Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Litteratur-Blatt · 1884-12-11 · No. 50. (11.12.1884) · p. Seite 200

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
13 (1884)
Issue
No. 50. (11.12.1884)
Date
1884-12-11
Page
Seite 200 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/6492408-6488249-8756159--0542-4855873
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

v So hebt er ■. B. S. 4 hervor, dass die Lutherische Üebertragung Je«. 53,9: er iet begraben wie di« Gottlosen und gestorben wie ein Beicher — in der Voraussetzung, dass die Gemeinde irgend welche Aenderaog dieser ihr vertrant gewordenen Stelle nicht ertragen werde, unbehelligt geblieben, obwohl dieselbe nicht allein den Grnndtext nicht für sich, sondern auch die Erfüllungsgesohichte so sehr gegen sich habe, dass eine Stimme im Sächsischen Kirchen- und Schulblatt dringlioh8t um Beseitigung dieses Anstosses bittet. Solche Stimmen aus der Gemeinde, lägt Delitssoh hinan, werden nicht erfolglos verhallen; auch die Aus- Stellungen des Dr. Schwalb (in No. 47 und 48 d. Bl. von uns bereits gewürdigt) dürften unbefangener Prüfung gewärtig sein. S. 9 wird dargethan, dass derjenige, welcher die Uebersetzung Lutheris für unverbeeSerlich und unwandelbar erklärt, sie zu einem Idol mache, das er dem Urtext neben- oder sogar überordne, und dass dieser Lutherbuchstaben-Cnltus ganz und gar nicht im Sinne Luthers seL Diesen und andern beifallswerthen Ansichten entsprioht die Probebibel allerdings in mancher Beziehung, aber, wie wir und auch christliche Beferenten erörtert, nicht in genügendem Masse. Das scheint auch Delitzsch zu meinen, wenn er bezüglich der Probebibel S 18 räth, das Bessere nioht zu verschmähen, weil es nicht das Beste ist. Werfen wir schliesslich einen vergleichenden Bückblick auf die, den an. Gegenstand behandelnden Schriftohen von Delitzsch und Schwalb, so will uns — und gewiss nicht uns allein — bei aller wahrhaften Hoch- Schätzung beider Gelehrten, Schwalb’sUmblick und Urtheil freier und zutreffender erscheinen. Brandenburg; a. d. H. Dr. Ph. Kroner. Adolph Moses and Isaae 8. Moses, The Pentateuch, school and family edition, Milwaukee, Wis. 1884 (Price 30 Cents). Aus unserer Erwiderung gegen bibelfeindliche Notizen des 8״üdd. Sonntagsbl. sowie aus unserer Besprechung der Schwalb’schen' ״Kritik der revidierten Lutherbibel“ ist zu entnehmen, wie dem christlioherseits oft geäusserten Verlangen nach einer den Forderungen der fortgeschrittenen Wissenschaft bezw. Pädagogik entsprechenden Bibelübersetzung für Haus und Schule noch immer nicht genügt wird. . Erfreulicherweise haben sich jüdische Gelehrte durch dieses Verhalten nicht beeinflussen lassen, sondern haben bereits eine stattliche Zahl Haus- und Schulbibeln hergestellt, die jenen Forderungen mehr oder minder gerecht werden. Zu den Litteratmproduoten solcher •Gattung geseilt sich nun auch obige englische Uebersetzung, der die Üebertragung anderer biblischer Bücher folgen soll, vielleicht bereits gefolgt ist. Der Grundsatz, der die Herausgeber (Babbiner in Louisville bzw. Milwaukee) geleitet, ist wesentlich die Entfernung 1. jeder das geschlechtliche Leben betreffenden Darstellung, 3. der oft wiederholten Geschlechtsregister, 3. fast des ganzen Opferrituals und 4. des Verfahrens in der alfen Kriegsführung. Beligiöse Lehren sind den Geschichten nioht beigefügt, und das können wir nur billigen; solche Lehren hat der Unterricht aus den anschaulichen Lebensbildern der Bibel zu entwickeln, oder noch besser, entwickeln zu lassen. Im Uebrigen ist die Uebersetzung fast überall urtextgemäss, glatt und würdig, die Ausstattung recht hübsch, der Preis gering. Abgesehen von einigen Punkten, die unsere Sympathie nioht gewonnen, — wie *. B. die nach Heilpnnls Historioal poetry of the Hebrews 'gegebene Uebersetzung: Heer, 0 Lord, Birneon’s voice (5 M. 33,7), sowie die Üebertragung des Tetragrammatons bald durch Lord, bald durch Etemal — zollen wir sonach der Arbeit gern unsere Anerkennung. Brandenburg a. d. H. Dr. Ph. Kroner. Strassburger, B. Geschichte der Erziehung und des Unterrichts bei den Israeliten. Stuttgart, Verlag von Levy & Müller. 3. und 4. Lieferung. 1884. Das genannte Werk des strebsamen Verfassers nimmt zu unserer Freude einen ungestörten Fortgang. Hoffentlich nimmt eine grosse Zahl jüdischer Lehrer Veranlassung, auf das Werk zu abonniren, damit jüdische Lehrer nioht der Vorwurf trifft, den einmal Diesterweg im Allgemeinen ausgesprochen hat: ״Die Lehrer halten keinen.“ — Die 3. Lieferung sprioht über Belohnungen und Strafen in der Sohule, über Disciplin, über Spuren einer wechselseitigen Schuleinriohtung ä la Bell-Lancaster im Talmud, über die beste Lehrweise, über die Methode; leider vermissen wir eine übersichtliche Anordnung des mit grossem Fleisse zusammengetragenen Stoffes, denn die Gliederung in eine ״vor- und nachtalmudische Zeit“ ist doch eine zu weit ausgespannte. Als Quelle für die nachtalmudische Zeit — während des Mittelalters — hat dem Verfasser zum grössten Theil Gudlmann’s ״ Geschichte des jüdischen Unterrichts wesens* gedient. Interessant ist es, wie sich der Unterricht im Mittelalter gestaltete. S. S. 100: ״Die Wörter des Alphabets — auf einer Tafel von Pergament und Holz — und die Versa (5. B. M. 33, 4, 3. B. M. 1,1) werden dem Kinde vorwärts und rückwärts vorgesagt (erinnert an die Jacotot’sche Methode. Der Referent), worauf die Buchstaben mit Honig bestrichen werden, damit es die Süssigkeit mit seiner Zunge koste.“ (Eine ähnliohe Methode hatten die Philanthropen im 18. Jahrhundert. Der Beferent.) Der Verfasser zeigt dann im weiteren Verlaufe die Bedeutung der Juden im Mittelalter auf dem Gebiete der verschiedenen Discipünen, der Mathematik, der Medicin, der Grammatik, der Geographie (das geographische Werk heisst: Kaphtor woferach nicht voferach — das ist ein bayrischer Provinzialismus). Eigenthümlich ist es, und der Herr Verfasser erwähnt das auch Seite 125, dass von einem jüdischen Jargon in Italien so wenig wie in Deutschland und Frankreich während des Mittelalters die Bede ist. Zunz sagt hierüber in seinen ״Gottesd. Vorträgen1* 8. 438: ״In den früheren Jahrhunderten hatten die Juden in Deutschland keine andere Sprache als die ihrer christlichen Landsleute geredet, welche durch die zahlreichen Auswanderungen nach Polen vornehmlieh seit dem 14. Jahrhundert auch in diesem Lands unter den Juden heimisch wurde, die daselbst noch vor 300 Jahren ziemlich richtiges Deutsch sprachen.“ AehnlichGüdemannin seiner Geschichte S. 148, der diesen Umstand, dass die Juden die deutsche Sprache ohne Jargon gesprochen, daraus eruirt, weil in den gehässigen Liedern und Schriften der damaligen Zeit den Juden der Jargon nicht vorgeworfen wird. Dieses * nebenbei. Von S. 127—137 spricht der Verfasser über die sich im Schalohan Aruoh (nioht TpTO) befindenden Bestimmungen inbetreff der Stellung des jüdischen Lehrers, eharabterisirt dann den immensen Einfluss Baschi’s, den der Verfasser aber nicht mit dem schlüpfrigen Terenz vergleichen sollte, wenn dieser auch während des Mittelalters zum Schulbuch diente. M. S. Verantwortlicher Bedactenr Dr. Babmer, Magdeburg. Drnok von D. L. Wolffi Magdeburg. Verlag von Robert Friese Leipzig•

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.