Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 13 (1884)
- Issue
- No. 50. (11.12.1884)
- Date
- 1884-12-11
- Page
- Seite 198 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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d. h. »Iler ihrer Glaubensgenossen. — Noch grösser war die Gefahr bei dem gering»ten Angriffe, der gegen' den christlichen Glauben, winlioh oder scheinbar gerichtet *rar. Das Volk in seiner Unwissenheit betrachtete schon den Gottesdienst in den armen und niedrigen Synagogen mit misstrauischer Neugierde. Um so mehr musste ihm jede öffentliche Kundgebung wie eine bldtige Beleidigung erscheinen. Um die Zeit des Festes der Esther 'geschah es, dass die Volkaklassen der Jaden in der Erinnerung an den Triumph des Mordechai eine den Amalekiter ffnmnn, den unversöhnlichen Feind ihres Stammes, darstellende Marionette verbrannten. Hat man wohl dem Galgen die Form eines Kreuzes gegeben? Versuchte man eine Nachahmung der Hinrichtung Jesus? Dies wäre möglich im dritten und vierten Jahrhundert; für später ist es nicht wahrsoheinlieh. Allein das Volk musste solches denken, denn das Estherfest fallt zuweilen beim Herannahen der christlichen Ostern und fällt oft (?) mit dem Charfrei tag zusammen. So kam es auch, dass die Vergnügungen dieses Tages und andere Ereignisse dieser Art hänüg die Ursache von Collisionen und Metzeleien gewesen sind. Jjn 5. Jahrhundert verbreitete 8ic,h in Immerstar, in Syrien, das Gerächt, ein Christenkind . sei an diesem Tage gekreuzigt worden und ein blutiger Kampf bracbrzwischen den beiden Coniessionen aus. So viel war in Frankreich unter Philipp August gar nicht nöthig. Im Jahre 1191 wurde in der Stadt Bray ein Christ, der des Mordes an einem Juden überführt war, auf Befehl der Comtesse und ohne Zweifel auf den Wunsch der Verwandten des Ermordeten, am Purimtage aufgehängt. Der König kam sofort herbei; 80 Juden wurden verbrannt und der Best der Gemeinde fand den Tod in der Synagoge durch die Hand des Babbiners, um dem Abfall vom Glauben zu entrinnen. — In Navarra, bei Tudela, erzählte ein andermal ein junger Erleuchteter von 17 Jahren, der heilige Geist sei ihm in Gestalt einer Taube erschienen und habe ihm aufgetragen, das Commando der Streiter Christi zu übernehmen und in den heiligen Krieg gegen die Mauren zu führen. Die Menge versammelt 8ioh,־ hört mit Enthusiasmus den jungen Propheten und bewaffnet sich zu einem neuen Kreuzzuge. Ein Jade wagt es, den Wunderknaben aufzuziehen, alsbald müssen die Juden von Navarra über die Klinge springen, das Gemetzel verbreitet sich in ganz Navarra bis in den Süden Frankreichs. (Schlau* folgt.) Der ״offene Brief‘ an Herrn Professor Dr. Gildemeister von Herrn Rabbiner Dr. Goldsohmidt, dessen Schluss in No. 46 der ״Israe- Jitisohen Wochenschrift“ zum Abdruck gelangte, bedarf insofern einer Berichtigung, als in demselben eine Talmudstelle mir nicht ganz richtig wiedergegeben scheint. Der Sinn der Worte: (Schewuot 35b.) שונאי ישראל איכא שונא• אוזד׳ע ליכא ist nicht, wie der geschätzte Verfasser des betreffenden Artikels meint: ״Israel wird gehasst, hasst aber nicht“, sondern wie folgt: ״Sind nur Feinde aus Israel (dem'Nebncadnezar) vorhanden (gewesen), nicht aber Feinde aus den Welt- Völkern (auf die doch Daniel seinen Ausspruch beziehen durfte?“. Mit dieser Frage wird nämlich das Argument der vorhergehenden Behauptung gänzlich aufgehoben. Jenes war nämlich ein Argument a contrario. Durch die Frage: Sind nicht Nebukadnezar’s Feinde Israeliten, denen doch Daniel nicht fluchen würde, sollte bewiesen werden, dass die Apostrophe mit dem Worte מרי nicht Nebukadnezar, sondern Gott galt. Dieser Beweis fällt nun zusammen, wenn man erwägt, dass dooh ausser Israel noch viele andere Völker die Feinde des Nebukadnezar waren, da auf diese letzteren Daniel seinen Ausspruch gemünzt haben konnte. — Heilig ist der Tempel der Wahrheit, der uns reichen Sohutz gewährt; jede Anhöhe, jede Säule des Truges und des Scheines, die in seiner Nähe angebracht wird, entweihet ihn“. Isar C o h n - Leipzig. Vorstehende Entgegnung ging mir von der geehrten Bedaction im M8c, zur Einsicht za, so dass ich in der angenehmen Lage bin, mich sofort vortheidigen za' können. — Ich gestehe, dass ich die im Vorstehendsn registrirte Erklärung für die Stelle •שונאי ישראל וכן nicht für richtig anerkennen kann, und zwar aus folgenden Gründen: 1. Würde zu der Auffassung als Fragesatz nicht der Passus ות״ק סבר passen. Wer das סמק הלמוד kennt, wird nach סבר eine Assertion, nicht aber eine Interrogation erwarten. In diesem Falle würde der Talmud folgende Ausdrucksweise haben: ות״ק אמר לך u. dgl. Nach סבר würde es nach der proponirten Auffassung heissen müssen: .איכא שונא ישראל ואיכא נמי שונאי א״וד־״ע Ueberhaupt wäre das ,שונאי שרי איב ganz überflüssig. — Abgesehen davon, würde bei etwas so selbstverständlichem, wie, dass es auch ״heidnische Feinde Nebäkadnezar’s“ giebt, der Ausdruck סכר nicht angebracht sein, der immer der Ausdruck für eine individuelle, nicht ganz auf der Hand liegenden Ansicht ist.*) — Doch dies nur formell. Sachlich ist ja die im Vorstehenden angenommene Auslegung ganz unlogisch. Also weil es auch heidnische Feinde Nebukadnezar’s giebt, darum sollte eine allgemein gehaltene Verfluchung der Feinde dieses Königs nicht auch Israel einschliessen? — Ganz unerklärlich ist mir aber die Emphase, in die mein geehrter Herr Gegner zum Schlüsse und im ganzen Tone seiner Berichtigung geräth. Mein Gott, irren ist doch menschlich! Nur wo die bona fides beim Irrthum ausgeschlossen ist, kann doch wohl nur von einer ״Anhöhe und Säule des Scheines und des Truges* neben dem Tempel der Wahrheit“ die Bede sein. Ebenso ist ״eine Talmudstelle nicht richtig wieder•! gegeben“, doch ganz was anderes, wie: dieselbe f als oh; äuffassen. — Ich begehe wohl keine Indiscretion, wenn ioh aus dem der vorstehenden Berichtigung beigefügten Briefe folgende Stelle citire: ״Herr Dr. G. scheint zu glauben, es müsse unbedingt viel zur Ehm , unserer Stammesgenossen beitragen, wenn es von ihnen j heissen konnte, dass in ihren Adern kaltes Amphibienblut fliesse, und dass sie selbst Nebukadnezar, dem] Eroberer u. 8. w, nicht Hass, sondern Liebe oder Gleich• giltigkeit entgegengebracht haben. Doch dies ist aller• j dings Geschmacksache, über die sich nicht streiten] lässt.“ Nein, lieber Herr, das ist nichts weniger ab | Geschmacksache, darüber sagt uns der Talmud selbst j klar seine Meinung und zwar an der bekannten Stelle:] חוטאים לא נאמר אל חטאים. Wer will dem gegenüb*] behaupten, der Talmud verlange nicht, dass man nun das Böse, nicht aber die Bösen hasse? Wsnzj Israel ein ״Priestervolk“ sein sollte, welches die Heiden] im Monotheismus and im Zusammenhänge damit in! der Humanität unterrichten sollte, dann — darf! Israel nicht hassen. Ein Lehrer, der den Schüler! wegen seiner Mängel hasst, der hasst die Existenz־] bereohtigung seines Lehrerberufes. Aber — auch mB I ist ״der Tempel der *Wahrheit heilig.“ Ob es den j Stammesgenossen Ehre oder Unehre bringt, daranj denke ich nicht, wenn ich eine Talmudstelle cituhj Da handelt es sich nur um den Sinn, den die StoBä 1 enthält. — Ob ich oder mein verehrter Herr Gegn*| die Stelle richtig aufgefasst haben — ich wünscht», | *) Ferner würde es nach der mir entgegengea teilten An*kb I nichtheiaaen dürfen: שונאי ישראל, sondern ישראלים D'ttfg•] In ersterer Form ist ישלאר sicher Objekt und nicht Sabj**»|