Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Litteratur-Blatt · 1884-11-27 · No. 48. (27.11.1884) · p. Seite 192

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
13 (1884)
Issue
No. 48. (27.11.1884)
Date
1884-11-27
Page
Seite 192 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/6492408-6488249-8756157--0532-4855865
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

— 192 — Revision der Luther1 Scheu Uebersetsung des A. T. hätte men neeh Ansicht des Verfassers den hebr. Text consequentor eis ellein massgebend־ betrachten and Luther’s Verdeutschung genauer darnach berichtigen müssen; dann hätte man gewiss Acht viele Uebersetzangsfehler oorrigirt; man hätte each die alttest. Schriften anders ־'geordnet als Lather, d. h. man hätte sie, was dem Verständniss derselben gewiäs förderlicher gewesen wäre, rnhig an dem Orte gelassen, wo sie im hebr. Texte stehen, anstatt sie ganz willkürlich za classificiren. Schwalb tadelt ausserdem, dass die Revisoren das Tetragrammaton nach Luther’s Vorgang überall mit ״Herr“ übersetzt haben, während es anstreitig ״der Ewige" ,bedeute. Zunz, Herxheimer und andere jüdische Bibelübersetzer haben das Tetragrammaton gleich Schwalb übertragen and auch angesehene ältere Babbinen es in diesem Sinne aufgefasst. Wir erinnern hier an die interessante Erklärung des Baschbam zu 2 M. 3,15: צפ־ת דפנ׳ת והי״ף יכ׳, die, nach der Alfabetnorm At-Basch permutirt, heisst: ד,ןא קורא עצמו אהיה ואנו קורים אותו יהיה חי כמקום יוד כפו כי מה דעה לאדם• Was Baschbam vorher bemerkt, gemahnt an das, was Philo (De mut. nom.) sagt: Wie die Bänder ihren Vater nicht mit seinem eigentlichen Namen nennen; sondern ״Vater!“ — so darf es auch der Mensch seinem Gott gegenüber nicht. Auch wir erkennen in deii Tetragrammaton den eigentlichen, erhabensteu^Namen Gottes, der dessen Ewigkeit, Uhendlichkeit und Allliebe bezeichnet, einen Namen, dessen Inhalt zu denken und zu empfinden die ״alten Babbinen“ mit so heiliger Scheu durchdrang, dass er ihnen schon deshalb — ganz abgesehen von dem Verbot — als unaussprechlich erschien. Wenn also Schwalb bemerkt, Luther habe (bei der qu. Uebertragung des Tetragr.) die bei den Juden schon zur Zeit der griech. Bibelübersetzung herrschende Sitte befolgt; dooh sei es nicht wahrscheinlich,* dass die neuesten Bevisaren hierin aus Rücksicht auf alte Babbinen, auf abergläubische Semiten sich bestimmen Hessen: so finden wir dies jedenfalls eigenartig. Wer Sohwalb’s übrige veröffentlichte Vorträge kennt, wird zwar nicht zweifeln, dass er hier ״Babbinen, Semiten“ nur im Sinne der Revisoren Aberglauben zusohreibt, diesen an eine bestimmte Basse knüpft; nein, eine solche Beschränktheit ist einem Manne wie Schwalb nicht zuzutrauen; aber auch den Revisoren nicht. Wir betrachten jene Bemerkung Schwalb’s für einen hässlichen lapsus calami, der besser unterblieben wäre. Wissen doch die Herren Revisoren ebenso gut wie Herr Schwalb, in wie tiefem Aberglauben die ״Arier“ ohne ״Semiten“ heute noch stecken würden, ja, dass sie — die Herren Revisoren — ohne ״Semiten“ nichts weniger als Doctoren der christlichen Theologie wären. — Uebrigens sei hierneben der bekannten Thatsache gedacht, dass gefeierte ״arische“ Naturforscher den Namen ״Gott“ stets nur nach längerer Sammlung des Geistes und Gemüths und nur stehend aussprachen. Referent schämt sich des ״semitisch-abergläubischen“ Geständnisses nicht, dass ihn die Erinnerung an dieses ״arisch-abergläubische“ Verhalten immer mit besonderer Verehrung gegen diese Forscher erfüllt hat. — Wenn wir auch nicht Alles, was uns Schwalb’s ״Kritik“ bietet, für vollkommen einwandsfrei erklären können, 80 zweifeln wir doch nicht, dass diese Schrift, die fast * durchweg den Stempel des lichten Geistes ihres reiohlpegabten Verfassers trägt, auch jüdische Gelehrtenkrpise lebhaft anziehen wird. Brandenburg a. d. H Dr. Ph. Kroner.*) *) In vor. Hummer fehlte in der viertletaten Zeile der Ree. vor: ״ans“ der parenthetische Gedankenstrich. Varantwortlieher Bedactear Dr. Rahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wolff, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leip Sidon, Simon, Rabbiner in Tymau 0׳ שבט שמעון 2 Theile in 4* 142 und 186 S. Wien, Josef Schlesinger 1884. Der greise und gelehrte Verfasser hat bereits unter dem Titel אות ברית und בית מנוחה zwei grössere talmu• disch-rabbinisohe Abhandlungen veröffentlicht. Mit. der von uns angekündigten Publication seines שבט שמעון hat er der Halachah wie der Aggadah* gleich mässig Rechnung getragen und sich sowohl als tüchtigen Schüler des grossen B. Moses Sofer 8. A. ausgewiesen, wie als geschickten Darschan. Mit gutem Grande nennt er seine Abhandlungen in beiden Theilen 1אבי und בית משתה. Zwei grosse Themen und Materien bespricht der Autor bald in halachisoher bald in aggadischer Weise. Beide Theile sind werthvoll und bieten den Fachgenossen und Talmudkundigen viele fruchtbare Anregungen. Belangreicher und vielseitiger angelegt ist der erste, halachische Theil, der auf 186 Seiten sich des Näheren bald in Form von Besponsen und praktischen Gutachten bald in Form von theoretischen, populistischen Discussionen und Glossen zu den rituellen Bestimmungen über Trauergesetze, Leviratsehe, Scheidung durch Chalizah, über Beschneidüng, Form und Art der Eheschliessung ausspricht. Wir müssen es uns hier versagen, näher in das weitschichtige Detail einzugehen. Wir beschränken uns hier auf die allgemeine Bemerkung, dass fast jede halachische Kundgebung des Verfassers von Neuem beweist, wie gründlich er die talmudisch-rabbinische und Decisoren-Litteratur beherrscht. Er weiss sie sehr angemessen zur Lösung praktischer Fragen, welche die moderne Gestaltung der Verhältnisse im Gefolge hat, anzuwenden. Eine prinzipiell sehr wichtige Entscheidung betrifft z. B. folgenden Fall. Ein Wechselfälscher, von der Behörde unter genauer Angabe seines Signalements steckbrieflich verfolgt, hält sich einige Zeit in Belgrad versteckt. Die Polizei in B. fahndet in Folge des Steckbriefes nach ihm. Im Begriff ihn festznnehmen, vergiftet sich der Verbrecher. Das Signale• ment des Steokbriefes stimmt genau mit den an der Leiche wahrgenommenen Merkzeichen überein. De•- gleichen gleicht der Todte augenscheinlich der in 8einem Nachlasse Vorgefundenen Photographie. .Naoh 3 Monaten begiebt sich die Frau auf die Nachricht vom Tode ihres Mannes hin nach B., erkennt sofort die Photographie als die ihres Gatten. Auch einzelne Kleidungsstücke erkennt sie an bestimmten Zeichen als die ihres früheren Mannes wieder, obgleich sie die Gewänder mit denen er am Todestage bekleidet j war, nicht als die seinigen zu recognosciren vermag. Darf die Frau ohne Scrupel sich wieder verheirathen? Der Verfasser bejaht diese Frage. Er betrachtet dis I Photographie als סימן אמצעי. In Verbindung mit den bestimmten Merkzeichen an einzelnen Kleidern ge■ langt er zu seiner Entscheidung, die weitläufig nach , allen hier in Betracht kommenden Momenten seht geschickt motivirt wird. (Schluss folgt) Nur ein Kind aus Israel. Eine alttestamentlicl• י Erzählung für Jung und Alt von B. Mercato. Gotha, Perthsa ] 1884. Die ״kleine Dime“ im Hause Naömanns, des syrisch•• | Feldhauptmannes, die Tochter aus Israel (2. Köln. 5J, die d» j vom Aussatz Befallenen an den Propheten Elisa ־weist, ist di» ן Heldin des Stücks, welche dessen Sohn, ein tiefreligiöses Gv m&th, bekehrt und für sich gewinnt. Die Verfasserin hat ttf dieser einfachen und gehaltvollen Novelle sich nicht ohne Gift in die Reihe der Erzählerinnen eingeführt, welche mit Vorli# bedeutende biblische Stoffe durch ihr episches Talent dem fatBtt | stehenden Leser menschlich nahe rücken. 3t : 09־ Dieser Nummer liegt ein Prospect der Grote’scM• j Bnchhandlnng in Berlin bei. 9q

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.