Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 13 (1884)
- Issue
- No. 50. (11.12.1884)
- Date
- 1884-12-11
- Page
- Seite 199 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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fes gäbe da entscheidendere Kr terien, als ioh bis jetzt vor mir sehe. Sollten solche gegen mich entscheiden, dann bin ich der erste der — die von mir angenommene -Auffassung als einen Irrtham erklären wird. — Dr. J. Goldschmidt — Weil barg. -IM; — Bemerkungen zur Massora. Von Bezirksrabbiner Dr. Giid on. n. Der üecalog nach der massoreüsbhen Theilung. (Fortsetz ang.) Nach Bertheau') haben wir es ganz einfach mit der Recipirung des katholischen Standpunktes zu thun. Mit לא תשא bieginnt nach der kath. Eintheilung des Decalogs das zweite Gebot, dagegen vertritt לא תחמוד das neunte und zehnte. Im vierzehnten Jahrhundert ehr. Zeitrechnung*) hätte diese Eintheilung bei den Juden Eingang gefunden und in den massoret. Zeichen — die Abtheilung der Paraschen — haben sie die sichtbare Gestalt erlangt. Als Analogie verweist Bertheau auf die Entlehnung der Capiteleintheilung. Mit letzterer hat es unzweifelhaft seine volle Riehtigkeit; sie ist nicht auf jüdischem blöden entsprossen, sondern von auswärts hieher versetzt worden. Ist es aber denkbar, ohne dass die unuEjistösslichsten Beweise dazu unausweichlich zwingen, dass man für das Grundgesetz des Judenthums aus nicht-jüdischen Kreisen eine Eintheilung angenommen hätte, die weitgefehlt mit den hergebrachten jüdischen Anschauungen und Annahmen übereinzustimmen, vielmehr mit diesen in Widerspruch sich befindet? Ein Anderes ist die Capiteleintheilung, ein Anderes die Eintheilung des Decalogs. Jene betrifft die räumliehe Abgrenzung des Bibelte^tes und fand zur Ermöglichung des wissenschaftlichen Verkehrs Aufnähme in den Bibeln, die beim Stjidium in Ver- Wendung kamen, aber keineswegs:in der Thorarolle, aus der' beim Gottesdienst die Vorlesung gehalten wird; welches Moment 4?äre abermächtig fenug gewestu, tür den Decalog ein Richtmass der iintheilung aus nicht-jüdischem Anschauungskreise anzunehmen, das über die Capiteleintheilung hinausgehend seine Geltung sogar auf dah Sefer Thora der Synagoge ausgedehnt hätte? Naoh den zweifellosen Ueberlieferungen der Vergangenheit umfasst der Theil des!Decalogs von אנכי bis לא תשא zwei der zehn Worte. Das lesen wir bei Philo, bei Josophus und in den midraschischtalmndischen Quellenschriften Nur ]nimmt Josephas(נ אנכי bis exclusive ... לא יהיה לך f^«״ 5׳יי ־PÖX0S 0?6.ג und lässt 51 6״ Seuxepo;“ mit , , . לא תעשה לך סמל benen. Die midrasohisch-talmudisohe Auffassung wird h folgende Stelle der Meohilta!*) am deutlichsten zur Anschauung gebracht: כיצד נתנו עשרת הדברות ה׳ על לוח זד, ודי., על אח זז־" כתיב אנכי יי־ אלהיך וכננדו לא תרצח ... כתיב לא יהיה לך וכננדו לא תנאף ... כתיב כתיב ככד וכגנדו לא.לא תשא וכנגדו לא תגנוב -תחמוד... ‘) A. 0. a. 0. *) Das hätte jedenfalls viel früher geschehen müssen, da die angeführte Stelle aas Maimonides auf dem Codex des Ben Ascher beruht, dieser spätestens im zehnten Jahrhundert gelebt hat“. I ’) Josephas, Aiterthümer lib. HL Cap. V, 5 (edit. Didot). Es ist unrichtig; wie Bertheau angiebt 1 (a. a. O.), dass nach Josephas das rs te Gebot mit ״Du sollst keine fremden Götter o. s. w.“ beginnt. *; Mechilta, Absch. Bechodesoh, Cap. B, BL 70a edit. Friedmann. In .vo Ilster Uebereinstimmung mit dieser Eintheilung befindet sich das jerusalemische j Targum zu Exod. 20 *nd sq Deut. 6. | Dieäe Darstellung und Parailelisirung Decalogs stellt es aussar Zweifel, dass אנכי ffir das -erste,'' לא ידדה לך für das aweite Wort gehalten wurde.' Dafür, dass das erste Wort bis לא ך״ןשא reicht, findet sich in den jüdischen Quellen nioht der geringste Anbaltspunkt. Es Hesse sich höchstens über den ConnfX von אנכי zu לא יהיה לך eine Meinungsverschiedenheit t auffinden, iudess auch diese Annahme! hält nicht Stand.‘)' Die Massora würde, wenn die Behauptung Bertheau’s bestünde, einen vollständigen Bruob mit der Vergangenheit auf einem so wesentlichen hochbedeutsamen Gebiet begangen haben. Auf einen solchen Irrweg ist indess die Massora, deren Ha uptleistung in der Conservirung des Ueber-. lieferten ruht, nicht gerathen, dieselbe not vielmehr zum Leitstern eine klare jüdische Quelle. _._ (Schluss .folgt). Litteraturbericht. Recensionen. Delitzsch, Dr., |Franz, Geh. Kirchenrat nnd' ordentl. Prof, der Theologie, Die revidierte Lutherbibel, Leipzig, Dörffling & Franke, 1884. In dem Leitartikel der No. 47 d. Bl. begründet Herr Mandel-Lihz gegen Herrn Plocki-Fl&tow sein beifälliges Urtheil über die Probebibel und die Revisoren damit, dass zu denselben u. A. Franz Delitzsch gehöre, dessen Qaalification bis jetzt von keiner Seite bezweifelt worden sei. Herr M. scheint hierbei übersehen zu haben, dass Delitzsch allein oder selbst mit noch einigen' Revisoren, die etwa seine Ansichten getheilt haben mögen, nicht' die entscheidende Zweidrittel-Majorität gebildet hat. Sagt doch Dr. - Kleinert, einer der Ver£ der Probebibel, in seiner ״die revidierte Lutherbibel“ behandelnden Broschüre: ״,Nach einer ungefähren Schätzung wird allerdings anzunehmen sein, dass, während Stier vielleicht zehnmal 80 viel Aenderangen nöthig fand als J. F. v. Meyer, die Probebibel nioht viel über den zehnten Theil der von Meyer abgeänderten Stellen in revidirter Gestalt aufweisen wird.“ Bekanntlich aber ist jenem Herrn nichts weniger als ein Uebermass theologischen Freisinns zuzuschreiben. Ferner soheint Herr M. nicht erwogen zn haben, dass selbst der wissenschaftlich befähigteste Uebarsetzer des A. T. oft fehlgeht, wenn ihm, wie Delitzsch, von vornherein ״daran liegen muss, Christus im A, T. za finden*‘, wenn ihm a priori ״die Schrift für Christus zeugen will“ (S. 4/. Freilich bestimmt diese Ansicht einen Delitzsoh nicht in dem Umfange, wie einen nnwissenden oder halbgebildeten Glaübenseiferer, denn Delitzsoh ist und bleibt eben trotzdem der vielseitig tiefgebildete Forscher, der als solcher neben seiner confessionellen Anschauung doch sein literarisches Gewissen wach zu halten sich bemüht. Die Stelle in der Mechilta (Absch. Bechodescb, Cap. '6): •לא יהיה לך למה נאמי לפי שנא׳ אנכי... משל למלך בשר ודם ... כן אמר המקום לישראל אנכי... (לא יהיה cp אד שקבלתם מלכותי... וכשם שקבלתם מלכותי קבלו גזרותי לא יהיה לך ר״שמעון ב״י אומר הוא שנא־ אני יי־ אלהיכם ... verstehe ich so, dass sachlich keine Differenz besteht zwischen dem ersten Ausspruch und dem des &. Simon b. L; dass B. Simon statt des Gleichnisses eine Schriftstelle anfhlut für denselben Gedanken, weshalb das in Klammer Gesetzte zu streichen ist. S. Sifra Absch. Ach re Moth Cap. 13, 3 edit. Weiss. Lehrreich und sehr interessant ist Ihn. Esra’s Aasernandersetzung im Cemmentar za Exod. 30 über die des Decalogs.