Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Litteratur-Blatt · 1888-01-19 · N° 3 (19.1.1888) · p. Seite 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
17 (1888)
Issue
N° 3 (19.1.1888)
Date
1888-01-19
Page
Seite 12 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/6492408-6488258-9805901--1366-4856520
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

merkt der Verfasser, wes wir allerdings nicht begreifen nnd was wohl auch vom medioinischen Standpunkte ein Novum ist, muss konstatirt werden, — nämlich, dass der Israelit ,ihr etliche Krankheiten besonders ,empfänglich ist, so fhr die gewöhnlichen Hautkrank- ,beiten, ihr hypoohondrisobe Leiden, fhr Stockungen ,des Pfortadersystems* etc. So gross wie die leibliohe Begabung ist auch der geistige. ,Verstand, Energie, ,Gedäohtniss, Beweglichkeit, Beproductionsgeschick ,geben sich in Israeliten in ungewöhnlicher ־Weise ,zu erkennen*, auf allen Gebieten und nach allen Bichtungen hin. Was endlich die eigenthämlichen Lichtseiten in dem Charakter der isr. Diaspora anlangt, 80 ist zunächst sein Handelsgeist (natürlich!) hervorzuheben, ihr den der Israelit die orientalische . Begabung besitzt, für den die 2000jährige Schule der Zwangsstellung unter den Völkern ihm zu Gute kommt und bei dem ganz besonders der Vortheil der Minorität, deren Angehörige weit mehr zusammenhalten und-einander Vorschub leisten (?), ihn begünstigt. Doch die isr. Diaspora hat auch ihre Schattenseiten, darunter obenan: ,Der Schacher und Wucher!“ Fürwahr hätte nur der Verfasser den allerdings von christlicher Seite so oft verkannten Satz: V B. M. XXTIT, 21, ebenso wie das Gesetz vom Erlassjahr: V B. M. XV, 1—3, zwei Anordnungen, die durchaus nichts Feindseliges enthalten gegen die ,Ausländer* (das versteht man unter נכרי oder נ1י, Herr Pfarrer, niemals den ״Christ“ früherer oder unserer Zeit!!) besser und richtiger zu verstehen sich bemüht, er hätte sich nicht herbeilassen können, in der Anm. S. 26 von der ,Uebervortheilung“ zu sprechen, die der Israelit sich gegen den erlauben darf, der nicht sein ״Nächster“ ist, oder zu behaupten, dass das Gesetz den Wucher nur gegen!den Nächsten (רעך) verbietet. Dennoch freut es uns von dem Geständniss zu lesen, das der Verfasser offen ausspricht: ״Es verdient nicht aller isr. Handel diese beiden ״Namen (Schacher und Wucherj, wie viele Christen ״unverständiger und ungerechter Weise meinen; es ״giebt durchaus rechtschaffene und ehrenwerthe isr. ״Handels- und Bankhäuser und bis in das geringste ״Geschäftsleben hinab rechtschaffene und ehrenwerthe ״isr. Händler und Wechsler. Es ist eben an dem isr. ״Handel sehr vieles, was bei aller Bechtschaftenheit ״und'Ehrlichkeit dennoch der christl. Bevölkerung ״sehr lästig sein kann und darum, nur darum schon ״verdächtig und verlästert wird.“ Trotzdem meint der Verfasser die weltgeschichtlichen Schattenseiten der isr. Diaspora nicht in Abrede ziehen zu dürfen, ״man kann es nicht“. (Schlus!: folgt.) Zar ״Principienfrage. “ Ich habe in meinem Referat der Kurrein’schen ״Religionslehre“ nicht gesagt, dass dessen Ueber- Setzung des ״ :שמעGott ist unser Herr etc.“—״unrichtig“ ist, sondern ״unpassend und zweideutig“. ״Der Herr unser Gott, der Herr ist einzig" ist correcter und sachmässiger. Trotz der Erklärung des von Hrn. Wolf citirten Sifre Und trotz der vom firn. Bedacteur angeführten Autoritäten ist es doch wohl erlaubt, einen solchen Fundamentalsatz anders, d. h. 80 aufzufassen und zu übersetzen, dass jede Zweideutigkeit schwindet. Herr Wolf wird mir zugeben, dass der Gedanke ״der Herr, unser Gott eto.“ dem Geiste des Judenthums mehr entspricht, als ״der Herr ist unser Gott“, vor Adlern schön harmonirt mit der bekannten bibl. Lehre: הלא אב אחד* לבלט! Ebenso ist mir wohl bekannt, dass der Mangel einer autorisirten Bibel- Übersetzung ein Vorzug des Judenthums ist. Indess, selbst 1yPn man nach der Ansicht des Verf.’s der von mir besprochenen ״Beligionslehre“ in der Sohule nur ausgewählte Capitel aus der Bibel zu lesen nöthig hat, um das ganze Religionssystem kennen zu lernen, dann möohte man doch auch eine Uebersetzung den Sohülern in die Hand geben, die relativ am meisten empfehlenswerth ist. Hindert das die ״freie Forschung“? Auoh Herr Wolf benutzt ja,-wie er sagt, die Zunz׳- sehe Uebersetzung am meisten in seinen Lehrtexten, und jeder erfahrene Religionslehrer kennt, wenn er in der Sohule aus der Bibel lesen lässt, den Vorzug einer einigermassen korrekten und saohgemässen Ueber- Setzung, ohne dass er sie gerade als die einzig autorisirte anzusehen braucht.!) Kaiserslautern. Landsberg. Litterarische Notizen. 1. Herr Samuel Philipp in Lemberg versendet einen Prospect, in dem er die Herausgabe einer ״Auswahl hebr. Klassiker“ ankündigt Der erste Band wird die religiösen Lieder des Juda Halevi mit einer hist.-kritischen Einleitung über die Pijutim enthalten, der zweite die poetischen Werke des Immanuel *Romi und der dritte den Eben-Hochan des Kalonymus nebst einer Einleitung über das Leben und die Schritten des Verfassers und vielen handschriftlichen Proben aus wissenschaftlichen Werken, die Kalonvmus aus dem Arabischen übersetzt hat. Die drei Bände sollen bald erscheinen und wird deren Ladenpreis 2 fl. 50 kr. sein. Dem ״Prospect“ geht eine Probe aus dem zweiten Bande voran, eine kleine Abhandlung, welche sich mit einem poetischen Fragment beschäftigt, das Herr Dr. Berliner im Vatican — - ״ ״ sonst unbekannten orientalischen Dichter zugeschrieben, der es zu Ehren des Abraham ihn Esra, als dieser nach Mesopotamien kam, verlasst haben 8011. Diese Vermuthung wurde bereits von David Kahna in Odessa zurückgewiesen, der seinerzeit behauptete, der Dichter des Fragments sei Mose ibn Esra und sein gefeierter Held der Wesir Abraham von Saragossa. Herr Philipp hat jedoch in dem Gedicht viele Anklänge an die Ausdrucksweise Immmuels gefunden und sucht nun zu beweisen, dass das Fragment diese n angehört und dass darin der zeitgenössische Schriftsteller und Naasi Kalonymus gefeiert wird, welcher bekanntlich bei Robert von Anjou in hohem Ansehen stand. J. C. 2. Chronologisches, a) Wann ist nach zuverlässigen Quellen Dr. Moses Büdinger in Kassel gestorben V — Zunz ״Monatstage1' hat den, du Januar 1841. Im Nekrolog des Dr. Jakob Pinhas (S. Allg. Zeit des Judenthums Nr 2 vom 7. Januar, letzter Absatz) heisst es, dass dieser am 21. Februar 1841 Worte des Nachrufs an Büdingers Grabe gesprochen hat. Sollte man wirklich die Leiche 3 Wochen unbeeraigt gelassen haben? b) Rechnungstehler im Raschitext. Zu Daniel«, 25, führt Raschi den von Andern erbrachten Beweis für die Berechnung der Daniel’schen Zeiten an: nämlich: הסתר אסתיר בגי.ארח ושל״ה — Der Zahlenwerth der beiden Worte betragt aber niaht 1335, sondern 1330. 4 o in Raschi za Esra 4,7 heisstfes: מניין אותיות של כורש עול־ לטנק אותיות דריוש — Dem ist jedoch nicht s כורש;׳ hat an Zahlenwerth 52ti und לריוש nus 520. Das erstere Wort finden wir, mit Ausnahme von 2 Fällen, nämlich Esra 1, 1 u. 2, auch immer plene geschrieben Cohen - Rees 3. Zum J üd. L i ft. - Bl. Nr. 50 S. 200. Jomtob Lipmann b Nathan Heller starb am 6. Elul 54.4 19. August 1654 (Wolf III, Nr. 331). Sonach ist das Latum aut demi. J. 1835 auf Kosten der .ח״רי in Krakau restaurirten Grabstein zu berichtigen לפק TTfיום ד׳ 1' ימים לחדש אלול• Zunz (Monatstage, S. 22) ist der unrichtigen Lesung (14' אייר des Mose Körner aus Flatow (Einl. zu כנילת איבה ed. Brsl. 1318,8) gefolgt. Den 9״.“ in ״Brüll’s Monatsblättern“ ist wohl nur ein Druckfehler für den 19״.“ August. S, 201. Nach Wolf IV. p. 1204 steht auf dem Grabstein des Ahron Samuel Kaidanower nur einmal י1ם ף!wofür ני zu lesen ist) und das andere Mal שישי (wofür שלתמי zu lesen ist). Jn עיר הצדק, Zus. S. 61, Z. 22, ist כ׳־ן ein Druckfehler für כ״ו, wie im Original, RgA. אכן השהם, Nr. 66, richtig steht. Dadurch ist auch die Anm. d. Red. erledigt. Das. Z. 4 v. u. Das RgA. 65 in ders. Samml. hat Aharon b. Mosche Theomim nicht in Krakap, sondern in Hamburg geschrieben. Das Datum ist allerdings irrig. Aber die eilfertige Hast und Flüchtigkeit des Schreibers (8. aas.) machen den Irrthum begreiflich u. verzeihlich. Brann-Pless. Ysnatwortlicher Redactenr Dr. Rahrmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wolff, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.