Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 13 (1884)
- Issue
- No. 47. (20.11.1884)
- Date
- 1884-11-20
- Page
- Seite 186 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- Eutin 1× ep/1044530
- Isaiah 1× ep/1005097
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ich weiss, dass mein Erlöser lebt; und als der letste wird er über, dem Staube sieh erbeben“. Vers26 nach Luther: ״Und werde darnach mit dieser meiner Haut umgeben werden, und werde in meinem fleische Gott sehen". In der Probebibel lautet die Stelle: ״Und nachdem diese meine Haut ■erschlagen ist, werde ich ohne mein Fleisch Gott sehen“. Von besonderem Interesse ist die Uebersetzang Luthers von 2. Buch Sam. 7,18 19 und die Parallelstelle 1. Chron. 17,16 17. . In beiden Stellen sprioht David demathsvoll von dem Gaten, das ihm. Gott gethan und für die Zukunft verheissen hat. Die richtige Uebersetzang dürfte wie folgt lauten: ״Was bin ich, o Herr Gott? and was ist mein Haas, dass Da mich gebracht hast bis hierher? Ja, es erschien solches auch noch zu wenig in Deinen Augen, o Herr, Gott, und Du hast für das Haas Deines Knechtes auch Verheissung ertheilt für die späte Zaknnft! תאת ת1רת האדם דד אלהים Und das sei die Bangordnung für einen gewöhnlichen Menschen, o Herr Gott!*) Die Parallelstelle 1B. Chronik 17 lautet am Schlüsse: י ♦ וראיחני כתור האדם הנמלה דד אלהים und ersähest mich, als nähme ich den Bang eines höheren Menschen ein, o Herr Gott!1 Luther gab mit grosser Kühnheit die Worte 1.אלדה TT als Apposition za אדם, obgleich der Text, Septuaginta und Vulgata dieselben richtig als Aasraf auflassen, und übersetzt ersteren Schlusssatz: ״Dies ist die Weise eines Menschen, der Gott der' Herr ist;“ und den letzteren: ״und Da hast angesehen mich, als in der Gestalt eines Menschen, der in der Höhe Gott der Herr ist•*. Die englische Bibel hat in beiden Stellen die Schlussworte mit 'o Lord God“ richtig wiedergegeben; ebenso die nach dem Grand texte gefertigte Ueber- Setzung Leanders van Ess, Salzbach 1856. In drei mir vorliegenden, theilweise berichtigten Lutherbibeln: ״Karlsruhe und Leipzig 1836, Stuttgart 1840, Bielefeld 1867“ ist die falsche Uebersetzang Luthers übergegangen und verbreitet worden. In der revidierten Probebibel sind nun beide Stellen abgeändert und lauten: ....״und das nach Menschen weise, Herr, Herr! . ״und Du hast mich angesehen nach Menschen weise, der Du in der Höhe Gott der Herr bist. Die übrigen Veränderungen, wie z. B. dass in Jesaja 34,15 der Eier legende Igel vom Neste entfernt und eine brütende Natter darauf gesetzt worden ist, sind für uns wieder wichtig. Da Mar. Luther in einem Briefe an Wenceslaus Link**) die hebräische Sprache mit der-lieb- 1 ■ ן' - I **) Anmerkung. 8. Programm des Gymnasiums zu Eutin von Dr. Henssner 8. 8. **) Zunz übersetzt den Schluasvers: . . . ״und das ist der ganze Anspruch des Menschen“. (Soll wahrscheinlich heissen: ,An ss pro oh“, wie es das in Fürth erschienene T7n, das Zanz sonst folgt, wieaergiebt). Den Schluasvers im 1. B.Chr. übersetzt Znnz: ״nna Du hast mich ersehen, als sei ich eia Mensch mit Vorzügen••. (Cfr. Steins ״Volkslehrer“ 185», 8. 203). liehen Melodei einer Nachtigall and die deutsch» mit dem Kuckaksrafe vergleicht, and da er ferner in Folge seines Studiums des Hebräischen in seinen Tischreden behauptete: ״Die Hebräer trinken aus der Bornqaelie, die Griechen aus dem Wässerlein, so aas der Quelle fiiessen, die Lateinischen ans den Pfützen;“ 80 würde die Bevisions-Commission sicher nicht die Pietät gegen Lather verletzen, wenn sie in der Schlussrevision die gerügten, und ihr ohne Zweifel bekannten Irrthümer Luthers nach dem Wortlaut oder Sinn der hebräischen Sprache berichtigte. Uns Israeliten, die wir das Wort Gottes jahrtausende treu gewahrt und gepflegt haben, kann es nnr erwünscht sein, dass dasselbe dem deutschen Volke aus der reinen ״Bornquelle“ übermittelt werde. Byron’s ״Cain, ein Mysterium“. Vortrag des Herrn Dr. Mattersdorf in Glaiwilz. (Fortsetzung.) 5. Eva. Der Charakter Eva’s ist, obgleich sie etwas mehr in die Aktion eiutritt als Adam, fast noch weniger im Detail aasgeführt. Wir sehen sie nur au dem Leichnam ihres Sohnes, und dieses ist ihr Lieblingskind. Von qualvoller Beue gepeinigt wegen der von ihr begangenen Sünde and deren traurigen Folgen, wendet sich ihr Herz von Cain ab, in dem ihr das Bild ihres eigenen frevelhaften Trachtens entgegentritt, and ihre ganze Liebe conoentrirt sich auf Abel, in welchem ,sie ihr einstiges eigenes besseres Selbst und das Ebenbild ihres gottergebenen Gemahls za erblicken glaabt. In ihrem wilden Schmerze findet sie, dass di» in dem Tode Abels über sie verhängte Strafe das Mass ihrer Schuld bei weitem übersteige. Ihre ganze Wath richtet sich aber gegen den unglückseligen Mörder ihres Lieblings, und jede Spar mütterlicher Zärtlichkeit gegen denselben wird von der Wacht ihres tiefen Wehes erdrückt. Die gewaltige Leidenschaft des in seinen theuersten Gefühlen verwendeten Weibes und der ihres geliebten Sohnes beraubten Mutter tobt sich in einem grässlichen Fluche über den niedergeschmetterten Vollbringer der morderischen That aus. So steht Eva in einem bemerkenswerthen Gegensätze zu Adam. Sein hoher Gereohtigkeitssinn, seine Milde geht ihr ab; nicht wie dieser urüfasst sie alle ihre Kinder mit gleicher Liebe; trotz schwerer Schicksalsschläge glimmt noch genug von dem Feuer der Leidenschaft iu ihr, welches sie einst n8ch der verbotenen Frucht greifen liesa. Dies lässt sich wohl nicht verkennen, wenn wir auch ihr heftige* Auftreten zum grössten Theil dem gerechten Gefühl ihres tiefen Leides zaschreiben müssen. 6. Abel. Den Abel hat der Dichter im ganzen so gezeichnet, wie wir ihn uns nach den Angaben der heiligen Schrift vorstellen müssen. Mit dem Vater theilt er den frommen Glauben an die Güte Gottes, der selbst den Sünder mit väterlicher Milde straft. Aber der Dichter hat ihm nqch als einen besondern Cha* rakterzng einen hohen Grad von Beharrlichkeit und Festigkeit gegeben, das, was er als recht und gut erkannt^ durch/.usetzen und sich durch keinen Wideretand einschüchteni zu lassen. So sehen wir ihn dea Bruder, der ihn mit liebreichen Worten bittet, ihm das Opfer zu erlassen, dazu nöthigen, 80 opfert er sein Leben in der Verteidigung des durch Gotte» Wohlgefallen geheiligten Altars. Er zeigt sich also, nicht bloss als der Abel, von dem der Engel sagt!■' J ״Abel war so sanft wie seine Herden."