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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1884-12-18 · No. 51. (18.12.1884) · p. Seite 202

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
13 (1884)
Issue
No. 51. (18.12.1884)
Date
1884-12-18
Page
Seite 202 (sequence 2)
Language
German
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sie ihren Stammbaam über das Christenthnm hinaus . bis za den Fürsten der Stämme Israels znräokfähren. Was dachte, was sagte dazu der hier wie überall elende Pöbel, das eifersüchtige Bürgerthum, der kastilianische Adel, der der ärmste and züglich misstranischste der Welt ist? Was der Cleras, den jeder Fortschritt der Jaden stets beunruhigte? Von allen Seiten, aas der Mitte der Menge, aus dem Sohopsse der Cortes, sowie von den Stüh]en der Bischöfe herab, erhoben sich Anklagen. Man verbot den Unvernünftigen die Handwerke, die Geschmeide, das Waffentragen, die Aemter und Adelstitel. Die allmächtigen Minister, gegen die plötzlich die Feindseligkeiten ausgebrochen war, würden, auch wenn sie nicht Jaden gewesen wären, durch die Hofintriguen oder die Erneute gestürzt worden sein Don Joseph und Don Samael gingen zu Grunde, und während ihre Herren sich ihre Beute ohne Skrupel aneigneten, wurden ihre Glaubensgenossen überall dadurch hart mitgenommen. Viele rAuswei8angen im Kleinen erfolgten in Spanien, bis endlich die grosse Ausweisung 1492 vor sich ging. Es ist demnach unbestreitbar : Die Juden befinden sich in ihrem Unrecht. Sie hätten nicht vergessen dürfen, dass sie eine Minorität seien, und noch dazu eine dissidente Minorität. Um für alle Fälle gesichert gehen zu können, hätten sie keinen einzigen Fehler begehen dürfen und hätten in diesem Zeitalter des Goldes alle Tagenden haben müssen. Es ist derselbe Fall, wie bei den ״Thieren unter denen die Pest ausgebrochen war“*); den grossen Herrn, den Löwen, Tigern, Füchsen und Wölfen, der feudalen Gesellschaft ist es erlaubt ״. . . .zu verschlingen eine Menge Schafe Auch ... . zuweilen zu verzehren Selbst den Hirten.“ Aber bei den Jaden, dass sie den Verordnungen der Fürsten und päpstlichen Bullen nicht Rechnung trugen; dass sie eifrig waren nach Gewinn, den auferlegten Verpflichtungen nicht nachkamen; mit fremder Religion es nicht genau nahmen, in geweihten Gefassen und Priestergewändern des katholischen Kultus nichts besonderes erblickten; dass auch sie am Wohlleben and an den Ehrenstellen ihren Anteil haben wollten, ״Fremdes Gras zu essen, welch’ Verbrechen! Nur der Tod vermag zu rächen Solchen Frevel. Ihm selbst iüache dieses man begreiflich“ **) . (Schluss folgt.) Rieh. Wagner’s ״Autobiographie“ 1842 u. 1871. In No. 9 des Jüd. ~Litteraturblattes vom vorigen Jahrgang hat Herr 1,־Max Weinberg in eingehender Weise die Undankbarkeit geschildert, wie sie Richard Wagner seinen jüdischen Wohltnätern gegenüber äusserte. Unter, diesen stehen oben an: Heinrich *) Eine der schönsten Fabeln Lafontaine’s, aus der auch die folgenden Verse genommen sind. Es ist die 1. im 7.Buche: Animanz malades de la peste. (Anm. d. Uebers.) **) Dies wird in der angemerkten Fabel von dem Esel gesagt. Der Inhalt der Fabel ist in Kürze folgender: Unter den Thieren war die Pest ausgebrochen. Man vermuthete, irgend eines der Thiere müsse das ganze Thierreich versündigt haben. Sie versammeln sich, ihre Sünden zu bekennen und der Löwe, der Fürst, bekennt, Schafe und alles Mögliche, auch mitunter manchen Hirten, zerfleischt za haben Was? — ruft der Fuchs — solche Bagatelle für Ew. Majestät! — Aehnlich ist es beim Tiger etc. — Da kommt der Esei und spricht: ״Ich erinnere mich einst, dem Hungertode nahe, in der Nähe einer verführerischen Wiese und wahrscheinlich durch den Teufel verführt, mich an einigen Grashalmen gelabt zn haben Ich hatte nicht das geringste Hecht dazu.“ — ״Was — schrien die Thiere —' dieser Elende, dieser Schändliche!“ Ein Wolf bewies, er müsse zur Sühne des Götterzoraes geopfert werden. ״Fremdes Gras“ etc. — (Anm.' d. Uebers.) Heine uad Meyerbeer. Wie der Fanatismus, blind macht und die edelsten Gebote der Sittlichkeit verleugnet, das zeigt uns Emst Pasque in einer Abhandlung (״Nord und Süd“, Juli-Heft 1884): Der fliegende Holländer Richard Wagner, Heinrich Heine and ״Le vaisseau fantöme“ — ohne allerdings auf Wagner’s religiöse Verbissenheit hinzuweisen. Pasque schildert die Entstehung der Wagner’-chen Oper: ״Der fliegende Holländer“. Im Jahre 1842 schreibt W. in seiner Seibstbiographie Folgendes darüber: ״Der fliegende Holländer, dessen innige Bekanntschaft ich auf der See gemacht hatte, fesselte fortwährend meine Phantasie; dazu machte ich die Bekanntschaft von H. Heine’s eigenthümlicher Anwendung dieser Sage in einem Theil seines ״Salon.“ Besonders die von Heine erfundene, echt dramatische Behandlung der Erlösung dieses Ahasverus des Oceans gab mir Alles an die Hand, diese Sage zu einem Opern-Sujet zu machen. Ich verständigte mich darüber mit Heine selbst.“ Im Jahre 1871 bei Gelegenheit der Herausgabe seiner ״Gesammelten Schriften und Dichtungen“ änderte Wagner die oben angeführte Stelle seiner Biographie dahin: ״Der fliegende Holländer, dessen innige Bekanntschaft ich auf der See gemacht hatte — —- — Besonders die von Heine einem holländischen Theaterstücke gleichen Titels entnommene Behandlung der Erlösung dieses Ahasverus des Oceans gab mir Alles an die Hand — — — —“. Nach eifrigen Bemühungen kommt Pasque zu dem Resultat, dass weder vor noch nach dem Jahre 1842 ein solches Stück in Holland erschienen ist, dass einsolohes gar nicht existirt. Nur Heine’s Originalität wollte Wagner in Frage stellen!— Inb^treff seines Verhältnisses zu Meyerbeer schreibt er 1842: ״Mit sehr wenig Geld aber den besten Hoffnungen betrat ich Paris. Gänzlich ohne alle Empfehlungen, war ich einzig nur auf Meyerbeer augewiesen; mit der au*gezeiehnetsten Sorgsamkeit leitete dieser für mich ein, (in der Ausgabe von 1871 lautet dieser Satz: ״schien dieser für mich einzuleiten “), was irgend meinen Zwecken dienlich sein konnte. Und weiter: ״Mit der liebenswürdigsten Theilnahme erkundigte er sich nach dem Stande meiner Angelegenheiten und half, wo er nur konnte (1871 heisst es ״und wollte helfen“). Das sind scheinbar geringfügige Aenderuugen, aber sie ebarakterisiren den Judenfeind Wagner, den Verfasser von ״Das Judenthum in der Musik“. Es musste dooh eine Brücke geschlagen werden zwischen 1842, wo das Gefühl der Dankbarkeit noch rege in ihm war, und 1871, wo der Antisemitismus ihn verblendet hatte. Hat־ er doch im Frühjahr 173א zu Liszt gesagt: ״Am Ende muss ich das Geld der ,Juden annehmen, um uns Deutschen ein Theater zu bauen!“ (Siehe die Wagner-Biographie von Ludwig Nohl S. 92). So sehr uns dieser antisemitische Dunstkreis anwidert, eine desto freudigere Genugthuung empfinden wir über die denselben Gegenstand betreffenden Aeusserangen des früheren preussischen Finanzministers und ausgezeichneten Musikschriftstellers C. H. Bitter in einem Referate desselben'im Magazin für die Litteratur des In- und Auslandes über Ferdinand Hillers Erinnerangsblätter. Bitter schreibt: ״In den Briefen an den Herausgeber der Hamburger Nachrichten hat sich der Verfasser (F. Hiller) in hier und da mehr aufgeregter Weise als man dies bei ihm gewohnt ist, in Bezog auf dea Antisemitismus geäussert. Es mag ihm wohl ein persönlich unangenehmes Gefühl ge* wessn sein, zu sehen, dass sich in öffentlichen Ver- Sammlungen und hier und da vielleicht auch in Privatkreisen eine gewisse Erregung gegen die Juden geltend!

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