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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1884-11-27 · No. 48. (27.11.1884) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
13 (1884)
Issue
No. 48. (27.11.1884)
Date
1884-11-27
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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?■w^j«**.^*׳ ־ ־; . - ■^ Ty7 No. 48• Jüdisches Jahrg. X1IJL' Litteratur-Blatt. Zur Beleaehtaag aller Jadeatfaaai aatf /idei betreffende■ lltterarlaehea Kr• •eheiaaagea aaf den Ueblete der Phil•• sophle, Geechlehte, Etfcaegrapfcle, Theo• logle, Orieatalia, Kxegeee, HoaUletik, Litarglk, Pädagogik. Herausgegeben Ton Rabbiner Dr. Moritz Rahmer. 9Rac|3c6׳u^, 27. SrLov&'m&cz 1884. Bieber der elaechligigea Litteretar,welche der Kedaetloa aageaaadt werde■, fladea la diesem Blatte •lageheade Beeprecbaac* Bei. Klaseadaag voa awel Epeeaaiea■• Exemplar•■ erfolgt eiaaialige harse Q ra tls• läse rtio ■. Das ״Jüdische Litteratar-Blatt“ etscheint wöchentlich in einem halben Bogen Preis bei allen Rnchhandlnnyen (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Mark. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei allen Postanstalten and Bachhandlangen 8 Mark kostet) erhalten das ״Jüdische Litteratur-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit SS Pf. für die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 16 Mark, berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes za senden. Mt“ BuchhfLndler, welche direct oder durch Robert Friese in Leipzig Inserate einsenden, erhalten 25 % Rabatt. Wg Inhalt: WissenschaftlicheAuf Sätze: Byron’s .,C ain, ein Mysterium“ TT l. J TT_T\_ lf _ i x._נ r f_ /״ ןץ/ri.i י ו Vortrag des Herrn Dr. Mattersdorf in Die Jubelschrift znm 90. Geburtstag des Dr. Zunz. Litteraturberichte: Recensionen: Dr theol., Prediger an der St. Martini-Kirche zu Bremen, Kritik der revidierten Latherbibel. Sido in Tymau ם, שבט שמעול. Notiz. — Gleiwitz. (Schluss.) Moritz Schwalb, r , Simon, Rabbiner Nachdruck nur mit -voller Quellenangabe gestattet. Byron’s ״Cain, ein Mysterium“. Vortrag des Herrn Dr. Mattersdorf in Gleiwitz. (Schluss.) Werfen wir nun noch einen Blick auf die Com- Position des Drama’s, so muss uns zuvörderst die ausserordentliche Einfachheit der Handlung auffallen. Der Diohter hält sich streng au das in der Bibel Geebene und scheint gewissermassen einen Mangel an Erfindungsgabe zu bekunden; denn die ersten beiden Akte enthalten fast nichts als Reflexionen in dialogisoher Form und erst im letzten AktJ wo der Dichter ■ich auf dem sicheren Boden der Bibel bewegt and nicht aaf seine Phantasie allein angewiesen ist, entwickelt sich das Drama zur lebendigen Handlang. Dürfen wir ihm aber daraus einen Vorwurf machen? Müssen wir uns nicht fragen: wie hätte der Dichter, unter jenen höchst einfachen Lebensverhältnissen der ersten Menschen, die wenigen handelnden Personen in Situationen zu bringen vermocht, Welche, ohne die geschichtliche Genauigkeit und Treue des Gemäldes IU beeinträchtigen, dennoch unser Interesse in höherm Grade in Ansprach zn nehmen, unsere Aufmerksamkeit mehr zn fesseln geeignet gewesen wären? — Es Scheint mir das anmöglich. — So führt uns denn der Dichter in dem ersten Akt, der Exposition des 8tückes, auf den Wohuplatz der ersten Menschenkmilie, zeigt ans dieselbe nach dem Sündenfall and der Ausweisung ans dem Paradiese] glücklich und Rifrieden ihren leichten Arbeiten hingegeben, den ihr nahen, sich in seiner Gnade ihr täglich offenbarenden tm verehrend und preisend. Von diesem lichten tergrande hebt sich die Figur Cuin’s scharf conhastirend ab. Immer und immer wieder das Auge •of das verlorene Paradies richtend, flieht er den ge- ■eiligen Kreis der theuem Angehörigen, um sich in der Einsamkeit seinen düsteren Gedanken zn überlassen und die Eltern sowie Gott wegen seines trau- S;en Schicksals anzuklagen. So ergiebt er, der keiner hern Macht sich beugen will, sich!leicht dem ver-; fthrerisohen Geiste, weloher seiner flach Ruhe und | glück schmachtenden Seele die — wie er meint —; ■n diesen herrlichen Gütern führende höhere Erkenntniss zu verschaffen verheisst. Im zweiten Akt schürzt sich der Knoten. Der Fing durch den unendlichen Himmel8raum, der Anblick der zahllosen, unermesslieben Himmelskörper, das Verweilen im düstem Reiche der Schatten mit seinen melancholisch dahinwandelnden vorweltlichen Geschöpfen — diese von dem Lügengeiste verheissene höhere Erkenntniss ist nicht zum Balsam für das wunde Herz des Unglückliehen geworflen, hat ihm das schmerzende Gefühl seiner Kleinheit, seines Nichts nnr noch empfindlicher gemacht, und unglücklicher und trotziger, als er sie verlassen, kehrt er wieder zur Erde zurück. Mit er-, neuter und stärkerer Gewalt stürmen alle jene Gedanken, die ifln vorher bewegt, auf ihn -ein; nicht die sanfte Zusprache des heissgeliebten Weibes vermag die hochgehenaen Wogen der Seele zn beschwichtigen, und der liebliche Anblick seines schlammernden schuldlosen Kindes dient nur dazu, seine Wuth über das ihm und! allen kommenden Geschlechtern angethane vermeintliche Unrecht aufzustacheln. Man fühlt, dass es nnr eines geringfügigen Anlasses bedarf, seine Leidenschaft wie eine verheerende- Naturgewalt hervorhrechen zu lassen. So findet ihn der fromme Bruder, der ihn mit liebevoller Zudringlichkeit zum Opfern zwingt. Aber das ihm abgenöthigte Opfer, wird von dem׳ Herrn verworfen, und da der durch das Zeichen göttlicher Ungnade erschreckte und für das Wohl des; Bruders besorgte Abel ihn zn einem reumüthigen Gebete bewegen will, gewinnt der auf einen Augenblick mühsam zurückgedrängte Trotz aufs neue die;Oberhand über Cain, so dass er in blinder Raserei ] den durch Gottes Gnadenzeiohen eben geheiligten Altajr des Bruders Umstürzen will, in dessen Vertheidigung :dieser den Tod findet. Erst der Anblick des Entseelten und das schreckliche Bewusstsein, dass er selbst den von ihm so sehr gefürchteten Tod in die Welt gebraoht und den trefflichen Bruder demselben überantwortet hat, lässt Cains starres Hem schmelzen, und! was die Ruhe und der Frieden nicht vermocht, das ]bringt der höohste Seelensohmerz zu Stande — das stolze Gebäude seines Trotzes wird erschüttert, mit dem Bewusstsein seiner Sündhaftigkeit - tritt er den Weg in die unbekannte weite Welt an. Dies die tragische Lösung des leichtgeschürzte^ Knotens.! - Interessant!ist es, dass die Motivirung von Abels Ermordung, auf welche Byron als seine Erfindung offenbar hohen Werth legt — denn er führt in dem Vorwort zu unserem Drama an, dass keine von all den Dichtungen, die;ihm über diesen Gegenstand bekannt waren, ihm Vorgelegen — schon von den jüdiaohen Weisen der altea Zeiten gegeben wird. In dem Taxgum

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