Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 17 (1888)
- Issue
- N° 3 (19.1.1888)
- Date
- 1888-01-19
- Page
- Seite 10 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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besser als im Siegen, im Sohlaohten besser als in der Schlacht. Was nützte es dem R. Simon, dass sich seine Familie vom Aufstand fern gehalten? Der Arm des rachedärstenden Imperators nnd seiner Sohergen erreichte sie dennooh; er selbst stammte ans einer Familie, die die Jaden an ihre Selbst• ständigkeit erinnerte, and seine Collegen in Jamnia waren dort, am das Gesetz za stadiren. Das war Verbrechen genng. In directem Gegensatz zar Revolution anter Vespasian, in welcher die Gelehrten die Auswanderung -aas Jerusalem der Betheiligang 1 am Kampfe vorgezogen, hatten die Gelehrten der hadrianischen Epoche geradezu den Aufstand hervorgerafen. Zudem hatte die Erfahrang eines hartnackigen Aufstandes den Kaiser Hadrian belehrt, dass die nationale Kraft der Jaden nicht gebrochen ward, so lange das Gesetz frei gelehrt und geübt werden konnte, dass im Jadentham die Religion za dem Volksleben in viel innigerer Wechselbeziehung steht, als ein in römischen Anschauungen aufgewachsener Mann auch nur ahnen konnte. Darum traf die Verfolgung Hadrians noch mehr das Gesetz als das Volk. Nach der Zerstörung des Tempels wurden neue Steuern ausgeschrieben, Gelderpressungeh drückten das Volk, und das Beil des Lictors schwebte über Jedem, der sein Geld und Gut vor römischer Gewaltthätigkeit schützen wollte. Nach dem betharischen Krieg waren Bedrückungen dieser Art seltener (nur externe Quellen berichten von ihnen) aber das Beil des Lictors wurde gelegt an den Lebensnerv der Nation. Auch in das Haus R. Gamaliels und in die Bildungsstätte der edelsten Jünglinge Judäa’s drang die mordende Schaar. Eine grosse Anzahl der Jünglinge fand damals ihren Tod, andere starben i in der Zeit, welche der Katastrophe folgte. R. Simon hat es selbst später bezeugt, dass von allen denen, welohe damals im Hause seines Vaters unterrichtet worden sind, nur er und sein Vetter die Schreckenszeit überlebt haben. In dieser traurigen Zeit verlor das Patriarchenhaus die meisten seiner Mitglieder und Freunde. R. Simon, von wenigen begleitet, fand wahrscheinlich in Persien eine Zaflachtsstatte vor den Verfolgungen der Römer. Während des Restes der hadrianischen Regierung - ruhte das Stadium des Gesetzes, die Triebfeder des nationalen Lebens stand still, es schien, als wenn durch Bar Kochba der Glücksstern vom Stamme Jacobs gewichen wäre. Die Edelsten des Volkes hauchten unter den ausgesuchtesten Martern römischer Henkersknechte ihr Leben aus, und ihr Rath und ihr Beispiel fehlte der Nation; achtbare Männer erlahmten in 1 ihrem Eifer für *das Gesetz, angelockt durch die Ehrenbezeugungen der römischen Machthaber. Viele aus dem Volke zweifelten an der Lebensfähigkeit des Jadenthums und sagten sich von ihm los. Was bedeuteten die Leiden der ersten Revolution im Vergleich zu den Blutedicten, mit denen Hadrian diese zweite grosse Empörung strafte? Für das Judenthnm schien alles verloren im römischen Reiche. Aber das Judenthum hatte seit langer Zeit, bevor noch der Name Roms in Asien war genannt worden, ausserhalb der Grenzen des damaligen römischen Reiches feste Wurzeln geschlagen. In Babylonien, so wie in den anderen Ländern des parthischen Reiches wohnten ihm, treue Bekenner; dorthin hatten sioh die Vertreter! des Gesetzes zurückgezogen; von dort konnten sie zu jeder Zeit nach Palästina zurückkehren, und die Todesstunde Hadrians war für das Jadenthum die Stande, in welcher es zu neuem Leben erstand. Es liegt im Wesen terroristischer Zustände, dass sie von kurzer Dauer sind. Für den Nachfolger Hadrian’s konnten nicht mehr die Motive des Hasses und der Rache vorhanden sein, welohe diesen zur Verleugnung aller Menschlichkeit getrieben,' und für die Bitten der Unterdrückten taub gemaoht hatten Rufas wurde abgerufen, und der neue Statthalter erwirkte die Aufhebung der strengsten Edicte Hadrians. Jetzt zeigte es sich, dass die zehnjährige Schreckenszeit vor und naoh der Zerstörung Bethars die Liebe zum Judenthum im Herzen seiner Anhänger nioht zu ersticken vermocht hatte. Der mächtige Wille des römischen Imperators hatte sich ohnmächtig erwiesen gegenüber dem Glaubensmuth, der Todesverachtung, und was nicht zu übersehen ist, gegenüber der Klugheit des kleinsten der dem röraisehen Namen unterworfenen Stämme. ' Die Leiden hatten die Anhänglichkeit an den angestammten Glauben nur vermehrt. Wie jede Lehre am schönsten gedeiht auf einem durch Martyrerblut getränkten Boden, so wurden auch, kaum dass man wieder frei aufathmen konnte, nach dem eigenen Zeugniss R. Simons gerade die Gebote am pünktlichsten geübt, die zur Zeit des Rains am strengsten verpönt gewesen waren. Als die Rabbinen zurückkehrten, konnten sie sich für ihre Bestrebungen keinen besseren Boden wünschen, als sie in der durch Leiden zum Glauben erzogenen Bevölkerung vorfanden. Die dem Judenthum fremd gewordenen, widerstrebenden Elemente, deren Abwehr dem R. Gamaliel so schwer gefallen, wareu vollständig von ihm ausgeschieden; — das Christenthum hatte während des hadrianischen Regiments eine ausgeprägte Sonderstellung eingenommen. Das Judenthum hatte manchen seiner Anhänger verloren, aber die ihm geblieben waren, waren echt Gläubige. Wer aber sollte dem zu neuem Leben erstandenen Volke Führer sein auf den seit langer Zeit unbetretenen Pfaden? Für R. Simon war anfangs wenig Aussicht. Während der Schreckensherrschaft waren die ältern Lehrer gestorben und verdorben; neue hatten sich nicht herangebildet; die ganze Tradition ruhte in den Händen der Schüler Akiba’s, diese erinnerten sich der Härte, mit der R. Gamaliel und seine Gesinnungsgenossen ihren Lehrer und seine Lehre behandelt hatten; sie wussten, dass das Lebenselement ihrer Schale eine viel freiere, uneiugeschränktere Forschung war, als sie selbst R. Josua verlangt hatte, und fürchteten von R. Simon, dem Sohne des strengen Gamaliel, Einsckränkungen in ihrer Lehrthätigkeit. Zudem war R. Meir, das Haupt dieser Männer, nicht gewillt, beider überschwänglichen Verehrang, welche sein Lehrer im Volke genoss, nun die erste Stelle im Jadenthum einem Andern, einem Gegner, zu lassen. Als daher R. Simon nach Jamnia ging und von dort aus eine Aufforderung erliess, dass die Gelehrten sich zur Erneuung des Synhedrion’s und der Akademie mit ihm vereinigen sollten, verhallte sie von den Meisten ungehört, und die seinem Rufe folgten, hatten kein Ansehen bei der Nation. Die Schüler R. Akiba’s anerkannten weder die jamnensische Behörde, noch beachteten sie dieselbe überh&upt. Getragen von dem Bewusstsein, dass sie die einzigen, ordinirten Lehrer in Israel waren, regelten sie ohne R. Simon za befragen, das in arge Verwirrang gerathene Kalenderwesen > duroh Festsetzung eines Schaltjahres, und vindioirten sioh hierdurch ein dem Patriarchen allein zuständiges Vorrecht; sie versammelten sioh in Uscha zu einer Synode und liessen auch ihrerseits eine Aufforderung an alle gesetzeskundigen, wissbegierigen Mäimer Galiläa’s ergehen, sioh in Usoha einzafinden, in demselben Orte, in-dem frühere Lehrer einst die Normen Gamaliels hatten umstossen wollen. Ihre Bestrebungen wurden vom besten Erfolge gekrönt. Viele leisteten der Aufforda•; rang Folge, vieles wurde damals in Usoha verhandelt