Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 17 (1888)
- Issue
- N° 3 (19.1.1888)
- Date
- 1888-01-19
- Page
- Seite 11 (sequence 4)
- Language
- German
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an ft. Simon, c en Erben des Patriarchats, den einzigen übri^geblieben m Sohn des am das Jadenbham hochverdienten Gämaliel, daohte Keiner. Unterdessen oonstitnirte sich auch in Jamnia das Synhedri« ft. Simon erwarb sioh ein hohes Verdienst am: die jüdische Saoha dadaroh, dass er □ei dem j»ömisohen Landpfleger di|e Erlaabniss erwirkte, die in Bethar Gefallenen za begraben, and es war, erwägt man die Gesinnung welohe damals im Volke lebte, keine Ueberhebnng, dass er deshalb einen neuen Segenssprach einführlte, und •was der einmaligen Aufforderung nicht gelangen war, das erreichte ft. Simon durch langsame, allmähliche Vethandlangen, wobei wahrscheinlich das eben erwähnte Verdienst desselben um die Bestattung der jüdischen Krieger nicht ohne Einfluss blieb. Nach und nach yerliessen von den sieben Schüler! ft. Akiba’s, welche bei der Synode zu Uscha mitgewirkt hatten, zuerst ft. Jehuda, ft. Jos6, ft. Neheinia und R. Elieser, der Sohn R. Jose’8 aus Galiläa, diesen Ort und gingen nach Jamnia; ihnen folgte E.. Simon, der Sohn ,rochai’s. Die Pietät gegen das alte Fürstenhaus, so wie die durch sein bisheriges Veihalten wohlbegrüm. eta Meinung, dass R Simon durch seine Verbindungen mit vornehmen Römern die jüdische Lehre und c ie Juden überhaupt viel kräftiger gegen die üebergriffa und Bedrückungen der römischen Beamten schützen könne, als sie selbst, über wog die Anhänglichkeit an Ja Meir. Dieser blieb in Uscha, und so gross war das Ansehen, dessen er bei seinen Zei :genossen sich erfreute, dass er allein mit seinem Anhang genügte, um ■dem jamnensischen streitig zu machen, die Autorität der den ausländischen Synhedrion di; allgemeine Geltun, Unter •diesen Umständen,, welche palästinensischen Behörden bei Juden, besondars bei den babylonischen, wesentlich schwächte, drohte eine Einrichtung, welcher bei ihrem Entstehen nur ein provisorischer Charakter zuerkannt worden war, zu einem Definitivum zu erstarken, das für die Bedeutung beider Versammlungen hätte verhängnisvoll werden können, wenn nicht die Klugheit R. Simon's weitere Folgen verhütet hätte. Das sogenaui^te babylonische bynhedrion nämlich unter Chananjjah setzte seine Th itigkeit auch nach der Rückkehr der Gelehrten, und der Constituirang der jamnensischen Religionsbehörie fort. (Fortsetzung folgt.) Litteraturbericht. Recen8ionen. Pressei, Wilhelm. Die Zerstreuung des Volkes Israel. Erstes Heft: Der Charakter dieser Zerstreuung. Heilbronn 1887. d;1 Ir Eine Arbf dem Wesen und empirisc. Feder eines w freien protesi unser volles noch dazu, 1 baren Volke“ leitenden W4 Thema behau weise Inhalts! nothwendig die in der mo! der Juden lehrten im All£1 zeigt sioh de: und dsri 1it, die sioh mit s jüdisohen Volke! 1!en Standpunkte ohlwollenden und t|antischen Geistlich! .teresse in Anspruoh ass auch die ״Li ' der Israeliten — rten obiger Schrift ,fielt, 80 ist eine 1 ingabe eines solch Zwei Richtungen 8 irnen Wissenschaft des Judenthums;eineinen festgehalb >: ׳in, dass man, b! dem Charakter und vom historischen beschäftigt, aus der ziemlioh vorurtheilsn geflossen, muss nehmen. Kommt e zu dem wunder- ׳vie es in den einheisst — obiges rechung und theil-!en Opus geradezu nd es vornehmlich, bei der Be artheilang on ohriBtliohen Go- >n werden. Die eine eeinflu88t von jener sonjQäohvollen Engherzigkeit, die dem Jadentham kein Verdienst um die xnensohliohe Caltar ichreiben will — selbst nioht einmal das früher unbestrittene und auoh jetzt' noch unbestreitbare, wenn auch von gewisser Seite angefochtenejVerdienst des Monotheismus — a priori die jüdische Religion und deren Bekenner, sowie die jüdisohe Geschichte duroh die Brille des Vorartheils and des Hasses betrachtet. Und die andere besteht dariu, dass . man bei den anzuerkennendea hohen Jdeen, die durch das ״Volk Gottes“ und deren Lehre repräsentirt werden, sein Geschick nioht anders, denn eine Strafe für sein Vergehen an dem aas seiner Mitte hsrvorgegangenen ״Heiland“ ansieht! Und eben wegen dieser Strafe müssen auoh dem jüdisohen Volke alle jene vermeintliehen Fehler und Schwächen anhaften, deren Zahl unendlich ist und deren Eiga.ithümlichkeiten mit dem Vergrösserungsglase za betraohten sind. Der Verfasser obiger Schrift gehört der letzteren Richtung an und bemüht sich darin die mannigfachen Vorzüge des Volkes, dessen ״Geschichte und Literatur er ein halbes Leben lang erforscht haben will“, auch ״in Kreisen der Christenheit“ zwar bekannt zu machen, aber auch auf die ״Verwerfung Jesu von Nazareth“ als die Ursache des* über dasselbe verhäagten Gottesgerichts hinzuweisen. Heben wir nun zunächst die Vorzüge, die naoii des Verfassers Ansicht sioh ergeben, hervor. Nachdem Israel als in der Diaspora befindlich und als Unikum in der Weltgeschichte hingestellt wird, wobei der Verfasser den auoh sonst bei ohristl. Autoritäten nicht selten vorkommenden Irrthum begeht von ״Secten“ zu sprechen, die von der forschenden rabbinischen Gelehrsamkeit und ihrem Ceremoniell sich unterscheiden, während es doch ausser dem in wenigen Familien Südrusslands oaltivirten ״Karäismus“ sonst gar keine Seoten im Jadenthum weder gab noch giebt, kommt er (S. 10) za der wichtigen Erkenntniss, dass die Zerrissenheit und Zerstreutheit Israels kein ewiger Zustand sein, sondern dass Israel wieder gesammelt werden und inneaer Herrliohkeit erscheinen soll vor den Augen der anderen Völker. 1 Danach kann man es wohl begreifen, wenn der Verfasser Israel das zerrissenste, auch das misshandeltste aller Völker nennt; aber das ״entweihte“? Warum? Etwa weil seine heilige Stadt und sein Heiligthum entweiht wurde?! Und dennoch nennt der Autor gleich im folgenden Satze Israel den ״Träger des künftigen Gottesreiches auf Erden“! Ein entweihtes Volk mit einer solchen Zukunft, — sonderbar! Ein ״Am niddach“ ist Israel, aber auoh ein ״am ohesed“, meint der Verfasser, und zwar׳ Letzteres deshalb, weil wir in der isr. Diaspora so viel Erfreuliches, ja Grosses bemerken, dass wir Gottes Huld an Israel deutlioh wahmehmen. Schon seine blosse-1 Existenz, ferner die ihm verbliebene, reiohe Begabung and zam dritten die nicht za verkennenden eigenthümliohen Lichtseiten in seinem Charakter lassen den edlen Keim, der in dem Volke vorhanden ist, erkennen. Diesen Gedanken, der allerdings von christlicher Seite nur selten anerkannt and ausgesprochen wird, führt der Verfasser weiter aas, spricht von der ״Ehrwüdigkeit der Nationalität“, wirft den Völkern den unsäglichen Jammer vor, der daroh die Judenverfolgungen dem jüd. Volke bereitet wurde, an dem sioh allezeit das französische Sprichwort erfüllt: ״Plus qu’on me frappe, plus le marteau s’abuse.“ Die natürliche Begabung Israels zeigt sioh in den leiblichen und geistigen Verhältnissen. In den leiblichen daroh die Beschneidang, daroh die: Regelung des 'ehelichen Lebens, duroh den Ordnung?massigen Wechsel von Thätigkeit und Rahe, and duroh die hersohende Vorsioht im Genuss von Speisen und Trank. Eines jedoch, ,bä*