Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 13 (1884)
- Issue
- No. 48. (27.11.1884)
- Date
- 1884-11-27
- Page
- Seite 190 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Jeraeohalmi, einer nur noch in Bruchstücken vorhandenen, spätestens im 7. Jahrhundert n. Chr., abgefassten, aber sich jedenfalls an viel ältere Traditionen anlehnenden chaldäiscben' Uebürsetzang der Bibel, welche jedoch mehr Paraphrase als wirkliche Uebersetrang ist, findet sich folgende Darstellung der That Oains: ״Kain sprach za seinem Brnder Abel: ״Komm!“ and sie gingen hinaas auf das Feld. Da hob Kain an and sprach za seinem Brader Abel: ״Es giebt weder ein Gencht and einen Bichter, noch ein künftiges Leben; der Fromme empfingt keinen Lohn, der Gottlose erleidet keine Strafe. Die Welt ist aach nicht darch göttliche Gilt» geschaffen, noch wird sie darch dieselbe geleitet Denn warum ward Dein Opfer wohlgefällig aufgenommen and das meinige nicht?“ Doch Abel anwortete and sprach za Kain: ״Es giebt י ein Gericht and einen Bichter; es ist ein Jenseits, and daselbst wird den Frommen and Bösen nach ihren Thaten vergolten. Aach ist die Welt darch Gottes Gnade geschaffen and wird durch dieselbe regiert. Aber nach ICaaeagabe der Thaten der Menschen wird ihnen vergolten. Weil meine Thaten besser sind als die Deinigen, wurde mein Opfer wohlgefällig aufgenommen und das Deinige nicht.“ So stritten sie beide auf dem Felde. Da machte sich Kain auf aber seinen Brader Abel and erschlag ihn.“ Finden wir hier nicht ganz dieselbe Gesinnung ausgesprochen, die Byron seinem Helden giebt? Ist es nicht in der Tbat interessant za sehen, wie schon in jenen alten Zeiten der Charakter Cains so anfgefasst wurde? Dass Byron diese Stelle gekannt habe, ist wohl nicht anzunehmen; andernfalls würde er wohl kein Hehl, daraas gemacht haben. Es wären noch einigaBemerknngen über unser Drama alsKunstwerk zu machen. Ich habe bereits oben gezeigt, wie die Handlang in unserem Stücke eine mangelhafte ist, and dies bei dem behandelten Stoffe füglich nicht anders sein kann. loh weiss nicht, ob es jemals versneht worden ist, den ״Cain“ auf die Bühne zu bringen; aber ich möchte behaupten, dass dieser Versuch misslangen sein muss. An dem Maassstabe der Wirksamkeit auf der Bühne gemessen, würde also unser unser Werk eine hohe Stellung nicht einnehmen. Was die Entwicklung der Charactere betrifft, so wird sich wohl das, was ich in den einleitenden Worten zur Darstellung derselben gesagt habe, im allgemeinen als richtig herausgestellt haben. Die hohe Bedeutung unseres Werkes liegt nach meiner Ansicht aach nur in der GT088artigkeit der in demselben aasgesprochenen Ideen und in der dichterischen Vollendung der Form, welche bei der äussersten Knappheit der Sprache den' erhabensten Schwung zeigt. Diese Vorzüge dürften wohl aach aas den wenigen gelegentlich von mir angeführten Proben ersichtlich geworden sein, wobei man freilich nicht ausser Acht lassen darf, wie schwierig die Ueberaetzung eines solchen Werkes ist and wie viel des Schönen daher auf diesem Wege verloren geht. Der ״Cain* hat bald nach seinem Erscheinen die verschiedensten Beartheilangen erfahren. In des Dichters Väterlande wurde das Werk nur von Wenigen richtig gewürdigt; seine Gegner fanden darin den erwünsohten Anlass, ihn als Feind der Beligion zu verschreien and ihn non völlig za verdammen. Byron ertrug diese Schmähungen mit Gleichmuth und fand es nur sonderbar, dass man an ihm tadle, was man an Milton lobe, dass er nämlich den Satan als solchen aaftxeten und sprechen lassen. Er wusste ja längst, was man in seinem Vaterlande von ihm dachte, und sagt daher in seinem Don Juan (XL Gesang, Strophe 54 und 55); JLch selber, der ee nimmer mir erfleht, Erxna.1T zu sein and frischer Schmetterling Gelt manchen Jahr — o glänzender Vergleich! — Für den Napoleon in der Dichter Beich. — Zorn Moskau wank so hör’ ich. mein Jaan, . Faliero nur zum Leipzig! — Waterloo ״Ward mir der Ca in!“ — ־*-־ ־־־***- Welche günstige Meinang Goethe von dem Stücke hatte, haben wir bereits oben angegeben; ,aber .er spricht im weiteren Verlaufe seines Aufsattes selbst die Ansicht aas;'' ״Wollte Lord Byron einen Cain schreiben, 80 musste er ihn 80 behandeln, sonst lieber gar nicht“. Aach führt er das Urtheil einer geistreichen, in Hochschätzung Byrons mit ihm verwandten Freundin an: alles was religiös und sittlich in der Welt gesagt werde könne, sei in den drei letzten Worten des Stückes (But with me!) enthalten. (Wir haben diese Worte nach der von uns benutzten Ueberaetzung mit ״Doch ich?“ Besser: ״Doch mit mir?“ gegeben.) — Joh Soherr lässt sich folgendennassen über uasere Dichtung aus: ״Cain ist das in sich geschlossenste and gerundetste Werk des Dichters and wir möohten Schelley nicht widersprechen, welcher es für das Grösste erklärte, was Byron gedichtet. Cain ist der zum Titanen potenzierte Manfred, ein ebenbürtiger Brader vou Hiob und Prometheus. Ein wahrhaft Aeschyleischer Odem geht darch das ganze Gedicht', and wenige Stellen in dem ״verlorenen Paradies“ and im ״Faust“ ausgenommen, hat die ganze moderne Poesie nichts 80 Kühnes and Erhabenes hervorgebraoht, wie Cain’s Flug mit Laoifer durch den unermesslichen Baum und das Gespräch der Beiden im Hades.“ — Ich habe diesen Ansprüchen der berufensten Beurtheiler über das Werk als Ganzes meinerseits nur noch den Wunsch hinzazafügen, dass es mir gelungen sein möge, ein getreues Bild desselben zu entwerfen. Die Jubelschrift zum 90. Geburtstag des Dr. Zunz. Die Ausgabe dieser am 10. August 1884 dem Jubilar überreichten Schrift hat — durch persönliche Verhältnisse verspätet — erst jetzt stattgefanden. Sie wird auf würdige Weise von dem Curatorium der Zunz-Stiftung mit folgender Ansprache eingeleitet: An Herrn Dr. L. Zunz: ״Dem Begründer der Wissenschaft des Judenthums vor einem halben Jahrhundert ist diese Jabelschrift als Ehrengabe zu seinem neunzigsten Geburtstage gewidmet. — Sie vereinigt eine Seihe von Arbeiten aus den verschiedenen Zweigen der Wissenschaft des Judenthums, sämmtlich zu Ehren des Tages, im Geiste des Meisters und im Anschlass an seine Forschungen verfasst: sie bringt' den Grass dankbarer Verehrung aus jeglichem Lande, wo die Wissenschaft des Judenthum’8 Pflege gefunden — Diese Festeegabe wird Ihnen, hochverehrter HeiT Jubilar, die Genngthunng gewähren, welche de« Lehrers höchster Lohn ist: Die Ueberzeugang, eine Schaar von Jüngern gefördert za haben; sie möge' mit der Zuversicht Sie erfüllen, dass das Werk, dem : Sie Ihre Lebensarbeit gewidmet haben, in ihrem: Geiste und Sinne von einer Generation der andere• 1 überliefert werden wird. — Indem das Curatorium der Zunz-Stiftung diese von ihm angeregte Jabel*: Schrift überreicht, erneuert es mit innigem Danke gegen Gott die Glückwünsche der Jabeltage vor zehn und vor zwanzig Jahren. — Möge Gott Ihrem ge׳ ־ segneten Alter weitere Jahre freudigen Lebens in leiblicher Gesundheit - and geistiger Kraft hinzufügen!“ Fast sollte man glauben, dass an dem Buhme de« Dr. Zunz sich das prophetische an unserem Stamm־ vater Jacob gerichtete Wort: ימרצת ימה וקדמה וצפנה ״ ונגבהDu sollst Dich ausbreiten nach Ost und Wes^ ■ nach Nord und Süd“ in Erfüllnng gegangen sei, wen»! man ans dieser Schrift ersieht, wie ausser, in Berlik^ auch in England and Frankreich, in Bassland wie M: Galizien, in Budapest and Wien, in Breslaa, in Frank iü mm