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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1884-12-11 · No. 50. (11.12.1884) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
13 (1884)
Issue
No. 50. (11.12.1884)
Date
1884-12-11
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Littei+atur-Blatt. 7.nr BeUaehtiag Aller Jadeathaai aad Jede■ betreffend«■ llUerart8ehe1t Er•!ekdaaagea ■■f den Gebiete der Philo- •ophle, GMchlehte, Ethaegrmpble, Theotogle, OrieiUlla, Exegeae, Homiletik. LItarpik, PldagofU. Heraasgegeben ▼01» Rabbiner l)r. Moritz Rabiner. 3^-614^, 11. ®ecem-Get1884 ׳. Bieber der eUeehiipige■ l<!tt«ntar,wtlch• der BedacÜea sngeaaadt werde•» fl ■de■ 1■ dleeem Blatte «iagahwde Beagrwkaag* Bel Etaaeadaag re■ awet SaendHi‘ Kxenplarea erfolgt ■!■malige kan■ Gratie-Iaaerti•■. Das ״Jfdl&che Lltteratnr-Blfltt“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen Preis bei allen Baohhandlangen (in!Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Mark. 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Allein ist wohl anzunehmen, dass in diesem all- Sememen Hasse nicht auch die Juden!selbst ein Theil er Schuld trifft? Hat eine so andaueijnde Verfolgung [nicht nothwendig, wenigstens in einem gewissen Masze, [ihren Ursprung in den Fehlern derer, (die der Gegenlltand derselben sind? Finden wir ja!fast immer in Iden Fehlern der Völker die Ursachen! der Unglückskfttle, von denen sie betroffen werden.] — In dieser [Hinsicht ist nichts charakteristischer, als die Ideen, kdie bei den Juden herrschen. Indem sie zwar in dem!Laufe der Dinge eine Art von Schicksal, Glück,!Masel “, wie sie es nennen, znlassen, bleiben sib doch Btschiedene Anhänger der Freiheit deis Willens, und M gilt ihnen wie ein moralisches, politisches and relinöses Dogma, dass die Jndividnen, Familien und Nationen, im vollen Sinne des Wortes, nur d$8 SchickhabeD, das• sie verdienen. Alle ihre Schriftsteller, |?on denen der heiligen Schrift und des Talmud bis [® ihren Philosophen im Mittelalter, sind eins in der Berkennang dessen, was sie die Gerechtigkeit der Bttliohen Weltregierung nennen. Man wird zngeben müssen, dass die Idee einer Jistischen Weltordnung von dem weltlichen Ge- ' htspunkte der sozialen Interessen t.us betrachtet, Weht durchaus von Heil ist, und dass weder den Einnen, noch den Völkern von Nutzen! ein kann, sich von durchdringen zu lassen. Wir wurden, also kei- Beweis von Uebelwollen liefern und nicht den kläger ausspielen, wenn wir den israelitischen Denauf das Terrain folgen, auf das sie selbst sich feilt, indem wir untersuchen, in welchem Maasse die Verantwortlichkeit, die sie anerkennen, in Wirklichkeit ‘i den jüdischen Generationen der Verga ngenheit lastet. Daroh eine, wie wir sahen, ausnahmsweise einikenie Gesetzgebung von der christlichen Welt ■ennt, snohen die Jaden in möglichst ausgedehntem ihrer Situation za entrinnen. So z. B. suchen sie so viel als möglich der Verpflichtung za entgehen, ein Erkennungszeichen zu tragen, wie es für sie bestimmt war. Aber ein Fehler dieser Art compromittirt gewöhnlich nur seine Urheber; anders ist es, wenn der Ungehorsam ein finanzielles Gesetz betrifft Wir waren schon Zeugen, wie die Juden behandelt worden, wenn sie ihre legalen Interessen beanspruchten; um so mehr setzten sie sich den unglückseligsten Folgen aus, wenn sie die.feststehenden Grenzen überschritten nnd, wie übrigens auch die Christen, sich des Meineides schuldig machten. Da sind es nioht mehr die Schuldigen aUein, die betroffen werden;■ die Gelegenheit ist zu kostbar, als dass sie nicht an allen Schuldtragenden mit Eifer ausgenützt werden sollte and die ganze Gemeinde ist es, die unter diesen begriffen wird. Welche Unklugheit auch von den Jaden, nicht Rechnung za tragen den päpstlichen Ballen, die es verboten, auf heilige Gefäsge und jiriesterliohe Kleider Darlehen zn geben! In dieser' Zeit brutaler Leiden- - schäften aUer Art gaben nicht bloss einfache Priester and Pfarrer, sondern aach Aebte nnd Bischöfe allerlei Gegenstände des Caltus vom Eigenthum der Kirche ohne Skrupel als Pfand, oder verkauften sie gar. .Kerl der Grosse mit seinem hohen, gesunden Verstände nnd weitem Gerechtigkeitssinn zog nur die Kleriker znr 1Verantwortung für solchen Kirchenraubj der .ja nur auf ihrer Seite vorlag. Alexander IV., der Papst, der auf Wunsch des heiligen Ludwig in Frankreich die Inquisition einführte, glaubte richtiger I za handeln, wenn er die Strafe zwischen die Darlehensnehmer nnd . Geber vertheilte. Jene belegte er mit der. lExcommuni-. cation; für diese, die er tadelt ״von heiligen Gefassen einen so schändlichen Gebrauch zn machen, dass man erröthet, wenn man davon spricht nnd qioh schämt, wenn man davon hört“, erlässt er die Bestimmung, dass derartige Darlehen nicht als gütig) anzasehen sind, dass es jedem Christen gestattet sein polle, solche Pfänder ihnen za entreissen and dass sie nicht nur ihren Gewinnst einbüssen, sondern auch! mit ihren Reclamationen znr Wiedererlangung des Kapitals abgewiesen werden sollten. j . Weder die Priester, noch die Juden liessen sich von diesen Drohungen einschüchtern, aber nur an den naiven Darlehensgebern wurden sie verwirklicht. Plötzlich verbreitet sich das Gerücht oder es kommt von der Höhe des heiligen Stahles die Anklage, dass die Jaden, in der Heimlichkeit ihrer Wohnungen mit ihren Fraaen und Kindern entsetzlichen Kirohenraab betrieben. Der Schuldner kann nun kommen, sein Pfand abzaholen and die Gerechtigkeit findet gewöhnlieh ihren Absohlass in der Bestrafung der Sohnldigen sammt der bei ihnen vörausgesetzten Mitschuldigen,

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