Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 17 (1888)
- Issue
- N° 17. (26.4.1888)
- Date
- 1888-04-26
- Page
- Seite 66 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Aach hat sich Dr. Riess darch ׳ Delitzsch’s feine Ironie sehr verwirren lassen Delitzsch schreibt ihm: ״Vielleicht ist es gut, dass wir hiermit sohliessen, denn während ioh meine Gedanken nur skizzire, verursache ich Ihnen nnr Arbeit; wie raass sich mein imleser- Hohes Geschreibsel vor Ihren Briefen schämen“. DeHtesoh’s Briefe sind nämlich kurz; Eietss’s sehr ausführlich. — Darauf kommt ein ganzer Honig-Ocean von Hochachtnng und Ergebenheit and Verehrung gegen Delitzsch, der den Eindruck dessiegreichen Ausganges für Riess sehr Eintrag thut — Im U״brigen ist das Bäohlein immerhin lesenswerth, die religiöse Festigkeit nnd Begeisterung des Dr. Riess ist sehr wohlthuend und auch-,ansteckend.“ Selbst wo man objectiv ihn anders hören möchte, wird man doch subjectiv, wenn auch vielleicht nicht mit, so doch für ihn erwärmt. Also da nun einmal das Büch• lein da ist, und besonders, da der Reinertrag ganz einem wohlthätigen Zwecke Zuflüssen soll, wünschen wir diesem Briefwechsel recht viel» Leser und — Käufer. Reden, gehalten bei der synagogalen Trauerfeier für den hochseligen Kaiser Wilhelm. 1. Rede vonDr. A. Eckstein in Leipzig. (Metzger und Wittig in Leipzig.) Ein gutgemeintes Konglomerat von Redewendungen, wie sie die Leitartikel der Tagesblätter in jüngster Zeit gebracht, entweder lose oder garnicht zusammenhängend und mit bibl. Citaten verbrämt. Manches ist garnicht hierhergehörig, Anderes sich widersprechend. Hier einige Beispiele: S. 3 (Anfang.) ״ Herr aller Geister nnd allen Fiei- •ches!“ Warum ,und“ and warum ,allen4 Fleisches? Warum nicht dem Original (4 M. 16,22) und sonst getreuer and besser: ,Gott der Geister alles Fleisches oder in allem Fleische“? S. 4. ,Wehe uns und doch auch wohl uns!“ S. 5. ,Gram um den in die Fremde verbannten (?) nnd verloren geglaubten(?) Sohn“. Das. ,Neun Jahrzehnte eine Unendlichkeit (?) im Leben des Einzelnen“. S. 6. ,Was schier unfassbar erscheint, die grossen Aufgaben eines grossen Lebens, es soll in eine dürre Formel gefasst werden“. Warum sich selbst ein Armuthszeugniss ansstellen? — Das. ,Des zweiten Kaiserreichs deutscher Nation“. (Warum nicht: der deutschen Nation?). S. 6 wird gesagt, der Kaiser habe sich das Schriftwort ,nicht durch Heeresmacht and nicht darch Erdenkraft, sondern durch meinen Geist“ zu eigen gemaobt, und 8. J wird von dem Volk in W affen, das Gut nnd' Blut eingesetzt, ge-prochen. (Also zuerst ״“זיל K ל, dann aber doch 1 בחיל) Von S. 7 bis 9 ununterbrochen rhetorisch sein sollende Fragen ausschliesslich über den ״Geist“! Wie (S. 9) die Kämpfe Lessings und Mendelssohns, Dohms nnd Riessers za dem verewigten Kaiser in Beziehung stehen, ist uns unerfindlich. Ganz sonderbar ist (S. 11; 4M. 27,16 übertragen: ״Herr aller Geister und allen Fleisches! mögest da für(?) die Gemeinde des Mannes gedenken“(?). Daselbst: ״Erhalte uds das tbeure Leben, der(?) Stolz der Nation.“ Doch setzen wir dies Aehnliches auf das Druckfehlerconto. Den Schluss bildet ein Gebet nur für Kaiser Friedrich. Da ein solches bereits vorangegangen, war nun um so mehr ein Gebet für das Seelenheil des hochseligen Kaisers Wilhelm zu erwarten. Dass es unterblieb, können wir gerade nicht als taktvoll bezeichnen. — 2. Rede des L.-R. Dr. M. Dessauer in Meiningen. (Druck and Verlag nicht angegeben.) Sie preist den Kaiser Wilhelm als den Einiger Deutschlands, als einen Frommen und als Friedensfürst. Wir gewahren hier zwar schon mehr Ordnung in der Gedankenen1 Wickelung, als in der ersten Rede, aber auch Dessauer’s Rede entbehrt jenes Schwanges und jener Eigenart, welche die Predigt, besonders in Fällen vorliegender Art, hoch über journalistische und ähnliche Ergüsse erhebt. Der Text: זכר צדיק לברכה ist doch etwas zn allgemein י 3. Rede des Dr. S Gelbhaus in Nordhausen. (Nordhausen, Kirchner.) Hier finden wir manchen schön gepräg en Gedanken, aber auoh manohes Ausonderliche. So S 4: ״Wunderbar sind die Wege Gottes, unerforschlich seine Rathschlüsse. Diese Lehre wird uns laut und vernehmlich an der Bahre dieses Fürsten ertheilt. Denn gerade ihn, den Bescheidenen und Demuthsvollen, hat die Vorsehung für eine grosse weltgeschichtliche Sendung auserkoren“. Sind in diesem Falle die Wege Gottes so ״wunderbar“? Wen 8011 denn die Vorsehung für eine grosse Sendung ausersehen, wenn nicht den Bescheidenen und Demuthsvollen? Dachte der Redner denn gar nicht an das bekannte Wort des Talmuds (Meg. 31a), das in die Liturgie für «HD übergegangen: כל כקום שאתה מוצא גדולתו וכי? Am meisten befriedigt hat uns die 4. Rede, g^- halten in der Synagoge zu Glogau. Verfasser nicht genannt. (Magdeburg, David Louis Wolfi.) Sie ist ein Sonderabdruck aus der ״Isr. Wochenschrift“ und den Lesern d. BL aus der Beilage zur Doppel-No. 12/13 bekannt. An der Hand des Textes 2 M. 35,31 werden <Ge Tagenden des verewigten Kaisers 1י edler Sprache würdig nnd angemessen entwickelt. — Es braucht wohl nicht erst besonders hervorgehoben zu werden, dass alle vier Reden tiefen patriotischen Sinn bekunden und würde jede derselben, den hohen Leidtragenden übersandt, — wieesmitder des Herrn Dr. Gelbhaus nachZeitungsberichten geschehen —den Verfassern Verdientermassen gleichen Dank eintragen. Dr. F. F. (Wird fortgesetzt.) Liitterarische Notizen. t. Genealogisches. Die in No 12—13, Notiz 6 von mir aufgeworfene Frage nach der Identität des im Jahre 1755 in Warzburg fungirenden Rabbiners hatten die Herren Rabbiner Dr. Brann-Pless und D. S imo nsen -Copenhagen die Güte, brieflich und übereinstimmend dahin zu beantworten, dass der Verfasser des ,.Würzburg“ unterzeichnenden “^D'Briefes der Sohn des R. Baruch Rapaport gewesen sei, ferner, dass unter הי־צפעלד nicht Herzteid oder Hatz *eld, sondern Ileidingsfeld, der Sitz des Rabbinats für das Gebiet de* ehemaligen Hochstifts Würzburg zu verstehen sei. Herr Dr. Braun beweist dieses durch Hinweisung aut' eine Approbation des Rabb. Simson ha Levi zn ליציר נחלת יעקב (Hanau 1713), welche die Unterschritt hat, . . גלילות המי;ה פה ק*ק ד־יצפעלד מדינה (!) ווירצבודג עם. Herr Rabb. Simonsen durch die Approbatian des R. Arjeh zu י לשב״ץ על כת,יכוה“, lautend פה הייצפעלד נאם אריה ליב כהנא רפאפורט חונה במדינת ווירצבורג והגליל• Far Zahlen 5548 (1788) bitte ich 5538 (1778) zu lesen und ל״ד למ ב״י in כ״ד zu berichtigen Aut andere Irrthümer in Carmoly’s העורכים ובני יונה komme ich s. G. w. später zurück. Cohen- Rees a. Rhein. (Auch Herr Rabbiner Lebrecht in Schweinfurtschreibt uns, ׳ dass in Würzbnrg im vorigen Jahrhundert keine Juden wohnten, dass aber da» eine Stunde entfernte Städtchen Heidingsfeld auch Herzfeld und Hatzfeld genannt, als die stärkste Gemeinde im Bisthun., Sitz des Oberrabbiners war, welchem die zahlreichen kleinen Gemeinden des Bisthums (über 100; unterstellt waren. Rei ) 2־. Adrlaaopel, die zweite Hauptstadt der Türkei hat jetzt ein eigenes jüdisches Organ. Dasselbe erscheint alle 14 Tage unter dem Titel יוסף דעת״“ gder ״El Progresso“ in hebräischer Sprache und in spanisch-jüdischem Dialect. Der Herausgeber ist Herr Abr. Danon, einer der aufgeklärtesten und gelehrtesten Rabbiner der Türken Verantwortlicher Redacteur Dr. Ra hm er, Magdeburg Druck von D L. W o 1 f t, Magdeburg Verlag von Robert Fr ie e, Leipzig