alser in We's tfalen war, wo man ihn als einen Zauberer hätte lebendig verbrennen müssen, wenn er nicht nach England geflohen wäre. In Westfalen (Wo? Der Uebersetzer) heirathete er auch eine Frau, deren Führung Anlass zu manohen Beschwerden gab und mit welcher er daher nach London ging. Hier fand er viele Gönner, besonders ii den niedern Klassen. Auch manche reiche Christen glaubten an seine Kraft, Schätze zu Wasser und zu Lande für sie heben zu können. Es gelang ihm auch, einen reichen Schiäseigenthümer za tetrügen, welcher ihm sein ganzes Vermögen anvertraut hat und jetit ein Bettler ist. Durch solche Betrügereien kam er in die Lage, ein höchst luxuriöses Leben führen zu können. Aber er sohenkt auch seinen Schmeichlern, damit sie nur seinen Buhm verbreiten, so viel, dass er oft genöthigt ist, von Ladengehülfen Geld borgen zu nüssen. - Und trotz alledem hält man ihn für einen!;rossen Ignoranten (ביר ועם הארץ), Er behauptet, Kabbalist zu sein; aber Alles, was er sagt und schreibt, ist Unsinn, den kein Mensch versteht. So lange Fnlk nicht den Versuch machte, die Leute za verführ« n, batte ich keine Veranlassung, das Pablikum über 8 sine schlechte Führung aufzuklären; jetzt aber, wo 8 »in Factotum Sussman für ihr Propaganda maoht, halte ich es für meine Pflicht, ihn za «lemaskiren.‘1 **) Dies sind die Beschuldigungen, w»lche Emden gegen Falk vorbringt; dieselben bedürfen keines weiteren Commentars. Aber es ist ziem] ioh schwierig za sagen, ob alle diese von Emden vorgebraohten •) Jbid. S. 69b bis 71a. **) Jbid. S. 71a. n. b. Verdächtigungen begründet sind oder nicht. Emdens argwöhnisches Auftreten lässt ihn in Jedem, der nür die geringste Sympathie für den Verfolgten hat, einen fanatischen Apostel Saf>bathai Zewi’s erblicken. Aber die Gastfreiheit, welche Falk einem LanriBmannw Moses David gewährte, ist durchaus noch kein Beweis dafür, dass er selbst auch ein Apostel des Pseudo- Messias gewesen sein müsse. Ausserdem scheint Falk nioht aus dem Holze geschnitzt gewesen zu sein, aus welchem man Apostel macht, es mögen dies wahre oder falsche sein. Er war für eine solohe Aufgabe zu bequem Nach seinem T&gebuohe scheint er viel׳ eher ein ebenso harmloser Prahler zu sein, wie es tausend andere seines Gleichen auch sind. Er ist ein Freund von gutem Branntwein, ist dabei etwas eitel, rühmt 8ioh gern seiner Beziehungen za vornehmen Leuten und besteht darauf, ״Dr. Falk“ za heissen. Nur ein Punkt verdient n03h_unsere Aufmerksamkeit. Indem er von seinen obengenannten Freun— den, Abraham und Simon, spricht, sagt Falk, dass ea ihm nicht lieb sei, dass sie sich zu einer Beligion (אמונה) bekennen, an welche ihre Voreltern nicht glaubten, setzt aber hinzu: ״Ich selbst habe die frei» Wahl!“ Das scheint etwas verdächtig. Gehörte Falk za den klagen Männern, welehe ihre Ueberzeagungen für sich behalten? — Es wäre aber verkehrt, auf" diese dunkeln{ Worte zu viel Gewicht zu legen; sie sind aus einbr Menge von Worten herausgegriffen, welche keinen Sinn haben, aber nichtsdestoweniger geeignet sind, eine Art Commentar za der angeführten Aeusserang abgeben za können. Was den Brief Sussmans betrifft, 80 enthält dieser keine Anspielung auf Sabbathai Z3wi. Es kann sein, dass diese ganze pomphaft feierliche Dar- Stellung nur dazu dienen sollte, die Leute zu betrügen und sie glauben zu machen, dass Falk durch seine Wanderkraft sich Geld er werben ,׳könne Ueberdies ist das Treiben der Sabbathianer in England noch nioht hinlänglish erforscht und können wir nicht bestimmt wissen, ob, Falk wirklich darauf rechnen konnte, Anhänger genug zu finden, um eine Sabbathianische Vereinigung zu gründen, welohes Vorhaben ihm Emden zur Last legt. Desshalb muss das Urtheil über Falk nooh saspendirt bleiben, bis weitere Thatsachen entdeckt sind, di? aafzusuohen ioh gern. Andern überlasse. Recensionen. Neubauer, Ad. Aneodota Oxoaientia etc. Oxford, at the Clarendon Press 1887. (Fortsetzung aus No. 16.) Die zweite Veröffentlichung bildet das הקבלה “IfiD 4es B. Abraham ben David halevi von Toledo. In der Vorrede bemerkt der Herausgeber, dass er aa seiner Textherstellang die erste Ausgabe von Mantua 1514, und 8 Handschriften, welche theils der Bodlejana, der Pariser Nationalbibliothek, der Bibliothek zu Parma, dem Jewi9h College, dem Oberrabbiner Dr. Adler und ■ Herrn Epstein in Wien angehören, benutzt habe. Er lobt die Mantuaner Ausgabe als eine sehr gute. Er hat gerade nur dieses Werk des BABED gewählt, weil die anderen historischen Sohriften desselben werthlos sind. Das veröffentlichte Werk umfasst 38 Seiten. Soweit Becensent dieselbe naohgelesen hat, ergiebt sich auch bei dieser Arbeit ein gleioher Fleiss und Eifer in einer sehr genauen Textprüfang and Anführung bedeutender Abweichungen in den Lesarten. An einer Stelle soheint es, dass entweder der Herausgeber den