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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1888-04-26 · N° 17. (26.4.1888) · p. Seite 65

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
17 (1888)
Issue
N° 17. (26.4.1888)
Date
1888-04-26
Page
Seite 65 (sequence 4)
Language
German
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welohe aber za einem Satze verbunden, jec es Sinnes entbehren. Es ist also anzunehmen, dass 8i ל nur eine Chiffre bedeuten sollen, zu deren Lösung der Sohlüssel . fehlt; denn wie wir bald sehen, ist es nick; unwahr- «5 —? Recenei onen. soheinlich, dass Falk irgend einen Grund latte, auf seiner Hut zu sein und seine Gedanken zu verheimliehen. Die übrigen Theile des Tagebuches enthalten Rechnung'n über Ausflüge nach einem gewissen W ille, Vorschriften za Medikamenten, phantastische Träume, Listen von Pfändern, auf welche er Geld geliehen hatte, und einige Hindeutung^u auf seine Freunde. Unter diesen begegnen wir (aen Namen eines gewissen Lehrers Abraham, eines Moses Ranoh, welcher ihn die Kunst lehrte, irgend ein Gewürzliqneur zu bereiten, eines R. Abely, welcher als Ketzer'bekannt ist, eines Aaron Goldsohmid, des Ober!■abbiners David Tebele, (Schifl), des grossen Talmudisten Jakob, des gebildeten R. Jakob, des Dr. Jakob,- des Emanuel (Diener des Königs von Frankreich), und des Simon Boas, dessen Beiname 05 בו) vielleicht eine nach Falk’scher Manier gemachte Um- 6chreibung für Lyon de Simons ist. (Vgl. indessen das Vorwort des Druckers zum 0פר הככקש von E. Schemtob Palquera, Haag 1776.) Es ist dies derselbe Simon Boas, welcher den Fürsten Czartoryski zu sich einlud. (Siehe Neubauer 1. o.) Er hält jedoch sein Haus nicht für geeignet, einen Erbprinzen in * demselben zu empfangen und bestimmt eine Zusammenkunft an irgend einem andern Orte, welche nuoh am 5. Ki81ew 55 1772) 3י) stattfand. Das Resultat dieser Zusammenkunft ist, dass der Fürst den Brief (Wechsel?) des Simoq Boas an einen gewissen ״Sar“ Oft1, Lord?) סלי נורד ה schickt, welcher dem Fürsten hierauf 200 £ Sterl. einsendet. Falk spricht auch von einem gewissen E. Tobiah und dessen zwei Söhnen Simon und Abraham, welchem er im Jahre 1768 eine Schachtel mit Gold in Verwahrung giebt. Diese zwei Brüder siiid auch erwähnt als Theilnehmer an dem Waldclub כחדר מד האסיפה• Nach einer andern Stelle soheinen sie mit Falk auf die Suche nach Schätzen ausgegangen zu sein. Ob diese von Erfolg gewesen oder nicht, vermsg ich nicht zu behaupten; denn diese Stelle ist ein von den vielen, (inol. vielleicht dem grössten Theile des Buches) welche mit etwas beginnen, was aie lesbar erscheinen lässt, dann aber mit eine m Male so dunkel und mystisch werden, dass kein laensohliches Auge das Dunkel zu durchdringen vermag. Der Baalschem muss aber zu einer gewissen Zeit ein reicher Mann gewesen sein; denn in einer Eeehnung von 1759 lesen wir, dass er französische Aotiun zum Betrage von 4000 £ Sterl. gekauft hat and ausserdem im Besitze bedeutender Geldsummen gewesen st. Es scheint aber, dass in spateren Jahren sein Ve *mögen abgenommen hat, obschon es unstreitig auch 1 aohher wieder zunahm, denn im Jahre 1780 musste sr von Aaron Goldsohmid 20 £ Sterl. borgen. Zu diesem letzteren muss er übrigens in einem cordialcn Verhältniss gestanden haben. Er nennt Aaron seinen intimen Freund und borgt Geld von ihm. Falk spielt auoh auf dessen Toohter an, welche am 4. Kislew 1781 den Leib (Sohn des) Samuel פוריש שטריג heirathete. Ferner erwähnt er einen gewissen Ger- 8 h o n, Sohn des Aaron Goldsohmid, welcher ihm von seinem Vater Geld bringt. Das sind die Liohtst :ahlen, welohe ich aus diesem dunkeln Buche auffangen konnte. (Schluss folgt.) Ein Briefwechsel zwischen Prof. Franz Delitzsch in Leipzig and Dr. Hermann Eie8 8, prakt. Arzt in Auspitz. Herausgegeben von Dr. Eiess. Wien 1888. Ein ziemlioh unerquickliches Büchlein, wie es religiöse ,Disputationen“ nioht anders sein können. Die religiöse Apologetik verlangt mehr als irgend ein Zweig der Litteratur, die äasserste Objeotivität. Ist aber äasserste Objectivität anders, als durch vollständige Loslösung von allem Subjeotiven und Persönliohen za erreichen? Statt dessen in einem Brief• weohsel, wo der Mensch zum Menscheu von Herzen zu Herzen redet und das Sabjeotive und Persönliche im ungekünstelten Conversationston sioh geltend macht, religiöse Apologetik za oultivireu — ist ein sehr gewagtes Unternehmen. Dazu kommt, dass im Brief- Wechsel auch die Etikette für ihre Formen Berücksiohtigung fordert. So steht denn oft die äasserste Zartheit für den Adressaten, wenn nioht Gomplimente und Sohmeioheleien, ganz unvermittelt neben der derbsten Zerzausung der Ansichten desselben, and dieser Coatrast Lt unnatürlich. Objeotiv wissensohattliohe Ansichten köuaen kritisch zerzaust werden, o ne die Person zu treffen. Aber Beligion? Ist Esligion nioht das Eigentlichste der Persönlichkeit? — Zudem ist Dr. Eiess nach meinem Gefühle der aggressive Theil und nioht, wie er es in seinem-vorletzten Briefe an Prof. Delitzsch darstellen will, der angegriffene. Er schreibt: ,Nachdem sie es für gut und heilsam fanden, an Herrn Liohtenstein“ — aen berüchtigten Eabbiner von Tapio Szele in Ungarn, der sein ,Zeugniss“ für Christus abgegeben, und doch weiter Rabbiner blieb — ,zu schreiben und ihm seinen apostolisohen Beruf mit den Worten des Propheten zu verkünden, glaubte ich es meiner Religion schuldig zu sein, mit der bündigeu Erklärung vor Sie hinzutreten, dass es noch Söhne in Juda giebt, die die von Ihnen gemachte Zumuthung, die Synagoge mit der Kirche zu verschmelzen, energisoh zurückweisen“ (S. 30). Das ist doch zweierlei: Dr. Delitzsch sohrieb an Liohtenstein einen Privatbrief; Liohtenstein veröffentlicht den Brief^ und Eiess schreibt darauf eine Erwiderung: darauf hat Delitzsch entschieden Recht, wenn er sagt: ,Sie selber sind es, der mioh in diesen Austausch über das, was mir heilig ist, yerwiokelt hat“ (S. 27). — Eiess ist ein begeisterter Jude, und zwar steht er auf dem Standpunkte der Orthodoxie. Seine Begeisterung diktirt ihm warme, schöne Worte fürs Jadenthum, die ihm sehr schön lassen. Aber seine Argumente sind nicht von dem Gewichte, wie er sioh einbildet. Die Unveränderlichkeit Gottes ist ihm das wichtigste Argument für die Berechtigung des Judenthums gegenüber dem Christenthum. ,Ich behaupte aber noch* — sagt er 8. 34 — ,dass ein Gesetz nur so abgeändert oder beseitigt werden könne, wie es eingeführt worden. Das göttliehe Gesetz ist am Sinai in Gegenwart der ganzen Nation gegeben worden, und nur in dieser Weise, glaube ich, würde das göttliche Gesetz ungiltig erklärt werden.“ Solohe theologisohe, dogmatische Scharmützel, die schon 1000 Mal sioh wiederholt haben, können wohl von Zeit za Zeit wieder erneut werden; aber wenn das einmal schon in einem Journal — der Wiener ,Neuzeit“ — geschehen, so ist wohl eine Separat-Ausgabe doch eine Uebersohätsung desselben. Dr. Eiess hält seine 38 Seiten-Broehüre einer Wirkung auf seine Glaubensgenossen für fähig, dass er dann aasrafen mag: ,loh habe nioht umsonst gelebt“! (Ende des Vorwortes). Das ist dooh za viel Die heutige Generation bedarf anderer Ingredienzen.

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