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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1884-11-20 · No. 47. (20.11.1884) · p. Seite 187

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
13 (1884)
Issue
No. 47. (20.11.1884)
Date
1884-11-20
Page
Seite 187 (sequence 3)
Language
German
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Am wenigsten greift Zillah, die Gattin Abels,;in die Handlang ein; ihr Charakter ist mit keinem -eigeuthtunlichen Zage aasgestattet and darf daher :auoh unbesprochen bleiben.! Es lassen sich, nach dem über die einseinen Personen Angegebenen, deatlich zwei Gruppen von •Charakteren unterscheiden. Aaf [der einen Seite stehen Lacifer and Cain als die mit dem Be• stehenden Unzufriedenen, die Rebellen gegen die .göttliche Herrschaft — jener sich auflehnend aas Ehr- .geiz und Herrschsacht, dieser wegen des (nach seiner Meinung) ihm vorenthaltenen Erdenglücks. Aaf der .andern Seite finden wir Adam, Adah, Abel, .Zillah, die treuen Verehrer des Herrn, die in ihr :Schicksal sich Fügenden. In der!litte steht Eva. Von dem Bewusstsein ihrer Sündhai tigkeit stets be- ׳anrahigt, fühlt sie sich dem höchsten Willen unterworfen, vermag sich aber nicht za jener freudigen .Anerkennung der göttlichen Gnade zu erheben, von welcher ihr Gatte und ihre wohlgesinnten Kinder beseelt sind. Mit Cain theilt sie die ]Leidenschaftlich- Lkeit, mit ihren übrigen Anhängern das Streben nach -des Höchsten Wohlgefallen. Wir wenden uns nun zur Betrachtung des unserm Urama zu Grunde liegenden Gedankens. Der Dichter hat uns in Cain den ersten! Pessimisten gezeichnet. Nichts von allem, was da jexistirt, ist ihm .gut; insbesondere ist der Mensch, der sterbliche, der :zu niedriger Arbeit verdammte, welchem zudem die Fähigkeit, zu höchster Erken nt uiss vorzudringen, ver- -sagt ist, ein höchst unvollkommenes, unglückliches *Wesen. Demnach ist auch Gott nicht der Allgütige, •der die Welt nur um der Geschöpfe Willen geschaffen J1at. Dass eine solche Gesinnung nothwendig zur Sünde führen, zu jeder rifohlosen That :fähig machen muss, das ist es, was ich als den *Grundgedanken unserer Dichtung ausehe. Ich finde -denselben auch in dem I. B. Mos. Cup. 4 Vers 7, in ■den Worten ausgesprochen, die der Herr vor dessen -■sündhafter That an Cain richtet. Dieser Vers ist — behaupten wage, *wie ich, vielleicht zu anmassend, zu ־von keinem der Erklärer und Uebersetzer richtig aufgefasst und wiedergegeben worden. Ich übersetze wie folgt: ״Wenn Du die rechte Gesinnung ihast“ (d. h. wenn du in der Well das Werk der Allgüte siehst,) ,,so ist Erhebung“, (nämlich zur ,sittlichen Vollkommenheit;) ״wenn Du nicht die rechte Gesinnung hast, so liegi an der Thür .die Sünde־‘ (so verfällst Du ihr leicht.) Aus der Dichtuug ergiebt sich mir ferner der ‘•Gedanke, dass, da es dem Menschen nicht möglich :ist, sich zu sicherer transscendenter Erkenntniss em-;porzuringen, derjenige auf falschem Wege sei, der [•das Streben nach solcher als die allein des Menschen : würdige Aufgabe betrachte. Müssen wir aber darum [die Frucht vom Baume der Erkenntniss als eine werth- ’ lose ansehen? Gewiss nicht, der Geint des Menschen [•bleibt trotzdem Geist vom Geiste Gottes, und es ist {ihm ein weites Gebiet für seine Thitigkeit eröffnet, ]wenn er es als seine Aufgabe erkenn;, die Gedanken («nd Absichten Gottes bei seiner Schöpfung und! Veitregierung zu ergründen, wie sich dieselben in der '■ (Natur und in der Geschichte offenbaren. Es ist eine Menschengeistes würdige und dfnselben adelnde [ Arbeit, die heiligen Gesetz« der Natur zu erforschen I and den wunderbaren Gang des We tenleiters durch jdie Geschichte zu verfolgen — eine Thätigkeit, die ans über alle Noth und Mühsal des Erdenlebens zu j ־«Theben und hohe Befriedigung za gewähren vermag. 1 Ver die hohe Capazität des Menschen ״eistes verkennt, »■Wer die Bedeutung der von dem gütigen Schöpfer Erdensohne verliehenen Gaben leugnet: dessen I Blick muss durch irgend welche Umstände geftrftbt sein; der kann unmöglich sich all* das Grosse and Herrliche vergegenwärtigt haben, das im Laiffe dar Jahrhunderte in Kunst and Wissenschaft geschafft* und auf dem Gebiete des praktischen Wirkens' erreicht worden ist. Und es dürfte nicht schwer sein nachzuweisen, wie in dem Leben Byrons and aller derer, welche nach ihm zu jener Philosophie der Verzweiflang übergegangen sind, sich solche das gesahde Urtheil trübende Einflüsse geltend gemacht' haben. Ja, Byron selbst hätte zu einer ändern Ueberzeagang gelangen müssen, wenn er mit unbefangenem Blich sein Leben geprüft hätte, das ja‘ 80 schöne Erfolge aufzuweisen hatte und das er endlich dem Ideal der Wiederaufrichtung Griechenlands, der Wiedererweckung hellenischen Geistes and hellenischer Gesittnng zum Opfer brachte. — Es schien mir nicht überflüssig, das hier auszusprechen, wenn ich es mir auoh versagen muss, aus dem Leben des Dichters nachzu weisen, welche Faktoren ihn za seiner pessimistischen Auffassung der menschlichen Verhältnisse geführt haben. _ (Schloss folgt). Litteraturberieht, R©censionen. Moritz Schwalb, Dr. theol., Prediger an der St. Martini-Kirche za Bremen, Kritik der revidierten Lutherbibel. Berlin 1884. Walther & Apolaut. Das Schriftchen bietet dem Leser einen, vom Verfasser vor der Bremer Kirchenvertretuug erstatteten uud von derselben sehr beifällig aufgenommenen Bericht über die revidierte Lutherbibel, sogenannte Probebibel. Diese ist im Aufträge der Vertreter sämmtlicher deutscher Kircbenregierungen herausgegeben; sie ist die Frucht einer langen und sehr mannigfachen! Arbeit; vier Jahre haben elf namhafte Theologen anl der Revision׳ des N. T., zehn Jahre siebzehn, zam Theil sehr namhafte Theologen an der des A T; gearbeitet. Schliesslich, im Jahre 1883, haben die Revisoren das Gesammtergebniss ihrer Bemühungen — eben die mehrgedachte Bibelübersetzung — zam Lutherfest veröffentlicht und al^en Sachkundigen un<k für den Gegenstand sich Interessirenden zur Präfang und Beurtheilung vorgelegt. Nan, unser Interesse für den Gegenstand versteht sich wohl von selbst^ und unsere Sachkunde auch bezüglich des N. T. reicht* wie wir ohne Ueberhebung sagen dürfen, etwas weiter als die von verschiedenen Seiten charakterisirte und nunmehr sattsam bekannte Sachkunde gewisser Gymnasial- und Universitätsprofessoren, sowie gewisser polnischer und russischer Soldtäuf linge bezüglich dea alttestamentlichen, talmudischen and nachtalmadischen Schriftthums, das sie nichtsdestoweniger za beurtheileu wagen. Diese Herren und der ganze Tross der Nachbeter dieser Nachtreter eines Eisenmenger und anderer literarischer Koprophören werden also wohl nicht die Kühnheit haben, ans die Berechtigung zur Reoeasion der Schwalb’schen Schrift bezw. zur Beurtheilung mancher Stellen der Probebibel abznspreohenj 'wirkliehe und darum auch vorartheilsfreie Forscher hingegen werden unsere Ansichtsäasserungen gewiss nicht ungern sehen, namentlich schon deshalb nicht, weil sie wohl wissen, dass zum vollen Verständnis»־ des N.T. entschieden auch Talmudkenntniss erforderlich ist. Wir werden in uusem demnäohstigea Colleot. hierfür hoohbedeutsame, vollgültige Zeugnisse von.

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