Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 17 (1888)
- Issue
- N° 7. (16.2.1888)
- Date
- 1888-02-16
- Page
- Seite 26 (sequence 3)
- Language
- German
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solche Demüthigung 211 ertragen unfähig war, verharrte in seinem alten Gegensätze zu R Simon, und kehrte endlich, wie er selbst sagt, vertrieben durch das Gerede der Menschen nach seiner Heimath zurück. Die Functionen seines Amtes vereinigte R. Simon mit denen des Patriarchats. Dieser überlebte seinen Sieg nicht lange. Nachdem er wahrscheinlich in Folge des Conflictes mit B. Meir den Sitz des Synhedrion und die Akademie von Uscha nach Sehepharam verlegt hatte, starb er bald darauf in einem Alter von ungefähr 48 Jahren um’s Jahr 162. Mit welchem Geschick und welchem Erfolg er die Interessen der Jaden bei den römischen Behörden während seiner Verwaltung vertreten hat, dafür zeugt am besten die alte talmudische Tradition: Mit dem Tode R. Simon’s mehrten sich die Leiden. Das Patriarchat B. Simoa’8 ist eine Fortsetzung des Patriarchats seines Vaters, aber nur in so fern, als R Simon nnd seine Genossen die Ideen der jamnensischen Geistesheroen wieder autnahmen. Die grossartigen, gleichsam titanensischen Charaktere jener Zeit suchen wir vergebens. Die Männer von Uscha sind trotz ihrer Tüchtigkeit an sich im Vergleich mit den Zeitgenossen R Gamaliels ein nachgeborenes Geschlecht. Schöpferische Ideen hat diese Zeit nicht. Zusammentragen nnd Sammeln, das Merkmal jedes wissenschaftlichen Epigonenthnms, ist auch die hauptsächliche Thätigkeit der usohaitischen Gelehrten, denen freilich, weil ihre Fähigkeit und Nei- ,gang mit den Bedürfnissen ihrer Zeit zusammentraf, das Schicksal das glückliche Loos beschieden hat, gleich jenen Epigonen der Mythe das Ziel zu erreichen, welches ihre bessern Väter vergebens erstrebt hatten; und selbst in dieser Epigonenarbeit war ihnen R Akiba Meister nnd Vorbild Auch besass R Simon nicht den gewaltigen, vielumfassenden Geist seines Vaters, den jamnensischen Stürmen wäre er nicht gewachsen gewesen; er war das Abbild seines Vaters, aber in verkleinertem Massstab. Nur in einem Punkte waren sie völlig gleich, in der vollkommenen Uneigennützigkeit und Hingebung, mit der sie beide dem Judenthum gedient haben. Denn das ist die schönste Zierde am Character dieser echten Söhne Hilleis, dass sie bei dem Streben nach Verwirklichung des grossen Gedankens, die religiöse Einheit an die Stelle der Staatliehen im Judenthnm za setzen, nicht nur unerschüttert blieben gegenüber zahllosen Schwierigkeiten, sondern, dass sie, sonst 80 rücksichtsvoll selbst gegen die Vorurtheile der öffentlichen Meinung, auch die Vorwürfe der Selbstsacht nnd Herrschsucht geduldig um ihres j grossen Zweckes willen ertrugen. Es ist nichts Gemeines, sein Glück und sein Gat dem öffentlichen Vortheil zu opfern, es ist gross und erhaben, sein Leben einzusetzen für das Wohl der Gesammtheit, aber seine Ehre und seinen guten Buf preiszageben vor Mitwelt und Nachwelt, nicht zu fürchten den Leumund der Zeitgenossen und den Leumund der Geschichte und nur der Erreichung eines hehren Ziels za leben, das ist die höchste Stufe sittlicher Grösse. R Gama.iel und B. Simon haben dieses Opfer dem Judenthum gebracht, denn ihre Würde war ihnen keine Herrschaft, sondern eine Knechtschaft. Sie wurden angefeindet von den Grössten ihrer Zeit genossen, and auch in der Geschichte ihres Volkes' wurde ihnen lange Zeit der Platz vorenthalten, der ihn gebührt, der Platz, den sie im Leben eingenommen haben, zu stehen an der Spitze ihrer Zeit. Wie könnte uns das auch Wunder nehmen? Sie haben den Schein dee Unrechts auf sich geladen, um das Recht zu erreichen, sie haben die Grössten ihrer Kation bekämpfen müssen, um die Grösse der Nation za retten. Aber das Gottesurtheil, an das R Gamaliel appellirt hat von einer Zeit, die ihn verkannte, hat sich dennooh erfüllt. Die Fackel der Wahrheit hat auch seine Thaten und die seines Sohnes beleuchtet, und in ihnen nur neue und zwar einige der schönsten Blüthen entdeckt. An dem unverwelklichen Ehrenkranze der jüdischen Nation Unsterbliches and Erhabenes haben, die Zeitgenossen B. Gamaliel’s und R Simon’s geleistet, — aber ihre Leistungen, was wären sie gewesen ohne das Wirken dieser beiden Hilleliten? ein Bau auf Sand errichtet, der erste Windhauch hätte ihn umgestürzt, ohne das feste, die Zeiten überdauernde Fundament, welches B. Simon und B. Gamaliel gelegt haben in der Einheit des Gesetzes. Als B. Jehude Hanassi auftrat, fand er schon Alles zu dem grossen Nationalwerk vorbereitet, das seinen Namen führt; er durfte nur die Saaten abmähen, zu denen B. Gamaliel den Samen ausgestreat hatte und die unter der sorgsamen Pflege B. Simons herrlich aufgeblüht und gereift waren. Gleichwie der Ahnherr, dessen dieses Geschlecht sich rühmte, gleich wie David den Tempelbau vorbereitet hat, der von seinem Sohne Salomo ausgeführt wurde, so hat auch B. Simon die Bausteine aufgeschichtet zu dem Geistesdome, den nach ihm sein Sohn B. Jehuda Hanassi herrlich aufgebaut hat. *1 Zur Chronologie. Von L. Cohen in Rees a. Rh. (Fortsetzung). In L. M. Lands huth’s ציוני מצבות sind folgende Irrthümer zu berichtigen: No. 6. Sarah Sachs starb שירן כ״א אדר תרב״ג?. — Der 21. Adar 5623 mit der Formel הכ״ז war am Donnerstag. No. 7. Baruch Auerbaoh, geboren den 9. Ab, 14. August 5553 — 1793. — Der 9. Ab 5553 war am am 18. Juli; der 14. August entspricht dem 6. Elnl No. 10. Dr. Meyer Hirsch starb כ״ם אדר ראשון שנת תרי״א. Nach der deutschen Inschrift starb deri selbe am 11. Februar 1851, welches Datum auch Zunz ״Monatstage* hat. Der 29. Adar I. entspricht aber dem 3. März und der 11. Februar dem 9. Adar I. No. 13. Lazarus Bendavid .wurde geboren den 18. Oktober 1762; die jüdisch-deutsche Grabschrift hat ח־ חשח תקכ״ג• — Der 8. Cheschwan entspricht dem 25. Oktober 1762. No. 26. H. S: Berend נולד ביום ר י״ז אדר ראשה תהם־׳ג. — Das Jahr 5563 mit de.״ Formel בש״ה war ein gewöhnliches Jahr und hatte nur einen Adar. No. 32. Wolf Abraham Buss, geboren zu Lissa am 5. März 5555; nach der hebräischen Inschrift נולד ביום ה׳ ט״ז אדר שנת תקנ״ה. — Der 16. Adar entspricht dem 7. März und fiel derselbe nicht auf Donnerstag, sondern auf Sabbath. No. 37. S. L. Jakob, geboren den 30. Noi vember 1781, gestorben den 11. August 1858; nach der hebräischen Inschrift נולד ביום י״ב בסלו תקמ״ב ונפטר ביום ב־ אלול חרייח• — Der 12. Kissiew entspricht dem 29. November und der 2. Elul dem 12. August. Bahel Jacob gestorben den 10. Ootober 1858 und nach der hebr. Inschrift בי.ים נ* מרחשוץ תרי״ט. — Der 3. Cheschwan entspricht dem 11. Ootober. S. 30, Z. 14: Mordechai Halevi נילד בברלין ד׳ אדר שני תק*ל. - Das Jahr 5530 mit der Formel *) Der Verf. der obigen trefflichen Biographie R. Simons b. CK gedenkt auf einige in aiessm Aufsätze berührte Punkte za gonauer Motivirung noch später zur&ckzukommen. (Red.) m1