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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1888-01-26 · N° 3. [sic!] (26.1.1888) · p. Seite 15

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
17 (1888)
Issue
N° 3. [sic!] (26.1.1888)
Date
1888-01-26
Page
Seite 15 (sequence 4)
Language
German
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— 15 deatlioh zu verstehen giebt, denChikur hadin, er redigirte and veröffentlichte die aaf das Reohwwesen bezüglichen Beschlüsse des Synhedrion and spraoh in Vertretung des ganeenTribanalskameistnachfrüherenPlenarbesohlüssen in allen den Fällen Reoht, welche gesetzmässig vor den Einzelrichter gehörten. Der Begriff des Chaoham wird insofern gewissermassen durch die wörtliche deutsche tJebersebzung ״ Gelehrter “ vollständig erschöpft, als der 80 titalirfe Beamte ebenso in allen ״gelehrten“ Rechtsfragen, wie der Patriarch in Ver waltungssachen die einflussreichste Persönlichkeit war, wobei freilich nicht zu übersehen ist, dass der Patriarch einen vom Synhedrion ziemlich unabhängigen Wirkungskreis hatte, als zum Theil offiziell anerkannter Vertreter der Judenheit beim Statthalter in Caesarea. Das Amt des Ab-bethdin verlor so sehr alle Bedeutung und wurde so vollständig aüf die formelle Leitung der Geschäfte eingeschränkt, dass auch der Titel später verloren ging und der der wirklichen Bedeutung viel analogere eines Rosch-jeschibahan seine Stelle trat. Nachdem 80 in Palästina aller Zwist geschlichtet war, ging R. Simon ben Gamaliel energisch gegen Chananjah und seinen Anhang vor. Er sandte geschickte Unterhändler nach Nahor-Pakod, welche demselben zuerst Hoffnung machten, dass von Uscha aus keine Schritte zur Schwächung seiner Autorität geschehen würden. Hierdurch gewannen sie sein Zutrauen uud vermittelst seiner.er־ rangen sie sich auoh Beliebtheit bei der Bevölkerung. Erst nachdem siä sich in dieser e men grossen Anhang erworben bitten, traten sie öff mtlich gegen Cbananjah auf und Wiesen in volkstümlichen, durch iromische Wendungen belebten Vorträgen auf das Ungesetzliche und Abnorme seiner Einrichtungen hin. Vergebens machte Chananjah, den lange Abwesenheit den palästinensischen Verhältnissen entfremdet hatte, die Jugend und Unerfahrenheit des nengewählten Patriarchen geltend. Die Gesandten machten ihn darauf aufmerksam, dasä der Jüngling Simon, den er verlassen habe, zum: Manne gereift und zum Nassi ernanut worden sei: die Kleinen seien gross geworden. Das Volk, das sich ohnehin schon durch die kurze Zeit vorher erfolgte Wahl R. Nathan’s zum Ab-bethdin geehrt fühlen mochte, verliess R. Jehuda ben Bathyra, das Schulhaupt zu Nisibis, Chananjah; auch Allen im Stiche Ordnungen widerentzog ihm seinein Beistand. Von gelassen, musste er seine 6igenen Ai rufen, und die Befehle des Nassi erfreuten sich wiederum in Babylonien uneingeschränkter Geltuug. Die gefährlichste und! traurigste Folge ces hadrianischen Terrorismus, die Trennung in Babylonien, war beseitigt. [ R. Simon hätte Bedeutsames erreicht. Anfangs von Vielen kaum beachtet, von Manchen gehasst, war er nach langer Anstrengung das religiöse Oberhaupt der Juden geworden; der einzig übrig gebliebene Spross des weitverzweigten Stammes Gamaliels hatte er seine beinahe vergessene Familie beim Volke wieder zu Ehren gebracht. Diese Familie, die mit ihren Erinnerangen an die glücklichsten Tage der Nation anknüpfte, passte freilioh schlecht in | eine Zeit hinein, in welcher über dem Boden, auf däm das Nationalheiligthum gestanden hatte, die Pnugschaar des Eroberers gezogen wurde, in welcher ein Jupiterbild in Jerusalem prangte, und die Zierden des Tempels im römischen Aerarium lagen; sie war gewissermassen ein Anachronismus, aber sie war ein wohlthuender Anachronismu8. Der glühende Glaube an das baldige Erscheinen des Messias war versohw mden; die Nation hatte hin mit ihrem Herzblut bezatleu müssen; aber je ehr man die künftige Erlösung dem Himmel anheimgab, desto thieurer war dem Voll te das Patriarohat und das Synhedrion alä letzter Rest einer glanzvollen Vergangenheit. Auoh die Gelehrten, obgleioh. *fast sämmtlioh Schüler R. Akiba’s, fühlten sich aagezogeu von dem bescheidenen, rüoksiohtsvollen Auftreten R. Simons; vertraten sie aach ganz andere Anschauungen, so stand er dennooh mit ihnen in vertranten Beziehangen. Dan R. Jehuda b. Jl&i nahm er in sein Haas auf und die halaohisohen Aussprüche desselben waren massgebend für die religiöse Usbang im Patriarchenhause; er soheate sich nicht za bekennen, dass er seinen C01 legen im Rith viel verdanke und lehrte oftmals Halachoth in ihrem Nimsn. Da die Zeiten sich geändert hatten, so war die Strenge Gamaliels gegen die Rabbinen nioht mehr nothwendig. R. Simon, der nioht geneigt war, die eban erst hergestellte Harmonie wiederum za zerstören, liess Jeden seine eigenen Wege gehen. Nur das Zusammenwirken mit R. Meir, dem durch seiae Gelehrsamkeit und daroh seinen Scharfsinn bei weitem hervorragendsten Sohüler Akiba’s, machte ihm bedeutende Schwierigkeiten, welche später in der That zu einem ernstlichen Zarwärfnisse führten. (Fortsetzung folgt.) Litteraturbericht Recensionen. Presse!, Wilhelm. Die Zerstreuung desJVolke Israel. Erstes Heft: Der Charakter dieser Zerstreuung. Heilbronn 1887. (Schluss.) “ Es ist ein fortwährendes pro und contra in Bezug auf Lieht und Schatten im Leben: und Denken Israels, mit dam sich der Verfasser be« schäfcigt, und finden wir, so oft wir die Akribie gewahren, mit der man Israels Schattenseiten za charakterisiren pflegt, schon darin, dass man letztere bis in die kleinsten und minutiösesten Details hervorhebt, eine grosse Ehre für unsere Nation, von der man eben mehr verlangt an Seelengrösse und Leistungsfähigkeit, als von irgend einer andern Genossenschaft. Wir fragen bloss das Eine: Warum soll denn nicht jedes Volk — also auoh das jüdische — seine Mängel haben? Der nur versteht den Charakter ״Israels in der Diaspora“, der seiae Mängel aus den Umständen herleitet, die es amgeben uud von denen es beeinflusst wird, und aus den geschichtlichen Ereignissen, die I an ihm vorübergegangen, un i der seiae Vorzüge beur- | theilt nach dem Geiste, der in seinen Religionslehren sich deutlich dokamentirt. Der Verfasser sohildert (S. 88) aus Autopsie die Feier des Sabbaths und der Feste, wie sie von Israel in der Diaspora gepflegt wird, oder besser: gepflegt werden sollte. — Kann Jemand bezweifeln, dass sein Vorzug der Massigkeit, der Familienhaftigkeit und Reinheit etc. von der strengen Beachtung dieses bibL Gebotes herzuleiten ist? Oder kann Jemand in Abrede stellen, dass Israels Handelsgeist, dessen Ausgebarten der Verfasser nioht verschweigt, einzig and allein der geschichtlichen Thatsaohe entsprungen, dass es fast bis ia die neueste Zeit hinein überall gerade diesem Ernährungszweige zageführc wurde? Doch wie oft auoh schon dieser Gedanke ausgesprochen und wie schlagend auoh das Missverständniss namentlich der sogenannten Mängel Israels sohon naohgewiesen worden ist — wir bemerken immer wieder and wieder, selbst bei sonst nicht gerade von Hass und Intoleranz Erfüllten ein bedauemswerthes Streben einerseits, die Fehler and Sohwäohea Einzelner za generalisiren and andererseits die Zerstreuung and die Kämpfe Israels als eine Strafe für die Kreuzigung and Verwerfung

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