Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 17 (1888)
- Issue
- N° 18. (3.5.1888)
- Date
- 1888-05-03
- Page
- Seite 68 (sequence 2)
- Language
- German
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da er weit mehr mit ihnen als mit den Maaren in Berohrung kommt. Das Jadenthum in Marokko wird erst dann cur vollen Geltung im Lande gelangen, wenn dasselbe vom Joche afrikanisoh-mohamedanischer Barbarei befreit sein wird. Der ״Baalschem“ Dr. Falk. Von S. Schechter. (Schloss.) Bevor iah weiter gehe, muss ioh auf Falks Testament hinweisen, in welchem viele der vorstehenden Namen erwähnt werden. Das hebräische Original, sowie die englische Uebersetzung desselben befinden sich in den Archiven der ״United Synagogue“ und ich verdanke der Güte meines Freundes, des Herrn Dr. Ascher, die Erlaubniss, sie untersuchen ca dürfen. Das Testament datirt vom 14. April 1782. Za Testamentsvollstreckern sind ernannt: Aaron Goldschmid, dessen!Sohn Gerson (englisch George) und der Schwiegersohn Jadah Leib, Sohn des Samuel, (engl. Lyon de Simons). Legate sind vermacht an verschiedene Synagogen zu London, an einige Wohlthätigkeitsinstitute, an die zeitigen Oberrabbiner und ebenso an die jüdische Gemeinde in Fürth (Deutsch- '■ land). Unter seinen Freunden, welchen er kleine! Summen vermacht, sind auch genannt die Namen , seines Stiefsohnes Mendel, der Chasan der ״grossen ' Synagoge“ Leib Cracow andSassmann in Amster-! dam. Durch die Freundlichkeit des Dr. Ascher bin! ich auch in den Stand gesetzt, folgende Liste der noch j jährlich zu vertheilenden Summe aufstellen zu können:! .Gemeinde Fürth 4 L. 8 8., Oberrabbiner 4 L. 12., ' Beth Hamidrasch 12 L., Talmud Torah 2 L. 4 s., , Brod-, Fleisch- und Kohlenverein 2 L. 4 8״ portu• j giesische Gemeinde 11 L״ Neue Synagoge 6 L. 12 s., ן Hamburger Synagoge 6 L. 12 8., Grosse Synagoge 45 L. 12 s. 4 d. ־־ I Hieraus können wir schliessen, dass Falk thatsächlich von vielen seiner Zeitgenossen bewundert worden sein muss. Was sie an ihm bewunderten, ist wahrscheinlich die magische Geschicklichkeit, mit welcher er seine Kunst ausübte. Dabei liess der Umstand, dass er vorgab, seine Wunder nur durch das j ihm an vertraute Geheimniss der Benutzung des heil.! Gottesnamens auszufuhren (daher der Name כעל שם ״Herr des Namens;* **) cf. Ben Chananjah IV 281) sicher seine Kunststücke nicht weniger interessant erscheinen, als in unsem Tagen die Productionen des Professor Hermann, welche von dem besseren Theile der Ge- Seilschaft gern gesehen werden. So weit nun würde Falk den Freund der jüdischen Geschichte kaum interessiren. Es sind aber noch die auf ihn Bezug habenden Dokumente za berücksichtigen, welche in den umfangreichen polemischen Schriften des B; Jakob Emden enthalten sind und von welchen man bis jetzt keine Notiz genommen hat. Für den Leser, welcher mit der Natur dieser Polemik nicht hinreich, nd bekannt ist, schicke ich voraus, dass Jakob Emden im vorigen Jahrhundert (1691 — 1776) gelebt und den grössten Theil seiner Zeit sowohl als seines Geldes auf die Jagd nach falschen Messiassen und deren geheimen Anhängern verwendet hat, die er, wenn er sie aufgefunden, mit allen Mitteln, welche seine hohe Stellung und seine rabbinisohe Autorität ihm zur Verfügung stellten, alsdann verfolgte. Sein übertriebener Eifer war aber zu einer Zeit za entschuldigen, in welcher die Betrügereien des falschen Messias ״Sabbathai Zewi* and seines Apostels ״Jaoob Frank* Tausende in ein sittenloses Leben stürzten, welches sie als ein Privilegium ihres Ordens betrachteten und welches sie־ schliesslich dem Jad enthäut gänzlich entfremdete. Emden schonte daher Niemanden. Auch Falk war der Gegenstand seines inquisitorischen Eifers. Das erste, wodurch Falk die Gefühle der Babbinen verletzte, war jedenfalls, dass er einen notorischen Apostel der Sabbathanischen Secte, Moses David aus Pudhaiz in Polen, nachdem dieser aus allen jüdischen Gemeinden verbannt worden war, in sein Haus aufnahm. Moses David war ebenfalls eia Baalschein oder Quacksalbergehülfe Falks und gehörte zu einem geheimen Orden in Polen, dessen Mitglieder ganz Europa durchschwärmten, um das Evangelium Sabbathai’s zu verbreiten. Es scheint, dass trotz Falks Bemühungen Moses David gezwungen wurde, sobald seine apostolische Thätigkeit und seine unmoralische Lebensweise den Gemeinden bekannt geworden waren, London za verlassen. 1. Eine andere Quelle des Argwohns gegen Falk war ein an irgend einem Platze in Ungarn aufgefundenes Amulet, welches die Namen Sabbathai Zewi’s und Samuels als Zaubermittel enthielt. Denn wie die Anhänger früherer Pseudo-Messiasse schrieben auch die Sabbathianer den Namen der Gründer ihrer Secte gewisse geheime Kräfte zu. Das Volk, welches nicht wusste, auf wen sich der Name Samuel bezog, schickte das Amalet an Emden, weloher vermöge seiner Bekanntschaft mit allen den Zeichen und Bänken dieser Secte bald herausfand, dass mit diesem Namen nur Falk aus London, der Teufelsbanner (כעל שד) wie er ihn nannte, gemeint sei, von dessen Vornamen einer Samuel war. 2. Angetrieben darob diese Entdeckung verhängte Emden die Ezoommunication über Falk im Jahre 1766. Um dieses Verfahren zu rechtfertigen, veröffentlichte Emden einen aufgefangenen Brief von einem Verehrer Falks, dessen Inhalt für den Leser besonderes Interesse haben dürfte. Dieser Brief ist aus London datirt und von einem Sussmann (wahrscheinlich identisch mit dem im Testamente genannten Sassmann) an seinen Sohn Sabbathai, wohnhaft in Polen, adressirt. ״Und nun, mein Sohn, horche auf die grossen Geheimnisse der Thora, welche einem Menschen offenbart worden sind, der kein Mensch ist und die Erlösung Israels vorbereitet. — Er ist das heilige Licht, ein heiliger Mann, Samuel Falk, oder Samuel Jacob Chajim, der Sohn Baphaels, der Seph&rdi, gegenwärtig in London residirend. Er redet oft in der Sprache des Jeruschaimi' und ich bin nicht im Stande, seine Worte zu verstehen. Du wollest aber diesen Brief (in welchem einige der geheimnisvollen Lehren Falka mitgetheilt sind) den Rabbiner Deiner Gemeinde zeige!). welche gewiss deren Bedeutung herausfinden 'werden. — Seine Zimmer sind angefüllt mit schweren silbernen Leuchtern, welche die himmlischen Mysterien darstellen. Aach befindet sich darin die grosse Lampe, in welcher das für einen Tag bestimmte Oel drei Wochen lang brannte; wahrlich ein grösseres Wunder als das, welchem wir die Einsetzung des Chanukafestes verdanken. Einmal zog er sich in sein Haas in der Nähe der Brücke zurück und lebte dort mehrere Wochen, ohne irgend welche Nahrung zu sich za nehmen. — Am Mittwooh Abend waren wir in seinem Hause und er forderte den grossen Kabbalisten Moses David auf, einige Sachen in sein Notizbuch za *) S Emden’s התאבקות s. 20b (Lemberg 1877). Vgl. auch ,,Grätz’ Geschichte der Juden X S 338 u. 509a; Briill’s ״Jahrb.“ I. S'. *28. In dem Buche גורלות (Neubauers Catal § 130) welches wahrscheinlich Falk zum Verfasser hat, ist der Name des R. Jehuda Hachassid zweimal in Verbindung mit Amaleten erwähnt. **) Sein vollständiger Name, wie er in dem Tagebache vorkommt, war: Chaim Samuel Falk, Sohn des Josua Raphael Falter. In dem obenerwähnten Testament heisst er Falk Sohn Abrahams.