Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 17 (1888)
- Issue
- N° 3. [sic!] (26.1.1888)
- Date
- 1888-01-26
- Page
- Seite 16 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Jesu'«* anmsehen. Letzteres geschieht auch von unserem Verfasser (S. 15), der die Hinrichtung dessen, der wegen ,Blasphemie* (Gotteslästerung) nach dem bestehenden Gesetze verartheilt worden, anoh von dem Gesichtspunkte betrachtet, dass ja in jener Zeit das Synhedrion für derartige Beschlüsse die Bestätigong des römischen Landpflegers einholen musste und dass manche Verhöhnung, die Jesus zu ertragen hatte, nicht von den Juden, sondern - von den römisohen Kriegsknechten ausging, der kann sicher Israels Dias• pora und was damit zusammenhängt, für Alles, nur nicht für eine Strafe der Verwerfung und Kreuzigung Jesu’s ansehen. , Leider dass des Verfassers Ansicht nicht vereinzelt dasteht, sondern gleichsam wie ein hereditäres Uebel von einem Geschlecht auf das andere übertragen wird und so nicht blos als etwas Falsches Verbreitung findet, sondern auch von Jugend auf einen gewissen Hass oder mindestens eine Abneigung gegen das Judenthum und dessen Bekenner einflösst. Ist das der ,Weg der Liebe*, von dem der Verfasser sagt, dass, je mehr er eingeschlagen wird, desto mehr alles gegenseitige Aergerniss verschwinden möchte? Nein! Das Judenthum kennt 8 0 1 che Liebe nicht, die wohl tolerirt, aber nicht anerkannt, die wohl Mitleid empfindet, aber weniger Gerechtigkeit widerfahren lässt; das Judenthum lehrt vielmehr eine Liebe, die keinen Menschenunterschied zulässt und im Leben wie im Tode die Geschöpfe achtet. Doch nicht um die divergirenden Ansichten beider Confessionen zu expliciren, haben wir Obiges constatiren zu müssen geglaubt, sondern nur um zu zeigen, dass auch unser Verfasser, dessen Schrift durchaus lesenswerth, ja sogar nach mancher Bichtung hin für seine Glaubensgenossen beherzigenswerth ist, oft genug von falschen Prämissen ausgeht und darum auch zu falschen Consequenzen gelangt. Auch manche Unrichtigkeiten lässt er sich zu Schulden kommen. So glaubt er-(S. 36 Anm ), dass ״nach der ursprünglichen Bestimmung ein Knabe mit 12 Jahren und einem Tag Bar-wizwoh wurde; später ward ein Jahr hinzngefögt.* Nach den jüd. Quellen geschah das immer erst nach 13 Jahren und einem Tag! Ebenso unrichtig ist es za sagen (S. d. Anm.), dass gewisse Vorrechte, die die Abkömmlinge von Levi und vollends von Aron in der Synagoge besitzen, ,von keinem Abkömmlinge eines anderen Stammes ausgeübt werden dürfen, es wäre denn ein Rabbi.* Nein, auch ein Rabbi, der nicht Nachkomme Aron’s oder Levi’s ist, geniesst nicht in der Synagoge jene sogeu. Vorrechte. Indess solche Unrichtigkeiten können wir füglich dem Verfasser nachgeben, da es zu viel verlangt wäre, von einem, wenn auch gelehrten, nichtjüdischen Theologen eine innige Vertrautheit mit dem jüdischen Ceremoniell und Ritus vorauszusetzen. DaS Eine nur hätten wir bei dem sonst so ernsten und der Forschung gern sich hingehenden Verfasser erwartet, dass er bezüglich der Ursache derjüdischen Diaspora zu einem andern Resultat gekommen wäre, als zu dem, welches allerdings von oberflächlichen Forschern seiner Glaubensgenossen gleichsam wie ein Dogma acceptirt und, was noch mehr zu bedauern ist, gelehrt wird/ Darin liegt, unserer Meinung nach, die grösste Schwäche seines Baches, welches, hiervon abgesehen, zumal für nichtjüdische Leser, ein instructives Bild von dem Charakter der jüdischen Diaspora liefert. Zjitterarisehe Notizen. Kaiserslautern. Dr. Lavd s berg. *)!.Chronologisches. Mit Dank erkenne ich das Interesse, mit welchem Herr Dr. Brann - Pless meinen Wünschen in Betrell des Sterbetages R. Jomtob Lipmann Hellers (Nr. 3 des Litt.-Bl.) entgegengekommen ist. Derselbe wolle mir aber die Bemerkung gestatten, dass Wo 1 f, welcher erst 1710—33 schrieb, nicht Quelle für das Sterbedatum Hellers (1054) sein kann und dass dessen Angaben an vielen Stellen sich als unzuverlässig erwiesen. Es erhellt dieses auch aus seinen Angaben über Ahron Samuel Kaidenower, für dessen Todestag er einmal יום ף (wofür יו□ נ) und das andere Mal שישי (wofür שלישי gelesen werden soll) hat. Wäre solche Emendation als Begel gestattet, so könnte man schliesslich aus allem alles machen. Quelle bleibt in erster Reihe die Grabschritt, welche nach עיר הצדק deutlich ואו plene und יום שעי bat. Der Wochentag wäre hierdurch gesichert, wenn er auch nicht zum Monatsdatum stimmt. Ich muss daher meine Vermuthung, dass das י״ט ein Druckfehler für כ״ט sei, aufrecht erhalten, da ein Schreibfehler des Copisten eher vorausgesetzt werden darf, als deren zwei; ואו plene aber muss der Copist vorgefunden haben, da er sonst nur den einfachen Buchstaben geschrieben haben würde. Herr Rabbiner D. S i m o n s e n-Copenhagen hatte ebenfalls die Güte, mir über die beiden Sterbedaten in ähnlichem Sinne Mittheilung zu machen und ausserdem zu bemerken, dass in Landeshuths 1 עמודי העבודה P• 84 bei Jomtob Heller יום * ל stehe und dass, da יום כ״ו ימים auch sprachlich unrichtig sei, zwischen יום und ב״ו der Wochentag fehle. Noch will ich bemerken, dass Asulai in שם הגדולים bei Heller als Todesjahr תט״ו l1055) hat und dass sich die •Lesung (אייר 'D des Mose Körner auch in der 2. Ausgabe des ,מגלת איבד, Breslau 1837, findet. Ob auch in der Ed. Wien 1851, die ich nicht besitze, dasselbe der Fall ist, weiss ich nicht zu behaupten. Cohen— Rees a. Rhein. 2. lfasStab-Buch. Prof.Derenburg i-t eben damit beschäftigt’ die ״Stab-Legenden“ des syrischen Emirs Onsämah ibn Mounkidh, der in der Zeit der Kreuzzüge (1095 — 1188) gelebt hat, im arab. Original mit französischer Uebersetzung zu ediren. Dis Autobiographie desselben ist bereits von demselben heraus1 gegeben. Von dem ״Stab - Buche“ ,Livre du Baton) ist bisher erst die Einleitung erschienen, die aber recht Interessantes verspricht. Der syrische Emir sagt darin: ״Wer in meinem Buche Weisheit und Philosophie sucht, der täuscht sich; ich gebe nichts als liebliche Erzählungen und anziehende Phantasien. Mein Buch beginnt mit dem ״Moses-Stabe“, dem dann der Stab des ״Salomo Sohne• des David“ folgt. Ich habe mich bemüht, alle auf diese Stäbe bezüglichen Legenden zu sammeln. Nicht dass ich prahlen wollte, ich hätte alles Vorhandene gesammelt^ ich habe aber alles niedergeschrieben, uta.4 mir (IflHihfli* holinnnf. iat nml wna ir.h «rfahran tonnffl “ — was mir darüber bekannt ist und was ich ertahren konnte.“ Bekanntlich haben die Mohammedaner eine Menge selbständiger Legenden über die beiden ״Stäbe“. 3. Zur phSnictgchen Grabschrift ln Jir. 1.*) Nachdem der f. ... . . _ in welchem M. Joseph Derenbourg die Grabschrift bespricht Auch er verwirft die Ableitung des Wortes כנם von מגל Mine, möchte es aber für eine Zusammensetzung aus (מה) C מן halten, so |dass es vielleicht den; hebr. מאומה (oder dem aram. מנדעם) entsprechen würde. Zu אדלן vergleicht er das arab. מאל und das aram. מדלא (Vermögen), und es könnte demnach soviel wie יש לנו oder [אית על sein; aber hier ist ja nur der Singular zulässig. C.-B *) In dem Artikel ist Z. 10—11 Gewänder und Wat'ten einmal zu streichen nnd Z. 31 defective zu lesen Litterarische Anzeigen. *) Inzwischen ist das zweite Heft dieses Baches erschienen, wir ebenfalls einer eingehenden Besprechung unterziehen Werden. In H. Reuther's Verlagsbuchhandlung in B-rlin sind erschienen and durch jede Buchhandlung zu beziehen; Schriften des Instltutum Judalcam in Berlin: No. 3: loma der Mljaehnatractat ״Versöhnungstag“, herausg. u. erkl. von Prof. D. H. L. Strack, 8° 40 8. — 80 Pf.—No. 4: Oer leidende und der sterbende Messias der Synagoge im ersten nachchristlichen Jahrhundert von Lic. Dr. 6. H. Dalman, 8° 100 S. — M. 2 Porta linguamm oriental)um incl. J. H. Petermann, cont. H. L. Strack, pars VIII. Chrestomathie tarfumica. E codicibus vocalibus babyl. inst. ed. A. Marx. 8° 300 S. — M. 7.50. Verantwortlicher Hcdactenr Dr. Rahmer, Magdeburg. Druck von D. L Wo 1 ff, Magdeburg. Verlag von Robert F riete, Leipzig üMüyui ■יד! י ד ■